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Wahrheitssuche

  • Ulrich Charpa

Zusammenfassung

Das Gegenmodell zu instrumentalistischen Auffassungen ergibt sich bereits aus der im Zitat Rabbi Levis Ben Gerson (1288–1344) mitgeteilten aristotelischen Unterscheidung zwischen theoretischen und praktischen Bemühungen. Es dokumentiert sich eindrucksvoll beispielsweise in dem maßgeblich durch Ibn Ruschd, Levi Ben Gerson und ihre Anhänger bestimmten Umgang mit der Schwierigkeit, das anerkannte astronomische System des Ptolemaios mit der Physik des Aristoteles in Einklang zu bringen, um auf diese Weise zu einer wahren Interpretation der Welt vorzustoßen 414 Entsprechend der Problemlage der damaligen Astronomie verband sich „die Sehnsucht nach Theorie“ nicht mit dem Gefühl des Erfolgs, sondern war das Motiv von Anstrengungen mit ungewissen Aussichten. Die Suche nach einer besser an die Daten und die Physik angepaßten Himmelsmechanik hatte trotz vielfältiger Anstrengungen — von Rabbi Levi stammt die erste Beschreibung des Jakobstabes zur Messung von Winkeldistanzen — nicht zu den erhofften Ergebnissen geführt, und erst zwei Jahrhunderte später war mit der Weiterentwicklung des Kopernikanischen Modells jene Alternative verfügbar, die — wenngleich unter anderen philosophischen Vorzeichen — mehr Erfolg versprach. Das Intermezzo bildet der sog. pragmatische Kompromiß, dem möglicherweise auch Osianders berühmtes und für gewöhnlich als instrumentalistisches Manifest interpretiertes Vorwort zu De revolutionibus zuzurechnen ist.415 Inhaltlich geht es um eine Art resignierendes Abfinden mit dem Übelstand, daß den Exzentern und Epzyklen des Ptolemaios nicht recht getraut wurde, aber eine bessere Konzeption nicht in Sicht war — und bekanntlich hat Copernicus selbst seinen Ansichten nicht durch überlegene Prognostik den Vorrang sichern können.

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Literature

  1. 413.
    Levi Ben Gerschom, Sefer Milchamot haschem [Buch der Kämpfe des Namens, sc. Adonai, d.h. Gottes], 6a, zit. Freudenthal, G., „Rabbi Lewi ben Gerschom (Gersonides) und die Bedingungen wissenschaftlichen Fortschritts im Mittelalter“, Arch. Gesch. Philosophie 74/1992, S. 158–79, S. 164f.Google Scholar
  2. 414.
    Vgl. bes. Sabra, A. I., „The Andalusian Revolt Against Astronomy“, Transformation and Tradition in the Sciences, hg. v. E. Mendelsohn, Cambridge 1984, S. 133–53; zur Korrektur des von Averroes bis Duhem gezeichneten Bild des,Instrumentalisten’ Ptolemaios s. Lloyd, Methods, 1991, Kap. 11.Google Scholar
  3. 415.
    Zu den Vertretern des,pragmatischen Kompromisses’ und ihren Gegnern s. Jardine, N., „The Forging of Modern Realism: Clavius and Kepler against the Sceptics“, Stud. Hist. Phil. Sci. 10/1979, S. 141–73.Google Scholar
  4. 416.
    Atalanta fugiens, hoc est, Emblemata nova de Secretis Naturae Chymica Oppenheim 1617, S. 177.Google Scholar
  5. 417.
    Zu Kepler unter dem hier interessierenden Gesichtspunkt Jardine, „Forging“, u. Krafft, F., „Physikalische Realität oder mathematische Hypothese”, Phil. Nat. 14/1973, S. 244–75.Google Scholar
  6. 418.
    Neuediert und kommentiert in Jardine, Birth. Google Scholar
  7. 419.
    Er folgt vermutlich dem Tübinger Logiker Jacob Schegk (1511–87), der im Zusammenhang mit dem Hypothesenbegriff auch den später von Popper (s.u.) wieder in Umlauf gebrachten der Verisimilitudo heranzieht. Zu dessen Auffassungen s. Risse, W., Logik der Neuzeit, Bd. 1, S. 256ff.Google Scholar
  8. 420.
