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Nachrichten für die geistige Provinz — Zum Strukturdilemma konfessioneller (katholischer) Publizistik

  • Otwin Massing
Chapter

Zusammenfassung

Daß die beiden großen Religionsgemeinschaften heute in der Bundesrepublik ein hohes Ansehen genießen, dürfte unbestritten sein. In zahlreichen öffentlichen Angelegenheiten sind ihnen Mitspracherechte eingeräumt, z.T. sogar institutionell abgesichert worden, wie z.B. in den Aufsichtsgremien der Rundfunk- und Fernsehanstalten. In diesen Bereichen kommt ihre privilegierte Stellung staatskirchenartigen Vorrechten gleich. Nicht nur, daß einzelne Verfassungen ihnen ausdrücklich konstitutionellen Schutz angedeihen lassen, da die Kirchen als eine “anerkannte Einrichtung für die Wahrung und Festigung der religiösen und sittlichen Grundlagen des menschlichen Lebens” (Art. 41 der Verf. von Rheinland-Pfalz) gelten können, der § 166,2 StGB schützt sie qua Institution gegen öffentliche, vorsätzliche Denunzitation; § 243 bezeichnet jeden Kirchendiebstahl als besonders schweren Diebstahl. Die Erteilung von Religionsunterricht wird ihnen trotz des säkularen Charakters der staatlichen Ausbildungswege und Ausbildungsziele als eine von Staats wegen förderungswürdige Tätigkeit rechtlich garantiert. Die zwangsweise erhobenen Kirchensteuern werden über die allgemeine Finanzverwaltung der staatlichen Finanzämter kassiert. Die Eigenschaft als Kirchenmitglied, die durch einen sakralen Akt, die Taufe, erworben wird, kann nur durch offiziell erklärten Austritt rückgängig gemacht werden. Priester und Pfarrer sind vom Wehrdienst und von zivilen Ersatzdienstleistungen befreit (1), usw. Vor allem aber haben die Kirchen, insbesondere über die ihnen affilüerten Verbände, ideell wie materiell an den Segnungen einer politisch stabilisierten Wohlstandsgesellschaft teilgehabt.

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Anmerkungen

  1. (1).
    Vgl. zu diesem speziellen Problem Harald Bogs: Probleme des Geistlichenprivilegs im Wehrrecht, in: Der Staat, 9. Bd., 1970, H. 1, S. 43–66.Google Scholar
  2. (2).
    Helmut Gollwitzer: Die sich selbst betrügen, in: Wolfgang Weyrauch (Hrsg.): Ich lebe in der Bundesrepublik. Fünfzehn Deutsche über Deutschland, München o.J. (= List-Bücher 163), S. 131.Google Scholar
  3. (3).
    Würde man unterstellen, der bundesrepublikanische Katholizismus habe bloß die Taktik des Mimikry verfolgt, die öffentliche Meinung hierzulande wäre sicher geneigt, sich mit diesem Vorurteil vordergründig zu behelfen, zumal sie ohnehin stark mit einer Art kurialer Verschwörungstheorie liebäugelt. Vgl. dazu Otwin Massing: Die Kürchen und ihr ‘image’. Materialien und Meinungen zu ihrer Situation in der Bundesrepublik, in: Die sogenannte Politisierung der Kirche (= Furche Taschenbuch Nr. 182), Hamburg 1968, S. 39–96.Google Scholar
  4. (4).
    Stuttgarter Zeitung vom 15.9.1967.Google Scholar
  5. (5).
    So u.a. der Leiter der Pressestelle der Erzdiözese München, Prälat Anton Maier, laut “Frankfurter Rundschau” vom 3.10.1967; gleiches gilt von Hans Wagner: Legenden und Einsichten. Zum Problem einer katholischen Wochenzeitung, in: Die Sendung (Kommentare), H. 4, (Juli/Aug.) 1967, S. 122–126.Google Scholar
  6. (6).
    Die Angaben des KNA-Chefs, Kraemer, zitiert nach “Süddeutsche Zeitung” vom 17.8.1967.Google Scholar
  7. (7).
    Christoph Theodor Wagner: Die katholische Kirche, in: Handbuch für die Öffentlichkeitsarbeit, PR, Ergänzungslieferung Nr. 14 vom 31. Okt. 1969 (Neuwied 1969), S. 19–36 (26).Google Scholar
  8. (8).
    Roegele/Wagner: Die katholische Presse in Deutschland, in: Emü Dovifat (Hrsg.): Handbuch der Publizistik, Bd. 3, 2. Teil, Berlin 1969, S. 496–507 (498).Google Scholar
  9. (9).
    Ibid., S. 500.Google Scholar
  10. (10).
    Ibid., S. 501.Google Scholar
  11. (11).
    Vgl. Roegele/Wagner, a.a.O., S. 501.Google Scholar
  12. (12).
    Herausgegeben vom Gemeinschaftswerk der Evangelischen Presse e.V., Frankfurt/M. (o.J.). Im übrigen fristet in den Randzonen der konfessionellen, insbesondere der katholischen Presse, die immerhin auf eine Auflage von ca. 1 Million geschätzte, sogenannte christliche, der CDU nahestehende Tagespresse keineswegs ein Kümmerdasein. (Vgl. Chr. Th. Wagner, a.a.O., S. 26).Google Scholar
  13. (13).
    Christoph Theodor Wagner, a.a.O., S. 23.Google Scholar
  14. (14).
    Hauptkriterium zur Unterscheidung nach Intensiv- bzw. Reduktionssegment ist die Intensität der religiösen resp. kirchlichen Praxis, wobei in der Regel die sogen. Gottesdienstziffer aus differenzierten Kirchenbesucherzählungen als Meß- und Bezugsgröße zugrundegelegt wird. Entsprechend lassen sich unterschiedliche Typologien erstellen. Josef Fichter beispielsweise hat nach Kernpfarrei, Randkatholiken und ‘schlummernden’ Katholiken unterschieden. Greinacher unterscheidet nach Gemeindekatholiken (etwa 15%), Traditionskatholiken (etwa 25%), Marginalkatholiken (etwa 50%), und bewußten Nondominikantes (etwa 10%). Vgl. Norbert Greinacher: Die Kirche in der städtischen Gesellschaft. Soziologische und theologische Überlegungen zur Frage der Seelsorge in der Stadt, Mainz 1966, S. 218. Vgl. auch Adolf Holl: Gott im Nachrichtennetz. Religiöse Information in der modernen Gesellschaft, Freiburg i. Br. 1969, S. 34 ff.Google Scholar
  15. (15).
    Christoph Th. Wagner, a.a.O., S. 23.Google Scholar
  16. (16).
    Vgl. Die Bistumsblätter als Werbeträger. Versuch einer Positionsbestimmung, 1967 (Untersuchungen des DIVO-Instituts für angewandte Psychologie), herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Kirchliche Presse e.V. (Zitierweise: Werbeträger). Die “Arbeitsgemeinschaft Kirchliche Presse”, in der alle größeren katholischen Zeitschriften zusammengeschlossen sind, bietet 10 überregionale und 22 regional verbreitete katholische Zeitschriften als Werbeträger an. Die Auflage beträgt 1.495.454 resp. 2.216.484 Ex. Im “Gemeinschaftswerk der evangelischen Presse” sind 4 überregionale und 18 regional verbreitete Titel vertreten mit einer Auflage von 534.593 resp. 1.135.595. Die Gesamtauflage der Zeitschriftengruppe “Konfessionelle Presse” beträgt demnach 5.382.126 Auflagenexemplare. (Angaben nach der Werbebroschüre “Dialog mit einem großen Werbeträger. Die Zeitschriftengruppe ‘Konfessionelle Presse’ stellt sich der Werbung”, (München o.J.) (1969), (Zitierweise: Dialog).Google Scholar
  17. (17).
    Christoph Theodor Wagner, a.a.O., S. 31 f.: “Publik” hatte nach seiner Darstellung im Jahre 1968 eine verkaufte Aufig. von 85.000, ein Jahr später eine verkaufte Auflage von 62.000. Diese Angaben dürften eher zu niedrig angesetzt sein, (ibid., S. 27). Nach Angaben des Verlages ist die Auflage keineswegs rückläufig, sondern steigt stetig an. Abweichend von den dort gemachten Angaben nennen Roegele/Wagner 420 Titel mit einer Gesamtauflage von ca. 18 Mill., in: E. Dovifat (Hrsg.), a.a.O., S. 501.Google Scholar
  18. (18).
    Quelle: Titelkartei zur Verbreitungsanalyse 1969, herausgegeben von der Zeitungsgemeinschaft für Marktforschung und Absatzförderung in der Standortpresse GmbH, Bonn 1970 (Die Angaben zur verkauften Auflage beziehen sich auf das 1. Quartal 1969).Google Scholar
  19. (19).
    Vgl. Adolf Holl, a.a.O., S. 63. Ebenso Hermann Meyn: Massenmedien in der Bundesrepublik Deutschland, Ergänzte Neuauflage, Berlin 1970, S. 131.Google Scholar
  20. (20).
    Roegele/Wagner, a.a.O., S. 502.Google Scholar
  21. (21).
    LpN = Leser pro Nummer. Diese quantitativen Angaben und ihre Interpretation stützen sich im wesentlichen, wenn nicht anders angegeben, auf die “Quantitative Leseranalyse konfessioneller Zeitschriften 1962”, herausgegeben von der Fachgruppe ‘Konfessionelle Zeitschriften’ im Verband Deutscher Zeitschriftenverleger e.V., Düsseldorf (o.J.), in Verbindung mit der Arbeitsgemeinschaft Kirchliche Presse e.V., und dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Presse e.V., (Zitierweise: LA 62). Durchgeführt wurde diese Gemeinschaftsuntersuchung von der DIVO-GmbH, Frankfurt/M. Die Feldarbeit lief von September 1961 bis April 1962 in 5 Wellen zu je 1700 Befragten im Alter zwischen 16 und 70 Jahren. Die Erhebungen basieren auf einer doppelt geschichteten Zufallsstichprobe mit Adressenvorgaben für den Interviewer. Vgl. vor allem Tab. 11. In unserem Zusammenhang sind primär die Angaben für das gesamte Bundesgebiet von Interesse. Eigene Umrechnungen werden gesondert vermerkt.Google Scholar
  22. (22).
    Vgl. LA 62, Tab. 1 und Umrechnung; vgl. auch Tab. 6.Google Scholar
  23. (23).
    Vgl. LA 62, Tab. 11.Google Scholar
  24. (24).
    Ibid., Tab. 11.Google Scholar
  25. (25).
  26. (26).
    Vgl. dazu Otwin Massing: Die Kirchen und ihr ‘image’, a.a.O., S. 39–96.Google Scholar
  27. (27).
    Dieser Schluß läßt sich aus der Interpretation der Tab. 10 (LA 62) ziehen, die Angaben über die einschlägigen Überschneidungen enthält.Google Scholar
  28. (28).
    LA 62, vgl. Tab. 6 und ebenso Tab. 11.Google Scholar
  29. (29).
    Vgl. LA 62, Tab. 3. Die Prozentsätze des Katholikenanteils an der Wohnbevölkerung sind entnommen aus: Statistisches Bundesamt, Fachserie A: Bevölkerung und Kultur; hier: Volks- und Berufszählung vom 6.6.1961, H. 5, Bevölkerung nach der Religionszugehörigkeit, S. 23, zit. in: Traute Nellessen-Schumacher: Sozialstruktur und Ausbildung der deutschen Katholiken. Statistische Untersuchungen aufgrund der Ergebnisse der Volks- und Berufszählung 1961, Weinheim-Berlin-Basel 1969, Übersicht 4, S. 16; Zahlen z.T. aufgerundet.Google Scholar
  30. (30).
    Vgl. LA 62, Tab. 6 und ebenso Tab. 11.Google Scholar
  31. (31).
