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Investitionslenkung — Traditionelles Konzept für die traditionelle Krise

Eine Interpretation unter historischem Aspekt
  • Karl Georg Zinn
Chapter
Part of the Politische Vierteljahresschrift Sonderhefte 8/1977 book series (PVS, volume 8/1977)

Zusammenfassung

Die seit 1973 — parallel zur einsetzenden zweiten Weltwirtschaftskrise — in der Bundesrepublik intensivierte Diskussion über die Möglichkeiten und die Notwendigkeit einer gesamtwirtschaftlichen „Investitionslenkung“ hat zu einer nicht völlig unerwarteten Begriffsverwirrung geführt. Es scheint daher angezeigt, hier eingangs zu bemerken, was der Verfasser unter Investitionslenkung versteht und wofür er den Begriff Investitionslenkung nicht verwendet.1

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Anmerkungen

  1. 1.
    Vgl. auch Meissner, W./Wieczorek, N./Zinn, K.G.: „Veränderung der Machtverhältnisse und Verbesserung der Lebensqualität. Überlegungen zum ökonomischpolitischen Orientierungsrahmen“, in: Die Neue Gesellschaft, Jg. 20, H. 1, Jan. 1973, S. 56 ff;Google Scholar
  2. 1a.
    Zinn, K.G. „Investitionskontrollen und -planung“, in: Wirtschaftsdienst, Jg. 53, H. 6, Juni 1973, S. 301 ff.; wieder in: Sarrazin, T. (Hrsg.): Investitionslenkung. „Spielwiese“ oder „vorausschauende Industriepolitik“?, Bonn-Bad Godesberg 1976, S. 15 ff.;Google Scholar
  3. 1b.
    Zinn, K.G.: „Investitionskontrolle“, in: Wörterbuch zur politischen Ökonomie, 2. A., Opladen 1977.Google Scholar
  4. 2.
    Vgl. etwa Veter, Ernst Günter: Investitionslenkung in der Markwirtschaft, Heidelberg 1956; Rhein, Eberhard: Möglichkeiten und Probleme staatlicher Investitionsplanung in der Marktwirtschaft. Dargestellt am Beispiel Frankreichs, Köln-Opladen 1960.Google Scholar
  5. 3.
    „1939, after all, was the nineteenth consecutive year in which unemployment had averaged 10 per cent or more ... Since the war unemployment has averaged about 1 3/4 per cent.“ Siehe i, Michael: Keynes and After, 2. A., Harmondsworth 1972, S. 186 f.Google Scholar
  6. 4.
    Im Gegensatz zu der „neudeutschen“, auf Euckens Ordnungstheorie zurückgehenden Gegenüberstellung von Verkehrs- und Zentralverwaltungswirtschaft bzw. Markt- und Planwirtschaft wird hier „Planwirtschaft“ i.S. Passows als freie, aber gebundene Wirtschaft verstanden. Zentralverwaltungswirtschaften in der Euckenschen Konzeption entsprächen dann „Kollektivwirtschaften“. Vgl. Passow, Richard: „Art. Wirtschaftsverfassung“, in: Wörterbuch der Volkswirtschaft, 4. A.; Bd. 3, Jena 1933, S. 1051 f.;derselbe: Freie und gebundene Wirtschaft, Hannover 1932.Google Scholar
  7. 5.
    „Seit Ende des Krieges ermöglichte die Ausarbeitung von Plänen eine harmonische Wirtschaftsentwicklung. Diese Planung zeichnet sich besonders durch ihre Elastizität und ihre Methode aus. Durch sie werden die Ziele der Wirtschaft und die möglichen Wege, diese zu erreichen angegeben. Dabei wird auf die Unternehmer keinerlei Zwang ausgeübt ... Auf diese Weise wurde in großem Maße dazu beigetragen, Fehlkalkulationen der Unternehmer und damit auch Schwankungen der Wirtschaftstätigkeit zu vermeiden.“ Siehe Piatier, Andre: „Art. Frankreich“, in: Handwörterbuch der Sozialwissenschaften, Bd. 4, Stuttgart-Tübingen-Göttingen 1965; S. 121. — „The political force of French Plans ... is weak, but they do play an essential part in the formulation of ‚social norms‘ which, for a limited period and in any given phase of development, rule the behavior of social groups and establish a frame of reference for government action.“ Siehe Seibel, Claude: „Planning in France“, in: Bornstein, M. (Hrsg.): Economic Planning, East and West, Cambridge/Mass. 1975, S. 182.Google Scholar
  8. 7.
