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Die industriesoziologische Diskussion aktueller betrieblicher Wandlungsprozesse

  • Ludger Pries
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Part of the Studien zur Sozialwissenschaft book series (SZS, volume 99)

Zusammenfassung

Zu Beginn der neunziger Jahre stehen wir vor der doppelten Herausforderung eines qualitativen Wandels betrieblicher Produktion und Arbeit einerseits und deren wissenschaftlicher Wahrnehmung andererseits. Seit etwas mehr als einem Jahrzehnt lassen sich einschneidende gesamtwirtschaftliche Veränderungen, qualitativ neue ökologische Anforderungen an Produkte und Produktionsprozesse, die breite Diffusion neuer, vor allem mikroelektronischer Technologien, veränderte betriebliche Prinzipien der Organisation von Technik und Arbeit, sich wandelnde Arbeits- und Sozialbeziehungen, eine Umschichtung in der Zusammensetzung und den Ansprüchen der in den Betrieben arbeitenden Menschen und schließlich ein erweitertes Handlungswissen sowie gewandelte Strategien bei den betrieblichen Entscheidungsträgern beobachten.

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Literatur

  1. 1.
    Dies muß natürlich nicht bedeuten, daß der moderne Industriekapitalismus alle oder auch nur die wichtigsten Probleme der Menschen grundsätzlich gelöst hätte - vor allem mit den ökologischen Risiken der industriellen Produktion und der globalen Aufspaltung der Welt in einen relativ wohlhabenden Norden und einen weitgehend arm gebliebenen Süden sind neue, bisher ungelöste Problemlagen entstanden.Google Scholar
  2. 2.
    Industriesoziologie “ist zuständig für die verschiedenen Formen der Industriearbeit, für den Industriebetrieb und die sog. industriellen Beziehungen” (Bahrdt 1982, S. 11, vgl. auch Braczyk/Knesebeck/Schmidt 1982, S. 16). Der Terminus wird hier als Oberbegriff auch für andere “Bindestrichsoziologien” wie etwa Arbeitssoziologie, Betriebssoziologie, Techniksoziologie und Managementsoziologie und auch für den tertiären Sektor verstanden. Während sich in vielen romanischen Ländern als Sammelbegriff für dieses Forschungsfeld “Arbeitssoziologie” durchgesetzt hat, ist dies in der BRD eher der Terminus Industriesoziologie,auch wenn letzterer genaugenommen - durch die im Wortsinn enthaltene, aber nicht gemeinte Beschränkung auf den industriellen Bereich - nicht all das bezeichnet, was gemeinhin in der bundesdeutschen ‘scientific community’ unter Industriesoziologie subsumiert wird; vgl. ausführlicher hierzu Kapitel IV.Google Scholar
  3. 3.
    Auch in anderen Ländern läßt sich eine ähnliche Diskussion beobachten, vgl. z.B. für die USA Piore/Sabel 1985 und für Frankreich Coriat/Zaraflan 1986.Google Scholar
  4. 4.
    Während sich der Begriff ‘industrieller Wandel’ global auf marktorientierte Produktionsprozesse und Arbeitsverhältnisse bezieht, mithin strukturelle Verschiebungen zwischen Wirtschaftsbereichen, allgemeine Veränderungen von arbeitsmarktlichen Mobilitätsmustern etc. miteinschließt, wird hier der Begriff ‘betrieblicher Wandel’ verwendet, um die Veränderungen von Technik, Organisation und Arbeit im Kontext von Marktbezügen und Kapitalstrategien auf der Ebene der Untersuchungsund Handlungseinheit Betrieb zu bezeichnen.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. auch Brödner 1985. Der von Malsch/Seltz (1987) herausgegebene Band “Die neuen Produktionskonzepte auf dem Prüfstand” gibt wichtige Beiträge zu dieser Diskussion wider.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. Bonß/Hartmann 1985, Seite 9 und für die Industriesoziologie Baethge, der meint, daß durch “die praxeologische Wende erheblicher Teile der empirischen Industriesoziologie (…) selbst die Deutung der einzelnen Erscheinungsformen der Arbeit (…) in Kontingenz zu versinken (droht)” (1987, S. 186f ).Google Scholar
  7. 7.
    Die andere, mit dieser Situation verbundene Gefahr besteht theoretisch darin, aus förderungs-und publizitätstaktischen Erwägungen ständig hoch interessante und dringend zu untersuchende, angeblich grundsätzlich neue Entwicklungen zu diagnostizieren. Praktisch ist diese Gefahr in der westdeutschen Industriesoziologie allerdings wohl nicht sehr groß.Google Scholar
  8. 8.
    So konstatiert Baethge, “daß immer mehr Forscher immer kleinere Felder und engere Fragestellungen methodisch - so kann man jedenfalls hoffen - immer perfekter bearbeiten” (1987, S. 187).Google Scholar
