Advertisement

Formierte Verwaltung — Autoritäre Herrschaft in einer parlamentarischen Demokratie

  • Thomas Ellwein
Chapter
Part of the Kritik book series (K, volume 3)

Zusammenfassung

Wer sich um eine kritische Analyse einzelner Verwaltungsphänomene oder der Rolle der öffentlichen Verwaltung in der Demokratie oder auch der Verwaltung schlechthin bemüht, findet sich in einem eigentümlichen Zwiespalt (1). Kritik an der Verwaltung ist in aller Munde. Was aber kritisiert wird, erscheint schlechterdings beliebig und zugleich uferlos. Sicher ist lediglich, daß meist bürokratische Elemente im Vordergrund stehen. Man setzt sich mit der Industrie-, Parteien- und Verbändebürokratie oder mit der öffentlichen Verwaltung auseinander, meint aber das „Bürokratische“, was von vorneherein mit negativem Akzent versehen ist. „Bürokratisch“ bedeutet dann etwa, daß jemand anonym arbeitet, sich der eigenen Verantwortung entzieht, sich hinter einem umständlichen und meist zeitraubenden Verfahren versteckt, sich mit den gegebenen Regeln, nicht aber mit deren Sinn identifiziert und deshalb keinen Blick für die wirklichen Ausnahmen hat, was alles zugleich aber nicht nur mangelnde Effizienz, sondern eben auch unerträgliche Selbstherrlichkeit und Machtstreben der Bürokratie bewirken kann. Weiter läßt sich vermuten, daß jene Aversion gegenüber der Bürokratie in besonderer Weise gegen die öffentliche Verwaltung gerichtet ist. Das ist teils historisch zu erklären, weil die öffentliche zugleich die älteste Verwaltung ist, hängt aber sicher auch mit dem fetischisierten Produktivitätsbegriff zusammen, sofern nicht einfach sozialer Neid mitschwingt, der sich gegen den besonderen Status der öffentlichen Bediensteten richtet.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Anmerkungen

  1. (4).
    Vgl. dazu H. Maier, Die ltere deutsche Staats-und Verwaltungslehre (Polizeiwissenschaft). Neuwied 1966, undN. Luhmann, Theorie der Verwaltungswissenschaft. Bestandsaufnahme und Entwurf. Köln 1966.Google Scholar
  2. (5).
    Vgl. das bekannteste der einschlägigen Lehrbücher von E. Forsthoff,Lehrbuch des Verwaltungsrechts. 1. Band Allg. Teil. 9. Aufl. München 1966, und H. J. Wolff Verwaltungsrecht I—III. München 1965/1967.Google Scholar
  3. (6).
    VgL vor allem R. Mayntz (Hrsg.), Bürokratische Organisation. Köln 1968, und N. Luhmann,Funktionen und Folgen formaler Organisation. Berlin 1964.Google Scholar
  4. (8).
    Auf diesen Sachverhalt bin ich näher in meiner Einführung usw. eingegangen. Vgl. außerdem Th. Ellwein,Verwaltungspolitik in den 70er Jahren. Bad Godesberg 1968.Google Scholar
  5. (10).
    Vgl. dazu Th. Maunz und G. Dürig,Grundgesetz. Kommentar. 2. Aufl., München 1966 ff., Randnote 124 ff. zu Art. 20 GG.Google Scholar
  6. (11).
    Vgl. dazu z. B. J. Kaiser (Hrsg.), Planung I. Recht und Politik der Planung in Wirtschaft und Gesellschaft. Baden-Baden 1965, bes. die Beiträge von U. Scheuner und J. Kölble.Google Scholar
  7. (19).
    Vgl. dazu meinen Literaturbericht: Probleme der Regierungsorganisation in Bonn, in: PSV 1968 S. 234 ff.Google Scholar
  8. (20).
    Die Literatur z. B. bei G. W. Keeton, The Passing of Parliament. London 1952.Google Scholar
  9. (21).
    Dazu ausführlicher mein Beitrag: Lethargie oder Restauration. Kritische Überlegungen zur Bonner Regierungsorganisation, in: Festschrift für Otto Brenner. Frankfurt 1967.Google Scholar
  10. (22).
    Dazu E. W. Böckenförde,Die Organisationsgewalt im Bereich der Regierung. Berlin 1964, oder S. Schöne,Von der Reichskanzlei zum Bundeskanzleramt. Berlin 1968.Google Scholar
  11. (24).
    Die gegenteilige Ansicht z. B. bei K. D. Bracher, Die Auflösung der Weimarer Republik. 1. Aufl. Stuttgart 1955.Google Scholar
  12. (26).
    Vgl. z. B. R. Dahrendorf, Gesellschaft und Demokratie in Deutschland. München 1965; Th. Eilwein, Das Regierungssystem der Bundesrepublik Deutschland. 2. Aufl. Köln 1965; R. Wildenmann, Macht und Konsens als Problem der Innen-und Außenpolitik. Frankfurt 1963.Google Scholar
  13. (29).
    Vgl. dazu Th. Eilwein, A. Zehnder u.a., Mitbestimmung im öffentlichen Dienst. Bad Godesberg 1969.Google Scholar
  14. (30).
    so v.a. E. Forsthoff a.a.O. implizit und explizit in: Rechtsstaat im Wandel. Stuttgart 1964.Google Scholar
  15. (31).
    So H. Krüger,Allgemeine Staatslehre. Stuttgart 1964, S. 80.Google Scholar
  16. (35).
    Vgl. U. Lohmar,Politische Planung, in: die neue Gesellschaft 6/1967.Google Scholar
  17. (37).
    Vgl. H. J. Arndt, Die Figur des Plans als Utopie des Bewahrens, in: Säkularisation und Utopie. Festschrift für E. Forsthoff. Stuttgart 1966.Google Scholar
  18. (40).
    N. Luhmann,Verwaltungswissenschaft in Deutschland, in: Recht und Politik 1967, S. 123, hier S. 127.Google Scholar
  19. (41).
    N. Luhmann,Tradition und Mobilität, in: ebenda 1968. S. 49 ff. hier S. 50.Google Scholar
  20. (42).
    Dazu J. Habermas,Theorie und Praxis. Neuwied 1963, und: Verwissenschaftlichte Politik in demokratischer Gesellschaft, in: H. Krauch u. a. (Hrsg.), Forschungsplanung. München 1966, sowie K. Lompe,Wissenschaftliche Beratung der Politik Göttingen 1966.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1971

Authors and Affiliations

  • Thomas Ellwein

There are no affiliations available

Personalised recommendations