    Apologia, S. 92f.Google Scholar
  9. 421.
    Vgl. die Einleitung zur Astronomia nova, Kepler, J., GesammelteWerke, hg. v. W. v. Dyck u.a., München 1938–75, Bd. 3, S. 151.Google Scholar
  10. 422.
    De dignitate et augmentis scientiarum, II, 4.Google Scholar
  11. 423.
  12. 424.
    Vgl. das Vorwort zur englischen Ausgabe der Logik der Forschung, London 1959.Google Scholar
  13. 425.
    Zu dieser Gedankenfigur s. unter Berufung auf Helmholtz Hacking, I., Representing, 52f. Genauer zu Helmholtz’ Umgang mit der „realistischen Hypothese“ s. König, G., „Der Wissenschaftsbegriff bei Helmholtz und Mach”, in: Beiträge zur Entwicklung der Wissenschaftstheorie im 19. Jahrhundert, hg. v. A. Diemer, Meisenheim 1968, S. 90–114, bes. S. 97ff.Google Scholar
  14. 426.
    Vgl. Hon, G., „On Kepler’s Awareness of the Problem of Experimental Error“, Ann. Sci. 44/1987, S.545–91.Google Scholar
  15. 427.
    Das aus dem Umstand des Scheiterns hergeleitete Argument für den Realismus (Vgl. Vollmer, „Instrumentalismus“, S. 138f., ist nicht unbedingt eine Variante des alten Abgrenzungskriteriums der Falsifizierbarkeit.Vielmehr kann Falschheit als Erklärungsgrund für das Scheitern benutzt werden, wie es mit Wahrheit im Erfolgsfall möglich ist (s.u.).Google Scholar
  16. 428.
    Vgl. die Scientia-mensura-These in Science,Action, and Reality, Dordrecht 1985, Kap. 7 et passim.Google Scholar
  17. 429.
    Three Kinds of Scientific Realism“, Phil. Quarterly, 32/1982, S. 195–200, S. 198 ff.; s. u.a. auch ders., Meaning and the Moral sciences, London 1978.Google Scholar
  18. 430.
    S. dazu oben 2.1.Google Scholar
  19. 431.
    Vgl. Cummings, S., Mark Twain and Science, Baton Rouge 1988, Kap. 4.Google Scholar
  20. 432.
    Zu diesem besonders durch R. Riedl, G. Vollmer u.a angeregten Kontroversthema s. etwa Die evolutionäre Erkenntnistheorie, hg. v. R. Riedl u. F.M. Wuketits, Berlin 1987 u. Engels, E. M., Evolution als Anpassung? Frankfurt 1989, s.a. unten 3.7 (zu Poppers Evolutionismus).Google Scholar
  21. 433.
    Bd. 9 (1878), s.v.Google Scholar
  22. 434.
    Vgl. die Strategie von Rorty, R., Der Spiegel der Natur - Eine Kritik der Philosophie, (amerik. 1979) Frankfurt 1981, S. 317ff.Google Scholar
  23. 435.
    Umfassend diskutiert bei Stegmüller, W., Probleme und Resultate der Wissenschaftstheorie und Analytischen Philosophie, Bd. II, 1, Berlin 1970; s.a. unten 1.4.Google Scholar
  24. 436.
    Vgl. H. Feigls frühen Hinweis auf das,surplus meaning’ („Existential Hypotheses”, Phil. Sci. 17/1950, S. 35–62).Google Scholar
  25. 437.
    Dargestellt im Aufsatz „Physik und Realität“ (1936), abgedr. in: ders. Aus meinen späten Jahren, 2. Aufl. 1953, ND Berlin 1990, S. 63–106; im obigen Problemzusammenhang kommentiert v. Kanitscheider, B., „Einsteins Behandlung theoretischer Größen”, in: Albert Einstein - Sein Einfluß auf Physik, Philosophie und Politik, hg. v. P.C. Aichelburg u. R. Sexl, Braunschweig 1979, S. 141–64.Google Scholar
  26. 438.