    Gleichwohl sind die Lesekontakte im Binnensegment der katholischen Subkultur stärker und intensiver ausgeprägt. Kontaktintensiver ist audi, der Analyse der “Publik”-Leser zufolge (vgl. Anm. 118), der Kioskkäufer von “Publik” im Verhältnis zum Abonnenten und insofern dem Leser überregionaler Blätter strukturell vergleichbar.Google Scholar
  32. (32).
    Vgl. LA 62, Tab. 10.Google Scholar
  33. (33).
    Vgl. Werbeträger, a.a.O., S. 5.Google Scholar
  34. (34).
    Darüber liegen u.a. Untersuchungen des Wiener Instituts für kirchliche Sozialforschung vor. Vgl. Holl, a.a.O., S. 65; vgl. auch Werner Harenberg (Hrsg.): Was glauben die Deutschen? Die Emnid-Umfrage. Ergebnisse und Kommentare, München-Mainz 1968.Google Scholar
  35. (35).
    Dazu vor allem Reinhard Köster: Die Kirchentreuen. Erfahrungen und Ergebnisse einer soziologischen Untersuchung in einer großstädtischen evangelischen Kirchengemeinde, Stuttgart 1959; Inge Peter-Habermann: Kirchgänger-Image und Kirchgangsfrequenz, Meisenheim a.Gl. 1967.Google Scholar
  36. (36).
    Seither existiert beispielsweise in der Bundesrepublik die Deutsche Bischofskonferenz, die nun nicht mehr nur Empfehlungen, sondern auch verbindliche Beschlüsse fassen kann. Vgl. dazu Christoph Theodor Wagner, a.a.O., S. 20 f.Google Scholar
  37. (37).
    Vgl. hinsichtlich der genaueren Angaben die Anm. 21.Google Scholar
  38. (38).
    Werbeträger, a.a.O., S. 6.Google Scholar
  39. (39).
    Ibid. S. 6, (Hervorhebung von mir, O.M.). Kaum dürfte dem Verfasser die Ambivalenz seiner Zentralbegriffe aufgefallen sein.Google Scholar
  40. (40).
    Vgl. dazu Werbeträger, a.a.O., S. 8, Tab. 4. Derartige Unterschiede können gleichwohl vernachlässigt werden, weil sie allenfalls die typologische Eindeutigkeit beeinträchtigen und so die generalisierende Strukturanalyse verunklaren.Google Scholar
  41. (41).
    Bei der Durchsicht der Testhefte wurde für die Bewertung des angebotenen redaktionellen Stoffes eine Skalierung verwandt, mit deren Hilfe angegeben werden konnte, welchen Raum die jeweiligen Themen einnehmen. Pro Seite wurden 8 Punkte vergeben. In die Einstufung wurden zwar Bilder, nicht jedoch Anzeigen einbezogen. Quelle: Werbeträger, a.a.O., S. 12, Tab. 6.Google Scholar
  42. (42).
    Werbeträger, a.a.O., S. 10. Ein gleichermaßen enger Interessenhorizont begrenzt die evangelischen Blätter. Einer Stichprobe aus 26 evangelischen Gemeinde- und Sonntagsblättern zufolge (1956) entstammen 108 Beiträge der Rubrik ‘Erbauliches (Andachten, Schriftauslegungen usw.), 495 Beiträge waren der Rubrik ‘Kirchliche Informationen’ zuzurechnen und nur 115 Beiträge (= etwa 1/7) entfielen auf die Sparte ‘Gespräch nach außen und mit der Welt’. Vgl. Walter Schricker: Ist die Kirchenpresse noch zu retten? Eine Sendung des Norddeutschen Rundfunks, II. Programm, vom 12.10.1968.Google Scholar
  43. (43).
    Werbeträger, a.a.O., S. 11.Google Scholar
  44. (44).
    Freilich ist dieser Zustand nicht deterministisch als unabwendbares Schicksal etwa, sondern zunächst nur als typische Reaktionsform auf nicht bewältigte Herausforderungen seitens konkurrierender Gruppen und deren ‘effektiveren’, auch zeitgemäßeren Problemlösungsversuchen zu interpretieren. Erst in diesem Zusammenhang sind neuere Versuche richtig einzuordnen, die Massenkommunikationsmedien, vor allem Funk und Fernsehen, als Mittel des geistlichen Marketing effektiver einzusetzen, was voraussetzt, daß man mit ihnen unbefangener umzugehen lernt. Vgl. Karl-Werner Bühler: Die Kirchen und die Massenmedien. Intentionen und Institutionen konfessioneller Kulturpolitik in Rundfunk, Fernsehen, Film und Presse nach 1945, Hamburg 1968; ferner Elmar Maria Lorey: Mechanismen religiöser Information. Kirche im Prozeß der Massenkommunikation, München-Mainz 1970. Symptomatisch für die sozialpädagogische Ambivalenz derartiger Versuche dürfte folgendes Zitat sein, das ziemlich genau den Bewußtseinszustand der Protagonisten widerspiegelt: “So tragen all diese ‘Institutionen repressiver Moral’ (gemeint sind u.a. die Zeitschriftenbeobachtungsdienste, O.M.) zugleich die Tendenz in sich, aufklärend zu wirken und damit den einzelnen Konsumenten, wenn auch unter pädagogischer Führung, in die Mündigkeit zu entlassen.” (Karl-Werner Bühler: Evangelische Presseethik nach 1945. Über den Versuch, die protestantische Furcht vor der Moderne zu überwinden, in: Heinz-Dietrich Wendland (Hrsg.): Sozialethik im Umbruch der Gesellschaft. Arbeiten aus dem Mitarbeiter- und Freundeskreis des Instituts für Christliche Gesellschaftswissenschaften an der Universität Münster, Göttingen 1969, S. 213–232 (227).Google Scholar
  45. (45).
    Werbeträger, a.a.O., S. 11 (Hervorhebung von mir, O.M.).Google Scholar
  46. (46).
    So der Titel des Buches von Hans-Ekkehard Bahr: Verkündigung als Information. Zur öffentlichen Kommunikation in der demokratischen Gesellschaft, Hamburg 1968.Google Scholar
  47. (47).
    Die vom 1. Mai bis 30. Juni 1970 gestartete, erstmalige Totalerhebung (Umfrage) unter 21 Millionen deutschen Katholiken zur Synode 1972 hat gerade wegen der allzu engen, manipulierten Standardisierung ihrer Fragen herbe Kritik erfahren. Vgl. auch Anm. 170.Google Scholar
  48. (48).
    Wer indes am Abbau der tiefgreifenden theologischen Unmündigkeit der Kirchenmitglieder auch nur interessiert ist, hätte infolgedessen dem Alleinvertretungsanspruch der den Organen der innerkirchlichen Publizistik gegenüber theologisch auftrumpfenden Amtskirche und ihrer Repräsentanten — der Theologen überhaupt — zunächst einmal Widerstand entgegenzusetzen. Grosso modo wäre dem Urteil Yorick Spiegels zuzustimmen: “Für jedes sich eigenständig entwickelnde geistliche Leben und für jede religiöse Aktivität muß es tödlich sein, wenn sie stets dem Urteil einer akademischen Theologie (vor allem in ihrer spezifisch amtskirchlichen Variante, O.M.) unterworfen werden” (Yorick Spiegel: Kirche als bürokratische Organisation, München 1969, S. 59).Google Scholar
  49. (49).
    Werbeträger, a.a.O., S. 10.Google Scholar
  50. (50).
    Werbeträger, a.a.O., S. 10 und Anmerkung.Google Scholar
  51. (51).
    Karl Rahner: Freiheit und Manipulation in der Kirche. Spannungselemente zwischen Lehrautorität und Meinungsbildung, in: ‘Publik’, Nr. 12, vom 20.3.1970.Google Scholar
  52. (52).
    Rob. A. Dahl: Politische Systeme. Ähnlichkeiten und Unterschiede, in: Ekkehard Krippendorf (Hrsg.): Political Science. Amerikanische Beiträge zur Politikwissenschaft, Tübingen 1966, S. 149–172 (153).Google Scholar
  53. (53).
    Vgl. Hartley/Hartley: Die Grundlagen der Sozialpsychologie, Berlin 1955, S. 14.Google Scholar
  54. (54).
    W. Johnson: People in Quandries, New York 1946, zit. bei Hartley/Hartley, a.a.O., S. 11.Google Scholar
  55. (55).
    Ibid., S. 16.Google Scholar
  56. (56).
    Dieser Erkenntnis scheint erst in jüngster Zeit etwas systematischer Rechnung getragen zu werden. Vgl. dazu die Literaturangaben in Anm. 44.Google Scholar
  57. (57).
    Hans Wagner: Legenden und Einsichten, a.a.O., S. 123.Google Scholar
  58. (58).
    Vgl. dazu Otwin Massing: Die Kirchen und ihr ‘image’, a.a.O., bes. S. 75 ff.Google Scholar
  59. (59).
    Wilbur Schramm (Hrsg.): Grundfragen der Kommunikation, 2. Aufig., München 1968, S. 85 ff.Google Scholar
  60. (60).
    Walter Dirks: Wo sind die guten Geister? Neuigkeiten aus dem Deutschen Katholizismus, in: Frankfurter Hefte, 22. Jg., H. 4, 1967, S. 238.Google Scholar
  61. (61).
    ‘Die Furche’, Nr. 33, vom 19.’ Aug. 1967.Google Scholar
  62. (62).
    Katholische Nachrichtenagentur (KNA), Aktueller Dienst, Nr. 199, vom 25. Aug. 1967.Google Scholar
  63. (63).
    Nicht zuletzt wäre hierzu das vielbemühte und ideologisch allzu oft mißbrauchte Elternrecht zu zählen. Vgl. dazu H. Hermans: Der Streit um die Konfessionsschule. Die schulpolitische Auseinandersetzung in der Bundesrepublik, in: Stimmen der Zeit, 179. Bd., 92. Jg., 1967, H.3, S. 178–193, und ders.: Die Zukunft der katholischen Schule in Deutschland, in: Stimmen der Zeit, a.a.O., H.4, S. 241–250.Google Scholar
  64. (64).
    BVerfGE 7, 198 ff.Google Scholar
  65. (65).
    Vgl. dazu Friedhelm Baukloh: Für und wider das Bistumsblatt. Das Düemma der katholischen Kirchenpresse, in: N. Greinacher/H. T. Risse (Hrsg.): Bilanz des deutschen Katholizismus, Mainz 1966, S. 219–247 (230).Google Scholar
  66. (66).
    Zur Konstruktion des Treuhändergremiums vgl. ‘Publik’, Nr. 12, vom 21. März 1969; kritisch zu seiner partei-politischen Zusammensetzung Friedhelm Baukloh: “Publik”. Idee, Verwirklichung und Konkurrenz, in: Frankfurter Hefte, 23. Jg., H.8, 1968. S. 521 ff.Google Scholar
  67. (67).
    Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18.9.1967.Google Scholar
  68. (68).
    Christ und Welt vom 30.6.1967. Ob jene besagte Toleranzschwelle hoch oder niedrig anzusetzen sein wird, ist sicher nicht ohne Belang, sollte jedoch allein der Eigenverantwortung der Redaktion überlassen bleiben. Ohnehin wird von deren Qualitätsarbeit Niveau, Reichweite, Resonanz und folglich auch der (langfristige) wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens abhängen. Die Bischöfe aber werden das Projekt finanziell nicht aushungern können — jedenfalls vorerst nicht -, weil sie einen derartigen Prestigeverlust so schnell nicht wieder wettmachen könnten; vor allem aber, weil ein solches Verhalten als Rückfall in antimodernistisches Ressentiment interpretiert würde. Die Glaubwürdigkeit der Redaktion wird also gerade davon abhängen, wie sehr sie sich, ungehindert und ungeschmälert, in der Lage sehen wird, Kritik auch an der Amtskirche qua behördlicher Einrichtung zur Verwaltung der Heilsmittel zu üben. Eine solche Kritik als das selbstverständliche Recht des kirchlichen ‘Laienelements’ hinzunehmen, wird umgekehrt zum Prüfstein für die Toleranz und Offenheit der Amtskirche werden können.Google Scholar
  69. (69).