    Vgl. Zinn, K.G.: „Die jüngere Methodendiskussion in der Nationalökonomie unter lehrgeschichtlichem Aspekt“, in: J. F. Sozialwissenschaft, Bd. 27, 1976, S. 187 ff.Google Scholar
  9. 8.
    Es sei an das Urteil des Bundesverfassungsgericht aus dem Jahr 1954 im Zusammenhang mit dem Investitionshilfe-Gesetz erinnert. Das BVG stellte unzweideutig klar, daß unser Grundgesetz auf keine bestimmte Wirtschaftsordnung festgelegt ist: „ ... der einzelne muß sich diejenigen Schranken seiner Handlungsfreiheit gefallen lassen, die der Gesetzgeber zur Pflege und Förderung des sozialen Zusammenlebens in den Grenzen des bei dem gegebenen Sachverhalt allgemein Zumutbaren zieht, vorausgesetzt, daß dabei die Eigenständigkeit der Person gewahrt bleibt.“ Und: „Das GG garantiert weder die wirtschaftspolitische Neutralität der Regierungs- und Gesetzgebungsgewalt noch eine nur mit marktkonformen Mitteln zu steuernde ‚soziale Marktwirtschaft‘. Die ‚wirtschaftspolitische Neutralität‘ des GG besteht lediglich darin, daß sich der Verfassungsgeber nicht ausdrücklich für ein bestimmtes Wirtschaftssystem entschieden hat. Dies ermöglicht dem Gesetzgeber, die ihm jeweils sachgemäß erscheinende Wirtschaftspolitik zu verfolgen, sofern er dabei das GG beachtet. Die gegenwärtige Wirtschaftsund Sozialordnung ist zwar eine nach dem Grundgesetz mögliche Ordnung, keineswegs aber die allein mögliche. Sie beruht auf einer vom Willen des Gesetzgebers getragenen wirtschafts-und sozialpolitischen Entscheidung, die durch eine andere Entscheidung ersetzt oder durchbrochen werden kann. Daher ist es verfassungsrechtlich ohne Bedeutung, ob das IHG (Investitionshilfe-Gesetz; d.V.) im Einklang mit der bisherigen Wirtschafts- und Sozialordnung steht und ob das zur Wirtschaftslenkung verwandte Mittel ‚marktkonform‘ ist.“ Siehe BVerfG, Urt. v. 20.7.1954, in: Neue Juristische Wochenschrift H 33/34, 1954, S. 1235 f. 9 Bverfg, Beschl. v. 16.3.1971, in: Neue Juristische Wochenschrift, H 29, 1971, S. 1255.Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. ibidem, S. 1258.Google Scholar
  11. 11.
    Vgl. etwa die interessante Studie von Kleinwächter, F.: Die Kartelle. Ein Beitrag zur Frage der Organisation der Volkswirtschaft, Innsbruck 1883; Kleinwächter plädierte für eine staatlich kontrollierte Kartellpolitik, wobei die Kartelle dem Überproduktionsproblem begegnen sollten, ohne jedoch an eine staatliche Planung der Gesamtwirtschaft gebunden zu sein.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. zum Überblick Liefmann, R.: „Art. Kartelle,“ in: Handwörterbuch der Staatswissenschaften, 4. A., Bd. 5, Jena 1923, S. 611 f.;Google Scholar
  13. 12a.
    Passow, R.: „Art. Kartelle“, in: Wörterbuch der Volkswirtschaft, 4. A., Bd. 2, Jena 1932, S. 534 ff.Google Scholar
  14. 13.
