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Einleitung: Politische Kultur, Materialismus und Postmaterialismus in der Bundesrepublik Deutschland

  • Oscar W. Gabriel
Chapter
Part of the Beiträge zur sozialwissenschaftlichen Forschung book series (BEISOFO, volume 76)

Zusammenfassung

Die politische Entwicklung Deutschlands gab der empirischen Demokratieforschung, wie David P. CONRADT (1974:223) in einer Studie zur politischen Kultur zeigt, lange Zeit Rätsel auf. Anders als in den “klassischen” anglo-amerikanischen Demokratien habe der sozio-ökonomische Modernisierungsprozeß in Deutschland zunächst nicht das Entstehen einer funktionsfähigen Demokratie begünstigt (vgl. auch: ALMOND 1971:213ff; CROZIER, HUNTINGTON, WATANUKI 1975:5). Der Kontrast zwischen wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Modernität einerseits und einer “katastrophalen politischen Entwicklung” auf der anderen Seite habe in der wissenschaftlichen Forschung das Interesse für die kulturellen Voraussetzungen demokratischer Regierungsweise geweckt. In der Behauptung, Deutschland sei ein Sonderfall unter den modernen westlichen Nationen, was die Beziehungen seiner Bürger zur Politik angehe, stimmten Wissenschaftler mit den unterschiedlichsten theoretischen Vorstellungen weitgehend überein. Ralf DAHRENDORF (1971:22) formulierte die “eigentliche deutsche Frage” folgendermaßen: “Warum hat das Prinzip der liberalen Demokratie so wenig Freunde gefunden?” ALMOND und VERBA (1965:312ff) beschrieben in ihrer mittlerweile zum Klassiker avancierten Studie “The Civic Culture” die politische Kultur der Bundesrepublik als eine Untertanenkultur ( subject culture), Die typischen Merkmale dieses Orientierungsmusters sahen sie in einem weit verbreiteten Vertrauen in die Obrigkeit und einem nur schwach entwickelten Bewußtsein um die bürgerlichen Teilhaberechte. Wie viele andere Autoren betrachteten sie die obrigkeitsstaatliche Tradition Deutschlands als eine wichtige Ursache für das Auseinanderklaffen von demokratietheoretischer Norm und politischer Wirklichkeit (vgl. auch: EDINGER 1977:75ff; GREIFFENHAGEN 1984:bes. 53ff; kritische Anmerkungen hierzu bei CONRADT 1980:225ff).

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© Westdeutsche Verlag GmbH, Opladen 1986

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  • Oscar W. Gabriel

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