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Kollektive Einstellungen

  • Helmut Thome
Part of the Beiträge zur sozialwissenschaftlichen Forschung book series (BEISOFO, volume 15)

Zusammenfassung

Im vorangegangenen Kapitel habe ich häufig von “kollektiven Einstellungen” gesprochen, ohne genauer zu erläutern, was damit gemeint ist. Das soll jetzt nachgeholt werden. Dabei ist kurz auf einige Problemaspekte einzugehen, die in der Debatte um Soziologismus, methodischen Individualismus und Interaktionismus sowie psychologischen Reduktionismus behandelt worden sind. Auf der theoretischen Ebene möchte ich für eine “erweiterte” interaktionistische Perspektive plädieren, aus der man die Unterscheidung dreier Kollektivitätsstufen gewinnen kann: Einstellungen a) aggregiert, b) generalisiert und c) als kulturelle Deutungsmuster theoretisch rekonstruiert.

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Literatur

  1. 1).
    Siehe hierzu z.B. den Literaturüberblick von McGuire, 1969, S. 142ff.Google Scholar
  2. 2).
    Siehe hierzu z.B. verschiedene Beiträge in dem Band Adorno/Dirks, 1956.Google Scholar
  3. 3).
    Für eine Zusammenfassung der Forschungsergebnisse zum Thema Konformität und Beeinflußbarkeit siehe Kiesler und Kiesler, 1969, McGuire, 1968.Google Scholar
  4. 1).
    Siehe hierzu Riesmann et al., 1958; Thomas Luckmann, 1972; Theodor W. Adorno, 1976.Google Scholar
  5. 2).
    das Ralf Dahrendorf (1967, S. 185 ff.) merkwürdigerweise nur durch Rückgriff auf Kants Transzendental philosophie meinte “lösen” zu können.Google Scholar
  6. 3).
    Siehe G. H. Mead, 1972.Google Scholar
  7. 4).
    Siehe auch oben den Abschnitt über Habermas, S. 61 ff. Sehr informativ hierzu und mit empirischen Belegen: Lawrence Kohlberg, 1969.Google Scholar
  8. 5).
    Hierzu siehe Krappmann, 1972, S. 139 ff., und Habermas, 1976 a, S. 68.Google Scholar
  9. 6).
    Einen kritischen Kommentar zu dieser Debatte findet man bei Adorno/ Dirks, 1956, S. 55–69.Google Scholar
  10. 1).
    Auch eine operational istische Wissenschaftsposition muß den ontologi-schen Realitätsbegriff zurückweisen: “…, all Statements about the nature of the universe or any part of it are necessarily a verbalization of somebody’s responses to that which (im Original kursiv, H.T.) evoked these responses. The nature of that which evoked them must always be an inference from the immediate datum, namely, our symbolized sensory experience. All assertions about the ultimate ‘reality’, ‘nature’, ‘essence’, or ‘being’ of ‘things’, or ‘objects’ are therefore unverifiable hypotheses, and hence outside the sphere of science” (Lundberg, 1964, S. 5).Google Scholar
  11. 2).
    Siehe hierzu Andrzej Malewski, 1967, erster Teil.Google Scholar
  12. 3).
    Siehe hierzu das auf Lasswell zurückgehende Konzept von den “emergieren-den” Eigenschaften, aus dem Heinz Eulau scharfsinnige Folgerungen über die Fruchtbarkeit unterschiedlicher Analysestrategien zieht: Eulau, 1969, S. 119–138.Google Scholar
  13. 1).
    Zu einer solchen Konfundierung zweier unterschiedlicher Ansätze neigen auch andere Autoren, z.B. H. Albert, 1967, und, von der “anderen” Seite, J. Ritsert, 1976.Google Scholar
  14. 1).
    Inwieweit im Handlungsbegriff das interaktionistische Moment, die Wechsel sei tigkeit der Perspektiven bzw. der Perspektivgewinnung immer schon mitgedacht ist, ist bei einigen Autoren (z. B. auch Weber) strittig.Google Scholar
  15. 2).
    Da es mir lediglich darum geht, aus der Kritik am Reduktionismus bestimmte analytische Gesichtspunkte herauszuarbeiten, lege ich auf weitere Differenzierungen — insbesondere die Unterschiede zwischen Schütz, Mead Weber — in meiner Darstellung keinen Wert (siehe hierzu Joas, 1979). Die folgenden theoretischen Überlegungen orientieren sich aber eher an Mead als an Weber.Google Scholar
  16. 3).
    Siehe hierzu G. H. Mead, 1972, S. 222 ff.; vgl. B. N. Meltzer, 1972, S. 7–11: “Mead starts out from the prior existence of society as the context within which selves arise. This view contrasts with the nominal-istic position of the Social Contract theorists and of various individualistic psychologies” (ebenda, S. 9). Solche meta-theoretischen Positionen sind nicht unmittelbar empirisch testbar. Sie erwachsen aus der wertbezogenen Interpretation vorhandenen empirischen Materials, sind aber unter dem Gesichtspunkt ihrer Kongruenz mit den Alltagserfahrungen beurteilbar und unter dem Aspekt ihrer Fruchtbarkeit hinsichtlich der Anleitung weiterer empirischer Forschungen und der Interpretierbarkeit ihrer Ergebnisse kritisierbar.Google Scholar
  17. 1).
    Thomas J. Scheff, 1967, sieht in der wechselseitigen Übernahme der Perspektive des jeweils anderen auch den wesentlichen Vorstellungsgehalt in Durkheims Begriff des Kollektivbewußtseins. — Zum Vergleich Durkheim-scher Soziologie mit der Perspektive des symbolischen Interaktionismus siehe Stone und Faberman, 1970.Google Scholar
  18. 1).
    Siehe die Anwendung dieses Konzeptes in der Analyse kommunikativer Beziehungen durch Laing u. a., 1971, S. 37 ff.Google Scholar
  19. 1).
    Man denke z. B. an die Möglichkeit eines Mißverstehens und die daraus entstehende Eskalation von Reaktionen und Gegenreaktionen. Siehe hierzu die Studie von Laing et al., 1971. Auch die systemtheoretische Kommunikationslehre (siehe Watzlawick et al., 1969) hat klargestellt, daß der Verlauf kommunikativer Handlungen nicht durch Eigenschaften der Individuen oder der Umwelt determiniert ist, sondern durch die Besonderheiten des Beziehungssystems bestimmt ist, das die untereinander Kommunizierenden bilden.Google Scholar
  20. 2).
    Vgl. die Polemik von Herbert Blumer, 1969, S. 127 – 139. Die logische Erfassung des regelgeleiteten Interaktionsprozesses bringt den methodologischen Individualismus näher zur Systemanalyse als zum psychologischen Reduktionismus. (Vgl. hierzu auch W. Buckley, 1967, S. 166 – 172, und S. S. Stover, 1977). Man sollte den in systemtheoretischer Sprache gefaßten integrationistischen Funktionalismus nicht mit der System”theo-rie” schlechthin gleichsetzen. Eine Überspitzung des symbolistischen Interaktionskonzepts findet man im Begriff der “Transaktion” bei Dewey und Bentley, 1949. Sie laufen dabei Gefahr, überhaupt keinen Begriff von Individual-Identitäten mehr sinnvoll definieren zu können.Google Scholar
  21. 1).
    Dieses datenanalytische Konzept bezeichnet die Möglichkeit, daß die Beziehung zwischen einer unabhängigen (erklärenden) und einer abhängigen Variablen “spezifiziert” wird durch eine dritte Variable.Google Scholar
  22. 2).
    Diese Konsequenz wird klar gesehen z.B. von Thomas P. Wilson, 1970, S. 74 ff.Google Scholar
  23. 1).
    Zur Möglichkeit der Kombination von “Variablen-Analyse” und interpretation Verfahren siehe auch Deutscher, 1973, S. 255 – 259.Google Scholar
  24. 2).
    Einen knappen überblick geben Hummell/Ziegler, 1976, S. E 110–E 123.Google Scholar
  25. 1).
    Hierbei handelt es sich um eine datenanalytische Technik, die die Untersuchung reziproker Wirkungsbeziehungen erlaubt.Google Scholar
  26. 2).
    Vgl. zur Rolle von “Interaktionen” Studien über internationale Beziehungen Tanter, 1974, Kap. 1.Google Scholar
  27. 3).
    Im folgenden stütze ich mich auf diese Untersuchungen, ohne ihnen in allen Punkten zu folgen.Google Scholar
  28. 1).
