Advertisement

Systematik und Kausalität

  • Klaus Plake
Chapter
  • 23 Downloads
Part of the Beiträge zur sozialwissenschaftlichen Forschung book series (BEISOFO, volume 14)

Zusammenfassung

Die heutigen Sozialisationsorganisationen, die Psychiatrischen Kliniken, die Schulen und die therapeutisch ausgerichteten Strafvollzugsanstalten weisen in der Dynamik ihrer Entwicklung nicht nur Parallelen auf, sondern lassen in Prozessen der Begegnung und der Abgrenzung, der Vereinheitlichung und erneuten Differenzierung grundsätzliche Gemeinsamkeiten erkennen, die auf eine, in den verschiedensten gesellschaftlichen Zusammenhängen ähnliche Konstellation von Bewegungsfaktoren hinweisen. Der Berührungspunkt der sozialen Bedingungen und Wandlungsimpulse ist die Unmündigkeit; die Ausschlienichkeit der sozialen Identitätsnormen verursacht gesellschaftliche Maßnahmen bezüglich jener Teile der Bevölkerung, die diesen Normen nicht entsprechen und als identitätsdeviant definiert werden.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1.
    Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft — Grundriss der Verstehenden Soziologie, hrsg.v. Johannes Winckelmann, Studienausgabe, Bd. I, Köln/Berlin 1956, S. 182 ffGoogle Scholar
  2. 1.
    de Mause, a.a.O.; Lepenies, Wolf: Von den Schrecken der Kindheit — Lloyd de Mause und die historische Familienforschung, in: FAZ vom 17.10.1978, S. 16Google Scholar
  3. 1.
    Elias, Norbert: Über den Prozeß der Zivilisation, 2 Bde, Basel 1939; 2. Aufl. Frankfurt 1976; Derselbe: Die höfische Gesellschaft, Neuwied/Berlin 1969Google Scholar
  4. 1.
    Zum Problem der zeitlichen Abstimmung von Handlungen s. auch Thompson, E.P.: Zeit, Arbeitsdisziplin und Industriekapitalismus, in: Braun, Rudolf u.a. (Hrsg.): Gesellschaft in der Industriellen Revolution, Köln 1973Google Scholar
  5. 1.
    Brauneck, a.a.O., S. 104 f; Kroeschel, Karl: Deutsche Rechtsgeschichte, Bd. 1, Reinbek 1973Google Scholar
  6. 1.
    In England z.B. wurde König George III. im Jahre 1788 geisteskrank. Seine Heilung wurde auf die Einwirkung von Francis Willis zurückgeführt, der den König mit Zwangsjacke und Schlägen “behandelte”. Wahnsinnige Adelige brachte man in den immer zahlreicher werdenden privaten Asylen unter; vgl. Plumb, John Harold: In the Light of History, London 1972, S. 25 ff.Google Scholar
  7. 1.
    So wurde z.B. in der “frontier-society” des amerikanischen Westens schon für leichtere Delikte die Todesstrafe verhängt, weil eine dauerhafte Kustodialisierung nicht durchzuführen war; vgl. Stammel, H.J.: Der Cowboy — Legende und Wirklichkeit von A — Z, Gütersloh 1972, S. 45 ffGoogle Scholar
  8. 1.
    Lerner, Daniel: Die Modernisierung des Lebensstils -Eine Theorie, in: Zapf, Wolfgang (Hrsg.): Theorien des sozialen Wandels, Köln/Berlin 1969, S. 362–381Google Scholar
  9. 1.