    In dieser Kumulation dürfte ein kritisches Potential, das durch repetitive Tätigkeit weniger aktiviert wird als durch phantasievoll-produktive Betätigung, kaum förderliche Umstände finden. Die psychischen Reaktionen dürften von reduzierter Aktivitätsbereitschaft für interessante, d.h. wichtige und kontroverse Tätigkeitsfelder, über Interesselosigkeit bis hin zur Resignation reichen. Korrelativ dazu dürfte sich die Rigidität ihrer moralischen und sonstigen normativen Vorstellungen bis hin zu aggressiver Intoleranz steigern, soweit wenigstens auf dem psychischen Kontinuum typologische Differenzpunkte zu analytischen Zwecken auszumachen sind.Google Scholar
  70. (70).
    Vgl. Theo Pirker: Von der Herrschaft über Menschen zur Verwaltung der Dinge, in: Archives Europeennes de Sociologie, 5/1964, S. 65–82 (72). Erst in der letzten Zeit scheinen sich die Anzeichen dafür zu mehren, daß an der selbstbeschönigenden Darstellungsweise offizieller Stellen ebenso offizieller Zweifel zu nagen beginnt: die eklatante Zahl der Kirchenaustritte, der erschreckend hohe Rückgang der Praktikantenzahlen und der Beichtpraxis zwingen freilich zu diesem Umschlag in zweckpessimistisch gefärbte Konsequenzen.Google Scholar
  71. (71).
    Daß die kirchliche Hierarchie den Einsatz analytischer Untersuchungsmethoden soziologischer Provenienz lange Zeit als illegitim glaubte ablehnen zu müssen, läßt sich von der Sache, der die Verteidigung angeblich galt, kaum rechtfertigen, wohl aber drückt es den Tatbestand, daß sie über eine marktbeherrschende Position verfügt, exemplarisch aus. Auf Grund ihrer Monopolstellung ist sie in der Lage, losgelöst von einer sie legitimierenden Basis, aber auch unabhängig gegenüber der Nachfrageseite und gestützt nur durch den Apparat und eine Mitgliederselektion ausschließlich im Wege der Selbstrekrutierung, am Ende nur noch sich selber zu reproduzieren. Im Grenzfall könnte diese Entwicklung tendenziell sogar dazu führen, “daß die Kirche als bürokratische Kernorganisation in ihrem Fortbestand von der aktiven Mitwirkung ihrer Mitgliedschaft weithin unabhängig ist” (Joachim Matthes: Kirche und Gesellschaft. Einführung in die Religionssoziologie II, Reinbek b. Hamburg 1969, S. 92.Google Scholar
  72. (72).
    J. K. Galbraith: Die moderne Industriegesellschaft, München-Zürich 1968, Kap. XVIII, S. 223–237.Google Scholar
  73. (73).
    Vgl. dazu Yorick Spiegel, a.a.O., S. 91.Google Scholar
  74. (74).
    Dafür dürften wiederum die Vorbereitungen zur Synode ‘72 symptomatisch sein. Vgl. Anm. 47.Google Scholar
  75. (75).
    Dieses restriktive Verhalten ist seinerseits Ausdruck einer unspezifischen Angst vor den Massen, die wiederum jene Wendung reflektiert, die mit der Abkehr von der charismatischen Gnadenspendung hin zur Vermittlung von Anstaltsgnade einhergeht und als Entwicklung von der Virtuosenreligiosität zur Gemeindereligiosität im Wege der Veralltäglichung des Außergewöhnlichen beschrieben worden ist. Vgl. dazu Max Weber: Religionssoziologie (Typen religiöser Vergemeinschaftung), in: Grundriß der Sozialökonomik, III. Abteilung: Wirtschaft und Gesellschaft, 1. Halbband, Dritte Auflage. Unveränderter Nachdruck der zweiten, vermehrten Auflage, Tübingen 1947, S. 227–363 (257 ff. und 320 ff.).Google Scholar
  76. (76).
    Yorick Spiegel, a.a.O., S. 19.Google Scholar
  77. (77).
    “… Mit hoher Wahrscheinlichkeit kann vorausgesagt werden, daß die anstehenden Fragen nur dann einer Lösung nähergebracht werden können, wenn es in den westlichen Kirchen zu einer rechten Gewaltenteilung (sc. zwischen Klerikern und Laien) kommt” (Holl, a.a.O., S. 150). Holl konzentriert das Dilemma moderner Kirchenführung in zwei Problemen: dem der Delimitation, ob es gelinge, gegen das geschlossene, dogmatisch-traditionalistische System ein offenes, tolerantes, rationaleres durchzusetzen, und dem der Rekrutierung, das er auf die Formel “elitäre Kommunalkirche versus organisierte Großkirche” bringt (a.a.O., S. 151 f.).Google Scholar
  78. (78).
    Tendenziell bietet sich zur zentralisierten Autoritätsstruktur eine Alternative an: je erweiterter die Professionalisierung und je mehr Spezialisten vorhanden sind, vor allem, wenn diese sich frei und relativ unreglementiert bewegen können, desto überflüssiger wird die Bürokratie. (Vgl. Richard H. Hall: Die dimensionale Natur bürokratischer Strukturen, in: Renate Mayntz (Hrsg.): Bürokratische Organisation, Köln 1968, S. 69–81 (77 f.); Peter M. Blau und a.: Wechselbeziehungen zwischen strukturellen Merkmalen der Bürokratie, ibid., S. 94–114 (111 f.). Insofern vertragen sich fachliche Kompetenz der Journalistenstäbe und ein hoher Bürokratisierungs-, d.h. Formalisierungsgrad, wie er kirchliche Autoritäts- und Kontrollsysteme auszeichnet, schlecht miteinander, denn sie ziehen erhöhte Reibungsverluste nach sich.Google Scholar
  79. (79).
    Infolge solcher “Schleifen” kommen Informationen nicht in gleich wirksamer Weise und nur unter Zeitverlust zur Geltung. Erhöht sich die Zahl derartiger “Schleifen” bei gleichzeitiger Zunahme ihrer strategischen Bedeutung für das betreffende System, in dem sie auftreten, tritt möglicherweise dessen Involution ein.Google Scholar
  80. (80).
    In jeder Hinsicht dürfte der Anspruch auf Verchristlichung der Gesamtgesellschaft die theologischen Fachvertreter überfordern. Im unverbindlichen, leerformelhaften Erbauungsstil läßt sich indes weder gezielte Informationspolitik betreiben noch sind Strategien konkurrierender Gegeninformation mit Aussicht auf dauerhaften Erfolg zu befolgen. Dazu wäre folgender Ausspruch mindestens zu bedenken: “Wenn sich die Theologen für künstlerische, politische und andere hiesige Bezirke interessieren, haben sie die Pflicht und Schuldigkeit, entweder außerordentlichen Sachverstand zu entwickeln oder aber, wenn ihnen das offenbar nicht gelingen will, eine ganz neue Disziplin zu lernen — Schweigen.” (Rudolf Krämer-Badoni: Die Last, katholisch zu sein, München 1967, S. 24). Inwieweit unter dem Vorwand moralischer Argumentation handfeste politische Interessen verfochten werden, wobei sich der moralische Rigorismus eigens einen Popanz konstruiert, um gegen ihn desto unverblümter die eigenen Aggressionen richten zu können, läßt sich dem Analogieschluß entnehmen, den das offiziöse Vatikanblatt “L’Osservatore Romano” unterm Datum des 2. März 1970 zwischen der ‘Sex-Explosion’ und der Regierungsübernahme durch sozialdemokratische Parteien in Westeuropa allenthalben glaubt ziehen zu müssen. “Schließlich ist auch zu beobachten, wie das Fortschreiten der sexuellen Revolution mit dem Fortschritt der Sozialdemokratie zusammenfällt. In den skandinavischen Ländern ist die Sozialdemokratie am längsten an der Regierung. In England fällt das Verschwinden jeder Spur von viktorianischer Mentalität mit dem Erfolg der Labour Party zusammen. Das Vordringen des Erotismus in Deutschland steht in direktem Verhältnis zum Fortschritt der Sozialdemokratie. Um das zu erklären, müssen wir an die beiden in der Sozialdemokratie nebeneinander lebenden Seelen denken: die moralisch-kantianische und die wissenschaftlich-positivistische. Der Niedergang der kantianischen Moral — vor allem in jener Form autonomer Moral, in welcher sie einem beträchtlichen Teil der sozialdemokratischen Intellektuellen teuer war — mußte zur Vorherrschaft des Scientismus führen. In der Tat hat der Scientismus in den erwähnten Ländern heute die größte Verbreitung. Damit soll nicht gesagt sein, daß zwischen Sozialdemokratie und sexueller Liberalisierung notwendigerweise eine Verbindung besteht. Vielmehr ist es so, daß die Sozialdemokratie noch nicht jene ideelle Erneuerung durchgemacht hat, die hier notwendig wäre und die durchzuführen sie in Wirklichkeit nicht mehr geneigt scheint.” (nach der Übersetzung von ‘Publik’ vom 13.3.1970). Selbst wenn es sich dabei, wie später abschwächend klargestellt wurde, um eine philosophische und nicht um eine politische Abhandlung gehandelt haben sollte und der Verfasser kein Kleriker, sondern Professor der Philosophie ist, dürfte doch die Verbreitung des Artikels durch den ‘Osservatore Romano’ nicht zufällig erfolgt sein, zumal der Verfasser, Augusto del Noce, ein prominentes Mitglied der Katholischen Aktion Italiens ist. Um eine ebenso massive Intervention handelte es sich bei der Einmischung des Vatikans mittels einer Kampagne des ‘Osservatore Romano’ in die von der Mitte-Links-Regierung geplante, liberalisierte Ehescheidungsgesetzgebung, die eine nahezu zweimonatige Regierungskrise in Italien provozierte. Sicher noch atavistischer verhielt sich das (kath.) Organ des “Rosenkranz Sühnekreuzzuges um den Frieden der Welt” (mit Sitz in Wien), als es den Ausgang der Nationalratswahlen in Österreich vom 6. März 1966, die der ÖVP die absolute Mehrheit beschert hatten, unterm Datum des 20. März wie folgt kommentierte: “Das Große, das Gott an Österreich am vorletzten Sonntag getan hat, war, daß Er Österreich und darüber hinaus das christliche Abendland vor den finsteren Mächten bewahrte. Damit ist… keine Partei gemeint, sondern der Antichrist selbst… Nie kommt ein Strafgericht Gottes ohne vorherige Warnung. Bedauerlicherweise haben viele von uns das innere Schauen und Hören, wie Gott zu uns Menschen spricht, im lärmenden Alltag verlernt. Wir hätten sonst aufhorchen müssen, als Ende Mai bereits mit der Hochwasserkatastrophe Gott uns zur Besinnung mahnte. Aber wir verstanden diese Sprache nicht. Dann kam im Herbst die zweite, noch größere Hochwasserkatastrophe und dunkle Wolken zogen sich bereits über Österreich zusammen am politischen Horizont. Und als auch diese zweite Warnung Gottes zu keiner Selbstbesinnung führte, zu keiner Abkehr von der eingerissenen religiösen Gleichgültigkeit…, kam die dritte und ultimative Warnung Gottes, deren Mißachtung uns jenen überließe, die Gottes Geißeln sind. Gott sei gedankt, diese Warnung haben noch viele Österreicher verstanden und sie fingen an, zu beten und um Verzeihung zu bitten, für alle in Österreich. Und Gott erbarmte sich unser aller, auch jener, die nicht mitgebetet haben.” (zitiert in: Holl, a.a.O., S. 52 f.).Google Scholar
  81. (81).
    Vgl. dazu die Vorbereitungen zur Synode 472 (s. Anm. 47), aber auch die Reaktionen auf die Papst-Enzyklika “Humanae vitae”. Vgl. ebenfalls Anm. 80.Google Scholar
  82. (82).
    Holl, a.a.O., S. 138 f.Google Scholar
  83. (83).