    Insofern ist es etwas irreführend, schlicht vom “psychologischen” Reduktionismus zu sprechen. Es fällt auf, daß die Vertreter anderer (kog-nitivistischer, mental istischer) Ansätze einen viel geringeren Ehrgeiz entwickeln, die Soziologie auf ihre Psychologie zu reduzieren, als die Verha1 tens theoreti ker.Google Scholar
  29. 2).
    Siehe.hierzu die Interpretation von Johannes Weiß, 1975.Google Scholar
  30. 1).
    Eine Verdeutlichung dieses Unterschieds erreicht von Wright mit seinem Hinweis, “daß physischer Zwang Handlungen kausal unmöglich, aber nicht kausal notwendig machen kann” (von Wright, 1974, S. 133).Google Scholar
  31. 1).
    Vgl. auch R. Münchs Konzeption, Handlungen von Individuen-Gruppen in ein deduktiv-nomologisches Erklärungsmodell einzubeziehen (Münch, 1973).Google Scholar
  32. 1).
    Für detaillierte Begründungen dieser Strategie siehe Eulau, 1969, S. 1–19; Edel, 1959; Allardt, 1969; Valkonen, 1969.Google Scholar
  33. 2).
    Siehe hierzu Lipset, 1967, S. 132; vgl. auch ähnliche Beispiele auf S. 199 und 205.Google Scholar
  34. 3).
    Siehe hierzu grundsätzlich E. K. Scheuch, 1966.Google Scholar
  35. 4).
    Grundsätzliches hierzu vom Standpunkt der empirisch-analytischen Sozialwissenschaften kann man bei Wilbert E. Moore, 1969, nachlesen. Für Beispiele aus der kulturpsychologisch orientierten empirischen Forschung siehe DeVos/Hippler, 1969, und Inkeles/Levinson, 1969.Google Scholar
  36. 5).
    Für einen überblick siehe H. J. Hummell, 1972.Google Scholar
  37. 6).
    Die grundlegende Arbeit hierzu stammt von Lazarsfeld/Menzel, 1969.Google Scholar
  38. 1).
    Siehe exemplarisch für die Wahlsoziologie die übersichtliche Skizze von Stein Rokkan in Heberle/Rokkan, 1969, S. 885–887.Google Scholar
  39. 2).
    Für eine Zusammenstellung solcher Faktoren siehe Mertons “Provisional list of group-properties” in: Merton, 1968, S. 364–380.Google Scholar
  40. 1).
    Zur Unterscheidung dieser beiden Konzepte siehe Brewster Smith, 1973, S. 73.Google Scholar
  41. 1).
    “Aggregate” bezeichnen im Unterschied zur “Gruppe” Kollektive, deren Elemente keinen gemeinsamen Interaktionszusammenhang bilden.Google Scholar
  42. 2).
    Die Terminologie und die grundbegriffliche Klärung ist Luhmanns Konzept der Generalisierung von Verhaltenserwartungen entnommen. Siehe unten, S. 115ff.Google Scholar
  43. 1).
    Ansätze dazu haben insbesondere in der phänomenologisch orientierten Soziologie (etwa eines A. Schütz) schon eine längere Tradition.Google Scholar
  44. 2).
    Baumgärtner und Wagner, 1973, S. 210.Google Scholar
  45. 1).
    Als Analyse-Beispiel siehe die Studie von Clifford Geertz, 1973.Google Scholar
  46. 2).
    Siehe hierzu A. Kaplans Erläuterungen zur “Loqic-in-use” und “Reconstructed Logic” (1964, S. 3–11).Google Scholar
  47. 1).
    Siehe hierzu die kritische Betrachtung von U. Oevermann (1973), der einen Projektvorschlag zur Untersuchung sozialer Deutungsmuster am Beispiel der Curricula an Schulen ausgearbeitet hat.Google Scholar
  48. 1).
    Siehe Parsons, 1951, S. 58–67; kritisch hierzu M.Black, 1961, S. 283ff. Einen Operationalisierungsversuch mit den Mitteln der Befragung findet man bei Tarter, 1969.Google Scholar
  49. 2).
    Siehe hierzu z.B. den Artikel von W.A. Mullins, 1972, mit vielen Literaturhinweisen. Neben den einschlägigen wissenssoziologischen Theorien vgl. auch die Ansätze zu einer “sociology of beliefs” wie z.B. den von Borhek/Curtis, 1975. Fußnoten (3) und (4) siehe Seite 82 Fußnoten (3) und (4) von Seite 81:Google Scholar
  50. 3).
    Siehe hierzu C.W. Mills’ Konzept der “vocabularies of motives” (inGerth/ Mills, 1953, S. 114ff.). Erinnert sei auch an die schon oben zitierte Aussage von Max Weber (1972, S. 549), wonach jede Macht und “jede Lebenschance überhaupt” ein Bedürfnis nach Selbstrechtfertigung zeige.Google Scholar
  51. 4).
    Für eine phänomenologische Analyse von Typifizierungsprozessen und ihren Funktionen siehe Berger/Luckmann, 1967. Für eine kritische Problemati- sierung des Tygifizierungsbegn siehe Hans Joas, 1975, S. 45–54.Google Scholar
  52. 1).
    Vergl. die unten, S.133 zitierte Bemerkung von R. Bendix, über die “characteristic disjunction between the symbol pattern of a culture and the ordinary lives of the people…”.Google Scholar
  53. 2).
    Außerdem kommt den pragmatischen Bedingungen der Handlungssituation (wie z.B. der Verteilung von Interessen und Machtressourcen) bei der Generierung von Einstellungen ein wesentlich stärkeres Gewicht zu als bei der Bestimmung sprachlicher Ausdrucksformen.Google Scholar
  54. 3).
    Siehe hierzu Thomas Luckmann, 1972, S. 188ff,; vgl. unten Abschn. 2.4.3.Google Scholar
  55. 4).
    Siehe hierzu z.B. aus der Perspektive des symbolischen Interaktionismus Orrin E. Klapp, 1969.Google Scholar
  56. 1).
    Luhmann, 1972, S. 31.Google Scholar
  57. 1).
    Laing/Phi11 ipson/Lee (1971) haben anhand der Relationen zwischen direkter Perspektive, Meta- und Metametaperspektive genau bestimmen können, welche Vorgänge beim “Verstehen”, “Verstandenwerden” und dem “Gefühl, verstanden zu werden” involviert sind.Google Scholar
  58. 2).
    Eine solche Formulierung eröffnet die Gefahr, die spezifische Herrschaftsbeziehung, die zwischen “Normabsender” und “Normempfänger” bestehen mag, von vornherein aus der Analyse auszublenden. (Zu den Begriffen “Normabsender” und “Normempfänger” siehe Gerd Spittler, 1967, S. 14f. Zum Prozeß der “Anonymisierung” von Verhaltenserwartungen vgl. Berger/ Luckmann, 1969, S. 33ff.)Google Scholar
  59. 3).
    “Solche Erwartungssicherheit ist Vorbedingung jeder Sicherheit und ungleich viel wichtiger als die Erfüllungssicherheit. Wer weiß, was er erwarten kann, kann ein hohes Maß an Unsicherheit darüber ertragen, ob die Erwartungen sich auch realisieren werden” (Luhmann, 1969, S. 31). Diese These wird durch die Ergebnisse einer empirischen Untersuchung von F.X. Kaufmann bestätigt, in der festgestellt wird: “Die Interpretation des gemeinten Sinnes der gesellschaftlichen Wertbesetzung des Wortes Sicherheit ergab: Sicherstellung von Zukunft schlechthin in bezug auf beliebige Möglichkeiten…” (1973, S. 193, vgl. S. 191, 199, 277, 288).Google Scholar
  60. 1).
    Harold Garfinkel und andere Ethnomethodologen haben in zahlreichen experimentellen Beobachtungen solche selbstverständlichen Erwartungsstrukturen, die “taken-for-granted rules”, aufgedeckt und beschrieben.Google Scholar
  61. 2).
    Vgl. hierzu das weiter unten, S.148 erwähnte Problem der “doppelten Moral”.Google Scholar
  62. 3).
    Spittler (1967, S. 87) versteht Normen als “Kompromiß, der aus den verschiedenen Interessen und Machtmitteln der Rollenträger resultiert”.Google Scholar
  63. 4).
    Das tut z.B. Spittler, 1967, S. 19. (Man kann natürlich den Begriff der Sanktion auch weiter fassen.)Google Scholar
  64. 1).
    Hierbei ist zu beachten, daß auch ein demonstratives “Nichtzurkenntnis-nehmen” eine effektive Reaktionsform darstellen kann.Google Scholar
  65. 1).
