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Entwicklung und Wesen des Atomzeitalters

  • Max Born
Part of the Facetten der Physik book series (FDP)

Zusammenfassung

Der Herr Landesbischof D. Lilje hat mir die große Ehre erwiesen, mich einzuladen, zu Ihnen über das Atomzeitalter zu sprechen, seine Entwick= lung und sein Wesen. Damit ist, wie ich glaube, nicht gemeint, daß ich Ihnen einen Vortrag über die physikalischen Entdeckungen und deren tech= nische Anwendungen halten soll, sondern daß ich den Versuch machen soll, die Entwicklung und Auswirkung dieser Entdeckungen im Rahmen der menschlichen Geschichte darzustellen. Ein Naturforscher aber hat wenig Zeit für geschichtliche Studien. Andererseits habe ich in meinem Leben von über 70 Jahren einen Ausschnitt der modernen Geschichte mitgemacht und über sie nachgedacht. Auch habe ich allerlei Bücher gelesen oder wenigstens durchflogen, die mir bei diesem Unternehmen helfen können. So erinnere ich mich aus meiner Jugend an Spenglers „Untergang des Abendlandes“. Ich habe auch etwas in Arnold Toynbees Riesenwerk gestöbert und einige Punkte mit ihm selbst diskutiert, als wir einmal in Edinburgh zusammen. trafen. Ich nenne diese beiden Namen zusammen, weil sie den Standpunkt vertreten, daß es in der menschlichen Geschichte Regelmäßigkeiten, Gesetz. mäßigkeiten gibt, die man durch vergleichendes Studium verschiedener Völkergruppen und Zivilisationen herausfinden kann. Auf der andern Seite beruht das, was ich von der europäischen Geschichte weiß, im wesentlichen auf der Lektüre von H. A. L. Fishers „European History”, einem Buch von wunderbarer Knappheit und Eindringlichkeit. Fisher aber sagt in seiner Einleitung: „E i n e intellektuelle Befriedigung ist mir versagt. Männer, die klüger und gelehrter sind als ich, haben in der Geschichte ein Thema, einen Rhythmus, eine vorbestimmte Ordnung entdeckt. Diese Harmonien haben sich mir nicht enthüllt. Ich sehe nur, daß eine Bedrängnis der andern folgt, wie Welle auf Welle heranrollt; ich sehe nur einen gewaltigen Tatbestand, auf den man keine allgemeinen Schlüsse gründen kann, weil er einmalig ist. Ich finde nur eine verläßliche Regel für den Geschichtsschreiber: Daß er im Ablauf der menschlichen Geschichte das Spiel des Zufalls und des Unvorhersehbaren sehen soll. Das ist keine zynische Lehre, kein Ausdruck der Verzweiflung. Die Tatsache des Fortschritts ist klar und groß einge= schrieben auf die Seiten der Geschichte; aber Fortschritt ist kein Natur=gesetz. Der Boden, den eine Generation gewonnen hat, mag von der näch. sten verloren werden; die Gedanken der Menschen mögen sich in Bahnen bewegen, die zu Unheil und Barbarei führen.“

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Copyright information

© Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig 1983

Authors and Affiliations

  • Max Born
    • 1
  1. 1.Bad PyrmontDeutschland

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