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Einleitung

  • Rainer Paslack
Chapter
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Part of the Wissenschaftstheorie, Wissenschaft und Philosophie book series (WWP, volume 32)

Zusammenfassung

Seit Beginn der 1960er Jahre bahnt sich eine wissenschaftliche Revolution an, die inzwischen unter dem Sammelbegriff »Selbstorganisation« zu einem großangelegten, nahezu alle Wissenschaftsdisziplinen umfassenden Forschungsprogramm ausgereift ist. Im Mittelpunkt dieses neuen Konzepts steht die Untersuchung der spontanen Entstehung, Höherentwicklung und Ausdifferenzierung von Ordnung in dynamischen Systemen fern ab vom Gleichgewicht. Den Ausgangspunkt bildeten konkrete Forschungsprobleme: Wie entsteht Laserlicht? Wie organisiert sich lebende Materie? Wie entwickelt sich das Wetter? Wie »ko-evolvieren« verschiedene Lebensformen eines Biotops? Die Antworten, die auf diese und ähnliche Fragen gefunden wurden, gingen freilich über das spezielle Frageinteresse hinaus und begründeten eine völlig neue Sicht der Natur. Aus solchen zunächst unscheinbaren Anfängen innerhalb der Naturwissenschaften heraus ist es erstaunlich rasch zu einem »Paradigmawechsel« gekommen, der möglicherweise eine neue »kopernikanische Wende« für die Wissenschaft insgesamt einleitet, was unser Verständnis dynamischer Prozesse in komplexen Systemen anbetrifft.

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Literatur

  1. 1.
    Ein knapper ideengeschichtlicher Abriß und eine umfangreiche Übersicht über die bis heute zur Selbstorganisationsforschung erschienene Literatur -chronologisch, thematisch und nach Autoren geordnet — findet sich in: R. Paslack und P. Knost, Zur Geschichte der Selbstorganisationsforschung -Ideengeschichtliche Einführung und Bibliographie (1940–1990), erschienen in der Reihe Report Wissenschaftsforschung, hg. vom »Universitätsschwerpunkt Wissenschaftsforschung« der Universität Bielefeld, Bd. 37, Bielefeld 1990.Google Scholar
  2. 2.
    So bemerken etwa I. Prigogine und I. Stengers in ihrem Buch Dialog mit der Natur (München 1981, S.44): »Worauf es uns ankommt, ist, daß die Vorsokratiker innerhalb weniger Generationen die grundlegenden Begriffe zusammentrugen, erklärten und kritisierten, die von unserer Wissenschaft wiederentdeckt wurden und die wir noch immer zusammenzufügen versuchen, um... das Entstehen von Ordnung aus einem undifferenzierten Milieu zu verstehen.«Google Scholar
  3. 3.
    Was nicht unbedingt auch ein »krisenhaftes Bewußtsein« impliziert, das Th. S. Kuhn als ein essentielles Merkmal wissenschaftlicher Revolutionen beschrieben hat; siehe seine mittlerweile klassische Arbeit Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen, Frankfurt a. M. 1973 (im amerik. Original bereits 1962 erschienen). Wie gerade der Fall der Selbstorganisationsforschung zeigt, wurde ein gewisser Zusammenhang zur angeblichen »Wissenschaftskrise« bzw. zur »Wissenschaftskritik« erst hergestellt, nachdem das Forschungsprogramm der Selbstorganisation sich etabliert hatte und nicht schon während der »Gründungsphase«; erst als die »Ur-Theorien« der modernen Selbstorganisationsforschung bereits konzipiert und die Analogien zwischen ihnen wahrgenommen worden waren, wurden sie als mögliche Kandidaten eines wissenschaftlichen Umdenkens und mithin als Auswege aus bestimmten Problemlagen der Forschungstradition proklamiert.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. auch die Kurzcharakteristik der Ansätze in: G. Küppers und R. Paslack, »Die Entdeckung des Komplexen — Zur Entstehung und Entwicklung der Theorie der Selbstorganisation«, in: F. Schafstedde (Hg.), Der ganze Mensch und die Medizin, Hamburg 1989, S. 71 ff.Google Scholar
  5. 5.
    Siehe dazu einschlägig: S. J. Schmidt (Hg.), Der Diskurs der Radikalen Konstruktivismus, Frankfurt a. M. 1987.Google Scholar

Copyright information

© Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig / Wiesbaden 1991

Authors and Affiliations

  • Rainer Paslack
    • 1
  1. 1.USP WissenschaftsforschungUniversität BielefeldBielefeld 1Deutschland

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