    Ibid., S. 149 f.Google Scholar
  84. (84).
    In der Tat beschränkt sich die innerkirchlich dominante Klerikerkultur nicht nur auf die Kenntnis routinierter Kultpraktiken und Interpretationstechniken der Orthodoxie, sie entwickelt auch die Neigung, sich über ihr hierarchisiertes Netz von Binnen- und Außenkontakten mittels seßhafter Spezialisten auf alle anderen, “fremde” Sektoren gleichsam zu überwälzen. Im Bemühen, die Kontrolle über sämtliche Subsysteme der hierarchisch strukturierten, gleichwohl undifferenziert gehaltenen Funktionsverteilung in den Händen zu behalten — “funktional” insofern, als Spezialisierung in der Regel die Herrschaftsautorität von übergeordneten Personen abbaut -, werden zwar die exekutiven Funktionen technischer Art dem eigens dazu ausgebildeten Personal überlassen, die eigentlichen Leitungs- und Kontrollfunktionen jedoch sind den Personen mit generell geregelten Qualifikationen vorbehalten, so daß ihnen neben den Mitsprache- und Kontrollrechten das möglicherweise entscheidende, weil monopolartige Vetorecht bei der Zieldefinition des kirchlichen Großverbandes zukommt. Selbst wenn sie sich von Laiengremien im Vorfeld des Willensbildungsprozesses und der Entscheidungsfindung zunächst (dennoch unverbindlich) beraten lassen, angefangen von rituellen über dogmatisch-doktrinäre bis zu juristischen und moralischen Fragen, die relevanten Entscheidungen treffen monopolistisch allein die Kleriker. Wer daher den kirchlichen Zentralinstanzen die entscheidende Funktion, die der Transformation, zuzubilligen geneigt ist, wird deren Rolle innerhalb der innerkirchlichen Entscheidungsstruktur nicht hoch genug ansetzen können, vor allem wegen der von ihnen zu entscheidenden relevanten Fragen, der dadurch zustandekommenden Fremdbestimmung und der durch sie den Menschen aufgebürdeten sozialen Folgelasten.Google Scholar
  85. (85).
    Hamlet, 111, 1.Google Scholar
  86. (86).
    Amitai Etzioni: A Comparative Analysis of Complexe Organizations, Glencoe 1961, S. 106 f.Google Scholar
  87. (87).
    Entgegen der negativen Resonanz, die die geplante Katholische Wochenzeitung im publizistisch interessierten Katholizismus seinerzeit hervorrief und die bis heute noch nicht ganz abgeklungen ist, mußte sich dieser von ‘Christ und Welt’ sagen lassen, daß ein neues katholisches Wochenblatt, unter der Voraussetzung, daß es “das Selbstbewußtsein der deutschen Katholiken intellektuell formuliert und die neue Liberalität wie die alte Glaubenstreue zu verkörpern weiß und sich gleich weit von der beliebten Tabu-Brecherei wie dem Erbauungsschrifttum entfernt hält” (Christ und Welt vom 30.6.1967), keineswegs ein chimärisches Unterfangen zu sein bräuchte. Inzwischen ist das Programm dieser Wochenzeitung auf die Formel von der ‘Problemorientiertheit’ festgelegt worden (vgl. Alois Schardt: Ja — Nein. Nach einem halben Jahr. Versuch einer Zwischenbilanz, in: Publik, Nr. 12, vom 21.3.1969).Google Scholar
  88. (88).
    Selbst in dieser Entzweiung, die den vollends säkularen Zerfall der Kirche in soziale Schichten, ökonomische Klassen und organisatorisch bedingte Interessengegensätze widerspiegelt, ließe sich trotz allem noch die Einheit der “una sancta” manifestieren, vorausgesetzt, daß sich dazu auch die Theologie ihre Gedanken machte und sie zu explizieren in der Lage wäre.Google Scholar
  89. (89).
    Gerhard Schmidtchen: Das Problem der Freiheit und die Soziologie, in: Manipulation — Freiheit negativ, Neuwied 1970, S. 59.Google Scholar
  90. (90).
    Max Weber: Zu einer Soziologie des Zeitungswesens, Verhandlungen des Ersten Deutschen Soziologentages in Frankfurt 1910, Tübingen 1911, S. 42 ff., wiederabgedruckt in: Alphons Silbermann (Hrsg.): Reader Massenkommunikation, Bd. 1, Bielefeld 1969, S. 34–41 (40).Google Scholar
  91. (91).
    Zit. in: Friedhelm Baukloh, a.a.O., S. 223.Google Scholar
  92. (92).
    So wenig nach 1949 die deutsche Presse insgesamt je geneigt war, die Rahmenbedingungen, in deren Grenzen sie ihr Auskommen und ihre Entfaltung gefunden hatte, prinzipiell in Frage zu stellen, so wenig hat es die konfessionelle Presse gewagt, den ihr vorgegebenen Bezugsrahmen zur Disposition einer kritischen Analyse zu stellen. Solange jedoch auch heute — immer noch — gesagt werden kann: “Das Dekret über die Massenkommunikationsmittel des II. Vativanums hat zwar den Fachmann enttäuscht, für die katholische Kirche insgesamt bedeutete es jedoch einen Fortschritt, die öffentlichen Medien für wertneutral zu erklären…” (Christoph Theodor Wagner, a.a.O., S. 19; Hervorhebung von mir, O.M.) — solange wird der traditionelle und zugleich fatale Dualismus, nach Amt und Volk, Fachmann und Masse, Kommissaren und Yogis taktisch und strategisch zu differenzieren, die Kirche auch in Zukunft zu jener Schaukelpolitik zwingen, mit der es kaum möglich sein dürfte, über die Fronten der “zwei Kulturen” hinweg eine Versöhnung zustandezubringen.Google Scholar
  93. (93).
    Vgl. dazu u.a. Michael Schneider/Eckhard Siepmann: DER SPIEGEL oder die Nachricht als Ware, Voltaire Flugschrift 18, Frankfurt/M. (o.J.) (1968), S. 8 f.Google Scholar
  94. (94).
    Nicht zuletzt dürften die promulgierten Sätze des sogenannten sekundären Naturrechts für sie kein Letztes sein, vielmehr hätte sie die Chance zu nutzen, auf dessen interessenspezifische Auslegung im Kontext des herrschenden gesellschaftlichen Systems kapitalistischer Prägung ideologiekritisch zu rekurrieren, d.h. die ‘funktionale’ Verwendbarkeit der katholischen Soziallehre, insbesondere über ihr Verständnis der Eigentumsverfassung, für bestimmte sozio-ökonomische Interessenlagen offenzulegen. Auch die Rangiermanöver auf der Prioritätenskala der katholischen Soziallehre wären im Bezug zur jeweüigen historisch-gesellschaftlichen Konstellation ‘funktional’ zu verstehen und in ihren Folgewirkungen kritisch zu überdenken. Insbesondere wären die weit verbreitete Interessenidentifikation der katholischen (Leser-) Massen mit suggerierten, von ihnen verinnerlichten, d.h. geglaubten Bedürfnissen kritisch aufzulösen und gegen sie evtl. neue Verhaltensmuster durchzusetzen. Zur “Verschiebung” der inhaltlichen Vorstellungen selbst in Enzykliken vgl. Rudolf Lill: “Gewissensfreiheit: Albernes Geschwätz.” Unhaltbare Lehräußerungen von Päpsten sind in der Kirchengeschichte nichts Neues, in: F.A.Z., Nr. 160, vom 15. Juli 1969.Google Scholar
  95. (95).
    Christ und Welt vom 30.6.1967.Google Scholar
  96. (96).
    Hans Wagner: Legenden und Einsichten, a.a.O., S. 125.Google Scholar
  97. (97).
    Gerade weil das Problem einer reibungslosen, alle Begabungen gleichermaßen erschließenden Führungsauslese für sämtliche Industriegesellschaften — und d.h. auch für ihre Teilbereiche — so zentral ist, ist kaum einsichtig zu machen, warum der Katholizismus sein Licht unter den Scheffel stellen sollte.Google Scholar
  98. (98).
    Inzwischen wurde in München ein “Institut für publizistischen Nachwuchs” errichtet. Über die 1, 3% Studenten, die von Hochbegabtenstiftungen, zu denen auch das Cusanuswerk zählt, gefördert werden, vgl. die Untersuchung über die Stipendienprogramme von fünf Stiftungen, die Christian v. Ferber/Fritz Gebhardt/Wüli Pöhler: Begabtenförderung oder Elitebildung? Ergebnisse einer soziologischen Erhebung über das Förderungsprogramm der Hochbegabtenförderungswerke, Göttingen 1970, vorgelegt haben. Erhebungszeitraum war das Wintersemester 1963/64.Google Scholar
  99. (99).
    Lieselotte Hinz: Meinungsmarkt und Publikationsorgane, in: Schäfer/Nedelmann (hrsg.): Der CDU-Staat. Analysen zur Verfassungswirklichkeit der Bundesrepublik, 2., erweiterte Auflage, Frankfurt/M. 1969, (es 370/11), S. 259–288 (263).Google Scholar
  100. (100).
    “In dem Augenblick, in dem der Pluralismus den in ihm versammelten Anschauungen keine Anstrengung und Anfechtung mehr kostet, ist er so uninteressant wie der Totalitarismus, ja dieser hat dann die Chance der Macht für sich.” (Hartmut v. Hentig: Die große Beschwichtigung. Zum Aufstand der Studenten und Schüler, in: Merkur, XXII. Jg., H. 5, S. 392).Google Scholar
  101. (101).
    Vgl. Anm. 46.Google Scholar
  102. (102).
    Focko Lüpsen: Die kirchliche Presse stellt sich der Werbung. Wer werben will, muß Image-Pflege treiben, in: Mitteilungsblatt für die Mitglieder des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Presse, Jg. 17, Nr. VII/VIII, vom 25. Juli 1969, S. 94.Google Scholar
  103. (103).
    Paul Sethe, in: “Die Zeit” vom 9.7.1965.Google Scholar
  104. (104).
    Horst Holzer/Joseph Schmid: Massenkommunikation in der Bundesrepublik, in: Friedrich Hitzer/Reinhard Opitz (Hrsg.): Alternativen der Opposition, Köln 1969, S. 261–275 (271).Google Scholar
  105. (105).
    Herbert Krüger: Die öffentlichen Massenmedien als notwendige Ergänzung der privaten Massenmedien, in: Rundfunkanstalten und Tageszeitungen, Bd. III, Frankfurt/M. 1965, S. 207–310 (276).Google Scholar
  106. (106).
    “Mann in der Zeit” vom 4.4.1967.Google Scholar
  107. (107).
    Was vor einiger Zeit die in Zürich erscheinende ‘Orientierung’ in ihren Spalten abdruckte, sei auch dem ‘Rheinischen Merkur’ (vom 12.4.1968) ins Gedächtnis zurückgerufen: “Wenn es nämlich stimmt, daß unter den bestehenden Wochenblättern auch die ‘Kirchenpresse’ eine uniforme parteipolitische Tendenz aufweist, dann wäre es ja ohnehin ein dringendes nachkonzi-liares Postulat, sie im Sinne echter Katholizität davon zu befreien und ihr die Aufgabe zuzuweisen, ihren Lesern die Breite der Möglichkeiten des Katholischen vorzulegen: nicht also, um sie aus allem ‘drauszuhalten’, sondern um sie mit dem Ziel der ‘selbständigen Urteilsbildung’ umfassend zu orientieren” (L. Kaufmann: Kirchenpresse, in: Orientierung. Katholische Blätter für weltanschauliche Information, 31. Jg., Nr. 11 vom 15.6.1967, S. 143.). Zum “Rheinischen Merkur” vgl. Alfred Pressel: Der “Rheinische Merkur” und “Die Zeit”. Vergleichende Inhaltsanalyse zweier Wochenzeitungen von verschiedener weltanschaulicher Orientierung, Berlin 1968.Google Scholar
  108. (108).
    Zitiert in: Friedhelm Baukloh, a.a.O., S. 219.Google Scholar
  109. (109).