    Lenin, W.I.: Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (1917), 11 A., Berlin 1967;Google Scholar
  15. 13a.
    Ebbinghausen, Rolf (Hrsg.): Monopol und Staat. Zur Marx-Rezeption in der Theorie des staatsmonopolistischen Kapitalismus, Frankfurt/M. 1974 (darin: R. Schimkowsky: „Exkurs über Hilferding: Vom Generalkartell zur Konzeption des organisierten Kapitalismus“, S. 279 ff.).Google Scholar
  16. 14.
    Erinnert sei z.B. an das „Notstandkartell“ der Stahlindustrie, das am 1. Januar 1977 in Kraft trat. Vgl. „Stahlkartell auf leisen Sohlen“, in: Süddeutsche Zeitung, v. 11712. Dez. 1976; F. Spies: „Glück durch Krise. Warum Europas Stahlhersteller ein Kartell bilden dürfen,“ in: Die Zeit, Nr. 52, 17. Dez. 1976, S. 25. Vgl. auch die Ausführungen des Bundeskartellamtes zu den Investitionskartellen in seinem Tätigkeitsbericht 1972, Bundestagsdrucksache 7/986 v. 5. Sept. 1973, S. 5.Google Scholar
  17. 15.
    Vgl. Sölter, Arno: Investitionswettbewerb und Investitionskontrolle. Ordnungspolitische Aspekte der unternehmerischen, staatsinterventionistischen, planwirtschaftlichen und basisdemokratischen Investitionspolitik, Köln-Berlin-Bonn-München 1973; derselbe: Das Großraumkartell. Ein Instrument der industriellen Marktordnung im neuen Europa, Dresden 1941 (in letztgenannter Publikation muß natürlich von der zeitbedingten ideologischen „Einfärbung“ abstrahiert werden).Google Scholar
  18. 16.
    Vgl. Monopolkommission. Hauptgutachten 1973/1975. Mehr Wettbewerb ist möglich, Baden-Baden 1976.Google Scholar
  19. 17.
    Die in unserem Zusammenhang wichtigsten Passagen des Gutachtens der Monopolkommission finden sich in den Ziffern 769 bis 776; Hauptgutachten, 1.c., S. 419 ff.Google Scholar
  20. 19.
    Vgl. Rhein: Möglichkeiten und Probleme, 1.c., S. 159: „Das Problem der Nachfrage, der die neuen Kapazitäten begegnen müssen oder wollen, wird durch die Investitionserhebungen (etwa im Sinn der Ifo-Investitionstests; d.V.) nur mangelhaft gelöst. Hierzu sind gesamtwirtschaftliche und branchenmäßige Projektionen notwendig, wie sie in Frankreich durch das Planungsamt und die Modernisierungskommissionen, auf dem Gebiet der Eisen- und Stahlindustrie in Europa durch die Hohe Behörde, unternommen werden.“ (S. 159). Und: „Im Grunde stellt die Investitionsplanung auch nichts weiter dar als eine Erweiterung der Marktforschung auf die gesamte Volkswirtschaft; denn die Projektion als Kernstück der Investitionsplanung ist einfach eine zusammengefaßte Schätzung dessen, was wir mit unseren Produktivfaktoren leisten (anbieten) können und was die Bevölkerung wohl kaufen wird ...“ (1.c., S. 160) Vgl. auch ähnliche Überlegungen bei einem strammen Marktwirtschaftler: Vetter: Investitionslenkung in der Marktwirtschaft, 1.c., S. 102.Google Scholar
  21. 20.