    Zur Notwendigkeit von Widersprüchlichkeiten und Diversität in der Normbildung siehe auch Krappmann, 1972, S. 46; Eckstein/Gurr, 1975, S. 268.Google Scholar
  66. 2).
    Die Rolle von “Dritten” bei der Vermeidung oder dem Austragen von politischen Interessenkonflikten arbeitet Elmar Schattschneider, 1960, heraus.Google Scholar
  67. 1).
    Wie prekär die Abgrenzung richterlicher und politischer Normentscheidung ist, haben jüngste Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts zum Grundlagenvertrag (zwischen der BRD und der DDR) zum Schwangerschaftsabbruch und zur Gewissensprüfung bei Wehrdienstverweigerung demonstriert.Google Scholar
  68. 2).
    Den Begriff der Machtrolle expliziert Dieter Ciaessens, 1970, S. 55, 59–68. Vgl. hierzu die Ausführungen von H.-P. Dreitzel, 1972, über “Gestal-tungs-” und “Herrschaftsnormen” im Unterschied zu anderen Normtypen (S. 118–123).Google Scholar
  69. 3).
    Man kann aber das Bedürfnis nach diskursiver Begründung nicht aus der Welt schaffen, indem man es für dysfunktional erklärt, was partiell durchaus zutreffen mag. Man kann ihm andererseits nicht sein Recht verschaffen, indem man das Problem der Komplexität negiert. Die Frage kann nur sein, ob und wie Komplexität so strukturiert werden kann, daß wenigstens teilweise (zunehmend?) Diskurse im Habermasschen Sinne realisierbar werden. Das ist freilich keine rein theoretisch entscheidbare Frage (siehe oben).Google Scholar
  70. 1).
    Eine kognitionstheoretische Erklärung hierfür schlägt Lindenberg vor. Er kann empirisch die Hypothese bestätigen, “that individuals expect a higher degree of orderliness from more inclusive actors. Thus, positions will be expected to be more orderly in their structure than individuals, and groups more than positions” (1971, S. 61). “This idea translated into a historical perspective would read: as a society becomes more complex and thereby harder to represent cognitively, the structure we cognize will contain less and less individuals and more and more positions and groups as actors” (ebd., S. 71). Durch eine Analyse politischer Nachrichten der New York Times zwischen 1852 und 1969 konnte Lindenberg diese Vermutung bestätigen.Google Scholar
  71. 2).
    Siehe hierzu Dreitzel, 1972, S. 116–119.Google Scholar
  72. 3).
    Sicherlich kann man ihm in der Beobachtung zusti mmen, daß die soziologische Werttheorie sich in einem beklagenswerten Zustand befindet und vor der Uneinheitlichkeit ihrer disparaten Begriffsbildungen zu resignieren droht. Vgl. dagegen Peter Kmieciak, 1976, der zwar die verworrene Uneinheitlichkeit der begrifflichen Ansätze dokumentiert, aber dennoch glaubt, ihr mit Optimismus begegnen zu können. Sein Buch enthält im übrigen eine Fülle von Hinweisen auf verschiedene Vorschläge der Operationalisierung und Messung von “Werten”, siehe die Seiten 38, 51, 60, 71, 73ff., 81ff., 87, 91, 94ff., 108ff., 142, 145f., 214, 238, 252ff.Google Scholar
  73. 4).
    Zur “Funktionalisierung” der Werte vgl. oben, S. 11, 25.Google Scholar
  74. 1).
    Siehe hierzu Dreitzel, 1972, S. 109ff.; Berger/Luckmann, 1967, Kapitel 2.Google Scholar
  75. 2).
    “Diese institutionelle Reduktion… passiert einfach. Sie stellt sich zwangsläufig ein,…” (Luhmann, 1972, S. 68).Google Scholar
  76. 1).
    Siehe Turner/Kill i an, 1972, S. 21–25.Google Scholar
  77. 2).
    Siehe z.B. verschiedene Veröffentlichungen in Heinz/Schöber, 1973, und die Wiederabdrucke von Originalstudien in Turner/Kill i an, 1972.Google Scholar
  78. 3).
    Ein gutes Beispiel hierfür liefert G. Spittler, 1967.Google Scholar
  79. 4).
    Die Idee einer “Lebensgeschichte” von Normen stellt Dreitzel wie folgt vor. “Man könnte vermutlich die Lebensgeschichte (im Originaltext kursiv, H.T.) einzelner Normen oder Normenkomplexe verfolgen und darin die Phase, in der die Ideologisierung beginnt, beschreiben. Sie würde mit der Entwicklung und Behauptung einer Norm aus pragmatischen oder herrschaftlichen Interessen beginnen, müßte die Durchsetzung der Norm mit Hilfe äußerer Sanktionen und ihre allmähliche Verinnerlichung beschreiben, bis die Sanktionen selbst von innen her durch Scham und Peinlichkeit, Schuld und Reue das Verhalten kontrollieren; sie müßte schließlich den Verlust des ursprünglichen gesellschaftlichen Interesses an der Norm und den langsam entstehenden Widerspruch zwischen dem objektiven Interesse der Gesellschaft und dem Rolleninteresse der Herrschenden nachzeichnen, der zu einer Ideologisierung führt, die nur durch Aufklärung zu überwinden wäre” (1972, S. 251). Daß die Entwicklungsgeschichte von Normen ein bißchen komplizierter ist, als von Dreitzel in diesem Zitat dargestellt, dürfte aus unserer bisherigen Erörterung dieses Themas schon sichtbar geworden sein.Google Scholar
  80. 5).
    Dies versuchen jetzt ansatzweise Harold Hurwitz und Mitarbeiter (Zentralinstitut für sozialwissenschaftliche Forschung der Freien Universität Berlin) in dem eingangs erwähnten Projekt am Beispiel des “antikommunistischen Widerstandskonsenses” im Nachkriegs-Berlin. Eine erste Buch--Veröffentlichung ist für 1981 vorgesehen.Google Scholar
  81. 6).
    Siehe z.B. J. Huizinga, 1924, und Denis de Rougemont, 1966. Auf die soziologischen Klassiker.wie Max und Alfred Weber, P. Sorokin und Karl Mannheim ist natürlich ebenfalls zurückzugreifen.Google Scholar
  82. 1).
    Für einen knappen Überblick siehe Borgatta, 1969, S. 288–291.Google Scholar
  83. 2).
    Triandis, 1975, S. 82–86; vgl. Triandis et al., 1972, S. 70–75 und Kapitel 8.Google Scholar
  84. 1).
    So H. McClosky, 1964. Kritisch zu einem derart verkürzten Konsensbegriff äußern sich z.B. Lawrence, 1976, und Herson/Hofstetter, 1975.Google Scholar
  85. 1).
    “Now pretend you are the average person in this community. How would he answer the question? How would he think that you have answered it?” ebd., S. 39). Der “Durchschnittsbefragte” dürfte mit dieser Formulierung allerdings überfordert sein. Sie könnte jedoch in mehrere projektive Fragen aufgelöst werden.Google Scholar
  86. 2).
    Siehe z.B. V. 0. Key, 1961, Kapitel 2, H. McClosky, 1964; R. A. Dahl, 1956, S. 90–119; P. H. Partridge, 1971; A. Etzioni, 1968, vor allem Kapitel 16 und 17.Google Scholar
  87. 3).
    Anzumerken ist noch, daß in der Literatur eine Reihe von globalen Meß-werten für das Ausmaß von Konsens und Fragmentierung vorgeschlagen worden sind. Pappi/Laumann (1974, S. 185) messen z.B. die politische Homogenität einer Gruppe mit einem von Rae und Taylor entwickelten “Maß der politischen Fragmentation”. Barnsley (1972, S. 94) zitiert einen “index (Fortsetzung der Fußnote (3) siehe Seite 96) Fortsetzung Fußnote (3) von Seite 95: of pluralism”. Lipset (1965, S. 97) hat vorgeschlagen, die Reaktion (z. B. Stimmabgabe bei Wahlen) unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen auf bestimmte Ereignisse zu beobachten und festzustellen, ob sie richtungsgleich verlaufen; ob z.B. das Ereignis bei allen Gruppen zu einem Stimmenzuwachs für eine bestimmte Partei führt. Runciman (1962) konstruiert einen Indikator für politischen Konsensus aus der Stärke des Zusammenhangs zwischen politischen Verhaltensformen (z.B. “linke” oder “rechte” Parteien wählen) und der Zugehörigkeit zu positionellen Gruppen in der Sozial struktur bzw. im kulturellen System (soziale Klassen, religiöses Bekenntnis).Google Scholar
  88. 1).