    KNA-Informationsdienst 13 (1963).Google Scholar
  110. (110).
    Friedhelm Baukloh, a.a.O., S. 233.Google Scholar
  111. (111).
    Vgl. dazu beispielsweise Marion Beaujean: Der Trivialroman in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Ursprünge des modernen Unterhaltungs-romans, Bonn 1964; vgl. dazu meine Kritik, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 18. Jg., 1966, H.2, S. 379 ff.Google Scholar
  112. (112).
    Vgl. dazu “Werbeträger” und Anm. 12.Google Scholar
  113. (113).
    Ludwig Muth: Gott braucht Leser. Zu einer Meinungsumfrage über das religiöse Buch, in: Stimmen der Zeit, 93. Jg., H.6, Juni 1968, S. 373–386.Google Scholar
  114. (114).
    Zur kumulativen Reichweite der Tagespresse vgl. Institut für Demoskopie Allensbach: Werbeträger-Analyse 1967, 3. Teil: Kumulation und Überschneidung (Zitierweise: AWA 67), S. 40. Die Reichweite der national verbreiteten Tageszeitungen beträgt pro Tag 6,6% (= 2,772 Mill. Personen), pro Woche 16,5% (= 6,93 Mül. Personen). Die Angaben zur totalen täglichen Reichweite von Hörfunk und Fernsehen sind entnommen aus: AWA 67,1. Teil: Werbefunk, Werbefernsehen, Film, S. 7. Sie gelten für die erwachsene Bevölkerung der Bundesrepublik zwischen 16 und 70 Jahren. Die Angaben zur Exklusivfrequenz der Medien sind angeführt in: Hermann Meyn, a.a.O., S. 118. Da sie sich auf die Verhältnisse um 1964/65 beziehen, dürften sie sich inzwischen geringfügig wenigstens verändert haben. Um 1964/65 erreichte das Fernsehen nämlich erst 47% und der Hörfunk noch 68% der erwachsenen Bevölkerung. Inzwischen aber leben bereits 73% der erwachsenen Bundesrepublikaner im Alter zwischen 16–70 Jahren in Fernsehhaushalten (vgl. AWA 67, 1. Teil, S. 61).Google Scholar
  115. (115).
    Zum theoretischen Konzept der sogenannten “opinion-leader” vgl. vor allem Lazarsfeld/Berelson/Gaudet: The People’s Choice. How the Voter makes up his Mind in a Presidential Campaign, New York 1944, (dt. nach der 5. Auflage: Wahlen und Wähler. Soziologie des Wahlverhaltens, Neuwied 1969): Paul Lazarsfeld: Am Puls der Gesellschaft. Zur Methodik der empirischen Soziologie, Wien 1968, S. 87 ff.; Katz/Lazarsfeld: Personal Influence. The Part Played by People in Flow of Mass Communication, Glencoe 1955; Klaus Kiefer: Die Diffusion von Neuerungen. Kultursoziologische und kommunikationswissenschaftliche Aspekte der agrarsoziologischen Diffusionsforschung, Tübingen 1967.Google Scholar
  116. (116).
    Quelle: Rundfunkanstalten und Tageszeitungen. Eine Materialsammlung. Bd. 4, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland, Frankfurt 1966, S. 33 f.Google Scholar
  117. (117).
    Für die Kirche dürfte es sich um eine jener seltenen, berechenbaren Gelegenheiten handeln, mittels massenmedialer Publizistik jene metaphysische Unruhe in die Gesellschaft und unter die Menschen zu bringen, um vielleicht mit Hilfe eines neu zu entwickelnden eschatologischen Bewußtseins die zeitlichen Strukturen eines ewig scheinenden Status quo zu transzendieren.Google Scholar
  118. (118).
    Der folgenden qualitativen Analyse liegt eine DIVO-Untersuchung von Publik-Lesern zugrunde, die 200 nach dem Zufallsverfahren ausgewählte Einzelkäufer und ebensoviele Abonnenten dieser Wochenzeitung erfaßte und Anfang 1969 durchgeführt wurde (veröffentlicht am 18.4.1969).Google Scholar
  119. (119).
    Die Standardfrage lautete: ‘Wenn am nächsten Sonntag gewählt würde, welcher Partei würden Sie dann Ihre Stimme geben? ‘Vgl. Tab. 41 der DIVO-Leseranalyse von ‘Publik’.Google Scholar
  120. (120).
    Eindeutig dürfte sein, daß sich die Leser von ’Publik’ vorwiegend aus groß­städtischem Milieu rekrutieren. Während im Bevölkerungsdurchschnitt nur jeder vierte Katholik in Großstädten (über 100 000 Einwohnern) siedelt, hingegen fast jeder zweite in Gemeinden unter 10 000 Einwohnern, wohnt gut jeder zweite Leser von ’Publik† in Großstädten über 100 000 Einwohnern und noch jeder dritte in Klein- und Mittelstädten. (Die Zahlen sind freilich nicht voll miteinander vergleichbar, weil die Daten der ’Publik†-Analyse 1969 eruiert wurden, während die Angaben zur Wohnbevölkerung der letzten Volkszählung, der von 1961, entstammen).Google Scholar
  121. (121).
    Werbeträger, S. 13.Google Scholar
  122. (122).
    Überhaupt scheinen praktizierende Christen weit häufiger an gestörten Sozialkontakten als andere Bevölkerungsgruppen zu leiden, zuweilen weisen sie sogar häufiger ausgesprochen soziale Mißerfolge auf. Vgl. Glock/Ringer/Babbie: To Comfort and to Challenge, Berkeley 1967. Der objektive Befund schlägt sich auch im Fremdbild nieder; andererseits dürfte das ‘image wiederum die wirklichen Kontakte beeinträchtigen. Vgl. Inge Peter-Habermann, a.a.O., S. 98 ff.Google Scholar
  123. (123).
    Achim Schräder: Die soziale Bedeutung des Besitzes in der modernen Konsumgesellschaft. Folgerungen aus einer empirischen Untersuchung in Westdeutschland, Köln-Opladen 1966, S. 48.Google Scholar
  124. (124).
    Hierbei machen sich selbstverständlich die Siedlungstendenzen von Katholiken bemerkbar. Vgl. Anm. 120.Google Scholar
  125. (125).
    Vgl. LA 62, Tab. 9; ebenso AWA 67, Verbrauchsdaten und psychologische Differenzierung des Publikums der Medien, S. 276 ff. und passim.Google Scholar
  126. (126).
    Gleichwohl muß hier einschränkend bemerkt werden, daß die Verbreitung kosmetischer Erzeugnisse und ihre Benutzung im Bundesdurchschnitt nicht sonderlich weit gediehen ist. Nirgendwo und bei keinem speziellen Angebot verhält sich auch nur die Hälfte der Bevölkerung ‘kosmetikbewußt’. Immer noch läßt die Sozialisierung der Luxusgüter und die Demokratisierung der Lebensgewohnheiten höheren Zuschnitts langfristig auf sich warten — selbst wenn die Tendenz aufwärts gerichtet zu sein scheint. Vgl. dazu meinen Aufsatz “Individuum und Gesellschaft”, in: Volker Hochgrebe (Hrsg.) Christliche Verantwortung. Eine ökumenische Bestandsaufnahme zeitgemäßer Ethik, Würzburg 1968, S. 109–126.Google Scholar
  127. (127).
    Vgl. dazu Inge Peter-Habermann: Kirchgänger-Image und Kirchgangsfrequenz, a.a.O., S. 117 ff.Google Scholar
  128. (128).
    Vgl. dazu meinen Aufsatz “Die Kirchen und ihr ‘image”‘, a.a.O., S. 86 ff. und Werner Harenberg (Hrsg.), a.a.O., S. 32 ff.Google Scholar
  129. (129).
    Die allzu pauschale These vom ‘two-step-flow of communication’ wird auch hier wiederum gruppenspezifisch bedingten Modifikationen ausgesetzt. Vgl. Elihu Katz: Die Verbreitung neuer Ideen und Praktiken, in: Wilbur Schramm (Hrsg.), a.a.O., S. 99–116 und passim.Google Scholar
  130. (130).
    Vgl. LA 62, Tab. 7 und Anm. 120.Google Scholar
  131. (131).
    J. Binder: Tanz, Kino, Lippenstift und Liebe, Linz o.J. (7. Auflage, 71.-80. Tsd.), zit. bei Hannes Schwenger: Antisexuelle Propaganda, Sexualpolitik in der Kirche, Reinbek b. Hamburg 1969, S. 38.Google Scholar
  132. (132).
    Als theologisches und kommunikationswissenschaftliches Problem zugleich wäre beispielsweise zu erörtern, warum die Kirche als Verkünderin der Frohen Botschaft, der ‘guten Nachricht’, wie einschlägige Veröffentlichungen inzwischen stark modernistisch akzentuieren, dennoch sich selbst als Kommunikator so recht nicht in günstiges Licht zu setzen vermag. Obwohl sie seit eh und je mit den Problemen der Verkündigung von ‘messages’ konfrontiert war, um Resonanz auf ‘ausgezeichnete’ Inhalte zu erzeugen, hat sie immer noch nicht vorurteilslos gelernt, sich der technischen Übertragungsmittel funktional, d.h. mediengerecht zu bedienen; immer noch läuft sie Gefahr ihrer moralisierenden, dysfunktionalen Indienststellung.Google Scholar
  133. (133).
    Holl, a.a.O., S. 70.Google Scholar
  134. (134).
    Ibid., S. 71.Google Scholar
  135. (135).
    In der Tat ist die undifferenzierte Darbietung nichtkontroverser Sachverhalte und globaler Inhalte, zumal wenn sie offiziell legitimiert wird, um so wirksamer, je mehr die Anhänger von der Angelegenheit überzeugt, sind, d.h. je intensiver sie präformiert wurden, und je undifferenzierter ihre psychische und kognitive Struktur sich ausnimmt. Dies wiederum hat soziale Ursachen zur Voraussetzung, die über das Bildungsniveau und folglich über die affektive und kognitive Differenziertheit der Betroffenen entscheiden. Das gruppenspezifische Wertsystem hat die Leser der katholischen Zeitschriftenpresse — so jedenfalls hat es den Anschein -, gegenüber ‘fremden’ und manipulativen Einflüssen relativ immunisiert. — Dennoch dürfte kaum ein Anlaß bestehen, darüber etwa zu frohlocken. Wie andererseits experimentell erhärtet werden konnte, dürfte nämlich auf lange Sicht eine Immunisierung gegen ‘profane’ Gegenpropaganda um so effektiver und nachhaltiger sein, je mehr die Auseinandersetzung mit deren ‘messages’ in den einschlägigen kirchlichen Periodika antizipiert, d.h. kritisch selegiert und bewertet wurde.Google Scholar
  136. (136).
    So Friedhelm Baukloh über die Apologie des Chefredakteurs der Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln (Nr. 17, 1965), Peter Paul Paquet, in: a.a.O., S. 221.Google Scholar
  137. (137).
    Eine Frage beispielsweise lautete: “Angenommen, Sie lesen in Ihrem Bistumsblatt eine Information. Kurz vorher sahen Sie in Ihrer Tageszeitung und in einer Illustrierten eine andere Version. Wem würden Sie im ersten Augenblick mehr trauen? “-Antworten: Kirchenzeitung 82%, Tageszeitung 13%. Dennoch muß dies mit einiger Vorsicht aufgenommen werden. Immerhin ist jeder dritte Leser auch der Ansicht, “der Inhalt eines Bistumsblattes sei irgendwie offizielle Verlautbarung der Kirche, von dieser geprüft oder doch mindestens veranlaßt”, d.h. er vermutet, die Leser würden von Amts wegen manipuliert oder zumindest nachrichtenpolitisch gesteuert. Da beide Aussagen in derselben Dimension angesiedelt sind, wird eine isolierte, unkritische Verwendung einer der beiden durchaus fragwürdig. Vgl. Werbeträger, a.a.O., S. 10.Google Scholar
  138. (138).
