Advertisement

Gerechtigkeit und Fairneß in Wirtschaft und Gesellschaft

  • Ernst Helmstädter
Chapter
  • 90 Downloads
Part of the Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften book series (NWAWVN)

Zusammenfassung

Der Stand der Diskussion über ethische Fragen läßt sich mit Hilfe von wirtschaftswissenschaftlichen Begriffen kennzeichnen. Bezüglich des Aktivitätsniveaus kann man mit Fug und Recht behaupten, daß auf diesem Sektor seit Jahren ein sich selbst tragender Aufschwung herrscht. Unternehmens-, Sozial- und Wirtschaftsethik bilden heute besondere Fachzweige. Man bedient sich in weitem Umfang des ökonomischen Instrumentariums, auch dort wo es um die subtileren philosophischen Fragen geht. Insgesamt gesehen ist die „moderne Ethik“ darum bemüht, sich von früheren Vorgehensweisen dadurch abzugrenzen, daß sie die soziale Interaktion aus ihrer eigenen Funktionsweise begründet, ohne auf moralische Vorgaben religiöser Heils- oder pragmatischer Herrschaftslehren zurückzugreifen. Sie sucht auch nicht mehr das Gute im Menschen, sondern in einem Regelwerk für das menschliche Handeln. Ethische Fragen sollen hiernach, wie Ludwig Siep es ausdrückt, „more geometrico” [Siep,1995, S. 72] entwickelt werden. Es geht darum, für das freie individuelle Handeln in einer Interaktionsgemeinschaft Regeln vorzuschlagen, an die sich ihre Mitglieder aus eigener Einsicht zu halten versprechen. Ein solches Interaktionssystem stellt eine Wirtschaftsgesellschaft dar. Deshalb kann es nicht verwundern, daß man heute in der Ethik das ökonomische Instrumentarium nützlich findet. Die spontanen wirtschaftlichen Handlungen der einzelnen vorteilsstrebigen Agenten regeln sich über den Wettbewerb an den Märkten und dessen Sanktionen von selbst.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literaturangaben

  1. Aristoteles (1983), Nikomachische Ethik, Übersetzung und Nachwort von Franz Dirlmeier, Anmerkungen von Ernst A. Schmidt, Reclams Universal-Bibliothek, Bibliographisch ergänzte Auflage Stuttgart.Google Scholar
  2. Aumann, Robert J., Maschler, Michael (1985), Game Theoretic Analysis of a Bankruptcy Problem from the Talmud, Journal of Economic Theory, Vol. 36, S. 195–213.Google Scholar
  3. Böhm-Bawerk, Eugen von (1921), Kapital und Kapitalzins, II Positive Theorie des Kapitales, 1. Bd., 4. Aufl..Google Scholar
  4. Edgeworth, F. Y. (1881), Mathematical psychics. An essay on the application of mathematics to the moral sciences, London.Google Scholar
  5. Hebel, Johann Peter (1884), Werke. Mit einer Einleitung von Gustav Wendt, 2. Bd., 4. Aufl. Berlin 1884.Google Scholar
  6. Helmstädter, Ernst (1995), Tauschgerechtigkeit. Zwei Erklärungsansätze im Vergleich, in: Gustav Dieckheuer (Hrsg.), Beiträge zur angewandten Mikroökonomik. Jochen Schumann zum 65. Geburtstag, Berlin Heidelberg, S. 177–191.Google Scholar
  7. ders. (1996), Wirtschaft: Wo bleibt die Gerechtigkeit? Wissenschaftlicher Festvortrag bei der akademischen Feier aus Anlass des 65. Geburtstages von Hans-Jürgen Vosgerau, Konstanzer Universitätsreden 194, Konstanz.Google Scholar
  8. ders. (1997), Über die Gerechtigkeit gerechter Regeln„ in: Martin Held (Hrsg.) Normative Grundfragen der Ökonomik. Folgen der Theoriebildung, Frankfurt New York, S. 41–57.Google Scholar
  9. ders. (1998), Umverteilungsfairneß (unveröffentl. Manuskript ), Munster.Google Scholar
  10. Hillebrand, J. H. (1885), Deutsche Rechtssprichwörter, Zürich.Google Scholar
  11. Homann, Karl (1993), Gerechtigkeit und Wirtschaftsordnung, in: Ernst, W. (Hrsg.), Gerechtigkeit in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik, Freiburg/Wien, S. 115–133.Google Scholar
  12. Kluxen, Wolfgang (1998), Perspektiven der Wirtschaftsethik, Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften, Geisteswissenschaften, Vorträge G 353, Opladen.Google Scholar
  13. Lenk, Hans (1998), Konkrete Humanität. Vorlesungen über Verantwortung und Menschlichkeit, suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1250, Frankfurt am Main.Google Scholar
  14. Pies, Ingo (1995), Theoretische Grundlagen demokratischer Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik. Der Beitrag der Gerechtigkeitstheorie, in: Pies, I., Leschke, M. (Hrsg.), John Rawls’ politischer Liberalismus, Tübingen, S. 1–19.Google Scholar
  15. Rawls, John (1973), A Theory of Justice, Oxford/New York/Toronto (Erstauflage 1972).Google Scholar
  16. Roemer, John E. (1996), Theories of Distributive Justice, Cambridge, Mass.,London,England.Google Scholar
  17. Siep, Ludwig (1995), Ethik und Anthropologie, in Internationale SommeruniversitätGoogle Scholar
  18. Münster/Osnabrück 1994, Mensch — Technik. — Umwelt, Osnabrück, S. 72–85.Google Scholar
  19. Siep, Ludwig (1997), Zwei Formen der Ethik, Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissen-schaften, Geisteswissenschaften, Vorträge G 347, Opladen.Google Scholar
  20. Steinhaus, Hugo (1948), The Problem of Fair Division, Econometrica Vol 16, S. 101–104.Google Scholar
  21. Tugcndhat, Ernst (1997), Dialog in Leticia, suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1302, Frankfurt am Main.Google Scholar
  22. Varian, Hal R. (1993), Intermediate Microeconomics. A Modern Approach, 3. Aufl..Google Scholar
  23. Weikard, Hans-Peter (1998), Self-ownership, Erstaneignung und gerechter Transfer — Zur Legitimation privater Eigentumsrechte, in: Held, M., Nutzinger, H. (Hrsg.) Eigentumsrechte verpflichten. Individuum, Gesellschaft und die Institution Eigentum, Frankfurt/New York, S. 109–125.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen/Wiesbaden 1999

Authors and Affiliations

  • Ernst Helmstädter
    • 1
  1. 1.MünsterDeutschland

Personalised recommendations