    Zur Möglichkeit des “Auseinanderfallens von struktureller Entwicklung und Inhaltslernen” siehe Döbert/Nunner-Winkler, 1975, S. 68, 132ff.Google Scholar
  89. 1).
    Das elaborierteste Schema dieser Art hat wohl Milton Rokeach, 1973, vorgelegt.Google Scholar
  90. 2).
    Die kognitivistischen Konzeptionen wirken gelegentlich etwas überdehnt und in ihrer Bedeutung gelegentlich auch überbewertet gegenüber den doch sehr unterschiedlichen motivationalen Grundlagen menschlichen Lernens und Handelns (vgl. Abschn. 2.5.).Google Scholar
  91. 3).
    Siehe die Literaturhinweise in der Arbeit von Achen, 1975.Google Scholar
  92. 1).
    Vgl. hierzu den ausgezeichneten Kommentar von R. Brown, 1965, Kapitel 10. Daß “Inhalt” und “Struktur” nicht rigide zu trennen sind, betonen auch Döbert/Nunner-Winkler, 1975, S. 200, Anm. 76.Google Scholar
  93. 2).
    In einer späteren Arbeit hat Rokeach (1973, S. 169ff.) die entscheidende Bedeutung eben dieser beiden Wertdimensionen ebenfalls herausgestellt.Google Scholar
  94. 3).
    Siehe z.B. Krysmanskis Untersuchung (1973) über die Bedeutung “metrischer Vorstellungen” im heutigen sozialen Bewußtsein oder R.C. Baums These von der “Invariance in Authority Codes”, aus der sich Folgerungen über die Möglichkeit (bzw. Unmöglichkeit) der Konvergenz politischer Systeme ergeben (Baum, 1977). Siehe auch die Untersuchungen von S. Lindenberg über “social schemes” des (hierarchischen) Ordnens (1971 und 1977).Google Scholar
  95. 1).
    Diese Methode vernachlässigt jedoch die Fähigkeit, eine Vielzahl von Bewertungsdimensionen mittels abstrakter Konzepte wiederum zu integrieren.Google Scholar
  96. 1).
    “Reality is ordered in terms of such (freely exchangeable, H.T.) components which are apprehended ajid (im Original kursiv, H.T.) manipulated as atomistic units” (Berger et al., 1973, S. 27).Google Scholar
  97. 2).
    Zu diesem Problem siehe Merton, 1968, S. 493ff.; vgl. die skeptischen Ausführungen von Chr. P. Ludz, 1977, S. 11ff.Google Scholar
  98. 3).
    Eine Hauptschwierigkeit besteht darin, auf der Ebene von Gesellschaften ein logisches Äquivalent zum “Selbst” innerhalb von Personen-Systemen zu definieren.Google Scholar
  99. 4).
    Auch die im vorigen Abschnitt erörterte soziale, normative und sachliche Generalisierung stellt eine Strukturdimension kollektiver Einstellungen dar.Google Scholar
  100. 1).
    Die Fragen hatten folgenden Wortlaut (Campbell et al., 1960): “I’d like to ask you what you think are the good an bad points about the two parties. Is there anything in particular that you like about the Democratic Party?” (S. 224) “Now Td linke to ask you about the good and bad points of the two candidates for President. Is there anything in particular about Stevenson that might make you want to vote for him?” (S. 226) In gleicher Weise wurde nach der Republikanischen Partei und nach ihrem Kandidaten, Eisenhower, gefragt.Google Scholar
  101. 1).
    Dieser Validierungsansatz macht deutlich, daß die Etikette “Ideologues” hier nicht im historisch-wissenssoziologischen Sinne verstanden wird, sondern bestimmte ideologische Gehalte, die nicht in das Schema rationalistischer Politik-Kriterien fallen — man denke z.B. an Gruppen religiöser Eiferer -, ausklammert. Inwiefern eine derartige begriffliche Reduktion empirisch (in Anbetracht des Untersuchungsziels) gerechtfertigt ist, könnte jedoch nur bei einer Durchsicht der Original-Antworten (der Befragten) geprüft werden.Google Scholar
  102. 1).
    Vgl. hierzu die von Rekoeach (1960) vorgenommene Unterscheidung zwischen “Isolierung”, “Kompartmentalisierung” und “Differenzierung” von Einstellungsbereichen, die sich analog zu Luhmanns Unterscheidung von “funktionaler” und “segmentärer” Differenzierung begreifen läßt: Zwei Einstellungen oder Einstellungskomplexe sind voneinander “isoliert” (oder segmentiert), wenn zwischen den Objekten (oder Objektbereichen), auf die sie sich beziehen, ein objektiv-sachlicher (kausaler bzw. funktionaler) oder logischer Zusammenhang besteht, dieser Zusammenhang jedoch verneint bzw. nicht wahrgenommen oder in seiner Bedeutung heruntergespielt wird. Wenn der Zusammenhang nicht lediglich wegen fehlender Informationsmöglichkeiten nicht gesehen, sondern aus ich-defensiven Motiven heraus negiert wird, können wir von “Kompartmentalisierung” als einem speziellen Fall von Isolierung sprechen. (Vgl. hierzu Deutscher, 1973, S. 222ff.) Demgegenüber bezieht sich “Differenzierung” auf die Fähigkeit, Einstellungen zu Objekten, die über einen weiten Bereich gestreut sind, mit Hilfe abstrakter Konzepte zueinander in Beziehung zu setzen, Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen ihnen wahrzunehmen und sie präferentiell ordnen zu können. (Ober sozio-kulturelle Entwicklungsfaktoren, die eine zunehmende Abstraktion erzwingen, siehe z.B. Karl Mannheim, 1956, S. 187f.)Google Scholar
  103. 1).
    Daß größere kognitive Komplexität auch Unsicherheit vermindert, kann allerdings nicht ohne weiteres behauptet werden. Offensichtlich besteht keine monotone Beziehung zwischen diesen beiden Faktoren; siehe hierzu Franz Lehner, 1975.Google Scholar
  104. 2).
    über die Bedeutung einer “contextuating organization of knowledge” im Rahmen makrosozialer Prozesse siehe A. Etzioni, 1968, Kapitel 7. über “morselizing”, “contextualizing” und “ideologizing” als Persönlichkeitsmerkmale siehe R. E. Lane, 1962, S. 350–356.Google Scholar
  105. 1).
    Siehe hierzu Max Kaase, 1976 b.Google Scholar
  106. 1).
    Hier gibt es Ausnahmesituationen: “… if it comes to the more radical right ideology, history has shown that they are well prepared to use unconventional means of action in order to stop change in the direction of greater equality” (Klingemann, 1977 c, S. 23).Google Scholar
  107. 2).
    Siehe z.B. John S. Nelson, 1977.Google Scholar
  108. 1).
    Rokeach meint, daß “any human behavior judged by an external observer to be psychologically (im Original kursiv, H.T.) inconsistent will also turn out to be logical1y inconsistent if all related cognitions were taken into account” (1973, S. 226).Google Scholar
  109. 1).
    Aus nur individuell feststellbaren Konsistenzprinzipien ergibt sich eher ein Argument für als gegen Luhmanns Fragmentierungsthese.Google Scholar
  110. 2).
    Wie z.B. Ludz, 1977, S. 12.Google Scholar
  111. 3).
    Daß Inkonsistenzen funktional sinnvoll sein können, schließt natürlich Gegenbeispiele nicht aus. Verba, 1965, weist z.B. auf eine Arbeit von Harry Eckstein hin, in der die Folgen der “Diskontinuität” zwischen den familialen Autoritätsmustern und den formal institutionalisierten politischen Regeln in der Weimarer Republik analysiert werden (1965 b, S. 524).Google Scholar
  112. 4).
    Zu dieser Unterscheidung siehe Richard Münch, 1972, S. 48f. Fußnote (5) siehe Seite 111Google Scholar
  113. 5).
    Münchs Kritik ist nicht gegenüber allen Dissonanztheoretikern gerechtfertigt. Aronsons Hinweis z.B., daß Dissonanztheorie es üblicherweise nicht einfach mit zwei Kognitionen zu tun habe, sondern mit Kognitionen in Beziehung gesetzt zum Selbstbild (self conception) der betreffenden Person, impliziert eine logische Unterscheidung, wie sie Münch vorschwebt (Aronson, 1969, S. 458). Die systematischste Ausarbeitung dieses Gedankens für die Dissonanztheorie findet man inzwischen bei Martin Irle (1975, S. 310–317; siehe unten S. 143).Google Scholar
  114. 1).