    Der Einfachheitsgedanke leitete ihn bei der vergeblichen Suche nach der einheitlichen Feldtheorie. Vgl. skeptisch Pais, A., „Raffiniert ist der Herrgott“… Albert Einstein, Braunschweig 1986, S. 475.Google Scholar
  27. 439.
    Hinweis von Maxwell, G., „The Ontological Status of Theoretical Entities“, in: Minnesota Stud. Phil. Sci. Bd. 3/1962, S. 3–27, S. 9.Google Scholar
  28. 440.
    Vgl. Hesse, M. B., The Structure of Scientific Inference, London 1974, S. 259 ff.Google Scholar
  29. 441.
    Vgl. oben 2.5.Google Scholar
  30. 442.
    Hinweise auf diverse Schwierigkeiten geben Sneed, „Structuralism, bes. S. 356 ff., Diederich, „Realität“.Google Scholar
  31. 443.
    Vgl. oben 2.4.Google Scholar
  32. 444.
    A Confutation of Convergent Realism“, Phil. Sci. 48/1981, S. 19–49, S. 33.Google Scholar
  33. 445.
    So Mc Allister, J. W., „Scientific Realism and the Criteria for Theory-Choice“, Erkenntnis 38/1993, S. 203–22.Google Scholar
  34. 446.
    S. bes. Philosophical Papers, Bd. 2, Cambridge 1975, S. 272ff.Google Scholar
  35. 447.
    Den Hintergrund der ersten beiden bilden Überlegungen von Moulines, C. U., „Über die semantische Explikation und Begründung des wissenschaftlichen Realismus“, Dialektik 1/1991, S. 163–78, S. 173ffGoogle Scholar
  36. 448.
    Rank, L. Ph., Etymologiseering en verwante verschijnselen bij Homerus, Assen 1951, S. 74 ff.Google Scholar
  37. 449.
    Moulines, „Explikation“, S. 173.Google Scholar
  38. 450.
    van der Waerden, Astronomie, S. 24.Google Scholar
  39. 452.
    „Truth, Rationaliy and the Growth of Scientific Progress“, in: ders., Conjectures and Refutations, 4. Aufl. London 1972, S. 215–50, S. 238ff.Google Scholar
  40. 453.
    Opera Omnia, Series III, Bd. 1, S. 16ff. zit. und im Blick auf die damalige Problemsituation ausführlich kommentiert bei Pulte, Prinzip, S. 110ff.Google Scholar
  41. 45.
    Der Ansatz vergröbert die Unterscheidung der ersten beiden Konstituenten der von Buchdahl im Anschluß an Kant vorgeschlagenen Triade (Metaphysik der Natur - regulative Prinzipien - empirische Momente). Vgl. etwa Buchdahl, G., „Das Problem des Wissenschaftsrealismus in Kantischer Sicht“, in: Tradition und Innovation, hg. v. W. Kluxen, Hamburg 1988, S. 110–34. Die nachstehende,vor-kritische` Darstellung entspricht dem Problemstand der - üblicherweise nicht-bzw. prä-transzendental argumentierenden Forscher-Philosophen, wie z.B. Euler und den im weiteren angeführten Einstein und Schleiden, nicht zu reden von Ventris.Google Scholar
  42. 455.
    Zu den Begründungsverhältnissen von Forschungsmetaphysik s. als in diesem Punkt herausragenden Versuch denjenigen Fries’, die mathematischen Konstruktionen der Materie von apriorischen Prinzipien des Raumes, der Zeit, der Bewegung usw. abzuleiten. Vgl. Fries, System, § 49, S. 265f.; s.a. Apelt, E. F., Metaphysik, Leipzig 1857.Google Scholar
  43. 456.
    Einstein, A., „Bemerkungen zu den in diesem Bande vereinigten Arbeiten“, in: Albert Einstein als Philosoph und Naturforscher, hg. v. P.A. Schilpp, Stuttgart 1956, ND Wiesbaden 1979, S. 499.Google Scholar
  44. 457.
    Abweichend Fine, A., The Shaky Game - Einstein, Realism, and the Quantum Theory, Chicago 1986.Google Scholar
  45. 458.
