Advertisement

Nationale Identifikation und europäische Bindung

  • Karl-Rudolf Korte
Part of the Politische Vierteljahresschrift Sonderheft book series (PVS, volume 18/1987)

Zusammenfassung

„Du sollst Dir kein Bildnis machen. Ich bin nicht Stiller“ (Frisch 1962: 31). Die Aufforderung von Max Frisch bereitet ungeahnte Schwierigkeiten. Bilder in unseren Köpfen sind als Analogiemodelle der Außenwelt anthropologisch notwendig (Klineberg 1966: 44–59; Jaspers 1985: 143 ff.; Mentzel und Pfeiler 1972: 47; Boulding 1956; Frei 1985). Vor allem nationale Selbst- und Fremdbilder sind in Gesellschaft und Politik weit verbreitet. Angesichts der nivellierenden Tendenzen unseres Medienzeitalters mit transnationalen Kommunikations- und Austauschprozessen hat sich ihre identitätsstifende Kraft sogar erhöht. Der Mensch denkt und handelt in Bildern (Dreitzel 1962; Berger und Luckmann 1969; Dux 1982). Sein Verhalten wird offenbar weitgehend bestimmt durch diese Wahrnehmung über Bilder (vgl. Frei 1985: 12). Die Wirklichkeit wird so zur Orientierungshilfe über symbolhaft verdichtete Bildkonturen vermittelt. „Das Image vom eigenen Selbst steht nicht unverbunden neben anderen Images, sondern wird von diesen mitbestimmt und umgekehrt. Selbstbild und Gesellschaftsbild gehören untrennbar zusammen“ (Dreitzel 1962: 193). So beinhaltet das individuelle Selbstbild zum Standort der Deutschen — als Seismograph für Tendenzen der politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland — auch immer gleichzeitig Elemente von kollektiver Identität.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Anmerkung

  1. 1.
    Für eine „gute Sache“ hielten die Bundesbürger die Mitgliedschaft ihres Landes in der EG 1973 noch 63 Prozent, 1982 nur noch 51 Prozent (vgl. Eurobarometer 1982).Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1987

Authors and Affiliations

  • Karl-Rudolf Korte

There are no affiliations available

Personalised recommendations