    Es wird nicht behauptet, daß eine solche Entlastung in jedem Fall gesucht wird.Google Scholar
  115. 1).
    In diesem Element der “Entpersönlichung”, das universalistische Normen auszeichnet, ist jedoch nicht impliziert, daß Personen eine solche Orientierung nur mit “affektiver Neutralität” in ihr System von “need-dispositions” integrieren können (Parsons/Shils, 1951, S. 92ff.). Im neute-stamentlichen Liebesgebot zum Beispiel werden universalistische Orientierung und persönliche (aber nicht selektiv-persönliche) “Empathie” miteinander verknüpft. Das Beispiel dieser religiösen Norm (siehe auch unten, Fußnote 2» S.114) macht im übrigen deutlich, daß es nicht immer angemessen oder ausreichend ist, die Geltung universalistischer Prinzipien lediglich unter funktio-nalistischen Gesichtspunkten oder unter dem Aspekt ihrer rational-diskursiven Begründbarkeit zu analysieren.Google Scholar
  116. 2).
    Siehe hierzu Max Weber, 1972, S. 568, 572; R. Bendix, 1960, S. 436f. Zum Verhältnis von Entpersönlichung und Demokratisierung siehe Mannheim, 1956, S. 218; vgl. Parsons, 1951, S. 317.Google Scholar
  117. 3).
    Siehe z.B. Lipset, 1967, S. 140f., passim.Google Scholar
  118. 1).
    “Moralisch” relevant sind für Habermas alle Situationen, in denen über konfli gierende Interessen entschieden werden muß: Wird eine Lösung angestrebt, indem die (zunächst) gegensätzlichen Interessen auf einen verallgemeinerungsfähigen Gesichtspunkt gezogen werden?Google Scholar
  119. 2).
    Schon das Neue Testament formuliert als oberstes Rechtfertigungskriterium ein formales Prinzip: unter Berufung auf das (keine Handlungen inhaltlich präzisierende) Gebot der Nächstenliebe konnten alle anderen Gebote situationsgebunden übertreten werden. Gerade am Beispiel der Kirche und anderer religiöser Gruppen ließe sich jedoch zeigen, wie leicht prinzipieller Uni versal ismus mit praktischem Partikularismus sich paaren läßt. “Religious universal ism very easily shifts into a denominational particularism where the primary loyalty is to the particular religious collectivity” (Parsons, 1951, S. 85). Aber auch hier bleibt anzuerkennen: daß der praktische Partikularismus in diesem Falle eher effektiv kritisiert werden kann als in einem anderen Falle, wo universalistische Prinzipien nicht einmal theoretisch anerkannt sind.Google Scholar
  120. 1).
    Siehe oben, S. 43, S. 85, Fußnote 1.Google Scholar
  121. 2).
    Unter dieser Perspektive lassen sich eine Reihe von Fragestellungen integrieren, mit denen sich die sozialpsychologische Einstellungs- und Persönlichkeitsforschung beschäftigt, zum Beispiel: Fähigkeit zur Abstraktion und Differenzierung; autoritäre versus demokratische Persönlichkeit; “open” versus “closed mind”; Orientierung an Personen versus Orientierung an Sachproblemen und Prinzipien; Gewicht kognitiver Leistungen und affektiver Bindungen; tgestreckte oder enge Zeitperspektive; Ertragen von Unsicherheit; Fähigkeit, Befriedigung aufzuschieben.Google Scholar
  122. 3).
    Habermas orientiert sich hier an Piaget und Kohlberg. Ob seine Interpretation des Werkes von Piaget “korrekt” ist, steht hier nicht zur Debatte.Google Scholar
  123. 4).
    Siehe vor allem Habermas, 1976a, S. 67–88.Google Scholar
  124. 1).
    Zur Kritik an dieser Untersuchung, insbesondere bezüglich des schichtenspezifischen Indikatorengehalts der gestellten Fragen, siehe Hans Joas, 1977.Google Scholar
  125. 2).
    Unter Hinweis auf das Beispiel der Parteien der Arbeiterbewegung schreibt Habermas: “Die partikulare Gestalt der Partei wird mit dem Universalis-mus der Ziele durch Einbeziehung der Zukunftsdimension vermittelt, d.h. durch eine diachronische Auseinanderlegung der Vernunft. Mit anderen Worten: die Partei kann Vernünftigkeit in dem Maße beanspruchen, wie ihre Praxis tatsächlich das Eintreten von Zuständen fördert, in denen sie selbst als Partei überflüssig wird” (1974, S. 58). In der historischen Entwicklung blieb dies jedoch ein uneingelöstes Versprechen.Google Scholar
  126. 1).
    In diesem Zusammenhang ist auch auf die Studien zur jugendlichen Subkultur hinzuweisen, die K. Kenniston vorgelegt hat (Hinweis bei Habermas, 1973 a, S. 116–128).Google Scholar
  127. 2).
    Ober unterschiedliche Formen der Inhaltsanalyse referiert in einem informativen Überblick E. Mochmann, 1977.Google Scholar
  128. 1).
    Siehe das Konzept der Rollendistanz: Goffman, 1961, und nachfolgende Diskussionen.Google Scholar
  129. 2).
    So z.B. Wolfgang Pohrt/Michael Schwarz, 1974.Google Scholar
  130. 3).
    Für einen Einstieg siehe die von Kmieciak (1976) im zweiten Teil seines Buches zusammengestellten bzw. referierten empirischen Forschungsergebnisse.Google Scholar
  131. 1).
    Der oft erhobene Vorwurf, Habermas “idealisiere” in seiner Studie die realen Verhältnisse, ist weder falsch noch besonders treffend: Habermas weiß durchaus zwischen den realen Gegebenheiten und der aus ihnen abgezogenen ideologischen Konstruktion zu unterscheiden. Es kommt ihm gerade darauf an, in diesen ideologischen Konstruktionen des Bürgertums jene Sinngehalte zu identifizieren, die über die gegebenen Verhältnisse hinausweisen.Google Scholar
  132. 1).
    Habermas zitiert hier Helmut Schelsky, Schule und Erziehung in der industriellen Gesellschaft, Würzburg 1957, S. 33.Google Scholar
  133. 2).
    Als Legitimierung dieser Entwicklung kann die Öffentlichkeitstheorie von Niklas Luhmann (1971 b) gelten, der öffentliche Meinung als “institutionalisierte Themenstruktur des gesellschaftlichen Kommunikationsprozesses” (ebd., S. 29) und ausdrücklich nicht als Entscheidungsstruktur interpretiert.Google Scholar
  134. 1).
    Dahrendorf versteht “öffentlich” und “privat” als Eigenschaften sozialer Werte. Er ordnet diesem Begriffspaar den gleichen analytisch-strategischen Stellenwert zu, den z.B. Parsons’ “pattern variables” beanspruchen (Dahrendorf, 1965, S. 328).Google Scholar
  135. 1).
    Zur Rolle der Familie im Verhältnis zur Politik siehe auch Verba, 1965 a, S. 162–168; Almond/Verba, 1965, Kapitel 12.Google Scholar
  136. 2).
    Siehe auch die von Nie/Andersen, 1974, S. 574–578 vorgenommene empirische Differenzierung von unterschiedlichen Gründen der Apathie: “Entfremdung” vs. Desinteresse.Google Scholar
  137. 3).
    Für Trenddaten siehe Jürgen Mi row, 1976.Google Scholar
  138. 1).
    Siehe die zusammenfassenden Bemerkungen von Almond/Verba, 1965, S. 343f. und das daraus entnommene Zitat oben, S. 36, Fußnote 1.Google Scholar
  139. 1).
    “The modern family’s ‘fit’ with the systemic needs of society does not guarantee that it will also substain the authentic needs of individuals for meaning and identity. Increasing social differentiation may make the family an ever more powerful source of particularistic identity and subsequent identity loss” (Weigert/Hastings,1977, S. 1180).Google Scholar
  140. 2).
    Siehe die vielschichtige Diskussion zur “Humanisierung” der Arbeitswelt.Google Scholar
  141. 3).
    Zur Beschreibung dieser Soziierungsformen siehe Harold Hurwitz, 1977. Fußnote (4) siehe Seite 128.Google Scholar
  142. 4).