    Der Begriff des “Gruppenzentrismus” wird hier in Analogie zum Begriff des “Ethnozentrismus” gebraucht, den Sumner bereits 1906 in die sozialwissenschaftliche Diskussion eingeführt hat (vgl. Adorno/Bettelheim/Frenkel-Brunswik u.a.: Der autoritäre Charakter. Studien über Autorität und Vorur-teü, Bd. 1, Amsterdam 1968, S. 89 ff.). Darunter ist die Tendenz des Individuums zu verstehen, sich gruppenzentriert zu verhalten, weü es sich von seiner Bezugsgruppe alle möglichen Entlastungen und die Bereitstellung notwendiger Identifikationsmuster versprechen darf. Zugleich drückt er aus, warum ein Interesse des Einzelnen und worin es besteht, am Sozialschicksal seiner Bezugsgruppe Anteil zu nehmen. Ebenso deutet er die Konsequenzen an, womit ein derartiger ‘Zentrismus’ das Individuum affiziert, als da sind: Bevorzugung der eigenen Gruppe trotz provinzieller Beschränktheit und starre Bindung an sie mit Vorteilen wie Sicherheit und Identifikationsmöglichkeiten, aber auch Nachteilen wie Starrheit, Inelastizität der kognitiven und affektiven Attitüden, desgleichen latenter Fremdenhaß und kulturelle Beschränktheit infolge gruppenspezifisch bedingter Inelastizität der sozialen Kontaktnahme usw.Google Scholar
  139. (139).
    Hans-Dieter Bastian: Theologie als Marktforschung, in: Werner Harenberg (Hrsg.), a.a.O., S. 152–171 (166).Google Scholar
  140. (140).
    Vgl. Otwin Massing: Die Kirchen und ihr ‘image’…, a.a.O., S. 70 ff. und Werner Harenberg (Hrsg.), a.a.O., S. 24 ff. Nicht meßbar ist selbstverständlich die absolute (oder auch nur relative) Intensität des individuellen Glaubens, wohl aber die Korrelation des Grades der Bereitschaft, kirchlicherseits promulgierte Glaubensformeln zu akzeptieren bzw. mit Vorbehalten aufzunehmen. Noch der höhere Grad an Bereitschaft seitens konfessionell gebundener Menschen, sich Organisationen anzuschließen, die kirchlicher Kontrolle zumindest indirekt unterliegen, ist ein Indiz für ausgeprägte “Orthodoxie” als Verhaltensmaxime und Einstellungsmotivation, die den Katholizismus als gesellschaftspolitisch relevanten Faktor auszeichnet und ihn sozialpsychologisch für politischen Konservativismus generell anfälliger machen dürfte.Google Scholar
  141. (141).
    Nach neueren Untersuchungen zu urteilen, scheint die Berufsethik von Katholiken tatsächlich ausgeprägter zu sein als die von Protestanten. “Im Kontrast zu Erwartungen, die man nach der Lektüre von Max Weber hegen könnte, ist die Berufsmoral der deutschen Protestanten im Durchschnitt schwächer als die der Katholiken. Als Kriterien wurden hier genommen, ob ein Leben ohne Arbeit schön wäre, ob man voll und ganz mit der jetzigen Arbeit zufrieden ist, und ob man sein Leben als Aufgabe betrachtet.” (Gerhard Schmidtchen: Gibt es eine protestantische Persönlichkeit? Zürich 1969, S. 15). Die solide katholische Arbeitsethik ließe sich auch aus zahlreichen Äußerungen und manifesten Normvorstellungen der Bistumspresse belegen. In der Tat scheinen einige Indizien darauf hinzuweisen, daß die Katholiken die materialistischen Werte der produktivitätsorientierten Industriegesellschaft reibungsloser assimiliert haben als Protestanten. So schätzen sie einen guten Beruf mit hohem Einkommen höher und positiver ein als eine Arbeit, die zwar niedriger bezahlt wird, dafür aber mehr persönliche und individuelle Genugtuung, Befriedigung und Entfaltung ihrer eigentlichen Neigungen verspricht (Ibid., S. 17 ff.). Gleichwohl dürfte die katholische Berufsethik der protestantischen u.a. darin unterlegen sein, daß sie prinzipiell jeder Arbeit das Prädikat, ontologisch werthaft zu sein, zuschreibt und folglich kaum Motivationen abzugeben vermag, aus einmal besetzten Statuspositionen gegebenenfalls auszuscheren. Infolgedessen taugt sie am ehesten dazu, Verhältnisse des Status quo zu stabilisieren und mittels der über sie möglichen Wertekumulation vor allem “starke Motive beruflicher Strebsamkeit und Kontinuität” (ibid., S. 16), nicht jedoch des gesellschaftlichen Wandels und der sozialen Mobilität zu aktivieren.Google Scholar
  142. (142).
    Vgl. Emile Dürkheim: Le suicide. Etude de Sociologie, 3. Auflage Paris 1960; vgl. auch Gerhard Schmidtchen: Religionssoziologische Analyse gesellschaftlicher Leistungsantriebe. Überführung der Weberschen Thesen zur protestantischen Ethik in eine allgemeine Theorie, Bern 1970.Google Scholar
  143. (143).
    Vgl. Otwin Massing: Die Kirchen und ihr ‘image’, a.a.O., und Werner Harenberg (Hrsg.), a.a.O., S. 17, Tab. 16.Google Scholar
  144. (144).
    Gerhard Schmidtchen: Gibt es eine protestantische Persönlichkeit? a.a.O., S. 13.Google Scholar
  145. (145).
    Egon Golomb: Wie kirchlich ist der Glaube? in: Werner Harenberg (Hrsg.), a.a.O., S. 175.Google Scholar
  146. (146).
    Max Weber: Zu einer Soziologie des Zeitungswesens, in: Alphons Sübermann (Hrsg.), a.a.O., S. 40.Google Scholar
  147. (147).
    Vgl. dazu den Bericht über die Darlegungen von Direktor Dr. Winfried Hall, Augsburg, auf der 17. Jahresversammlung der Arbeitsgemeinschaft Kirchlicher Presse in Köln von L. Kaufmann, in: Orientierung. Katholische Blätter für weltanschauliche Information, 31. Jg., Nr. 11 vom 15.6.1967. Hall hate, wie dort zitiert wird, aus einigen Leseranalysen folgende Schlußfolgerungen gezogen, die den besagten Identifikationszusammenhang verdeutlichen können: “Zumindest zeigten die Untersuchungen eines ganz deutlich, daß die kirchliche Presse zweifellos die Sympathie des weitaus überwiegenden Teils ihrer Leser besitzt. Sie liegt also redaktionell nicht ‘schief, sondern entspricht wohl weitgehend den Wünschen und Vorstellungen, welche ein Großteil der Leserschaft mit dem Bezug eines solchen Blattes verbinden.” (zit., ibid., S. 142).Google Scholar
  148. (148).
    Vgl. dazu Gerd Hirschauer: Die FH und die kritischen Katholiken, in: werkhefte. Zeitschrift für probleme der gesellschaft und des katholizismus, 23. Jg., 12/69, Dez. 1969, S. 337 ff.Google Scholar
  149. (149).
    Tatsächlich dürfte die hohe Spendenbereitschaft der Katholiken nicht nur auf der prinzipiellen Bereitschaft zur Identifikation mit den von der Hierarchie proklamierten Zielen (vgl. Anm. 140) beruhen, sondern auch in tieferen Bewußtseinsschichten liegende Gründe haben.Google Scholar
  150. (150).
    Vgl. Strzelewicz/Raapke/Schulenberg: Bildung und gesellschaftliches Bewußtsein, Stuttgart 1966; vor allem Heinrich Roth (Hrsg.): Begabung und Lernen. Ergebnisse und Folgerungen neuer Forschungen, (= Gutachten und Studien der Bildungskommission des Deutschen Bildungsrates, Nr. 4), Stuttgart 1969.Google Scholar
  151. (151).
    Christoph Theodor Wagner, a.a.O., S. 26.Google Scholar
  152. (152).
    Ibid., S. 24 f.Google Scholar
  153. (153).
    Ibid., S. 22. Zwar wird eingeräumt, daß die Zeitschriftenbeobachtungsdienste kirchlicher Provenienz zu den “Institutionen repressiver Moral” zu rechnen seien, zugleich aber die Hoffnung ausgedrückt, worin sich freilich die doppelte Moral einer konfessionell verbrämten Obrigkeitsmentalität reflektiert, daß sie “zugleich die Tendenzen in sich (tragen), aufklärend zu wirken Und damit den einzelnen Konsumenten, wenn auch unter pädagogischer Führung, in die Mündigkeit zu entlassen.” (K.-W. Bühler: Evangelische Presseethik nach 1945, a.a.O., S. 227).Google Scholar
  154. (154).
    Milton Rokeach hat statistisch signifikant nachweisen können, daß Dogmatismus um so wahrscheinlicher auftritt, je mehr die eigene Kultur einschließlich ihrer legitimierten Werte als bedroht erlebt wird, und seien derartige Vermutungen noch so vage. (Milton Rokeach: The Open and Closed Mind, New York 1960, S. 376 ff.). Freilich ist ‘Dogmatismus’ keine Variable, die vorwiegend von religiösen oder gar konfessionsspezifischen Einstellungen abhängig wäre, vielmehr indiziert er autoritären Charakter allgemein. (Vgl. Th. W. Adorno/Else Frenkel-Brunswik u.a.: The Authoritarian Personality, New York 1950). Determiniert durch den jeweiligen sozialen Status (ob Minoritäten oder Führungsschicht), ist ‘Dogmatismus’ mit Neigung zu Aggressivität und Stereotypenbildung Ausdruck einer allgemeinen Unfähigkeit, neue, nichtsanktionierte Erfahrungen zu machen, aber auch des Wahns, allen anderen überlegen zu sein und prinzipiell keiner Weiterentwicklung mehr zu bedürfen. — In diesem Zusammenhang höchst aufschlußreich sind infolgedessen die gegen die Nullnummer von ‘Publik’ vorgebrachten ‘statements’ der sich bedroht fühlenden publizistischen Organe.Google Scholar
  155. (155).
    Zit. in August Rucker: Bildungsplanung. Versagen auch in der Zukunft? Diessen 1965, S. 57. Vgl. auch den Tenor des folgenden Leserbriefes im Limburger Bistumsblatt ‘Der Sonntag’, 24. Jg., Nr. 15, vom 12.4.1970: “Gefahr! Kritik in der Kirche kann nur etwas nutzen, wenn das Gute dabei bewahrt wird. All zu eifrige Reformer sollten sich einmal überlegen, ob ihre selbst gezimmerten Pläne, die mit menschlicher Unvollkommenheit belastet sind, von der Wahrheit des Wortes Gottes geprägt sind. Was zur Erlangung der ewigen Seligkeit notwendig ist, hat Christus uns unmißverständlich geoffenbart. Um diesem Ziele nahe zu kommen, bedarf es eines Kraftstoffes, den wir nicht immer zur Verfügung haben, wir müssen ihn uns erbitten und erbeten. Die richtigen Erkenntnisse wird nur der haben, der zunächst versucht bedingungslos glauben zu können, vielweniger der, welcher nach Ersatz sucht, den es nicht gibt. Niemand hat das Recht mehr zu fordern, als Christus uns gesagt und vorgelebt hat. Es hat zu allen Zeiten Heilige gegeben, die geglaubt und vertraut haben, ohne zu sehen. Daß es in der Kirche zu Mißständen gekommen ist, ist nicht der Wille Gottes, sondern die Schuld der Menschen. Auch eine Reform wird dieses nicht verhindern, wenn sie nicht das Wichtigste vor Unwichtigem darzustellen vermag. Auch heute kommen Menschen, die großes Leid und Kreuz zu tragen haben, mit ihrem alten Glaubensgut und nur damit zurecht, da sie den Sinn des Lebens im Hinblick auf das Kreuz verstehen. Solche Menschen können mehr dazu beitragen, die Welt zu erneuern, als manche Diskussionen, da letztere auf die wertvollsten Tugenden des Christen nicht eingehen. Man kann oft den Eindruck gewinnen, der Sinn des Kreuzes ist nicht mehr gefragt, dennoch ist es in die Welt hineingelegt, vielleicht unter dem Zeichen der Irrtümer, welche die Welt von heute belasten. Gerade in der christlichen Zeit sollte uns die Mutter des Herrn ein Beispiel sein.”Google Scholar
  156. (156).