    Einstein, A., u. Infeld, L., Die Evolution der Physik (1938), Neuaufl. Augsburg 1991.Google Scholar
  46. 459.
    Vgl. die genauere Auflistung bei Kanitscheider B., „Albert Einstein (1879–1955)“, in: Klassiker der Naturphilosophie, hg. v. G. Böhme, München 1989, S. 357–72, S. 369; zur Komplettierung wäre wohl noch das Prinzip der kleinsten Wirkung anzuführen. Vgl. dazu König, G., „Extremalprinzipien”, Hist. Wörterbuch d. Philosophie, s.v.. Google Scholar
  47. 460.
    Vgl. oben 2.6.Google Scholar
  48. 461.
    Dazu s. Chadwick, J., The Decipherment of Linear B, 2. Aufl. Cambridge 1967. Zur Einbettung von Ventris’,experimentellem Vokabular’ in einen realistischen Kontext s. Charpa, U., „Philologischer Fortschritt“, Zs. allg. Wiss.theorie 17/1986, S. 229–55, S. 250.Google Scholar
  49. 462.
    Evidence of Infliction in the,Chariot’ Tablets from Knossos“, Am. J. Archaeology 49/1945, S. 64–75.Google Scholar
  50. 463.
    Dargestellt unter Rückgriff auf Kant bei Cassirer, E., Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit, 2. Aufl. 1957, ND Darmstadt 1973, S.127ff.Google Scholar
  51. 464.
    Vgl. den Hinweis bei Kuhn, W., „Wissenschaft und Weltbild“, Praxis d. Naturwissenschaften - Physik 42,2/1993; S. 2–10.Google Scholar
  52. 465.
    Newtons Voraussetzungen sind bekanntlich für Einstein „durch nichts gerechtfertigte Hypothesen“ (Über die spezielle und die allgemeine Relativitätstheorie, 21. Aufl. Braunschweig 1989, S. 27).Google Scholar
  53. 466.
  54. 467.
    Scientific Realism and the Criteria for Theory-Choice“, Erkenntnis 38/1993, S. 203–222, bes. S. 208ff.Google Scholar
  55. 468.
    Schleiden, M. J., Die Pflanze und ihr Leben, 2. Aufl. Leipzig 1850, S. 2.Google Scholar
  56. 469.
    Vgl. Charpa, U., „Methodologie der Verzeitlichung - Schleiden, Whewell und das entwicklungsgeschichtliche Projekt“, Phil. Nat. 25/1988, S. 75–109.Google Scholar
  57. 472.
    Weg zur Gewißheit und Zuverläßigkeit der menschlichen Erkenntniß, Leipzig 1747, ND Hildesheim 1965, S. 79 u. 691ff.Google Scholar
  58. 47.
    A 770–828 797–810.Google Scholar
  59. 474.
    KdU, § 90.Google Scholar
  60. 475.
    Laudan, L., „The Sources of Modern Methodology“, in: Historical and Philosophical Dimensions of Logic, Methodology and Philosophy of Science, hg. v. R. Butts u. J. Hintikka, Dordrecht 1977, S. 3–19, S. 13 ff. u. ders., „George-Louis Lesage: A Case Study in the Interaction of Physics and Philosophy”, Stud. Leibn. Suppl., Bd. 13, Wiesbaden 1974, S. 241–252, umfassend zum wissenschaftlichen Hintergrund der Erneuerung des Hypothetizismus s. Weiss, B., Zwischen Physikotheologie und Positivismus. Pierre Prevost. (1751–1839) und die korpuskularkinetische Physik der Genfer Schule, Berlin 1988.Google Scholar
  61. 476.
    „Sur la Methode d’hypothèse“ in P. Prevost, Essais de Philosophie, Genf 1803, S. 258307.Google Scholar
  62. 477.
    Lesage, a.a.O., S. 271.Google Scholar
  63. 478.
    Lesage, a.a.O., S. 277 ff.Google Scholar
  64. 479.
    Lesage, a.a.O., S. 269ff.Google Scholar
  65. 480.
