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Die historische Intuition der Wissenschaftsbetrachtung und die Zuständigkeit der Philosophie

  • Ulrich Charpa

Zusammenfassung

Glaubt man Autoren wie z.B. Poincaré, dann braucht, wer sich kundig machen will, eine Intuition, eine der Erörterung vorausliegende plausible Vorstellung. Die Skeptiker sprachen davon, etwas ‚Unphilosophischem‘6, einem Vor-Begriff zu folgen. Vom Wortsinn her ist eine Intuition nichts anderes als eine Anschauung. Es gilt — in einem je nach Fach verschiedenen Sinne — etwas zu erblicken, im geläufigsten Fall einen augenfälligen Gegenstand. Entsprechend manifest ist der Zusammenhang zwischen Wissenschaft und Bildlichkeit.7

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Literatur

  1. 6.
    Sext. Emp., Adv. math., xi, 165f. (die vornehmlich auf Philon zurückgehende Deutung von Intuition als privilegierte Einsicht spielt im weiteren keine Rolle).Google Scholar
  2. 7.
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  3. 8.
    Man denke an Hermann Minkowskis Visualisierungen der Speziellen Relativitätstheorie (vgl. Hentschel, K., Interpretationen und Fehlinterpretationen der Speziellen und Allgemeinen Relativitätstheorie durch Zeitgenossen Albert Einsteins, Basel 1990, S. 24) oder den Streit um die Anschaulichkeit in den Anfängen der Quantentheorie (s. Miller, A. 1., „Visualization Lost and Regained: The Genesis of the Quantum Theory in the Period 1913–27“, in: On Aesthetics in Science, hg. v. J. Wechsler, Cambridge/Mass. 1978, S. 73–102 ).Google Scholar
  4. 9.
    Epicorum Graecorum Frg. 265, Frg 1.Google Scholar
  5. 10.
    Hier nach dem Kölner Exemplar der Ausgabe Freiburg 1503, s.a. den ND hg. v. L. Geldsetzer, 1973; zur historischen Erläuterung des Typus Grammaticae s. u.a. Srbik, R. v., Die Margarita Philosophica des Gregor Reisch (gest. 1525) - Ein Beitrag zur Geschichte der Naturwissenschaften in Deutschland (Denkschriften d. A. d. Wiss. Wien, math. nat. KI. Bd. 104) Wien 1941, S. 98f.Google Scholar
  6. 11.
    Vgl. schon Humboldt, A. v., Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung, Stuttgart 1845, Bd. 1, S. 52 u. 73.Google Scholar
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  8. 13.
    S. Feynman, R.P., The Character of Physical Law, Cambridge/Mass. 1965, S. 173.Google Scholar
  9. 14.
    Du Bois Reymond, E., „Über Geschichte der Wissenschaft“, Monatsberichte d. Königl. Pr. Akademie der Wissenschaften, Berlin 1872, S. 689–97, S. 689; zum Kontext s. Mann, G., „Geschichte als Wissenschaft und Wissenschaftsgeschichte bei Du Bois-Reymond”, HZ 231/1980, S. 75–100, bes. S. 82f.Google Scholar
  10. 15.
    Zu den daraus resultierenden Spannungen s. Buchdahl, Metaphysics, Kap. III.Google Scholar
  11. 16.
    Etwa Cushing, J. T., „Is Scientific Methodology Interestingly Atemporal“, Brit. J. Phil. Sci. 41/1990, S. 177–94.Google Scholar
  12. 17.
    S. etwa die Antithetik zwischen dem dem herausragenden,Logizisten’ und dem nicht weniger einflußreichen,Historisten’ des 19. Jahrhunderts (Losee, J., „Whewell and Mill an the Relation between Philosophy of Science and History of Science“, Stud. Hist. Phil. Sci. 14/1983, S. 113–26).Google Scholar
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  14. 19.
    Zu Dantes Umgang mit der Schiffahrtsmetapher s. Raether, M., „Dantis Ulixes Figura Poetae“, Poetica 13/1981, S. 280–308.Google Scholar
  15. 20.
    Diese Verbildlichung ist wie das Nec plus ultra wohl in der Epoche Karl V. in weiten Umlauf gekommen. Belege finden sich im Itinerario des Georgio de’ Rusconi, Venedig 1517, u. in der Sphera volgare novamente, der Sacrobosco-Übertragung des Mauro von Florenz, Venedig 1537. Der wesentliche Unterschied zu Bacons Darstellung liegt darin, daß der Forscher nicht als Mitreisender, sondern als,abschließender’, registrierender Buch-bzw. Globusgelehrter aufgefaßt wird, womit jedes Unruhemoment entfällt. Zu den Abbildungen s. Mortimer, R., Italian 16th Century Books, Bd. 2, Cambridge/Mass. 1974, S. 452. Sander, M., Les livres à figures italiennes depuis 1467 jusqu’à 1530, Mailand 1942, Bd. 2, Nr. 4441.Google Scholar