    Von Interesse ist in diesem Zusammenhang die marxistische Kritik von Hack an (gewissen) deutschen Marxisten: “Es ist für die bundesdeutsche politische Szene schon aufschlußreich, daß Hans Heinz Holz einigermaßen verwundert und irritiert vor seinem eigenen Resume der Theorien Gramscis und Togliattis zu sitzen scheint: ‘Die breiten Massen müssen gewonnen, sie können nicht genötigt werden.’ (…) Daß west- und ost-europäische Marxisten in ‘merkwürdiger Weise (darin) konvergieren’ (Holz), daß sie mit der praxeologisehen Dimension der Marxschen Theorie zugleich auch die Perspektive der Individualität und Subjektivität — eben nicht in der funktions-technischen Reduktion auf einen sog. ‘subjektiven Faktor’ -als unaufgebbar/konstitutiv festhalten wollen, ist Ausdruck der Alltagsnähe dieser Theorie(n): Ein genuiner Praxis-Bezug, den man den deutschen Marxisten der Gegenwart bisher kaum vorwerfen kann” (Hack, 1977, S. 149). Ich zitiere hier aus einer Arbeit, die der inzwischen recht umfänglich gewordenen Literatur zur “Soziologie des Alltagslebens” zugerechnet werden kann, um die sich vor allem marxistisch und phänomenologisch orientierte Soziologen bemühen. Eine kritische Würdigung dieser Literatur hätte, obwohl sie insgesamt für unser Thema relevant ist, den Rahmen dieser Ausarbeitung gesprengt.Google Scholar
  143. 1).
    Inauthentizität liegt vor, wenn die Verfremdung nicht begriffen oder nicht einmal bemerkt wird: Etzioni, 1968, S. 619ff.Google Scholar
  144. 2).
    Für eine kritische Erörterung siehe Narr/Naschold, 1973, S. 51–65.Google Scholar
  145. 3).
    Siehe hierzu Dreitzel, 1972, S. 222–230; Offe, 1973, S. 85f., 133.Google Scholar
  146. 4).
    Siehe Meads Konzept vom “I”.Google Scholar
  147. 1).
    Die folgende Darstellung ist durch eine gewisse Unsicherheit des Urteils über den Wert der hier referierten psychologischen Ansätze für die Erforschung kollektiver Einstellungen geprägt. Meine Präferenz gilt einer umfassenden Symbolismus-Theorie, deren Rezeption und weitere Ausarbeitung über den Rahmen dieser Studie jedoch weit hinausginge. Sie hätte aber u.a. auch jene Probleme konzeptuell zu bewältigen, die im folgenden dargestellt werden.Google Scholar
  148. 1).
    Die bekannteste, vielleicht aber auch am massivsten kritisierte Typologie ist wohl immer noch die von Maslow, auf die so renommierte Autoren wie Rokeach (1974), Davies (1973) und Ronald Inglehart (1973 und 1977) zurückgreifen. (Zur Kritik siehe Kmieciak, 1976, S. 162ff.)Google Scholar
  149. 2).
    Siehe hierzu als eindrucksvolles Beispiel: R. E. Lane, 1969.Google Scholar
  150. 1).
    Zur Debatte über “Klasse und Autoritarismus” mit umfangreichem empirischen Material siehe Hamilton, 1972, S. 399–506. Zum Ausgangspunkt der Debatte siehe Lipset, 1962, Kapitel 4.Google Scholar
  151. 2).
    Siehe dazu die Gegenüberstellung der funktionalen Ansätze von Katz vs. Smith in dem Buch von Kiesler et al., 1969, S. 302ff.Google Scholar
  152. 3).
    Dahinter steckt ein fundamentales Prinzip der Indikatorenbildung: ein Indikator, der einem bestimmten theoretischen Konzept zugeordnet ist, darf nicht in Abhängigkeit von einem Phänomen variieren, das von einem alternativen, konkurrierenden Konzept erfaßt ist.Google Scholar
  153. 1).
    Siehe dazu Hirschi/Selvin, 1973, S. 121f. Für eine sorgfältige Ausarbeitung des deterministischen Kausalitätsbegriffs siehe W. Stegmüller, 1960.Google Scholar
  154. 2).
    In der schon oben erwähnten empirischen Studie über Widerstandsgruppen in der DDR der 50er Jahre kommt Harold Hurwitz (1966) zu dem Ergebnis, daß Widerstand übende Personen ihre wesentliche moralische und emotionale Unterstützung nicht aus ihren Familien gewannen, sondern aus anderen, “sekundären” Gruppen wie z.B. die der Arbeits- und Berufskollegen. Dies muß freilich nicht der Annahme widersprechen, daß die Werte über familiale Erziehungsprozesse tradiert wurden.Google Scholar
  155. 3).
    Siehe McGuire, 1969, S. 194. Entscheidend dürfte sein, wieweit jemand seine Fügsamkeit durch äußeren Zwang vor sich selbst rechtfertigen kann (siehe unten, S. 141).Google Scholar
  156. 4).
    Zu dieser Diskussion siehe Sanford, 1973, S. 159.Google Scholar
  157. 1).
    Andere Versionen eines funktional-motivationalen Ansatzes haben vorgelegt: Smith, Bruner und White, 1956; R. E. Lane, 1969.Google Scholar
  158. 2).
    Nicht nur Einstellungen “im engeren Sinne”, sondern auch “Ideologien” (siehe Rokeach, 1968, S. 130f.).Google Scholar
  159. 3).
    Hier besteht eine gewisse Ambiguität in der Konzipierung: es ist nicht eindeutig, ob die “Einstellungen” oder die “Einstellungsobjekte” die Funktionen erfüllen sollen.Google Scholar
  160. 4).
    Zu einem Versuch, funktionale Erklärungsformen logisch als Sonderfall der allgemeinen Struktur kausaler Erklärungen zu konstruieren, siehe Arthur Stinchcombe, 1968, S. 80–98.Google Scholar
  161. 1).
    Siehe hierzu Kiesler et al., 1969, Kapitel 7; Nowak, 1972.Google Scholar
  162. 2).
    Siehe z.B. Foote, 1951; Gerth/Mills, 1953.Google Scholar
  163. 3).
    Katz, 1960, S. 170.Google Scholar
  164. 4).
    Rokeach, der ebenfalls die Katzsche Typologie benutzt, betrachtet die wertexpressive Funktion als den anderen übergeordnet. “Thus all of a per-sons’s attitudes can be conceived as being value-expressive, and all of a person’s values are conceived to maintain and enhance the master sentiment of self-regard” (1973, S. 15).Google Scholar
  165. 5).
    Auch deshalb wird man davon auszugehen haben, daß die motivational-funktionale Theorie nur die Veränderung, nicht aber die Genese von Einstellungen zu erklären vermag. Weniger beliebig dürfte im übrigen der Zusammenhang zwischen Motivationstyp und Strukturmerkmalen eines personalen Einstellungssystems sein: Ich-defensive Motivationen sind weder einer universalistischen Orientierung bekömmlich, noch dürften sie die Kohärenz (im Sinne von Differenzierung und Integration) von Einstellungen fördern. Man wird wohl auch annehmen können, daß ich-defensive Personen, was den Inhalt einer Einstellung anbelangt, stark extrinsisch (siehe oben, S. 132) orientiert sind.Google Scholar
  166. 1).
    Siehe hierzu Nowak, 1972, S. 40ff.Google Scholar
  167. 2).
    Siehe hierzu auch Kelmans (1958) unten S.152f.referierte Unterscheidung von compliance, internalization, identification. Vgl. auch wiederum Riesmans Unterscheidung zwischen innen- und außengeleitetem Charakter. Siehe die oben erwähnte Diskussion über trieb- vs. regelgeleitetes Verhalten (Abschn. 2.1.).Google Scholar
  168. 3).
    Vgl. hierzu die kritischen Warnungen von Merton, 1968, S. 538, 554 Fußnote, 661–664 sowie Karl Mannheim, 1971, S. 108. Den begrenzten Erklärungswert von “interest theories” betonen auch Pappi/Laumann (1974) auf Grund der Ergebnisse ihrer empirischen Untersuchung. Das Phänomen “ich--expressiver” (statt interessengeleiteter) Wahlentscheidungen ist häufig beobachtet worden (siehe z.B. die Untersuchungen der Michigan-Schule zur Partei i denti fi kati on).Google Scholar
  169. 1).
    Letztere wird von Lane, 1969, S. 31ff. unter dem Titel “cognitive needs” besser charakterisiert als von Katz.Google Scholar
  170. 2).
    Vgl. oben Abschn. 1.4. über den symbolistischen Ansatz von Murray Edelman.Google Scholar
  171. 3).
    Siehe oben, S. 1.Google Scholar
  172. 1).
    Daß diese Schlußfolgerungen von Makroindikatoren auf individuelle Bedürfnisse gar nicht immer so offensichtlich sind, haben Forschungen zur Theorie der relativen Deprivation gezeigt (siehe Weede, 1975).Google Scholar
  173. 2).