    Später hat die Newton befehdende romantische Naturphilosophie gerade unter diesem Aspekt Lesage vorgeworfen, die Idee wahrer Theorie nur unzulänglich verteidigt zu haben. Dahinter steht der Versuch Schellings u.a., die starke methodologische Bewegung zugunsten des Hypothetizismus noch einmal umzukehren. Vgl. Schelling, F. W., „Miscellen vom Herausgeber“, Zeitschrift f speculative Physik, Bd. I, S. 122ff.; dazu s. Lauth, R., „Die Genese von Schellings Konzeption einer rein aprioristischen spekulativen Physik und Metaphysik aus der Auseinandersetzung mit Le Sages spekulativer Mechanik”, Kant-Studien 75/1985, S. 75–93.Google Scholar
  66. 481.
    Vgl. Peirce, Ch. S., Collected Papers, hg. v. C. Hartshorne u.a., Cambridge/Mass. 1931 ff., 1.149.Google Scholar
  67. 482.
    Vgl. Brown, H. I., „Prospective Realism“, Stud. Hist. Phil. Science 21/1990, S. 211–42, 215ff.Google Scholar
  68. 483.
    Vgl. den Gebrauch des Ausdrucks „perfectior“ zur Kennzeichnung von Tychos Modell in der Apologia, in Jardines Ausgabe, S. 132. Übrigens ist die benachbarte Gradation des Wahrheitsbegriffes lange vor Kepler eine gängige Angelegenheit (vgl. den Streit um die wahre Weltsicht in Bebel, H., De optimo studio iuvenum, hg. u. übers. v. W. Bamer, Stuttgart 1982, S. 66 (”verior et probabiliorque“). Keplers Vorstellung könnte (vgl. Aiton, E. J., „Johannes Kepler and the Astronomy without Hypotheses” Japanese Stud. Hist. Sci. 14/1975, S. 49–71, S. 54f.) sich außer - bzw. vermittelt durch - Schegk Nikolaus von Kues verdanken, auf den er sich bereits in seinem ersten Werk, dem Mysterium Cosmographicum, bezieht. Cusanus hatte die Annäherung an die Wahrheit mit der geometrischen Approximation der Kreisfläche durch ein Vieleck verglichen.Google Scholar
  69. 484.
    Vgl. Priestley, J., History and Present State of Discoveries relating to Vision, Light,and Colours, Bd. 1, London 1772, S. 181, Stellenhinweis und Kurzkommentar bei Mach, Erkenntnis, S. 240f.Google Scholar
  70. 485.
    Dazu und zu weiteren Stellungnahmen s. Laudan, L., „Peirce and the Trivialization of the Self-Correcting Thesis“, in: Foundations of Scientific Method: The Nineteenth Century, hg. v. R.N. Giere u. R.S. Westfall, Bloomington 1973.Google Scholar
  71. 486.
    Vgl. K.R. Popper, „Truth“, 233ff.Google Scholar
  72. 487.
    Vgl. bes. Tichy, P., „On Popper’s Definition of Verisimilitude“, Brit. J. Phil. Sci. 25/1974, S. 155–60, und Miller, D., „On Popper’s Qualitative Theory of Verisimilitude, ebenda 166–77, u. ders., „The Accuracy of Predictions”, Synthese 30/1975, S. 159–91.Google Scholar
  73. 488.
    Vgl. Popper, K. R., „A Note on Verisimilitude“, Brit. J. Phil. Sci. 27/1976, S. 147–59.Google Scholar
  74. 489.
    Vgl. unter diesem Aspekt Rosenkrantz, R. D., „Measuring Truhlikeness“, Synthese 45/1980, S. 463–87.Google Scholar
  75. 490.
    Galilei, G., 11 Saggiatore,Opere Bd. 6; Übers. v. A. Eichler, zit. in: Heidelberger, M., u. Thiessen, S., Natur und Erfahrung, Reinbek 1981, S. 253f.Google Scholar
  76. 491.
    Man denke an Peter Medawars Popper-Propaganda. Zu diesem Komplex vgl. die kritische Durchsicht bei Gilbert, N., u. Mulkay, M., „Putting Philosophy to Work - Karl Popper’s Influence an Scientific Practice“, Phil. Social Sci. 11/1981, S. 389–407.Google Scholar
  77. 492.
