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Ereignisse und Kollektive Einstellungen: Zur Methodik der Analyse Ihres Dynamischen Zusammenhangs

  • Helmut Thome
Part of the Beiträge zur sozialwissenschaftlichen Forschung book series (BEISOFO, volume 15)

Zusammenfassung

Legitimitätsvorstellungen, generalisierte Geltungskriterien und andere Elemente kollektiver Einstellungen müssen, wie in den beiden vorangegangenen Kapiteln dargelegt, letztlich im Kontext umfassender systemgeschichtlicher Entwicklungsprozesse betrachtet werden. Dabei ist kollektiven Einstellungen einerseits eine aus ihrem Systemcharakter folgende interne Dynamik zuzuschreiben, andererseits sind sie in Abhängigkeit von externen sozial-strukturellen Wandlungsprozessen und (als Katalysator wirkenden) “Ereignissen” zu sehen, über die Wirkungsweise dieser Faktoren wissen wir noch nicht sehr viel. So stellen Nie und Andersen in ihrer schon in Abschn. 2.4.1. erwähnten Studie über “mass political attitudes” fest: “The problem with the classical theory of mass beliefs is that it is built around notions of enduring characteristics of the mass public, of the sort which are relatively impervious to changes in the nature of the political world. Linking changes in attitude structure instead to events in the real world, which are not measurable characteristics of individuals, is a much more difficult task” (1974, S. 579). Und in seinem Literaturbericht über Forschungen zum Themenbereich politischen Verhaltens erörtert David 0. Sears das gängige Kausal-model! der politischen Wahlentscheidung und bemerkt dazu kritisch, es berücksichtige nicht die externen politischen Ereignisse.