    Vgl. Rhein: Möglichkeiten und Probleme 1.c., S. 158: „Der Einwand der deutsche Wiederaufbau sei der beste“ Beweis für die Wirksamkeit einer nicht-planenden Laissez-faire-Einstellung hinsichtlich der Investoren „ist dehalb kein ‚Beweis‘, weil bei jährlichen Wachstumsraten des Sozialprodukts von etwa 9 v.H. (so in der BRD 1950/54; d.V.) und bei ungeheurem Aufbaubedarf die Gefahr von Fehlinvestitionen verhältnismäßig gering war. Das Risiko von Investitionen, soweit sie der Erweiterung von Kapazitäten dienen, ist ungleich höher, wenn der Investor nur mit jährlichen Zuwachsraten von 2–4 v.H. rechnen kann.“ — Die durchschnittlichen Wachstumsraten des BSP in der Bundesrepublik betrugen: 1965/69: 4,2; 1970/74: 3,6. Vgl. zum Zusammenhang von Preisbildung und Überkapazitäten auch Zinn, K. G.: Inflation als Folge von Arbeitslosigkeit — Bemerkungen zu einer verdrängten These, in: WSI-Mitteilungen, H 9, Sept. 1977.Google Scholar
  22. 21.
    Vgl. etwa Buzell, R.D. /Nourse, R.E. /Matthews, J.B. /Levitt, T.: Marketing. A Contemporary Analysis, 2. A., New York etc. 1972, S. 372 ff.Google Scholar
  23. Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft, Leistung in Zahlen, 25 A., Bonn 1976, S. 21.Google Scholar
  24. 27.
    Für die Bundesrepublik ist vor allem auf die Untersuchungen des Ifo-Instituts, speziell dessen Investitionstests sowie die „Prognose 100“ zu verweisen. Vgl. Strigel, W.H.: „Erwartungen als Wachstumsbremse“, in: Ifo-Schnelldienst, Nr. 34, 1976, S. 5 ff.;Google Scholar
  25. 27a.
    Neumann, F.: „Investitionsmotive in der Industrie verschieben sich“, in: Ifo-Schnelldienst, Nr. 33, 1976, S. 3 ff.;Google Scholar
  26. 27b.
    Apeloig, S.: „Industrie erwartet Umschichtung in den Auftriebskräften“, in: Ifo-Schnelldienst, Nr. 26, 1976, S. 7 ff.Google Scholar
  27. 2).
    Statistisches Bundesamt, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, Reihe 1, Konten und Standardtabellen, Stuttgart-Mainz, Okt. 1976, S. 144.Google Scholar
  28. 30.
    Vgl. die Berechnungen bei Kühne, Karl: „Blutarmer Aufschwung im Schatten neuer Rezessionsdrohung“, in: Gewerkschaftliche Monatshefte, Jg. 27, H. 12, Dez. 1976, S. 726 f.Google Scholar
  29. Siehe OECD. Economic Outlook, Nr. 20, Dez. 1976, S. 52 und Tabelle 15, S. 53.Google Scholar
  30. Zur Lohnquote vgl. Jahresgutachten 1976/77 des Sachverständigenrates, Bundestagsdrucksache 7/5902 v. 25.11.1977, Ziff. 121.Google Scholar
  31. 32.
    Vgl. Kühne: Blutarmer Aufschwung, 1.c., S. 721 ff.Google Scholar
  32. 33.
    Vgl. Feger, Hubert: „Gruppensolidarität und Konflikt“, in: Handbuch der Psychologie, Bd. 7: Sozialpsychologie, 2. Halbbd., Göttingen 1972, S. 1634–1637 und die dort angeführte Literatur; Jänicke, Martin (Hrsg.): Politische Systemkrisen, Köln 1973.Google Scholar
  33. 34.
    Vgl. auch die bei der Ökonomie ansetzende, aber die menschliche Gesamtsituation analysierende Schrift von Erich Fromm: Die Revolution der Hoffnung (1968), Reinbek 1974; ders.: Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft, Stuttgart 1976.Google Scholar
  34. 36.
