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Kulturelle Muster in der DDR

  • Werner Rossade
Part of the Politische Vierteljahresschrift Sonderheft book series (PVS, volume 18/1987)

Zusammenfassung

Der Begriff ‚Kulturmuster‘ weist auf bestimmbare, mehr oder minder generelle und relativ beständige Strukturen soziokultureller Gesamtheiten hin. Ich nehme ihn als Entsprechung zu Bourdieus Begriff der von der sozialen Schichtung abhängigen Praxisformen, die sich als „systematische Konfigurationen von Eigenschaften und Merkmalen“ erweisen (1984: 278). In Abgrenzung von gebräuchlichen formell nahestehenden Begriffen (vgl. Kluckhohn und Kelly 1945; Shapiro 1971; Fuchs u.a. 1978: 437 ff.) wäre zu sagen, daß sich das Kulturmuster als ein Komplex von Kulturmerkmalen fassen läßt und insofern sich mit dem Terminus ‚Kulturkomplex‘ berührt. Dieser Terminus hätte Sinn aber auch als Benennung einer Mehrzahl miteinander verbundener Kulturmuster. Kulturelement würde im Unterschied von Kulturmerkmal und -muster (als Komplex von Merkmalen), die beide mehr auf Strukturen und Zusammenhänge gehen, eher Einzelphänomene meinen, etwa ein einzelnes Artefakt, eine spezifische Kenntnis oder Fertigkeit, die gesellschaftlich relevant ist.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Eine Hierarchisierung von ‚Muster‘, ‚Konfiguration‘ und ‚Ethos‘ hat Kluckhohn (1943) versucht (vgl. Girtler 1979: 244). Zum Platz des strukturalen Ansatzes neben anderen Typen von Kulturdefinitionen und zu verschiedenen Fassungen des Begriffs ‚Kulturmuster‘ vgl. Kroeber und Kluckhohn 1952: 41 ff., 61 ff. ‚Kulturmuster‘ und ‚kulturelles Muster‘ verwende ich synonym. Für die Gesamtprägung (-‚gestalt‘: pattern of culture) steht der Begriff Stil, dessen Elemente (in einem systemtheoretischen Sinne) sind die Kulturmuster oder kulturellen Prägemuster (cultural patterns).Google Scholar
  2. 2.
    Zu näherer Klärung wäre ‚Wahrnehmung‘ soziologisch u.a. unter den Aspekten von Mentalitäten; Ideologie und Ideologiekritik; Vorurteil; Lebenswelt und Alltagswissen; Herrschaft, Gewalt und Recht zu untersuchen, zudem unter psychologischen und kommunikationswissenschaftlichen Gesichtspunkten.Google Scholar
  3. 3.
    Rituale ließen sich etwa einteilen in: wirtschafts- und gesellschaftspolitische (der ‚sozialistische Wettbewerb‘ u.ä.), staatspolitische (Kampagnen, Wahlen, Jubiläen, Versammlungen, Kundgebungen, Feiern, Jugend- und Sportfeste u.a.), Imitationen von Durch gangsmen (Jugendweihe u.ä.), öffentliche und fachliche Diskussionen, Bräuche und Traditionen einschließlich liturgischer ritueller Sprachformeln und Titulaturen. Symbolik: politische (Fahnen und Embleme der Partei: Hoheitszeichen des Staates; Uniformen und zugehörige Zeichen; oppositionelle Symbole), subkulturelle (äußere Unterscheidungszeichen in der Jugendkultur; Spezialwortschatz und Sondersprachen; Graffiti; ‚alternative‘ Gebrauchsgegenstände), toposhafte Symbolik in Literatur, bildender Kunst etc.; Statussymbole (Demonstrativkonsum und Exklusivität; Distinktionen von Etablierten, Durchschnittsbürgern, Jugendlichen, Randgruppen und Aussteigern; Ehrungen und Auszeichnungen wie Titel, Orden, Prämien/Preise).Google Scholar
  4. 4.
    Topoi sind relativ fixe, historisch tradierte Auffassungs- und Darstellungsmuster zunächst in Geschriebenem. Nach Lalande (1968: 1137) bilden sie eine Art Repertoire, das das Auffinden von Problemlösungen erleichtert. Für die Sozialwissenschaften ist Topik besonders durch die Arbeit von Viehweg (19745) wieder in die Diskussion gebracht worden.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1987

Authors and Affiliations

  • Werner Rossade

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