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    Bacon, Instauratio Magna, Praefatio (Spedding-Ausgabe), S. 129 f. vgl. auch S. 829. Die philosophische Verwendung der Seefahrts-Metapher verdiente eine eigene Dokumentation. S. etwa auch Locke, J., Essay Concerning Human Understanding, I.1, §6f.; zu Kant s. die Hinweise bei Kreimendahl, L., Kant - der Durchbruch von 1769, Köln 1990, S. 32f. et passim.Google Scholar
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    Glanvill, J., Plus Ultra: Or the Progress and Advancement of Knowledge, Since the Days of Aristotle, London 1668, ND Gainesville 1958, S. 12.Google Scholar
  18. 23.
    Abbildung in Cohen, I. B., The Album of Science, New York 1980, S. 4; die historische Abfolge ist etwas komplexer, insofern die oben (s. Anm. 20) erwähnte, ältere,statische’ venezianische Darstellung ebenfalls Gerätschaften abbildet. Allgemein zum Sinnspruch s. auch Medawar, P., The Limits of Science, Oxford 1986, S. 61ff.Google Scholar
  19. 24.
    Der korrigierende Hinweis auf die Kontinuität der abendländischen Tradition–A.C. Crombie schreibt in diesem Kontext vom „eindrucksvollsten Ergebnis” (Von Augustinus bis Galilei–Die Emanzipation der Naturwissenschaft, München 1977, engl. 1959, S. XII) der neueren Wissenschaftshistorie–ist längst selbst zum Topos geworden. Crombie liegt auf der Linie Duhems, z.T. auch Anneliese Maiers, wohingegen die Gegenseite u.a durch Alexandre Koyré und A. Rupert Hall vertreten wird. Philosophisch sehr einflußreich ist Husserls–vermutlich durch Koyré angeregte–Vorstellung,neuzeitlicher Wissenschaft’ in der Krisis-Abhandlung. Zu der Traditionsverhaftung des nachfolgend besonders berücksichtigten Hauptprogrammatikers der sog. Wissenschaftlichen Revolution s. Larson, R. E., „The Aristotelianism of Bacons Novum Organum“, J. Hist. Ideas, 23/1962, S. 435–50. Eine kurzgefaßte Historie der Einstellungen in der Kontinuitätsfrage bietet Lindberg, D. C., „Conceptions of the Scientific Revolution from Bacon to Butterfield”, in: Reappraisals of the Scientific Revolution, hg. v. D. C. Lindberg u. R.S. Westman, Cambridge 1990, S. 1–32.Google Scholar
  20. 25.
    Das gilt nicht nur für die bekanntere Wiener Fassung, sondern auch für die Rotterdamer Ausführung.Google Scholar
  21. 26.
    Etwa in J.J. Scheuchzers Physica Sacra oder Kupferbibel, Augsburg 1731, wo sich aber bereits die frühaufklärerische Selbstgewißheit spiegelt.Google Scholar
  22. 27.
    Genauer s. Hübener, W., „Die notwendige Grenze des Erkenntnisfortschritts als Konsequenz der Aussagenkombinatorik nach Leibniz’ unveröffentlichtem Traktat,De l’horizon de la doctrine humaine“, Stud. Leibnit., Suppl. Bd. 15, 1975, S. 55–71. Deutlich oberflächlicher sind die zahlreichen materialen Behauptungen Cauchys u.a., beispielsweise über die Unmöglichkeit, je etwas über die Beschaffenheit des Erdkerns ausfindig zu machen. Dazu s. Vollmer, G., „Von den Grenzen unseres Wissens”, in: ders., Wissenschaftstheorie im Einsatz–Beiträge zu einer selbstkritischen Wissenschaftsphilosophie, Stuttgart 1993, S. 95–107.Google Scholar
  23. 28.
    Vgl. Engelhardt, D. v., „Du Bois-Reymonds,Über die Grenzen des Naturerkennens“, Communicationes de Historia Artis Medicinae 80/1976, S. 9–25, S. 10ff.; und Rescher, N., Die Grenzen der Wissenschaft, Stuttgart 1985, Kap. VIII.Google Scholar
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    Du Bois-Reymond, E., Culturgeschichte und Naturwissenschaft, Leipzig 1878, S. 38; zu diesem Vortrag s. Mann, „Geschichte“, S. 88ff.Google Scholar
  25. 30.
    M.W. handelt es sich ohnehin um bloße Behauptungen, etwa bei Feynman, Character, S. 172; maßgeblich allgemein dazu Rescher, Grenzen. Eine partielle praktische Selbstaufhebung finitistischer Einstellungen erwächst daraus, daß Wissen über Einschränkungen sich als produktiv erweisen kann. Ausgeführt an der Fruchtbarkeit der Einsicht in Grenzen medizinischer Diagnostik bei S. Greenblatt, H., „Limits of Knowledge and Knowledge of Limits“, J. Med. Phil. 5/1980, S. 22–9.Google Scholar