    Zur umfassenden Übersicht der deutschen und ausländischen Planwirtschaftsliteratur von 1930 bis 1932. Vgl. Meyer, Gerbard: „Neuere Literatur über Planwirtschaft“, in: Zeitschrift für Sozialforschung, Jg. 1, 1932, S. 379–400; ders.: „Neue englische Literatur zur Planwirtschaft“, ibidem, Jg. 2, 1933 (Paris 1934), S. 257–268: Mandelbaum, Kurt: „Neue Literatur zur Planwirtschaft“, ibidem, Jg. 4, 1935 (Paris 1936), S. 81–94. — Einen historischen Rückblick auf die planwirtschaftlichen Entwicklungszüge sowie eine Neubewertung des planwirtschaftlichen Denkens gibt E. Lipson: A planned economy or free enterprise. The lessons of history, London 1944. — Eine kontinuierliche Diskussion der Planwirtschaftsfrage findet sich in Jahrgängen 4 bis 9 der Zeitschrift für Sozialforschung. Als umfassende Darstellung liegt vor: Novy, Klaus: Voraussetzungen und Strategien der Sozialisierung. Ein Beitrag zur Wirtschaftsreformdiskussion anhand der deutschsprachigen Sozialisierungs- und Planwirtschaftsliteratur aus der Zeit von 1918 bis 1933, Aachener wirtschafts- und sozialwiss. Diss. 1977.Google Scholar
  35. 37.
    Produktionsrückgang und Arbeitslosigkeit nach 1973 finden in den vorhergehenden Nachkriegsjahren keine Parallele; man muß zum Vergleich eben bis in die dreißiger Jahre zurückgreifen. Vgl. auch Kaldor, Nicholas: „Inflation und Recession in the World Economy“, in: The Economic Journal, vol. 86, no. 344, Dez. 1976, S. 704.Google Scholar
  36. 38.
    Vgl. zu einem interessanten Erklärungsversuch der Krise als Folge disproportionaler Entwicklungen zwischen primärem und sekundärem Produktionssektor der Weltwirtschaft Kaldor: Inflation und Recession, 1.c., S. 704 ff.Google Scholar
  37. 39.
    Vgl. zum Niedergang des Welthandels als Folge des Mangels an internationaler Liquidität Kindleberger, Charles P.: Die Weltwirtschaftskrise, München 1973, S. 179 ff.Google Scholar
  38. 40.
    Vgl. zu der in der Bundesrepublik vorherrschenden Tendenz, Strukturpolitik als rigorose Förderung der (technologischen) Konkurrenzfähigkeit der Industrie zu begreifen Hauff, V./ Scharpf F.: Modernisierung der Volkswirtschaft. Technologiepolitik als Strukturpolitik, Frankfurt/M 1975; scharfe Kritik an diesem Konzept üben Narr, W.D./ Offe, C.: „Was heißt hier Strukturpolitik? Neokorporativismus als Rettung aus der Krise?“, in: Technologie und Politik. Aktuell-Magazin, Bd. 6, Reinbek 1976, S. 5–26.Google Scholar
  39. 41.
    Eine eindrucksvolle Darstellung, wie sich reale Zwänge gegenüber scheinbar fest verankerten theoretisch-ideologischen Glaubenssätzen durchsetzten, gibt Galbraith an Hand der kriegswirtschaftlichen Preis- und Lohnkontrollen. Galbraith, J.K.: A Theory of Price Control (1952), Cambridge/Mass. 1969, S. 8 ff. passim.Google Scholar
  40. 41a.
    Vgl. Marwick, Arthur: War and Social Change in the Twentieth Century. A comparative study of Britain, France, Germany, Russia and the United States, London-Basingstoke 1974, S.151 ff.;Zinn, K. G.: Wirtschaftspolitik in der Krise des Kapitalismus, in: derselbe, (Hrsg.), Strategien gegen die Arbeitslosigkeit, Köln 1977.Google Scholar
  41. 42.
    Vgl. Moszkowska, Natalie: Zur Dynamik des Spätkapitalismus, Zürich — New York 1943.Google Scholar
  42. 43.
    „... so weist im Spätkapitalismus der industrielle Zyklus folgenden Turnus auf: Einem Zyklus, der sich aus Prosperität und Krieg zusammensetzt, folgt ein Zyklus, der aus Prosperität und Krise besteht. Zwischen je zwei Kriege schiebt sich eine Krise hinein (1914/18 Krieg, 1929 Krise, 1939 Krieg)“. S. ibidem, S. 173.Google Scholar
  43. 44.
