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Eliten als Hüter der Demokratie?

Zur Akzeptanz demokratischer Institutionen und freiheitlicher Werte bei Eliten und Bevölkerung in der Bundesrepublik
  • Ursula Hoffmann-Lange
Part of the Politische Vierteljahresschrift Sonderheft book series (PVS, volume 18/1987)

Zusammenfassung

Die aktuelle Diskussion über die politische Kultur der Bundesrepublik (z.B. Reichel 1981; Röhrich 1983) knüpft in ihrer pessimistischen Diagnose über das „schwierige Vaterland“ vielfach an ältere Studien an (v. a. Almond und Verba 1963; Dahrendorf 1965). Sie betont ebenso wie jene die Kontinuität obrigkeitsstaatlicher und autoritärer Einstellungen sowie die Gefahr, die diese für die Demokratie darstellen. Neuere empirische Arbeiten, die das große Ausmaß der Veränderungen politischer Orientierungen in der Bundesrepublik belegen und ein im internationalen Vergleich wesentlich optimistischeres Bild zeichnen, sind demgegenüber weit weniger zur Kenntnis genommen worden (z.B. Conradt 1974, 1980; Rausch 1980; Baker u. a. 1981).

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Anmerkungen

  1. 1.
    Alle drei Elitestudien wurden unter der Leitung von Rudolf Wildenmann, Universität Mannheim, durchgeführt. In diesen 1968, 1972 und 1981 durchgeführten Umfragen wurden führende Positionsinhaber aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Gewerkschaften, Massenmedien, Wissenschaft und weiteren Sektoren befragt. Ihre Ergebnisse sind in maschinenlesbaren Codebüchern dokumentiert, die vom Zentralarchiv für Empirische Sozialforschung, Köln, erstellt wurden: 1968: Rudolf Wildenmann, Eliten in der Bundesrepublik; ZA-Nr. 1138. 1972: Ursula Hoffmann-Lange u.a., Westdeutsche Führungsschicht. Hrsg. von Werner Kaltefleiter und Rudolf Wildenmann; ZA-Nr. 0796. 1981: Rudolf Wildenmann u.a., Führungsschicht in der Bundesrepublik Deutschland 1981. Tabellenband, Universität Mannheim 1982. Die Anfang 1982 durchgeführte Bevölkerungsumfrage, die einen Teil des Fragenprogramms der Elitenumfrage von 1981 enthielt, war Teil einer Mehrthemenbefragung von GETAS. Die Elitestudie 1981 wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert. Die Bevölkerungsumfrage wurde zusätzlich durch die Fritz Thyssen Stiftung gefördert.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. die diesbezüglichen Arbeiten von Megerle und Steinbach (1981, 1982), Erdmann und Schulze (1980), Dahrendorf (1965) sowie die Streitschrift von Fischer (1979). Allerdings liegt kaum systematisch gesammeltes Material zur schlüssigen Beantwortung dieses Problemkreises vor. In erster Linie sind historische Analysen einzelner Organisationen und Gruppen durchgeführt worden. Inhaltsanalysen von Dokumenten (Parteiprogrammen, Verbandsverlautbarungen, Sitzungsprotokollen usw.) gibt es dagegen meines Wissens bisher nicht (vgl. dazu auch Döring 1977).Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. dazu Conradt (1978: 50) und Weil (1981: 30ff.). Beide Autoren betonen in Anlehnung an Boynton und Loewenberg, daß zu Beginn vor allem der Mangel an einer glaubwürdigen Alternative zur Legitimierung der neuen politischen Ordnung beitrug.Google Scholar
  4. 4.
    Fast 51 % der Wirtschaftseliten wünschten weniger Einfluß für die SPD und entsprechend fast 52 % der Gewerkschaftseliten weniger für die CDU.Google Scholar
  5. 5.
    Die durchweg in autoritärer Richtung formulierten Items können zusätzlich noch durch eine Zustimmungstendenz einen überhöhten Anteil autoritäter Antworten hervorgerufen haben. Eine solche Zustimmungstendenz nimmt erfahrungsgemäß mit zunehmendem Ausbildungsniveau ab, so daß sie bei den durchweg gut ausgebildeten Eliten eine geringere Rolle spielt.Google Scholar
  6. 6.