    Vgl. Fries, J. F., Die mathematische Naturphilosophie nach philosophischer Methode bearbeitet (1822), Sämtliche Schriften, hg. v. L. Geldsetzer u. G. König, Bd. 13, Aalen 1979, S. 23. Fries, den Popper bekanntlich früh rezipiert hat, schreibt das Prinzip dem Botaniker Heinrich Friedrich Link (1767–1850). Tatsächlich handelt es sich wohl um einen wissenschaftsphilosophischen Topos, der bereits bei Autoren wie Grosseteste oder Hooke erörtert wird.Google Scholar
  78. 493.
    Über Erklärung und Prognose s.a. oben 2.7.Google Scholar
  79. 494.
    Schwann, Untersuchungen, S. 242.Google Scholar
  80. 495.
    Bezeichnenderweise hat der herausragende Erklärungslogiker Carl G. Hempel aus seinen Kommentierungsproblemen im Fall der Darwinschen Lehre die Konsequenz gezogen, die erläuternde Leistung des deduktiven Schemas werde weithin überschätzt. Vgl. auch die Kontroverse im Scientific American (s. Anm. 147).Google Scholar
  81. 496.
    Als Versuche, den Realismus auf dieser von Popper und seinen Schülern weitgehend unbe- dachten Ebene zu retten s. bes. Achinstein, P., Concepts of Science, Baltimore 1968 u. Grünbaum, A., Philosophical Problems of Space and Time, Dordrecht 1974, Kap. 17.Google Scholar
  82. 497.
    Dazu s. Timpanaro, S., Die Entstehung der Lachmannschen Methode, Hamburg 1971.Google Scholar
  83. 498.
    S.a. oben (2.6).Google Scholar
  84. 499.
    Vgl. Zahar, E., „Positivismus und Konventionalismus“, Zs. allg. Wiss.theorie 11/1980, S. 292–301; s.a. oben 3.7.Google Scholar
  85. 500.
    Zit. bei Gould, St. J., „Die große Debatte über die Scablands“, in: ders., Der Daumen des Panda, Basel 1987, S. 204–14Google Scholar
  86. 501.
    Zu diesem Vorgang s. Grosser, M., Die Entdeckung des Neptun, Frankfurt/M. 1970.Google Scholar
  87. 502.
    In Konkretisierung einer Bestimmung von Lakatos Zahar, E., „Why Did Einstein’s Programme Supersede Lorentz’s?“, Brit. J. Phil. Sci. 24/1973, S. 95–123, 223–262, S. 218f.; kritisch zum Novitäten-Kriterium zuletzt Thomason, N., „Could Lakatos, Even With Zahars Criterion for Novel Fact, Evaluate the Copernican Research Programme?”, Brit. J. Phil. Sci. 43/1992, S. 161–200.Google Scholar
  88. 503.
    Faksimile in Robin, Illustration,S. 194. Übrigens scheint Einstein selbst hinsichtlich der Konsequenzen störender Ergebnisse die Position des,naiven` der des abwägenden Falsifikationisten vorgezogen zu haben. Vgl. auf der Basis unveröffentlichter Materialien Hentschel, K., „Einstein’s Attitude Towards Experiments: Testing Relativity Theory 190727“, Stud Hist. Phil. Sci. 23/1992, S. 593–624.Google Scholar
  89. 504.
    Zit. Pais, Einstein, S. 170.Google Scholar
  90. 505.
    Sur la dynamique de l’ électron“, Rendiconti del Circolo Matematico di Palermo 21/1906, eingereicht zwei Monate vor Einsteins ”Zur Elektrodynamik bewegter Körper“ (Annalen d. Physik 17 (322)/1905, S. 891–921). Faksimiles einiger Seiten beider Artikel in Simonyi, Kulturgeschichte der Physik,Frankfurt 1990, S. 408f. Einstein selbst hat in diesem Punkt eine unklare Haltung eingenommen. Vgl. Pais, Einstein, S. 171.Google Scholar
  91. 508.
