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Reflexive Modernisierung und “Subpolitik betrieblicher Rationalisierung” bei U. Beck

  • Ludger Pries
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Part of the Studien zur Sozialwissenschaft book series (SZS, volume 99)

Zusammenfassung

Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, das von U. Beck im Rahmen seiner allgemeinen Thesen zur “Risikogesellschaft” entwickelte Modell sozialen Wandels als “reflexiver Modernisierung” auf den Bereich des industriellen und betrieblichen Wandels anzuwenden. Dazu sind zunächst in groben Zügen die Überlegungen U. Becks zur reflexiven Modernisierung und zur “Subpolitik betrieblicher Rationalisierung” vorzustellen. Nach einer Skizze zentraler Entwicklungstendenzen, die für U. Beck den Übergang von der Industriegesellschaft zur Risikogesellschaft markieren, und der Darstellung des hierauf bezogenen Konzepts reflexiver Modernisierung (Abschnitt 1) werden seine Ausführungen zur “Subpolitik betrieblicher Rationalisierung” dargestellt und kritisch diskutiert (Abschnitt 2).

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Literatur

  1. 1.
    Seitenangaben ohne Autor und Jahr beziehen sich in diesem Kapitel auf Beck 1986; vgl. auch Beck 1988. Da die wesentlichen analytischen und empirischen Elemente des Konzepts der Risikogesellschaft bei Beck 1986 entwickelt sind, wird hierauf im folgenden Bezug genommenGoogle Scholar
  2. 2.
    Dieser Begriff spielt vor allem in der erkenntnistheoretisch-methodologischen “Schule” des Kritischen Rationalismus eine Rolle und soll auf die grundsätzlichen Schranken von Wahrheitserkenntnis und auf das stets “Trügerische” des Strebens nach absoluter Verifikation verweisen.Google Scholar
  3. 3.
    Als Beispiele könnten hier technologische Großprojekte wie die Nutzung der Kernkraftenergie, die Entwicklung der Biotechnologie oder die Verbreitung von mikroelektronischen Telekommunikationstechnologien genannt werden.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. Beck 1986, S. 345–357.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. z.B. Esser 1987, Joas 1988, Mackensen 1988.Google Scholar
  6. 7.
    Dies soll natürlich nicht heißen, daß es nicht auch vor der Phasereflexiver Modernisierung z.B. soziale und industrielle Konflikte gab. Diese konzentrierten sich aber auf die Festlegung von Mindeststandards der Arbeits-und Beschäftigungsbedingungen; die Fragen nach dem WOZU, dem WAS und dem WIE der Produktion waren weitgehend tabuisiert.Google Scholar
  7. 9.
    “In der sogenannten Technokratie-Debatte haben bekanntlich insbesondere Gehlen und Schelsky den Prozeß des technischen Wandels als einen Vorgang dargestellt, der sich der autonomen Steuerung durch handelnde Subjekte weitgehend entzogen hat. Nicht mehr Menschen bestimmen nach diesem Konzept den Fortgang der Technik, sondern die Technik selbst durch die ihr immanenten ‘Sachzwänge” (Kern 1979, S. 15f); vgl. z.B. Schelsky 1953, etwa S. 96f oder 1957, z.B. S. 107f.Google Scholar
  8. 10.
    Vgl. zu dieser Kritik z.B. Habermas 1969: “Der mit dem wissenschaftlich-technischenFortschritt institutionalisierte Zuwachs der Produktivkräfte sprengt alle geschichtlichen Proportionen” (S. 51) und: “Es liegt auf der Hand, daß die These von der Eigengesetzlichkeit des technischen Fortschritts nicht stimmt. Die Richtung des technischen Fortschritts hängt heute in hohem Maße von öffentlichen Investitionen ab (…) Die Menschengattung hat sich mit den ungeplanten soziokulturellen Folgen des technischen Fortschritts selbst herausgefordert, ihr soziales Schicksal nicht nur heraufzubeschwören, sondern beherrschen zu lernen. Dieser Herausforderung der Technik ist durch Technik allein nicht zu begegnen” (S. 116 und 118, Hervorhebung im Orig.).Google Scholar
  9. 11.
    Vgl. zur Darstellung und Diskussion des technischen Determinismus z.B. Kern 1979, S. 15–23 und besonders Lutz 1987b.Google Scholar
  10. 12.
    Als Stichworte mögen hier “just in time” und “kanban” genügen, vgl. ausführlicher Kapitel III.Google Scholar
  11. 13.