  26. 31.
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  27. 32.
    Neurath, O., „Protokollsätze“, Erkenntnis 3/1932, S. 206; der Vergleich ist von W.V.O. Quine im Zusammenhang mit seinen holistischen Vorstellungen herausgestellt worden. Andere Akzente setzt Zolo, D., Reflexive Epistemology - The Philosophical Legacy of Otto Neurath, Dordrecht 1989.Google Scholar
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    Paradiso 2, 10ff.Google Scholar
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    Liebig, J. v., „Francis Bacon von Verulam und die Geschichte der Naturwissenschaften“, 1863, abgedr. in: ders., Reden und Abhandlungen, Leipzig 1874, S. 220–54.Google Scholar
  32. 37.
    Die Geschichte der Theorie wissenschaftlicher Methode wird im weiteren aufgenommen, aber nicht als eigenes Thema behandelt. S. als Überblicksdarstellungen Lutz Geldsetzers „Methodologie“-Artikel im Hist. Wörterbuch d. Philosophie, s. v., u. Oldroyd, D., The Arch of Knowledge - An Introductory Study of the History and Methodology of Science, New York 1986.Google Scholar
  33. 38.
    Geschichte der Physik, Berlin 1879, S. 2.Google Scholar
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    Ausgeführt am Beispiel des von Boyle, Newton u.a. propagierten Empirismus bei Mc Mullin, E., „Empiricism and the Scientific Revolution“, in: Art, Science, and History of the Renaissance, hg. v. Ch. S. Singleton, Baltimore 1968, S. 331–69.Google Scholar
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    Als Untersuchungsprojekt - im Zusammenhang einer umstrittenen Methodik - vorgestellt bei Gilbert, G. N., u. Mulkay, M., „Experiments are the Key: Participants’ Histories and Historians’ Histories of Science“, /sis 75/1984, S. 105–25 (dazu s. Shapin, S., „Talking History: Reflections on Discourse Analysis”, ebenda, S. 125–28).Google Scholar
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    Über „le réarrangement des faits dans leurs présentation historique“ am Beispiel des Physiologen s. Gremek, M. D., Raisonnement expérimental et recherches toxicologiques chez Claude Bernard, Diss. Lille 1972.Google Scholar
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    The Scientific Revolution as a Revolution in Reflectivity, erscheint Oxford.Google Scholar
  38. 43.
    Annalen der Physik 17(322)/1905, S. 891–921, S. 891.Google Scholar
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    Die Kommentierung von Newtons Hypothesen-Verdikt bildet ein eigenes Thema. Möglicherweise ist bei aller,offiziellen’ Reserve gegen Hypothesen an dieser Stelle nur an Spekulation über die Ursache der Gravitation gedacht. Vgl. kurz Pulte, H., „Newton, Isaac“, in: Großes Werklexikon d. Philosophie, hg. v. F. Volpi u. M. Koettnitz, Stuttgart 1975, s. n.Google Scholar
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    Einstein, A., „Autobiographisches“, in: Albert Einstein als Philosoph und Naturforscher, hg. v. P.A. Schilpp, ND Braunschweig 1979, S. 1–36, S. 2. Pomian, K., „L’histoire de la science et l’histoire de l’histoire”, Annales 30/1975, S. 935–52, erläutert solche historische Wendungen als Parallelbildungen zur Vorstellung des ideal beobachtenden Naturforschers.Google Scholar
  41. 46.
    Vgl. schon die frühe Unterscheidung zwischen den Ebenen des epistemologischen und des engeren wissenschaftlichen Diskurses in „Sources of Scepticism in Atomic Theory“, Brit. J. Phil. Sci. 10/1959, S. 120–34; das engere Thema wird wieder wiederaufgenommen bei dems., „Stadien der begrifflichen Entwicklung von Atomtheorien”, in: Begriffswandel und Erkenntnisfortschritt in den Erfahrungswissenschaften, hg. v. F. Rapp u. H.W. Schütt, Berlin 1987, S. 101–30.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1995

Authors and Affiliations

  • Ulrich Charpa
    • 1
  1. 1.Philosophisches SeminarUniversität zu KölnKölnDeutschland

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