    Vgl. etwa die Position der Genfer Schule (s.u. 3.4): „l`art d’observer est l’art du métaphysicien“ (Bonnet, Ch., Préface, tEuvre d’histoire naturelle, Bd. 1, Neuchatel 1779, S. X). Daneben gibt es eine Linie naiver Argumentation, die darauf abhebt, vorgängige Theorie gänzlich transzendieren zu können. Der sonst durchaus nicht empiristisch ausgerichtete Heinrich Friedrich Link wird in diesem Punkt zum Baconianer:: „Alle Befangenheit des Geistes schadet der Beobachtung; indem wir uns zur Untersuchung bereit machen, muß die Theorie vergessen werden.” Ideen zu einer philosophischen Naturkunde, Breslau 1814.Google Scholar
  92. 509.
    S.u. 1.2., S. 66f. u. Anm. 172.Google Scholar
  93. 510.
    Shirley, J. R., „An Early Experimental Determination of Snell’s Law“, American J. Physics 19/1951, S. 307f.Google Scholar
  94. 511.
    In der Dioptrique (OEvreus de Descartes, hg. v. C. Adam u. P. Tannery, Paris 1897ff., Bd. VI, bes. S. 168 ff.) einem Ergänzungstraktat zum Discours (1637). Dafür, daß Descartes selbständig zu seinem Resulat gelangt ist, optiert vornehmlich Sabra, A. I., Theories of Light from Descartes to Newton, London 1967, Kap. 4. Auch ein wissenschaftshistorisch bemerkenswertes Faktum ist übrigens der Umstand, daß der seit 1637 in ungezählten Auflagen und Übersetzungen verbreitete Discours erst seit wenigen Jahren (im Corpus des OEuvres de Philosophie en langue française, hg. v. J.-R. Armogathe u. V. Caraud, Paris 1986) wieder in einem vollständigen Band, d.h. mit der einschlägigen Dioptrique und den anderen Anhängen, erhältlich ist.Google Scholar
  95. 512.
    Vgl. Ptolemaios, Opt. 5, 5ff.Google Scholar
  96. 514.
    Vgl. Lesky, E., „Harvey und Aristoteles“, Sudhoffs Archiv 41/1957, S. 289–316 u. 349–78.Google Scholar
  97. 515.
    Anomalies versus,Crucial Experiments’- A Rejoinder to Professor Grünbaum“, in: ders., Philosophical Papers, Bd. 2, hg. v. J. Worrall u. G. Currie, Cambridge 1978, S. 211–223.Google Scholar
  98. 516.
    Beschreibung u. Abb. eines älteren Typs etwa in Righini Bonelli, M. L., u. Settle, T., The Antique Instruments of the Museum of History of Science in Florence, Florenz o.J., S.144; denGoogle Scholar
  99. 519.
    Der instrumentalistische Einwand hat unter Kreationisten eine gewisse Rolle gespielt. Vgl. dagegen Kitcher, P., Abusing Science, Cambridge/Mass. 1982, Kap. 3.Google Scholar
  100. 520.
    Die symbiotischen Züge von Apparateentwicklung und theoretischem Fortgang stellt bes. I. Hacking, etwa in „On the Stability of the Laboratory Sciences“, J. Phil. 85/1988, S. 50714, heraus.Google Scholar
  101. 521.
    Vgl. Gesammelte Werke, Bd. 3, S. 36.Google Scholar
  102. 522.
    „The Computer versus Kepler“, American Scientist 52/1964, S. 218–26.Google Scholar
  103. 523.
    Russell, J. L., „Kepler and Scientific Method“, in: Kepler - Four Hundred Years (Vistas in Astronomy 18), hg. v. A. Beer u. P. Beer, Amsterdam 1975, S. 733–45, S. 743.Google Scholar
  104. 524.
    Sehr illustrativ ist die Konzeption des Gersonides. Vgl. Freudenthal, „Lewi Ben Gerschom“, S. 161ff.Google Scholar
  105. 525.
    S. die Einführung zu Lukrez, Von der Natur, Berlin 1924.Google Scholar
  106. 526.