    Das Konzept der “Mitgliedsrolle” hat vor allem Luhmann, 1964, ausführlich ausgearbeitet.Google Scholar
  174. 1).
    Siehe Katz/Kelman/Vassilou, 1969; DeLamater/Katz/Kelman, 1969; Borre/ Katz, 1973; DeLamater, 1973.Google Scholar
  175. 1).
    “Symbol acts, being consummatory responses which reduce secondary drives, cannot be consummated for any length of time without some reinstatement of these secondary drives” (ebd., S. 64).Google Scholar
  176. 2).
    Siehe hierzu auch Himmelstrand, 1960, S. 49 Fußnote.Google Scholar
  177. 1).
    Empirische Untersuchungen lassen die Annahme zu, daß der spezifischere Inhalt eher geändert wird als der allgemeine, falls eine Diskrepanz zwischen beiden bewußt wird — siehe z.B. Frank R. Westie, 1973, S. 313. Vgl. Austin Sarat, 1975.Google Scholar
  178. 2).
    Zu dieser Kontroverse siehe Zajonc, 1969, S. 369–378.Google Scholar
  179. 1).
    Für eine Auswahl siehe Malewski, 1967, S. 80ff.; Martin Irle, 1975, S. 317–346.Google Scholar
  180. 2).
    Einige Beispiele gibt Sears, 1969, S. 337ff. Relativ häufig findet man dissonanztheoretische Erklärungen bei der Erforschung der Wirkung von Massenmedien, z.B. im Zusammenhang mit dem Phänomen der selektiven Wahrnehmung. Eine aufschlußreiche Interpretation über die Möglichkeit, kognitive und emotive Dissonanzen künstlich zu erzeugen und für manipulative Zwecke zu nutzen, gibt Holzer, 1973, S. 162ff.Google Scholar
  181. 1).
    Literaturangaben hierzu findet man bei McGuire, 1969, S. 269. Siehe auch die von R. Brown, 1965, S. 678ff. referierten Theorien zur “Risikobereitschaft”.Google Scholar
  182. 1).
    Einige Aspekte dieser Problematik sind auch schon im Zusammenhang mit der Diskussion der Arbeit von Ulf Himmel strand in Abschn. 2.5.3. vorgetragen worden (Möglichkeit der Dissoziierung von symbolischen und instrumente! len Handlungen).Google Scholar
  183. 1).
    Vgl. die von der Dissonanztheorie geklärte Möglichkeit, wonach eine der eigenen Einstellung widersprechende Meinungsäußerung zu einer nachträglichen Einstellungsänderung führen kann, wenn die Meinungsäußerung nicht moralisch befriedigend mit äußerem Zwang gerechtfertigt werden kann.Google Scholar
  184. 2).
    Zur Unterscheidung von Dringlichkeit und saliency siehe John C. Pierce, 1975, S. 104.Google Scholar
  185. 1).
    Siehe das Resümee von Meinefeld, 1977, S. 177f.Google Scholar
  186. 1).
    In der Literatur finden sich zahlreiche Versuche, solche situationale Komponenten zu benennen und zu klassifizieren. Neben Deutscher, 1973, und Meinefeld, 1977, siehe z.B. Theodore M. Mills, 1967, S. 95; H. P. Dreitzel, 1972, S. 127–131, 157–166; Norman K. Denzin, 1970, S. 267. Der Begriff der “Definition der Situation” taucht auch in politologischen Untersuchungen auf, so z.B. in der hervorragenden parteisoziologischen Studie von Birgitta Nedelmann, 1975, und in einem Untersuchungsschema zur Analyse internationaler Beziehungen, das Dean G. Pruitt, 1965, vorschlägt.Google Scholar
  187. 2).
    Erschwerend kommt hinzu, daß für viele Objekte und Situationen “multiple” Einstellungen evoziert werden, so z.B. wenn eine nicht präferierte politische Partei eine bestimmte an sich akzeptable Maßnahme vorschlägt, die für unterschiedliche Objektbereiche unterschiedliche Konsequenzen erwarten läßt. Ehrlich meint: “The development of a calculus of attitude across attitude objects and situations should seriously be considered as an item of high research priority” (1973, S. 268).Google Scholar
  188. 1).
    Die Vielzahl der (in der Regel miteinander interagierenden) Einflußfak-toren impliziert schwerwiegende Probleme auch für die statistische Datenanalyse. Zunächst einmal ist völlig ungewiß, ob alle signifikanten Einflußfaktoren auch nur theoretisch identifiziert worden sind. Zweitens dürfte es schwierig sein, für alle theoretisch bestimmten Variablen geeignete Indikatoren konstruieren und hierfür angemessene Daten erheben zu können. Dies macht es, drittens, außerordentlich wahrscheinlich, daß das Gleichungsmodell für die statistische Ermittlung der relativen Ein-flußstärken “unterspezifiziert” ist, daß also Faktoren fehlen, die die Beziehung zwischen den unabhängigen und der abhängigen Variablen modifizieren würden — mit dem Ergebnis, daß die Parameterschätzungen für die bereits identifizierten Determinanten verzerrt sind. In der Praxis läßt man häufig auch noch diejenigen interaktiven Terme aus, die man mit den bereits identifizierten Variablen sinnvoll bilden könnte. Dabei dürfte sich inzwischen erwiesen haben, daß entgegen einer noch 1960 (S. 263) von Blalock geäußerten Ansicht die interaktiven Effekte bei soziologischen Fragestellungen geradezu typisch sind.Google Scholar
  189. 2).
    Bei Rokeach (1968) wechselt dies: Siehe S. 127, wo er objektiv gegebene Situation und “definition of the situation” trennt, und S. 145f., wo er in einem (zitierten) Anwendungsbeispiel diese Unterscheidung übergeht.Google Scholar
  190. 3).
    Ein illustratives Beispiel für das “Aushandeln” der Situationsdefinition liefert Thomas J. Scheff, 1973, mit einer Analyse der Beziehungen zwischen Psychotherapeuten und Klienten.Google Scholar
  191. 1).
    Siehe hierzu die Erläuterungen bei Meinefeld, 1977, S. 205–216.Google Scholar
  192. 2).
    Triandis, 1975, S. 126 (unter Hinweis auf Festinger).Google Scholar
  193. 1).
    Smith (Zimbardo und Ebbeson zitierend), legt eine lange Liste der empirischen Generalisierungen vor, die aus derartigen Forschungen, speziell zum Thema “persuasive communication”, hervorgegangen sind. Sein ziemlich deprimierendes Resümee: “Most of the points seem obvious, yet the contraries of many of them could reasonably be maintained” (1973, S. 66).Google Scholar
  194. 1).
    Zu diesen “Transaktionstheorien” siehe Naschold, 1972, S. 106–109.Google Scholar
  195. 1).
    Siehe die entsprechenden Aufsätze von Hovland, 1959, und Converse, 1970.Google Scholar
  196. 2).
    Siehe hierzu den knappen Überblick bei Naschold, 1972, S. 93–106.Google Scholar
  197. 1).
    Siehe aber den anregenden Aufsatz von Noelle-Neumann (1974), der die meinungsbildende Potenz der Massenmedien unter der Bedingung der “Konsonanz”, der “Kumulation” und der “Öffentlichkeit” der medialen Kommunikation hervorhebt. Die Medien können den Eindruck verbreiten, daß eine bestimmte Meinung vorherrscht oder auf dem Wege ist, dominant zu werden. Die Anhänger einer (mutmaßlichen) Minderheitsmeinung “schweigen” häufiger als die Anhänger der Mehrheitsmeinung, so daß sich der Eindruck von der Dominanz dieser Meinung in einem spiralförmigen Prozeß verstärkt. Leider untersucht Noelle-Neumann nicht eingehend die Differenz von “privater” und “öffentlich” (gegenüber Fremden) geäußerter Meinung und betrachtet die von ihr befragten Personen nicht im Kontext ihrer Gruppenbindungen.Google Scholar
  198. 2).
    Nicht nur dort. Es hat sich herausgestellt, daß eine Vielzahl, vielleicht sogar die Mehrzahl der Beziehungen zwischen “unabhängigen” und “abhängigen” Faktoren der Einstellungsentwicklung, bivariât betrachtet, nichtmonoton, also je nach Wertbereich der abhängigen Variablen in positiver oder negativer Richtung verlaufen (Triandis, 1975, S. 220f., 269; McGuire, 1969, S.243–247), was in der Regel seine Ursache in der Wirksamkeit einer dritten Variablen hat, die den Einfluß der unabhängigen auf die abhängige Variable modifiziert, also mit der ersteren “interagiert”. Dieser Tatbestand vermag viele scheinbare Widersprüchlichkeiten in den Untersuchungsergebnissen aufzulösen und hat auch Konsequenzen für die Verwendbarkeit (Fortsetzung der Fußnote (2) siehe Seite 156) Fortsetzung der Fußnote (2) von Seite 155: bestimmter summarischer Meßwerte (wie Gamma) für die Zusammenhangsstärke, die in der Regel eine monotone oder gar lineare From voraussetrzen.Google Scholar
  199. 1).