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Literatur

  1. 1).
    Zum Beispiel war spätestens nach der Berliner Blockade 1948/49 klar, daß das Experiment einer Vier-Mächte-Verwaltung gescheitert war.Google Scholar
  2. 1).
    Als “other determinants” betrachtet Smelser: structural conduciveness, structural strain, growth and spread of a generalized belief, mobilization of participants for action, the operation of social control.Google Scholar
  3. 2).
    “Opinion given during a crisis situation may not reflect the respondents underlying attitudes” (Sorrentino/Vidmar, 1974, S. 271).Google Scholar
  4. 1).
    Die Autoren zitieren Mannheim: “The nature of human learning is such that ‘early Impressions tend to coalesce into a natural view of the world. All later experiences then tend to receive their meaning from this original set, whether they appear as that set’s verification and fulfillment or as its negation and antithesis’“ (ebd., S. 286).Google Scholar
  5. 1).
    Deutsch und Merritt ordnen aber auch kurzfristige, vorübergehende Effekte unter “no significant change” ein. Es dürfte sinnvoller sein, diese Problematik mit einer besonderen “Dimension” zu bezeichnen: der “Zeitlichkeit” der Wirkung (siehe unten, S. 175). Fußnote (2) siehe Seite 175.*** “Opinion given during a crisis situation may not reflect the respondents underlying attitudes” (Sorrentino/Vidmar, 1974).***Google Scholar
  6. 1a).
    Fußnote (2) von Seite 174:*** “Opinion given during a crisis situation may not reflect the respondents underlying attitudes” (Sorrentino/Vidmar, 1974).*** Hierzu auch eine Formulierung von Coleman/Hollander: “An event becomes a public event when it focuses the attention of a body of persons, who thereby constitute a public. Such events, by their very focusing power, are the principal agents in creating a public from a heterogeneous assortment of persons” (1965, S. 255).Google Scholar
  7. 1).
    Siehe den Sammelband von Greenberg und Parker, 1965.Google Scholar
  8. 1).
    Charles A. McClelland und seine Mitarbeiter haben ein umfangreiches Kategorienschema entwickelt, um die in “Ereignissen” sich manifestierenden Interaktionen zwischen Staaten und Machtblöcken quantitativ untersuchen zu können; siehe McClelland (1968), Barbara Fitzsimmons et al. (1969).Google Scholar
  9. 2).
    Das Modell wird durch zwei weitere Faktoren, die als Kovariate dienen, erweitert: “Krisenphase” (intensification vs. reduction) und “Konflikt” (Blockade oder Mauerbau).Google Scholar
  10. 1).
    Ober statistische Schätzprobleme, die bei der Zeitreihenanalyse im Zusammenhang mit “serial correlation” auftreten können, siehe — unter Be-zunahme auf die Arbeit von Mueller — Douglas A. Hibbs, 1974; siehe auch unten S. 196 .Google Scholar
  11. 1).
    Die Halbwertzeit drückt die Veränderungsrate aus: als Angabe der Zeitdauer, die nötig ist, bis der gegenwärtige Wert auf die Hälfte reduziert ist.Google Scholar
  12. 1).
    Bei Umfragen Ende 1963 gaben sich etwa 12% der Befragten als regelmäßige Leser des Tagesspiegel aus.Google Scholar
  13. 2).
    Bei der Wirkungsanalyse müßten, streng genommen, die Rezipienten (Leser oder Zuhörer) nach dem Zufallsprinzip auf die entsprechenden Medien verteilt werden. Als Beispiel siehe Braune et al., 1976. Anders: Miller/ Erbring/Goldenberg, 1976.Google Scholar
  14. 3).
    Das Schema wurde von dem Projektleiter, Prof. Hurwitz, entwickelt; die Kodierungsarbeiten besorgte Frau Monika Lindgens.Google Scholar
  15. 4).
    Die Kriterien wurden also nicht aus einem abstrakt-theoretischen Konzept von Ereignis- und Wirkungsdimensionen abgeleitet, wie ich es in vorangegangenen Abschnitten ansatzweise entwickelt habe.Google Scholar
  16. 1).
    Bei Kombination mehrerer Variablen hätten sich freilich die Sampling--Fehler noch weiter erhöht.Google Scholar
  17. 1).
    Bei diesen (bivariaten) Kreuzkorrelationen werden Datenpaare aus den jeweiligen Aggregatwerten der beiden Variablen für die 44 Intervalle gebildet. Bei Korrelationen mit Verzögerung (lag) werden die beiden Zeitreihen (Variablen), aus denen die Datenpaare gebildet werden, um eine vorgegebene Anzahl von Intervallen (Zeitpunkten) gegeneinander verschoben (“lagging”). Bei lag k, wenn also die Zeitreihe der Variablen X um k Zeitpunkte gegenüber der Variablen Y “in die Vergangenheit” verschoben wird (wenn also die Zeitpunkte 1 bis k in Y wegfallen und ebenso die Zeitpunkte n-k in X), dann erhalten wir ein summarisches Maß für den Ein-fluß, den X auf Y nach k Wochen schon oder noch ausübt. Durch “umgekehrtes” Verschieben auf der Zeitachse können wir den Einfluß von Y auf X (Fortsetzung der Fußnote siehe Seite 191) Fortsetzung der Fußnote (1) von Seite 189: feststellen. (Aber Vorsicht vor Scheineffekten, siehe unten, S. 214.) Dieser Einfluß ist definiert im Sinne des Ausmaßes erklärter Varianz.Google Scholar
  18. 1).
    und damit zu weniger zuverlässigen Werten bei der statistischen Schätzung.Google Scholar
  19. 1).
    Die Darstellung folgt Johnston, 1972, S. 295f.Google Scholar
  20. 1).
    Wir danken Herrn Prof. Dr. Hans Heike, Fb 20 der TU Berlin, der uns dieses Programm zur Verfügung stellte, sowie seinen Mitarbeitern Bernhard Lenz, Obi Nnamoko und Harald Rossa für ihre Unterstützung bei der Durchführung der Rechenoperationen.Google Scholar
  21. 2).