    Vgl. Koyré, A., La révolution astronomique: Copernic, Kepler, Borelli,Paris 1961, S. 79.Google Scholar
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    Popper, K. R., „Kepler: Seine Metaphysik des Sonnensystems und seine empirische Kritik“, in: Wege der Vernunft - FS Albert, hg. v. A. Bohnen u. A. Musgrave, Tübingen 1991, S. 11–6, S. 11.Google Scholar
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    Vgl. Jardine, Fortunes, bes. S. 36 ff.Google Scholar
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    Vgl. Crusius, Weg, S. 804 ff.; eine ähnliche Zweiteilung wie bei Crusius macht in der neueren Literatur u.a. Jardine, Fortunes,S. 38 ff.Google Scholar
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    Vgl. Shapins Betrachtungen zur noblen Gentleman-Kultur der Royal Society, in der widerstrebende Auffassungen und Befunde gern mit der Unzuverlässigkeit der Helfer und den minderen Leistungen der Gerätebauer in Verbindung gebracht werden: Shapin, St., A Social History of Truth Civility and Science in Seventeenth-Century England,Chicago 1994.Google Scholar
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    Vgl. die Liste,vernünftiger’ Maßnahmen zur Erreichung verläßlicher Experimentbefunde (gezielte Erzeugung von Artefakten, Prüfung von Alternativinterpretation für Daten usw.) in: Franklin, A., u. Howson, C., „It Probably Is a Valid Experimental Result: A Bayesian Approach to the Epistemology of Experiment, Stud. Hist. Phil. Sci. 19/1988, S. 419–27; s. a. Franklin, A., Experiment, S. 104ff. Die Attraktivität bayesianischer Überlegungen für den, der sich zumindest tendenziell Popper verpflichtet, ergibt sich aus einer einfachen Überlegung: Den bevorzugten mutigen, spekulativen Entwürfen kommt selbstredend zunächst eine äußerst geringe Ausgangswahrscheinlichkeit zu, was die denkbar günstigste Voraussetzung für eine an Bayes’ Theorem orientierte Bestätigungsarbeit.Google Scholar
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    Vgl. vor allem „Falsification“.Google Scholar
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    Bondi, H., Mythèn und Annahmen in der Physik, Göttingen 1971, S. 33, argumentiert, die moderne Wiederholung des Versuchs enthielte eine Petitio principii, insofern die Entfernungsmessung sich an der Nicht-Verschiebung von Interferenzstreifen ausrichtete, deren Verschiebung andererseits erst festgestellt werden soll. Ein anderer Einwand leitet sich von der Inkommensurabilitätsthese (II.4) her und gründet auf der Behauptung, die Einschlägigkeit des Experimentes hänge davon ab, mit welchen theoretischen Begriffen es dargestellt werde S. Feyerabend, Methodenzwang, S. 382.Google Scholar
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    Vgl. Lakatos, I., „Newton’s Effect on Scientific Standards“, in: ders., Philosophical Papers, Bd. 1, hg. v. J. Worrall u. G. Currie, Cambridge 1978, S. 193–222, S. 220.Google Scholar
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    Zu einigen neueren Beiträgen der philosophisch-historischen,Newton-Industrie` s. den Bericht von Pulte, „Newtoniana“.Google Scholar
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    Putnam, H., „Why Reason Cannot be Naturalized“, Synthese 52/1982, S. 3–23, benutzt dieses althergebrachte Sein/Sollen-Argument genau gegenläufig, nämlich um Wissenschaftsphilosophie gegen widrige historische Befunde abzuschirmen.Google Scholar
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    Ausgeführt wird ein solcher,Naturalistischer Realismus’ von Giere, R. N., Explaining Science - A Cognitive Approach, Chicago 1987.Google Scholar
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    S. Shapere, D., Reason and the Search for Knowledge Dordrecht 1984, bes. Kap. 11; andere als die unten angeführten Einwände sind in einer im Anschluß (S. 246ff.) dokumentierten Diskussion geäußert worden.Google Scholar
  137. 557.
    Vgl. Shapere, Reason, S. XXXIX. Google Scholar
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    Vgl. Charpa, „Herschel“, bes. 144ff.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1995

Authors and Affiliations

  • Ulrich Charpa
    • 1
  1. 1.Philosophisches SeminarUniversität zu KölnKölnDeutschland

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