    Vgl. zur sachlichen Trennung von Arbeitenden und Arbeitsgegenstand durch die technischen Arbeitsmittel schon Briefs 1931 und Popitz et al. 1957a; zur zeitlichen Entkoppelung z.B. Riebel 1959; aktuell Springer 1987.Google Scholar
  12. 14.
    Vgl. Spurk 1988; schon Schelsky meinte: “Soziologisch ist der moderne Betrieb aber nach der bekannten Unterscheidung von Tönnies eher ein ‘gesellschaftliches’ als ein ‘gemeinschaftliches’ Gebilde” (1955, S. 183), vgl. stärker noch Dahrendorf 1959b, S. 66.Google Scholar
  13. 15.
    Vgl. Zündorf 1986/87, der die personalen Formen von Handlungskoordinierung und Leistungskontrolle nicht in Beziehung setzt zu den organisationsstrukturellen und technischen Kontrollformen.Google Scholar
  14. 16.
    Vgl. etwa die Kontroverse Noelle-Neumann/Strümpel 1984, Baethge et al. 1988 und Bertl/Rudat/Schneider 1989 (z.B. S. 118–142).Google Scholar
  15. 17.
    Dieser Gedankengang fmdet sich auch in der bekannten Studie “Technik und Industriearbeit”: Der Arbeiter “ist nicht mehr primär durch seine soziale Stellung im Betrieb, seine Verpflichtung zur Unterordnung und seine ‘Klassenlage’ gegenüber den Vorgesetzten bestimmt, sondern kann eine unverstellte Unmittelbarkeit erreichen, die eigentlich erst erlaubt, von einer Konfrontierung des Arbeiters mit seiner Maschine zu sprechen. Dies ist natürlich nicht als Überwindung der gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnisse und der ihnen entsprechenden Ideologien zu verstehen, sondern in dem konkreten und begrenzten Sinne, der dem Ansatz unserer Analysen entspricht: Die Sachgebundenheit des Arbeitsvollzugs erhält eine selbständige Evidenz; das spezifische Sozialverhältnis des Industriearbeiters tritt demgegenüber im unmittelbaren Arbeitsvollzug zurück” (Popitz et al. 1957a, S. 213).Google Scholar
  16. 18.
    Zur Unterscheidung von Technisierung und Psychologisierung vgl. Breisig 1985 und Osterloh 1987. Im historischen Rückblick zeigt sich das Nebeneinander von “Taylorismus”, “Fordismus” und “Psychotechnik der Arbeit” bzw. “Kampf um die Seele des Arbeiters” sehr deutlich, vgl. Pries 1988.Google Scholar
  17. 19.
    Vgl. ausführlich hierzu Kapitel V.2 - V.4.Google Scholar
  18. 20.
    Zur Diskussion industriellen Wandels als technischer Revolution vgl. z.B. Friedrichs 1981, King 1982 und Schöll 1986.Google Scholar
  19. 21.
    Vgl. Pollock 1956; Pollock entwickelt - wohl unter dem paradigmatischen Einfluß des Frankfurter Instituts für Sozialforschung - eine unter sozialen Aspekten relativ pessimistische Perspektive des industriellen Wandels. Schelsky läßt sich zu der Bemerkung verleiten: “In diesem Zusammen-hang bedaure ich es, daß die ausgezeichnete Materialdarstellung von Friedrich Pollock sich zu so dezidierten Prognosen in strittigen Fragen und zu (…) so einseitigen und aus dem Material schwer begründbaren Urteilen verleiten läßt” (1957, S. 118). Im Übrigen bedürfte die Phase der Kriegswirtschaft sicherlich einer gesonderten, bisher noch weitgehend fehlenden Beachtung, vgl. Schuster/Schuster 1984; Siegel 1986.Google Scholar
  20. 22.
    Die Phaseneinteilungen industrieller Entwicklung in der Sozial-und Wirtschaftsgeschichte beruhen verständlicherweise in der Regel auf noch komplexeren Erklärungsmodellen, vgl. etwa Borchardt 1972, Landes 1973. Auf den Vorschlag von Hack/Hack 1985 und Hack 1987b, die gegenwärtige Umbruchphase als dritte Phase der industriellen Revolution zu fassen, wird weiter unten (Kapitel III.7) noch eingegangen.Google Scholar
  21. 23.
    Vgl. Köhler/Sengenberger 1983, Sengenberger 1984 und die Beiträge in Müller-Jentsch 1988.Google Scholar
  22. 24.
    Esser bemerkt zu Recht in seiner Besprechung des Buches “Risikogesellschaft” von U. Beck, “daß man ‘eigentlich’ Soziologie als Wissenschaft mit einer Etikettierung bzw. mit einem Begriff nicht betreiben kann” (1987, S. 811).Google Scholar
  23. 25.
    Zur Unterscheidung von Kontinuität, Erneuerung und Innovation in der Wissenschaft vgl. Strasser/Goldthorpe 1985.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1991

Authors and Affiliations

  • Ludger Pries

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