    Die Items wurden in „liberaler“ Richtung vercodet, so daß ein höherer Punktwert eine freiheitlichere Haltung indiziert. Die durchschnittliche Korrelation der einzelnen Items mit dem Index betrug .67 und mehr. Diese Werte liegen deutlich über den von Kaase (1971: 158), Roth (1976: 53 ff.) und Adrian (1977. 196 ff.) berichteten. Dies ist natürlich in erster Linie darauf zurückzuführen, daß nur diejenigen Items zum Index zusammengefaßt wurden, die bei Roth auf einem Faktor luden. Allerdings lagen die Interkorrelationen auch zwischen diesen Items bei Roth etwas niedriger, obwohl er ausschließlich Eliteninterviews analysierte, bei denen die Korrelationen normalerweise höher als in Bevölkerungsumfragen sind. Im vorliegenden Fall wurden dagegen Eliten- und Bevölkerungsinterviews zusammengefaßt.Google Scholar
  7. 8.
    In die Auswahl kamen neben den Universitätsrektoren die Leiter der wichtigsten Forschungs-förderungseinrichtungen sowie der größten mit öffentlichen Mitteln geförderten Forschungsinstitute (darunter auch Forschungsabteilungen von privaten Wirtschaftsunternehmen). Damit spiegelt diese Befragtengruppe die Prioritäten der Forschungsförderungspolitik in der Bundesrepublik wider, die den Vorrang der Technologieforschung betont.Google Scholar
  8. 9.
    Die geringfügigen Fluktationen dürften in erster Linie auf Unterschiede in der Befragtenpopulation zurückzuführen sein. Neben personellen Veränderungen spielen hier die Positionenauswahl, das Größenverhältnis der verschiedenen Sektoren sowie die Ausschöpfungsrate eine Rolle.Google Scholar
  9. 10.
    Um diese Vermutung zu prüfen, wurde die Entwicklung der Werte einzelner Kohorten im Zeitablauf untersucht. Es zeigte sich, daß der Mittelwert der bis 1917 Geborenen zwischen 1968 und 1981 von 17.2 auf 13.8 (1972: 16.5) gesunken ist. Diese besonders starke Abnahme in der ältesten Kohorte kann allerdings auch auf die sektoral unterschiedliche Verweildauer von Personen in den Eliten zurückzuführen sein. Während es z. B. bei den Verwaltungseliten und den liberaleren Gewerkschafts- und Medieneliten relativ strikte Ruhestandsregelungen gibt, bleiben Wirtschaftsführer oft wesentlich länger beruflich aktiv. Bei den Jahrgängen von 1931 bis 1940 ist die Abnahme dagegen weit weniger ausgeprägt. Die Werte sanken seit 1968 von 21.1 auf 19.8 und reichen zur Bestätigung eines Lebenszykluseffekts nicht aus. Die Ergebnisse legen jedoch zumindest eine gewisse Vorsicht gegenüber einer voreiligen und ungerechtfertigt optimistischen Interpretation der Kohortenunterschiede nahe.Google Scholar
  10. 11.
    Ökonomische Gründe dürften hier eher maßgeblich sein. Übrigens hat schon Lipset auf das Paradox hingewiesen, daß die Organisationen der Arbeiterbewegung seit ihrer Entstehung zu den Triebkräften politischer Demokratisierung gehörten, während ihre Anhängerschaft einen Hang zum Autoritarismus aufweist (1962: 97).Google Scholar
  11. 12.
    Diese Zahlen weichen erheblich von den im Aliensbacher Jahrbuch der Demoskopie für 1983 berichteten ab, wo sich auf die Frage, ob dem Befragten Freiheit oder Gleichheit wichtiger sei, 60% für die Freiheit, aussprachen (S. 224). Die Abweichung ist vermutlich darauf zurückzuführen, daß die Allensbacher Frage auf eine grundlegende Präferenz zwischen beiden Werten abzielt, unsere Frage dagegen nach aktuellen politischen Prioritäten fragte. In der aktuellen Bewertung wird erfahrungsgemäß Bereichen, in denen die Befragten ein Defizit empfinden, eine höhere Priorität eingeräumt als solchen, die man als gesichert betrachtet. Wie der Gallup Report 1981 (S. 181) zeigt, ordnen im internationalen Vergleich die Bundesdeutschen der Freiheit einen geringeren Stellenwert ein als insbesondere Engländer und Franzosen. Da die dort abgedruckten Verteilungen jedoch wiederum trotz gleichen Wortlauts der Fragestellung stark von denen des Allensbacher Jahrbuchs abweichen, lassen sich auf der Basis der verfügbaren Daten offensichtlich keine endgültigen Schlüsse ziehen. Weitere Forschungen sind hier erforderlich.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1987

Authors and Affiliations

  • Ursula Hoffmann-Lange

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