    Das tun in ausgezeichneter Weise Kiesler et al., 1969. Derartige (so-zial-)psychologische Konzeptionen sind in der politik-soziologischen Einstellungsforschung, insbesondere in Studien zum Wahl verhalten, immer wieder angewandt worden. Auch Arbeiten zur Theorie sozialer Bewegungen und zum “Wertewandel” haben sich teilweise dieser Vorstellungen bedient. Zu besonderer Prominenz als Erklärungsvariable gelangte dabei das (in verschiedenen Versionen vorliegende) Konzept der “relativen Deprivation” (etwa bei Gurr, 1972), das sich gut mit bezugsgruppentheoretisehen Einsichten und mit soziologischen Kategorien der Institutionenanalyse verbinden läßt. (Für eine kritische Betrachtung siehe Weede, 1975). Davon abgehoben sind Wandlungstheorien, die stärker im Zentrum der Soziologie stehen, wie z.B. strukturanalytische Untersuchungen zur sozialen Mobilität und zu den epochespezifischen Sozial isationsbedingungen von Generationen.Google Scholar
  200. 2).
    Es wäre eine reizvolle (und im Interesse der Vereinheitlichung sozialwissenschaftlicher Theoriebildung notwendige) Aufgabe zu untersuchen, ob bzw. wie der Ansatz von Rokeach, der selbst schon eine Reihe anderer Theorien (freilich mit einigen Verlusten) integriert, mit Konzeptionen interaktionistischer und symbolistischer Ansätze, für die “Identität” und “Kommunikation” Schlüsselbegriffe sind, verbunden werden kann.Google Scholar
  201. 1).
    Siehe hierzu die programmatischen Ausführungen von Luhmann, 1970, S. 66–91.Google Scholar
  202. 2).
    In der Praxis wird es sich bei dem gegenwärtigen Stand der Forschung sowieso allemal um Partialmodelle handeln.Google Scholar
  203. 1).
    Zum besseren Verständnis dieser und der nachfolgend zitierten Hypothesen sei erwähnt, daß Borhek und Curtis, die eine dezidiert soziologische Kon-zeption von belief systems zu entwickeln suchen, zwischen “elements of belief systems” und “variable characteristics of belief systems” unterscheiden. Zu den “Elementen” rechnen sie: values, criteria of validity, logic, perspective (im Sinne kognitiver Klassifizierung), substantive beliefs, prescriptions and proscriptions (Normen), technology. Zu den analytisch als “Variablen” definierten Dimensionen gehören: degree of system, empirical relevance, willingness to take on innovations, tolerance, degree of commitment, style of organization.Google Scholar
  204. 2).
    Hier wäre aber noch ein zusätzlicher dynamischer Faktor zu berücksichtigen: Die believers könnten entschlossen sein, ihr System stärker zu integrieren. In dieser prekären Phase trifft die Hypothese nicht zu, wird Dissens vielleicht eher bestraft als später, wenn die stärkere Systemi-sierung schon erreicht ist.Google Scholar
  205. 3).
    Es muß aber auch beachtet werden, daß höhere Systemisierung — wie die Dissonanztheorie lehrt — Folge höherer Zentral i tat der entsprechenden, oft dispositionell verfestigen Einstellungen sein kann, die die Wahrnehmung und Interpretation von Ereignissen so steuern, daß deren Wirkungsimpuls gedämpft wird.Google Scholar
  206. 1).
    Elias’ zentrale Prämisse ist im übrigen, “daß jede beabsichtigte und geplante Weiterentwicklung in eine umfassende ungeplante Entwicklung verflochten ist,…” (ebd., S. 139); denn: “… aus der Verflechtung der Willensakte und Pläne von vielen Menschen (haben sich) Strukturen und Prozesse ergeben, die keiner von den in sie verwickelten Menschen gewollt oder geplant hat” (ebd., S. 131).Google Scholar
  207. 2).
    Die Ungleichzeitigkeit (ungleiches Tempo und nicht gleichzeitiger Wechsel von Tempi) zwischen der Veränderung “äußerer” (etwa ökonomischer) Umstände und deren bewußtseinsmäßiger “Verarbeitung”, die teilweise aus der lebenszyklisch unterschiedlichen Prägsamkeit (Formbarkeit) von Bedürfnisstrukturen und Deutungsmustern resultiert, macht den Wechsel von Generationen für den Wandel kollektiver Einstellungen besonders wichtig. (Siehe z.B. Ingleharts Studie (1973) über die Zunahme “postmaterialistischen” Bewußtseins in westeuropäischen Staaten.)Google Scholar
  208. 1).
    Zur soziologischen Interpretation von “commitment”, seiner sozialen Basis und seiner Funktion für die Persistenz sozialer Deutungssysteme siehe Borhek/Curtis, 1975, S. 31–33 und Kapitel 5.Google Scholar
  209. 2).
    Ich hoffe, daß ich hier keine terminologische Verwirrung stifte: Die rechnerische Operation des Aggregierens ist nicht zu verwechseln mit der inhaltlichen Charakterisierung der “untersten” Kollektivitätsstufe der Einstellungen — wo die Reziprozität der Perspektiven noch außer acht gelassen wird. Auch der Grad an Generalisierung der Einstellungen ist primär über (aggregierbare) Individualdaten (Wahrnehmung der Ansichten anderer Personen und Gruppen) zu ermitteln.Google Scholar
  210. 3).
    Zu dieser Unterscheidung siehe Easton, 1953, S. 180–191. Zur soziologischen Charakterisierung von “collectivities” unter Aspekten ihrer Autonomie und ihres Wandlungspotentials siehe auch Etzioni, 1968, Kapitel 5.Google Scholar
  211. 1).
    Siehe die Explikation des Konzepts der Entwicklungslogik in Döbert/Nun-ner-Winkler, 1975, S. 111ff.Google Scholar
  212. 1).
    Eine (interne) “Eigendynamik” kann also nur in bezug auf ein “System”, nicht aber in bezug auf ein einzelnes Element konzipiert werden.Google Scholar
  213. 2).
    Siehe z.B. A. Strauss, 1969, S. 43ff., 65ff.; E. Goffman, 1961 b, S. 127–169.Google Scholar
  214. 3).
    “The course of action a societal unit follows is not viewed as leading mechanically from one stage to another. On the contrary, at each stage an actor under study is viewed as having had other options of which he was aware, unaware, or partially aware; such ‘symbolic’ factors as the degree of his awareness and the quality of his decision-making do affect his history” (Etzioni, 1968, S. 80).Google Scholar
  215. 1).
    Differenzierter hierzu äußert sich aus der Sicht des Kybernetikers Georg Klaus, 1969, S. 295–299. Allerdings bestreitet auch Luhmann letztlich nicht den pragmatischen Nutzen des Kausalitätsbegriffs. In diesem Punkte sind sich übrigens moderne Systemtheoretiker und Vertreter einer interaktionistischen Sozialpsychologie, wie sie von G. H. Mead (teilweise in Reaktion gegen den Behaviorismus Watsons) begründet wurde, näher als sonstige Animositäten zwischen diesen beiden Lagern suggerieren mögen. (Siehe hierzu neuerdings Stewart S. Stover, 1977.) Inzwischen sahen sich behavioristische Sozial Psychologen immerhin genötigt — vor allem in Anbetracht des Problems der “Generalisierung” — Begriffsbildungen wie “internal Stimulation” und “internal responses” vorzunehmen (siehe Deutsch/Krauss, 1965, S. 85f.).Google Scholar
  216. 2).
    Zu dieser Terminologie siehe W. Buckley, 1967, S. 58ff.Google Scholar
  217. 3).
    Die Ausnahme von der Regel wären die echten Prozesse des Alterns, Sich--Abnutzens etc.Google Scholar
  218. 1).
    Siehe C.W. Mills’ (1959) Attacke gegen eine ahistorische Soziologie. Einen überblick über in Frage kommende quantifizierende Methoden gibt H. M. Blalock, 1969.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1981

Authors and Affiliations

  • Helmut Thome

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