    In bezug auf Irresein stellt Benedetti mit Recht fest, daß psychische Krankheit, weil sie in sozialen Beziehungen zum Ausdruck kommt, den Arzt nicht nur als Forscher und Techniker, sondern auch affektiv in Anspruch nimmt. Geisteskrankheit sei nicht einfach etwas Vorliegendes, sondern ein Gegenüber-Seiendes, das denjenigen, der mit dem Patienten zu tun habe, beängstige, befremde, abstosse oder tief berühre. Dieses direkte affektive Involvement, das nicht nur das Irresein, sondern die Unmündigkeit generell hervorruft, war zunächst so direkt und unmittelbar, daß das Prozeßhafte der Erscheinung, auch und gerade im Zusammenhang mit der Einwirkung von außen, nicht hervortrat. Was das Irresein angeht, so steht bezeichnenderweise die Entdeckung der Interaktion als Einwirkungsinstrument am Ende der Psychiatrieentwicklung. Die Psychoanalyse stellt dazu, wie Benedetti hervorhebt, einen entscheidenden Schritt dar, da sie davon ausgeht, daß der Arzt, die eigenen Affekte kontrollierend, sich in die Persönlichkeit des Patienten versetzt. S. Benedetti, G.: Wandlungen des Menschenbildes in der Psychiatrie, in: Schweizerische Medizinische Wochenschrift, 89 (1959), S. 751–755Google Scholar
  10. 1.
    Dies gilt z.B. für verschiedene Gruppen des Handwerks, die gegen die “billige Konkurrenz” durch die Zuchthausarbeit polemisierten; vgl. Reiwald, Paul: Die Gesellschaft und ihre Verbrecher, Frankfurt 1973, S. 60Google Scholar
  11. 1.
    Hiestand, Dale L.: Economic Growth and Employment Opportunities for Minorities, New York/London 1964Google Scholar
  12. 1.
    Plake, Klaus: Sozialer Identitätsanspruch und die Legitimation der Betreuung — Zur Kustodialfunktion der Sozialisationsorganisationen, in: Zeitschrift für Soziologie, 6 (1977), S. 264–278Google Scholar
  13. 2.
    Szasz, Thomas: Law, Liberty and Psychiatry — An Inquiry into the Social Uses of Mental Health Practices, New York 1963, S. 142CrossRefGoogle Scholar
  14. 1.
    vgl. Schelsky, Helmut: Schule und Erziehung in der industriellen Gesellschaft, Würzburg 1967, S. 20Google Scholar
  15. 1a.
    Meyer, John W.: The Effects of Education as an Institution, in: Am. Journal Sociol., 83 (1977/78), S. 55–77CrossRefGoogle Scholar
  16. 2.
    Entsprechende historische Wurzeln der Prüfung lassen sich bis in die Sokratik zurückverfolgen; vgl. Loch, Werner: Historische Vorbetrachtungen zu einer Pädagogik der Prüfunq, in: Bilduna und Erziehung, 16 (1963), S. 180–193Google Scholar
  17. 2.
    Jacoby, Henry: Die Bürokratisierung der Welt — Ein Beitrag zur Problemgeschichte, Neuwied/Berlin 1969Google Scholar
  18. 1.
    vgl. dazu Rosenberg, Hans: Bureaucracy, Aristocracy and Autocracy — The Prussian Experience 1660–1815, Cambridge, Mass. 1958, bes. S. 175 ffGoogle Scholar
  19. 1.
    Entsprechend sind noch heute Kriterien, die für Beamtenpositionen als bedeutsam angesehen wurden, für die Beurteilung von Schülern von besonderem Gewicht; vgl. Kleber, Eduard W. u.a.: Beurteilung und Beurteilungsprobleme, Weinheim/Basel 1976, S. 24Google Scholar
  20. 3.
    Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft, a.a.O., Bd. 2, S. 73 5 ff; s. auch Schluchter, Wolfgang: Aspekte bürokratischer Herrschaft — Studien zur Interpretation der fortschreitenden Industriegesellschaft, München 1972Google Scholar
  21. 2.
    Hartmann vertritt z.B. die Ansicht, daß funktionales Fachwissen nur den “technischen Experten”, die in der bürokratischen Organisation tätig sind, nicht aber den Bürokraten im engeren Sinne zuzugestehen sei; vgl. Hartmann, Heinz: Funktionale Autorität, Stuttgart 1964, S. 4 ff.Google Scholar
  22. 2a.
    Zur berufsfunktionalen Bedeutung von Bildung siehe auch Collins, Randall: Functional and Conflict Theories of Educational Stratification, in: Am. Sociol. Rev., 36 (1971) S. 1002–1019 sowie Fend, Helmut: Gesellschaftliche Bedingungen schulischer Sozialisation — Soziologie der Schule I, Weinheim 1974CrossRefGoogle Scholar