  9. 9.
    Diese Thesen von Piore/Sabel (1985) greifen z.B. Sorge/Streeck (1987) auf und entwickeln ein Modell unterschiedlicher betrieblicher Produktstrategien.Google Scholar
  10. 10.
    Auch für die Industriesoziologie gilt, was Dahrendorf (1969) zur Allgemeinen Soziologie ausführte: “An Bekenntnissen, daß die Analyse des Sozialen Wandels Kernstück und Höhepunkt der soziologischen Theorie sei, fehlt es nicht. Dennoch scheint gerade diese Aufgabe auf größte Schwierigkeiten zu stoßen” (S. 1012 ).Google Scholar
  11. 11.
    Zapf 1979, Seite 16; vgl. auch Strasser/Randall 1979.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. Zündorf 1979 und G. Schmidt 1989.Google Scholar
  13. 13.
    Vgl. die entsprechenden Beiträge in Lutz 1987a sowie Lutz 1987b.Google Scholar
  14. 14.
    Auch wenn neuerdings - so z.B. in der “konstruktivistischen” Perspektive von Wissenschaft (vgl. Knorr-Cetina 1989 und weiter unten Kapitel V.2) - die strukturellen Gemeinsamkeiten von Sozial-und Naturwissenschaften besonders hervorgehoben werden, so liegt in der Nichtwiederholbarkeit von Erhebungen doch ein Problem, das sich in den Sozialwissenschaften besonders zugespitzt stellt.Google Scholar
  15. 15.
    In der diesbezüglichen halbseitigen Notiz verweisen sie z B hinsichtlich der Instrumente zur Arbeitsplatzbeobachtung auf das RAVA-Schema aus Schumann et al. 1982, vgl. Kern/Schumann 1984, Seite 333. Zu den arbeitswissenschaftlichen Verfahren der Arbeitsanalyse vgl. Moldaschl/ Weber 1986 und Sonntag 1987.Google Scholar
  16. 16.
    Vgl. zur entsprechenden Kritik an der alten Kern/Schumann-Studie (1970) z.B. schon Mickler/Mohr/Kadritzke 1977 (z.B. S. 14–17) und die handlungsorientierte Kritik seitens der Arbeitspsychologie, z.B. Frei/ Duell/Baitsch 1984, Moldaschl/Weber 1986 und Sonntag 1987.Google Scholar
  17. 17.
    Vgl. die diesbezüglichen Überlegungen bei Altmann et al. 1986.Google Scholar
  18. 18.
    Hack 1987a bezweifelt allerdings, daß die Kern/ Schumann-Studie von 1984 tatsächlich eine handlungssoziologische Weiterung darstellt.Google Scholar
  19. 19.
    Vgl. Hack 1987a und R. Schmidt 1987.Google Scholar
  20. 20.
    Vgl. für die Anfänge der Industrie-, Arbeits-und Betriebssoziologie in Deutschland Ebbinghaus 1984 und Schuster 1987. Die Entwicklung des Verhältnisses von Industriesoziologie und industrieller Praxis nach dem zweiten Weltkrieg ist bisher noch nicht systematisch erforscht, vgl. Brandt 1981, Bergmann 1982, Braczyk/Schmidt 1982, Hartmann 1982b und Kern 1982. Für (den Bereich der wissenschaftlichen Forschung über) die Angestellten beschreibt W. Mangold 1981 “den Zusammenhang von sozialpolitischer und sozialwissenschaftlicher Themenfmdung und Problemstrukturierung”.Google Scholar
  21. 21.
    Die Untersuchung von Hack/Hack 1985 trägt den vielsagenden Titel: “Die Wirklichkeit, die Wissen schafft (zum wechselseitigen Begründungsverhältnis von ‘Verwissenschaftlichung in der Industrie’ und ‘Industrialisierung der Wissenschaft’)”.Google Scholar
  22. 22.
    Zum Verhältnis von Sozialwissenschaften und gesellschaftlicher Praxis allgemein vgl. Bonß/Hartmann 1985 und Beck/Bonß 1989.Google Scholar
  23. 23.
    Vielleicht hängt dies auch damit zusammen, daß die “Zunft” mit der Humanisierungsdebatte in der vorangegangenen Dekade ihre “Finalisierungsdiskussion” durchgemacht hatte. Das Wirkungsverhältnis der Industriesoziologie als Wissenschaft zur betrieblichen Praxis haben systematisch für die USA G. Schmidt (1974) und für Frankreich K. Düll (1975) beleuchtet. Die Studie von Littek (1973) “Zur Kritik der Industrie-und Betriebssoziologie” bezieht sich zwar auf die BRD, ist aber weniger wissenschaftssoziologisch orientiert. Als kursorische Reflexionen vgl. z.B. Kern 1979, Bahrdt 1982, Lutz/Schultz-Wild 1986, Kern/Kern/Schumann 1988 und Bollinger/Weltz 1989.Google Scholar
  24. 24.
    Vgl. schon Dahrendorf 1956 (S. 44f), das Vorwort von H.P. Bahrdt in Kern/Schumann 1970, Lutz/ Schmidt 1977 (S. 219), Zündorf 1979 (S. 5), Braczyk/Knesebeck/Schmidt 1982 (S.45) und Beckenbach 1983 (S. 10 ).Google Scholar
  25. 25.
    Vgl. die Bestandsaufnahmen bei Braczyk/Knesebeck/Schmidt 1982, Lutz 1983 und G. Schmidt 1989.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1991

Authors and Affiliations

  • Ludger Pries

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