    Mit Redundanz ist die Eigenschaft einer Nachrichtenquelle bezeichnet, durch Wiederholungen und ‘überflüssige’ Zusätze die Fehler in der Übertragung möglichst zu vermindern. Vgl. Colin Cherry: Kommunikationsforschung — eine neue Wissenschaft, Frankfurt/M. 1963; vgl. A.G. Smith: Communication and Culture, New York 1966; Felix v. Cube: Kybernetische Grundlagen des Lernens und Lehrens, 2. neubearbeitete Aufig., Stuttgart 1968, S. 69 ff.). Je mehr formelhafte Redewendungen und überflüssige Zusätze als Topoi in der übermittelten Botschaft vorkommen, desto ‘sicherer’ verständlicher ist sie. Redundante Nachrichten (Botschaften) zeichnen sich demnach durch gewisse Regelmäßigkeiten aus und suchen nach Möglichkeit unnötige Überraschungseffekte zu vermeiden. Weil in ihnen die Voraussagbarkeit relativ hoch ist, fehlt ihnen in der Regel das überraschende, effekterzeugende, die Aufmerksamkeit auf sich lenkende ‘Reiz’-Moment.Google Scholar
  157. (157).
    Überdurchschnittlich hohe Redundanz findet sich vornehmlich dort, wo es genaue und strenge Vorschriften gibt: im Amtsverkehr von Behörden, bei Gericht und beim Militär und nicht zuletzt in den religiösen Ritualien.Google Scholar
  158. (158).
    Sobald Sprache als Medium sozialer Lernprozesse vorgestellt wird und nicht als von ihnen abhängige Variable, wird es möglich, die Struktur sprachlich vermittelter Kommunikation näher zu bestimmen. B. Bernstein hat zwei Formen der sprachlichen Kommunikation unterschieden, die Schicht spezifisch auftreten, und sie anhand von linguistischen Merkmalen als ‘Codes’ bezeichnet. Den sogen, ‘restricted code’ ordnet er der Unterschicht zu, den ‘elaborated code’ der Mittelschicht. Beide enthalten unterschiedliche Planungsstrategien hinsichtlich Verbalisierung und gestatten unterschiedlich hohe Abweichung bei der Benutzung von Alternativen sprachlicher resp. interpersoneller Interaktion. (Vgl. B. Bernstein: Elaborated and Restricted Codes: Their Social Origin and Some Consequences, in: Am. Anthropol., 1964, S. 55 ff.).Google Scholar
  159. (159).
    Dazu Ludwig Muth in den ‘Stimmen der Zeit’: “Er (sc. der christliche Buchhandel) vermittelt dem Kunden offensichtlich weit weniger das Gefühl weltoffener Information und geistiger Aktualität, umfassender Lagerhaltung und attraktiver Schaufenstergestaltung. Es sind weniger die Devotionalien… als vielmehr die vor allem durch hundert Rücksichtnahmen auf die Amtskirche bestimmte Atmosphäre, die eine evangelische oder katholische Buchhandlung in den Augen der Leser weniger anziehend macht. Ihr Erscheinungsbild deckt sich nicht ganz mit dem Lebensgefühl des freiheitlich denkenden, des sich mündig fühlenden Christen.” (Ludwig Muth, a.a.O., S. 384). Vgl. auch das Schaubild in Anm. 162.Google Scholar
  160. (160).
    Vgl. Leon Festinger: A Theory of Cognitive Dissonance, Evanston, III., 1957; ders.: Die Lehre von der ‘kognitiven Dissonanz’, in: Wilbur Schramm (Hrsg.), a.a.O., S. 27 ff.; Jack W. Brehm/Arthur R. Cohen: Explorations in Cognitive Dissonance, New York 1962;Google Scholar
  161. (161).
    Vgl. Roegele/Wagner, a.a.O., S. 499.Google Scholar
  162. (162).
    Vgl. dazu Institut für Demoskopie: Religiöses Buch und christlicher Buchhandel. Eine Gemeinschaftsuntersuchung der Vereinigung Evangelischer Buchhändler und der Vereinigung des katholischen Buchhandels, Allensbach o.J. (1968); vgl. Schaubild auf S. 358. vgl. auch Gerhard Schmidtchen: Lesekultur in Deutschland, in: Börsenblatt des Deutschen Buchhandels 70, 24. Jg., vom 30.8.1968.Google Scholar
  163. (163).
    Vgl. Horst-Eberhard Richter: Patient Familie. Entstehung, Struktur und Therapie von Konflikten in Ehe und Familie, Reinbek b. Hamburg 1970, S. 73 ff., wo vor allem unter den Typen familiärer Charakterneurosen die angstneurotische, die paranoide und die hysterische Primärgruppe analysiert wird.Google Scholar
  164. (164).
    Vgl. Adolf Holl, a.a.O., S. 44 ff.Google Scholar
  165. (165).
    Bereits 1929 schrieb August Hinderer, der Begründer des Evangelischen Presseverbandes für Deutschland, über die Aufmachung der evangelischen Presse: “Man bemängelt eine gewisse Zurückgebliebenheit in der Ausstattung, altmodisches Gewand, fehlende Beweglichkeit in der Anpassung an veränderte Geschmacksbedürfnisse, auch in den nebensächlich erscheinenden Dingen wie Papierwahl, Druck, Illustration.” (zitiert in: Walter Schricker: Ist die Kirchenpresse noch zu retten? Norddeutscher Rundfunk, II. Programm, vom 12.10.1968).Google Scholar
  166. (166).
    Y. Littunen: Income-Security Values at Different Levels of Frustration; in: Transaction of the Westermarck Society 4, Kopenhagen 1959, S. 234 ff., zit. nach L.A. Coser: Funktionen abweichenden Verhaltens und normativer Flexibilität, in: Sack/König (Hrsg.): Kriminalsoziologie, Frankfurt/M. 1968, S. 21–37 (33).Google Scholar
  167. (167).
    Gerhard Schmidtchen: Manipulation durch die Massenmedien, in: Manipulation — Freiheit negativ, Neuwied 1970, S. 27–48 (36).Google Scholar
  168. (168).
    Vgl. Karl Rahner, a.a.O., (Anm. 51).Google Scholar
  169. (169).
    “Mit Reduktion von Angst aber schwinden Kontrollen heteronomer Art, während die Persönlichkeitssysteme, auf den alten Führungsstil der Institutionen eingespielt, noch keine neuen autonomen Kontrollen ausbilden konnten. In dieser Situation wächst die Wahrscheinlichkeit von Übergriffen. Wenn Autoritätsverhältnisse geändert werden, ohne daß sich die Persönlichkeitssysteme wandeln, muß man mindestens in einer Übergangsphase mit dem Ausbruch offener Gewalt rechnen.” (G. Schmidtchen, a.a.O., S. 30). Belege dafür gibt es nicht nur über die Maßen aus der Studentenbewegung der letzten Jahre, sondern auch vom Essener Katholikentag 1968 und den dortigen Aktionen des ‘Kritischen Katholizismus’.Google Scholar
  170. (170).
    Dazu müßte sich die konfessionelle (katholische) Publizistik primär als eine Methode der Informationsvermittlung und kritischen Lagesondierung verstehen. Gleichzeitig bedürfte sie dringend der Ergänzung durch die neuen sozialwissenschaftlichen Methoden der Informationsrückleitung, damit die bürokratischen Entscheidungsinstanzen des kirchlichen Systems nicht gänzlich uninformiert über die Basisprobleme ihre Maßnahmen treffen, wie das bis heute weitgehend geschieht. Soll die katholische Kirche nicht auf pathologisches Lernen angewiesen bleiben wollen, d.h. dauernd die Wirklichkeit partiell verfehlen, bedarf sie des Informationsrücklaufs mittels intensiver Umfrageforschung und sozialwissenschaftlicher Enqueten. Permanent wäre analytisch aufzuarbeiten, was ansonsten dilettantisch betrieben, gleichwohl verbindlich und mit gravierenden sozialen Folgewirkungen, durchgesetzt wird. (Ein erster, keineswegs ermutigender Anfang ist mit der Umfrage zur Synode ‘72, vom 1.5. — 30.6.1970, gemacht worden). Gleichwohl wären die technischen Methoden der empirischen Sozialforschung nicht blindlings auf innerkirchliche Fragestellungen zu extrapolieren, um Meinungen, Einstellungen und Motive mittels technischer Methoden bloß technisch verfügbar zu machen, vielmehr deren dynamisches, auf Veränderung angelegtes Potential zu eruieren. Konkret hieße das, daß explorative, Alternativen anvisierende Fragestellungen experimentell zu entwickeln und durchzuspielen wären, auf die hin die technischen Methoden zuzurichten sind, an denen die weitertreibende Folgeanalyse dann anzusetzen hätte. Quelle: Vgl. Anm. 162, Schaubüd 4, S. 48.Google Scholar
  171. (171).
    Friedhelm Baukloh, a.a.O., S. 232.Google Scholar
  172. (172).
    Willi Kreiterling: Geschlossenheit als politisches Dogma? Der Katholizismus in der organisierten pluralistischen Gesellschaft, in: N. Greinacher/H.T. Risse (Hrsg.), a.a.O., S. 311–327. Der eindeutig fixierten organisatorischen Form entspricht keineswegs eine ebenso eindeutige Entscheidung für spezifische Zielvorstellungen. Publizistik hätte nun die Chance, voneinander divergierende Vorstellungen über die Ziele und die Art und Weise, wie diese durchzusetzen sind, öffentlich zur Geltung kommen zu lassen, wozu eine rigide, nichtflexible Organisation kaum imstande sein dürfte.Google Scholar
  173. (173).
    Daß sich die Kirche mit den ihr eigentümlichen Sanktionsdrohungen an die Sanktionen (und Prämien) der ‘weltlichen’ Moral lediglich anhängt, weil die eigenen offenbar keine Verhaltensänderungen mehr zur Folge haben, zeigt beispielweise die Untersuchung von Ch. Rohde-Dachser: Die Sexualerziehung Jugendlicher in katholischen Kleinschriften — Ein Beitrag zur Problematik der Moraltradierung in der komplexen Gesellschaft, München, Diss. 1967. Eine Auswertung von Sanktionsdrohungen in 48 Jugendheften kommt zu dem Ergebnis, daß unpräzisierte Strafdrohungen am häufigsten vorkommen; soziale Nachteile, und nicht religiöse Vorbehalte, gelten dabei als die entscheidenden Hinderungsgründe für sexuelle Enthaltsamkeit. Von den 231 gezählten Strafandrohungen sind nur 17 religiöser Art.Google Scholar
  174. (174).
    H. Schwenger, a.a.O., S. 57.Google Scholar
  175. (175).
    Vgl. die Interventionen des Vatikans gegen die geplante Liberalisierung der Ehescheidungsgesetzgebung in Italien, desgleichen die Vorbehalte, die der “Osservatore Romano” gegenüber der ‘Sexwelle’ anmeldete und die darin involvierte ‘Politik’. Vgl. Anm. 80.Google Scholar
  176. (176).
    So lautet der Titel des offiziellen Mitteilungsblattes der katholischen Schriftenmission für Deutschland, die mit ausdrücklicher Genehmigung der Fuldaer Bischofskonferenz arbeitet.Google Scholar
  177. (177).
    H. Schwenger, a.a.O., S. 7 f.; Frage: “In den meisten Kirchen ist ja hinten am Eingang so ein Schriftenstand, wo religiöse Schriften und kleine Bücher ausgelegt sind. Finden Sie diese Schriften im großen und ganzen gut, oder gefallen sie Ihnen nicht?Google Scholar
  178. (178).
