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“Alter und Technik” (ALTEC): Kognitive Verarbeitung moderner Technologie

  • Georg Rudinger
  • Jürgen Espey
  • Hartmut Neuf
  • Ute Simon
Chapter
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Part of the Forschungsberichte des Landes Nordrhein-Westfalen book series (FOLANW, volume 3247)

Zusammenfassung

Die Automatisierung vieler alltäglicher Dienstleistungen durch öffentliche Automaten, z.B. bei Banken und Verkehrsunternehmen, und der privaten und geschäftlichen Kommunikation, z.B. durch Fax, Multifunktions- und Kartentelefone wächst ständig. Die Zahl der verfügbaren Gerätefunktionen und damit die Kompliziertheit der Geräte selbst hat auch bei der Haushalts- und Unterhaltungstechnik, z.B. TV, Video, Videotext, Bildschirmtext, Anrufbeantworter durch die moderne Mikroprozessorelektronik stark zugenommen. An die Benutzer stellt dieser Wandel erhebliche Anforderungen. Besonders ältere Menschen scheinen mit der Technisierung des Alltags nicht mehr Schritt halten zu können (Kruse, 1992). Sie stehen immer häufiger vor der ungewohnten Situation, Serviceleistungen nur über den Weg einer strengen Gerätesyntax erreichen zu können; Schalterbeamte z.B. beim Fahrkartenkauf werden immer seltener. Die Fähigkeit, mit moderner Technik umgehen zu können, ist also zu einer zentralen Qualifikation für eine erfolgreiche und selbständige Bewältigung des Alltags geworden. Die Bedeutung einer solchen Qualifikation beschränkt sich aber nicht nur auf die Fähigkeit, bestimmten technischen Anforderungen unmittelbar gerecht werden zu können. Wichtiger sind die Folgewirkungen, etwa eines Versagens in einem bedeutsamen Lebensbereich, wie der Verwaltung des Kontos am Bankautomaten, dem Kauf von Fahrscheinen (Nolte & Straka, 1988; Breakwell & Fife-Schaw, 1988; Danowski & Sacks, 1980). So kann durch ein solches Versagen der irrige Eindruck geweckt werden, generell Handlungskompetenz verloren zu haben. Ein mangelnder “person-environment-fit” (Caplan, 1975) kann im Bereich der technischen Umwelt einerseits auf die mangelnde Benutzerfreundlichkeit vieler moderner Geräte zurückgeführt werden, andererseits aber auch auf gewisse Anpassungsrückstände Älterer (Gilly & Zeithaml, 1985). Diese Gesamtproblematik wird qualitativ durch die zunehmende Beschleunigung technischer Innovationen verschärft. Durch die Zunahme des Bevölkerungsanteils Älterer in allen hochindustrialisierten Gesellschaften werden immer mehr Menschen von dieser Anpassungsproblematik betroffen. Dies kann als quantitative Verschärfung des Problems betrachtet werden.

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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1992

Authors and Affiliations

  • Georg Rudinger
    • 1
  • Jürgen Espey
    • 1
  • Hartmut Neuf
    • 1
  • Ute Simon
    • 1
  1. 1.Psychologisches InstitutRheinische Friedrich-Wilhelms-Universität BonnDeutschland

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