    Als Aggregatwert der Einstellungsvariablen war das arithmetische Mittel bei einer Kodierung von 0, 0.5 und 1 für die einzelnen Ausprägungen eingesetzt. Ein Wert von 0.10 repräsentiert also einen Anteil von 10% der Befragten (siehe oben, S. 188)..Google Scholar
  22. 3).
    Zu dieser Problematik siehe Douglas A. Hibbs, 1974. Allerdings liefert das TSP-Programm automatisch mit der Durbin-Watson-Statistik einen gewissen Anhaltspunkt für das Ausmaß der Autokorrelation des Fehlerterms. (Fortsetzung der Fußnote siehe Seite 198) Fortsetzung der Fußnote (3) von Seite 196: Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich die jeweils errechneten Residuen ausdrucken zu lassen und entsorechend zu analysieren.Google Scholar
  23. 1).
    Für Ratschläge bei den statistischen Auswertungsarbeiten danke ich Herrn Dipl.-Volkswirt Georg Erber, Institut für Quantitative Ökonomik und Statistik, Freie Universität Berlin.Google Scholar
  24. 2).
    Genau genommen, reduziert sich die Zahl der Freiheitsgrade noch weiter, wenn man die interpolierten Werte ausschließt.Google Scholar
  25. 1).
    Hierzu und zu den folgenden Bemerkungen siehe Harold Hurwitz, 1974, S. 63ff.Google Scholar
  26. 1).
    EMNID-Informationen Nr. 23/1958, 7. Juni 1958. Weitere demoskopische Untersuchungen zeigen auch eine größere Verhandlungsbereitschaft der Westberliner im Vergleich zur westdeutschen Bevölkerung.Google Scholar
  27. 1).
    Zum Verfahren siehe unten, S. 212f.Google Scholar
  28. 1).
    Die Relevanz der Fähigkeit zu “zweifeln” und zur Distanznahme, verbunden mit der Bereitschaft, zu vertrauen und sich zu engagieren, als zentralen Dimensionen der politischen Kultur hat Harold Hurwitz in vielen Diskussionen immer wieder hervorgehoben und konzipiert. Diese Überlegungen sollen in der Veröffentlichung der Berlin-Projekts weiter ausgearbeitet und empirisch belegt werden.Google Scholar
  29. 1).
    Zum Fragewortlaut siehe oben, S. 187.Google Scholar
  30. 1).
    Die Kritikbereitschaft dürfte auch deshalb zugenommen haben, weil die tradierte Neigung, sich in Gefahrensituationen an die sozialdemokratische Führung anzulehnen (vgl. oben, S. 206), in der Entspannungssituation tendenziell wegfällt: man hat weniger Angst. Möglicherweise wirkte sich auch die Strategie des Senats negativ aus, die Verhandlungspolitik an der Bevölkerung “vorbei” und nicht in Diskussion mit ihr zu entwickeln, also ihr Rollenverständnis, den politischen Prozeß rational mitgestalten zu können, unbefriedigt zu lassen. Beiden Hypothesen wird in der geplanten Veröffentlichung des Berlin-Projekts weiter nachgegangen.Google Scholar
  31. 1).
    Eine gute Einführung in die Behandlung interaktiver Effekte vermitteln Kerlinqer/Pedhazur, 1973, S. 245 – 258. Zur theoretischen Interpretation vgl. H. M. Blalock, 1965.Google Scholar
  32. 1).
    Bei dem Interaktionsterm wurden jeweils zeitlich simultane Werte der Ursprungsvariablen miteinander multipliziert und sodann das Produkt wie gehabt verzögert. Theoretisch erscheint es jedoch sinnvoll, auch Interaktionen zwischen zeitlich nicht simultan (innerhalb der gleichen Woche) gebrachten Meldungen zu überprüfen.Google Scholar
  33. 2).
    Wenn die unabhängigen Variablen mit einer Ratio-Skala gemessen sind, wenn die Skalen also (wie in unserem Falle: “keine Meldung”) einen “natürlichen” Nullpunkt haben, ist es allerdings auch gar nicht nötig, die “einfachen” Terme in die Regressionsgleichung aufzunehmen, wenn die Hypothese die entsprechenden additiven Effekte überhaupt nicht vorsieht; siehe P.D. Allison, 1977.Google Scholar
  34. 1).
    Das TSP-Programm zeigt Multikollinearität nach dem von Farrar/Glauber (1967) entwickelten Berechnungsverfahren an.Google Scholar
  35. 1).
    Siehe hierzu die anregende Diskussion von Hage und Gargan, 1977. Fußnote (1) siehe Seite 215. Fußnote (1) von Seite 214: So vermag er nicht nur Nullwert (intercept term), Reaktionsdauer und numerische Response-Größen zu definieren, sondern u.a. auch die Equili-brierungsrate, den Grad der “indirekten Kopplung” eines Ereignisimpulses und einer attitudinalen Reaktion durch soziale Diffusions- und Interpretationsprozesse. Allerdings wählt Erbring nur eine sehr begrenzte Menge von bedeutsamen (nicht extern “gemessenen”) Ereignissen aus, die er a priori bestimmten Einstellungsindikatoren als alleinige Determinante zuweist. Siehe auch unten, S.218, Fußnote (1), S. 220f.Google Scholar
  36. 1).
    Siehe die in Abschnitt 2.1., S.73 angeführte Diskussion über den “ökologischen Fehlschluß”.Google Scholar
  37. 2).
    “The problem ist not aggregation bias, but bias aggregation” (Erbring, 1975, S. 75).Google Scholar
  38. 1).
    Erbring umgeht dieses Problem, indem er glaubt zeigen zu können, daß alle Einstellungsveränderungen letztlich voll durch die von ihm selegier-ten Ereignisse determiniert sind.Google Scholar
  39. 2).
    Diesen Hinweis verdanke ich einem Gespräch mit Dr. Bernd Streitberg, Institut für Quantitative Ökonomik und Statistik, Freie Universität Berlin.Google Scholar
  40. 1).
    Soll die Frageformulierung zu einer bestimmten Einstellung geändert werden, weil sie im Laufe der Zeit ihren indikativen Gehalt verändert hat, ist die neue Formulierung einige Male gemeinsam mit der alten zu verwenden, um die Trendreihe trotz dieses Wechsels der Frageformulierung -evtl. mit Hilfe bestimmter Datenmodifikationen — fortführen zu können.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1981

Authors and Affiliations

  • Helmut Thome

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