  23. 1.
    Ringer, Fritz: Higher Education in Germany in the Nineteenth Century, in: Herrmann, Ulrich (Hrsg.): Schule und Gesellschaft im 19. Jahrhundert — Sozialgeschichte der Schule im Übergang zur Industriegesellschaft, Weinheim 1977Google Scholar
  24. 1.
    Furck, Carl-Ludwig: Das pädagogische System der Leistung in der Schule, Weinheim 1964, S. 27; diese Entwicklung wurde schon sehr früh von Beobachtern erkanntGoogle Scholar
  25. 1.
    siehe z.B. Mohl, Rudolf von: Über Staatsprüfungen, in: Deutsche Vierteljahrs Schrift, 1841, H. 4, S. 79–103Google Scholar
  26. 2.
    Dohse, Walter: Das Schulzeugnis — Sein Wesen und seine Problematik, Weinheim 1963, S. 11 ffGoogle Scholar
  27. 3.
    Klafki, Wolfgang: Sinn und Unsinn des Leistungsprinzips in der Erziehung, in: Sinn und Unsinn des Leistungsprinzips — Ein Symposion, München 3. Aufl. 1975, S. 73–110, dort. S. 75Google Scholar
  28. 1.
    Meyer, Ruth: Das Berechtigungswesen in seiner Bedeutung für Schule und Gesellschaft im 19. Jahrhundert, in: Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft, 124 (1968), S. 763–776; Wiederabdruck in Herrmann, a.a.O., S. 371–383. — Auch für die englischen Verhältnisse sind ähnliche Prozesse beschrieben worden. Die Umgestaltung des Prüfungssystems erfolgte ebenfalls von oben nach unten. Durch die Prüfungen sollte zunächst nur der Zugang zur Universität geregelt werden; unter dem Einfluß neuer Rekrutierungsmethoden in verschiedenen staatlichen Behörden fand jedoch eine Ausbreitung des Prüfungs- und Wettbewerbssystems auf den verschiedensten Ebenen des Bildungswesens, sogar bis in die Erwachsenenbildung hinein, statt. Die Einführung von formalisierten Bildungsdiagnosen als Berechtigungsgrundlage wird durch entsprechende Gesetze, zunächst für den Kolonialdienst, später auch für die einheimische Verwaltung, legalisiert und auf eine allgemeine Grundlage gestellt. Mit ihnen werden die sog. “classified positions” nach Prüfungsleistungen in öffentlichen Examina vergeben.Google Scholar
  29. 1a.
    Vgl. Roach, John: Middle-Class Education and Examinations — Some Early Victorian Problems, in: British Journal of Educational Studies, 10 (1961/1962), S. 176–193Google Scholar
  30. 1b.
    Prahl, Hans-Werner: Hochschulprüfungen — Sinn oder Unsinn? München 1976, S. 49, S. 103 ffGoogle Scholar
  31. 2.
    Bardt, Hans Paul: Industriebürokratie, Stuttgart 1958Google Scholar
  32. 1.
    s. Herrlitz, Hans-Georg/Hartmut Titze: Überfüllung als bildungspolitische Strategie — Zur administrativen Steuerung der Lehrerarbeitslosigkeit in Preußen 1870–1914, in: Herrmann, a.a.O., S. 348–370Google Scholar
  33. 1.
    Allgemeines Landrecht für die Preussischen Staaten, 2. Theil, 10. Titel, Berlin 1794, S. 719Google Scholar
  34. 2.
    Allgemeines Landrecht für die Preussischen Staaten, Hrsg. mit Kommentar in Anmerkungen von C.F. Koch, 2. Bd, 2. Theil, 2. Aufl., Berlin 1857, S. 110Google Scholar
  35. 1.
    Allgemeines Landrecht ..., Berlin 1794, S. 894Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1981

Authors and Affiliations

  • Klaus Plake

There are no affiliations available

Personalised recommendations