    So nach dem “Verzeichnis wertvoller Kleinschriften 1967/68”, Leutesdorf 1967, S. 3, zit. bei H. Schwenger, a.a.O., S. 9.Google Scholar
  179. (179).
    Claus P. Clausen, in: Der schwarze Brief, Sonderblatt Nr. 46, vom 14.11.1969.Google Scholar
  180. (180).
    Gerhard Schmidtchen: Manipulation — Freiheit negativ, a.a.O., S. 32.Google Scholar
  181. (181).
    Angesichts der zunehmenden Privatisierung der Religion (vgl. P.L. Berger: Religious Institutions, in: Neil Smelser (ed.): Sociology, New York 1967, S. 329–379) und der daraus institutionell zu ziehenden Konsequenzen (von der Volkskirche zur Gemeindekirche etwa) werden die outrierten Versuche, religiöse Inhalte als die Mitglieder der jeweiligen Subkultur prinzipiell verpflichtende zu deklarieren, obwohl ihre Kontroversdiskussion ansteht, zunehmend zu rhetorischen Pflichtübungen, die zur inhaltlichen Bedeutungslosigkeit der in ihnen implizierten Positionen möglicherweise in einem direkt proportionalen Verhältnis stehen. Dieser Zustand kann freilich als Indiz und zugleich als Moment der gesellschaftlichen Funktionalität von Zwangscharakteren interpretiert werden.Google Scholar
  182. (182).
    Vgl. Ludwig von Friedeburg: Die Umfrage in der Intimsphäre Reinbek b. Hamburg 1968.Google Scholar
  183. (183).
    Ludwig von Friedeburg, a.a.O., S. 48.Google Scholar
  184. (184).
    Daß derartige Querverweise möglich sind, rechtfertigt das Unterfangen, die kirchlich gebundene Presse im Zusammenhang mit der ‘niederen’ Traktatliteratur zu analysieren. Beide Formen publizistischer Aktivität sind Symptome jener massenmedialen Tendenz, sich über menschliche Freiheit die Verfügungsgewalt zu verschaffen, sei es zu Zwecken direkter Repression, sei es zu indirekter manipulativer Gängelung mittels repressiver sexueller und weltanschaulicher Toleranz, wie sie von den Massenmedien in der spätkapitalistischen Gesellschaft durchweg propagiert wird, wofern nur die private Aneignung durch sie befördert wird. Insofern läßt sich konfessionelle Traktatliteratur sinnvoll erst auf dem Hintergrund und im Zusammenhang mit der Funktion der massenhaft verbreiteten Regenbogenpresse allgemein noch in ihrer Obsoletheit funktional begreifen.Google Scholar
  185. (185).
    Vgl. beispielsweise Werner Harenberg, a.a.O., Teil B. Einstellung zu allgemeinen Fragen der Ethik und der Moral, S. 17 ff.Google Scholar
  186. (186).
    Vgl. Werbeträger, S. 13, Tab. 7 a; Inge Peter-Habermann, a.a.O., S. 72 ff.; Werner Harenberg (Hrsg.), a.a.O., Tab. 16, S. 37.Google Scholar
  187. (187).
    In der Tat scheinen die innerfamiliären Ausgangsbedingungen für die Entwicklung delinquenter Charaktere, insbesondere in ihren schweren und dauerhaften Formen der Jugendkriminalität, in der Unterschicht besonders ‘günstig zu sein. Sie machen sich nicht nur beim Eintritt der Jugendlichen in die Erwachsenenwelt als Mangel an objektiven ökonomischen Chancen bemerkbar, sondern auch im Wege frühester und vorgängiger psychischer Einschränkungen, die die Sozialisationsfähigkeit der Unterschicht-Familie stark belasten und deren Druck vor allem die “Reifung und Entfaltung der Eltern einschränkt, aufhält oder zerstört”. “Zeichen dieser drohenden Umkehrung des erlittenen Bösen in selbst vollzogenes Böses (=Kriminalität) zeigen sich früh”. (Tüman Moser: Jugendkriminalität und Gesellschaftsstruktur. Zum Verhältnis von soziologischen, psychologischen und psychoanalytischen Theorien des Verbrechens, Frankfurt/M. 1970, S. 346).Google Scholar
  188. (188).
    Vgl. H. Schwenger, a.a.O., S. 63 und 73 ff.Google Scholar
  189. (189).
    Wilhelm Reich: Massenpsychologie des Faschismus. Zur Sexualökonomie de^ politischen Reaktion und zur proletarischen Sexualpolitik, Kopenhagen 1933, S. 50.Google Scholar
  190. (190).
    Vgl. Focko Lüpsen, a.a.O., S. 93.Google Scholar
  191. (191).
    Vgl. D. Lerner: The Passing of Traditional Society, New York 1958.Google Scholar
  192. (192).
    Vgl. Lucian W. Pye (ed.): Communications and Political Development (= Studies in Political Development 1), Princeton 1963.Google Scholar
  193. (193).
    Vgl. Gabriel A. Almond and James S. Coleman (eds.): The Politics of the Developing Areas, Princeton 1960; L.W. Pye/S. Verba (eds.): Political Culture and Political Development (= Studies in Political Development 5), Princeton 1965.Google Scholar
  194. (194).
    Das verweist nicht zuletzt auf das analytische Problem, die ‘Lernkapazität’ des Katholizismus und der ihm affilüerten spezifischen Institutionen einmal näher zu untersuchen, beispielsweise die Mobilitätsraten des katholischen Bevölkerungsteils im Verhältnis zum protestantischen, die jeweüs ins Spiel kommenden Selektivitätsmechanismen, die Schnelligkeit und Geschicklichkeit, Informationen umzusetzen, die Reaktionsfähigkeit bei Entscheidungs-prozessen, usw.Google Scholar
  195. (195).
    Vgl. Karl W. Deutsch: Social Mobilization and Political Development, in: Am. Pol. Sc. Rev., Vol IV, Sept. 1961, S. 493–514.Google Scholar
  196. (196).
    Vgl. Almond/Coleman (eds.), a.a.O., S. 556.Google Scholar
  197. (197).
    Vgl. Traute Nellessen-Schumacher, a.a.O. S. 17 ff.Google Scholar
  198. (198).
    Quelle: LA 62, Tab. 7Google Scholar
  199. (199).
    Vgl. E. Werner/E. Zieris/W. Lipp: Student und Studium in Bochum. Zur Soziologie der Gründungssemester an der Ruhr-Universität, Stuttgart 1970, S. 16 f.Google Scholar
  200. (200).
    Vgl. Traute Nellessen-Schumacher, a.a.O., Übersicht 23, S. 98.Google Scholar
  201. (201).
    Ibid., S. 96 f.Google Scholar
  202. (202).
    Ibid., S. 121; vgl. auch Übersicht 27, S. 119.Google Scholar
  203. (203).
    Vgl. E. Werner/E. Zieris/W. Lipp, a.a.O., S. 130 ff.Google Scholar
  204. (204).
    Vgl. Traute Nellessen-Schumacher, a.a.O., S. 144 f.Google Scholar
  205. (205).
    Quelle: LA 62, nach Tab. 7.Google Scholar
  206. (206).
    Diese Einschränkung ist sicher geeignet, übertriebenen Optimismus zu dämpfen, die katholische Presse könnte sich aus eigenen Kräften zu einer aufklärerischen entwickeln. Zu sehr dürfte sie mit dem intellektuellen Bodensatz verwachsen sein, als daß sie sich freiwillig dazu verstehen könnte, an dessen Beseitigung mitzuarbeiten. Nichts geringeres nämlich würde ihr abverlangt, als die Interessenidentität aufzukündigen, wie sie sich zwischen der Leserstruktur und dem einschlägigen Angebot ‘niederen’ Schrifttums im katholischen Intensivsegment dokumentiert.Google Scholar
  207. (207).
    Traute Nellessen-Schumacher, a.a.O., S. 27.Google Scholar
  208. (208).
    Ibid., vgl. Übersicht 7, S. 26.Google Scholar
  209. (209).
    Quelle: LA 62, Tab. 5, LpN.Google Scholar
  210. (210).
    Demgegenüber stuft sich die vergleichbare evangelische Leserschaft sozial durchweg höher ein. Neigen die protestantischen Leser eher zum Embonpoint, so die katholischen zum Mittelstandsbauch. Allemal bringen jene ein höheres Selbstwertbewußtsein zum Ausdruck, das sie veranlaßt, sich sozusagen schichtadäquat, d.h. soziologischen Kriterien entsprechend, und entlang den sozial geltenden Rangskalen einzustufen. (Vgl. LA 62, Tab. 5, LpN). Damit im Zusammenhang ist die Unterrepräsentierung von industriell tätigen Schichten, insbesondere von Facharbeitern und selbständigen Handwerkern, zu sehen.Google Scholar
  211. (211).
    Vgl. Otwin Massing: Die Kirchen und ihr ‘image’, a.a.O., S. 88 ff.; Reinhard Köster: Die Kirchentreuen, a.a.O., S. 107.Google Scholar
  212. (212).
    Giese/Schmidt, a.a.O., S. 283 f.Google Scholar
  213. (213).
    Vgl. Erik Erikson: Identität und Lebenszyklus, Frankfurt/M. 1966, S. 118 ff.Google Scholar
  214. (214).
    Traute Nellessen-Schumacher, a.a.O., S. 145 f.Google Scholar
  215. (215).
    Vgl. Otwin Massing, a.a.O., S. 89 ff.Google Scholar
  216. (216).
    In der Tat verfolgen die Kirchen im Verhältnis zu den staatlichen Instanzen und Organen des politischen Willensbildungsprozesses auf Grund ihrer Präokkupation mit Fragen vorwiegend “institutioneller Selbstrepräsentation” (H.-E. Bahr: Verkündigung als Information, a.a.O., S. 96) vordergründig das Prinzip der Koexistenz durch Nichteinmischung. Ihre inhaltliche Abkapselung von den drängenden Fragen der polit-ökonomischen Wirklichkeit und die dadurch verstärkte politische Apathie des Bürgerpublikums werden geradezu institutionalisiert. Gleichwohl strukturieren sie die Erlebnis-weiten ihrer Anhänger durch zahlreiche, relativ unreflektiert ablaufende Grundierungsversuche, die alle den expliziten politischen Wahlakten vorausgehen, indem sie den Informationen und ‘messages’, die mittels kirchenoffiziellen Meinungsträgern verbreitet werden, eine deutlich positive kognitive Strukturierung mit auf den Weg geben. Zu sozialen Verhaltensweisen gehört ja nicht nur eine (einseitig manipulierbare) physiologische, sondern auch eine kognitive, interpretative Dimension wesentlich hin. Vgl. Stanley Schachter: The Interaction of Cognitive and Physiological Determinants of Emotional State, in: P.D. Leiderman/D. Shapiro (eds.): Psychobiological Approaches to Social Behavior, Stanford, Calif., 1964, S. 138–173.Google Scholar
  217. (217).
    Vgl. H. Schwenger, a.a.O.; Dietrich Haensch: Repressive Familienpolitik. Sexualunterdrückung als Mittel der Politik, Reinbek b. Hamburg 1969.Google Scholar
  218. (218).
    Zur Untermauerung der These von der klassenspezifischen Verankerung der herrschenden Ehe- und Familienideologie im Zusammenhang mit kirchlich vermittelten Initiationsriten als spezifischen Legitimationsmustern läßt sich die vielfach bestätigte Beobachtung heranziehen, daß die Ablehnung der kirchlichen Trauung von Studierenden und gehobenen Angestellten zu etwa 15%, von einfachen Angestellten zu 22%, von Facharbeitern zu 30% und von an- und ungelernten Arbeitern nur zu 45% vertreten wird. (Vgl. Elisabeth Pfeil u.a.: Die 23-jährigen. Eine Generationsuntersuchung am Geburtenjahrgang 1941, Tübingen 1968, S. 68).Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1971

Authors and Affiliations

  • Otwin Massing

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