    Ibidem, S. 172.Google Scholar
  44. 45.
    Der Begriff „Interventionismus“ wird hier in einem weiteren Sinn benutzt als dies in der jüngeren Vergangenheit häufig geschieht. Interventionismus deckt nicht nur die an Keynes ausgerichtete Politik ab, sondern umfaßt auch jenen Planwirtschafts-Begriff, der in den dreißiger Jahren als „gebundene Wirtschaft“, aber als Gegensatz zum bolschewistischen Wirtschaftssystem benutzt wurde. Interventionismus umfaßt also Ordnungen wie die französische Planifikation oder auch die monopolkapitalistische Wirtschaft Japans. Diese weite Fassung des Interventionismus-Begriffs dürfte der historischen Entwicklung der vielfältigen Verflechtungen zwischen Staat und Wirtschaft eher gerecht werden, wie sie sich in den entwickelten kapitalistischen Ländern nach 1945 ergeben haben. Vgl. Passow, Richard: „Art. Wirtschaftsverfassung“, in: Wörterbuch der Volkswirtschaft, 1.c., S. 1051; derselbe: Freie und gebundene Wirtschaft, Hannover 1932; Röpke, Wilhelm: „Staatsinterventionismus“, in: Handwörterbuch der Staatswissenschaften, 4. A., Erg. Bd., Jena 1929. S. 863 f. passim.Google Scholar
  45. 46.
    Vgl. zusammenfassend Merry, D.H. /Bruns, G.R.: „Full Employment. The British, Canadian and Australien White Papers“, in: The Economic Record, Dez. 1945, S. 223–235;Google Scholar
  46. 46a.
    Dow, J.C.R.: The Management of the British Economy 1945–60, Cambridge University Press 1970, S. 6–65;Stewart, M.: Keynes and After, 1.c., S. 185 ff. passim.Google Scholar
  47. 47.
    Vgl. Arndt, H.W.: The economic lessons of the nineteen-thirties, (1944), 3. A., London 1972, S. 15, 61 passim; The impact of the war on civilian consumption in the United Kingdom, the United States and Canada. A report to the Combined Production and Resources Board from a special combined committee on non-food consumption levels, London: His Majesty’s Stationery Office 1945, S. 159.Google Scholar
  48. 48.
    Ibidem, S. 156; Mitchell, B.R./ Deane, Phyllis: Abstract of British Historical Statistics, Cambridge (1962), Nachdruck 1971, S. 66.Google Scholar
  49. 49.
    Beschäftigtenzahlen in Großbritannien und USA von 1939 bis 1944 in Mio Quelle: The impact of the war, 1.c., S. 156, 159.Google Scholar
  50. 50.
    Vgl. Statistical Digest of the War. Prepared in the Central Statistical Office, London 1951, S. 200.Google Scholar
  51. 52.
    Die konzeptionellen Grundlagen für die Vollbeschäftigungspolitik der Nachkriegszeit wurden vor allem durch die während des Krieges verfaßten Denkschriften, Stellungnahmen und „White Papers“ aus britischer Feder bestimmt. Vgl. u.a. White Paper on Employment Policy 1944 (Cmd. 6527); Great Britain, Inter-Departmental Committee on Social Insurance and Allied Services: Social Insurance and Allied Services. Report by Sir William Beveridge, London 1942; Beveridge, W.: Full Employment in a Free Society, New York 1945.Google Scholar
  52. 53.
    In diesem Punkt hat sich folgende Vorhersage Moszkowskas von 1943 voll bestätigt: „Nach Beendigung des Krieges werden die Nutznießer der kapitalistischen Wirtschaft voraussichtlich alle Kräfte einsetzen, um die verlorene Bewegungsfreiheit in der Wirtschaft wenigstens teilweise zurückzugewinnen und den Interventionismus nur dort zu belassen, wo er der Profitmacherei nützlich sein kann, und diese Bemühungen können temporär zum Erfolg führen. Denn die großen Aufgaben, die nach dem Kriege der Wirtschaft harren — die Umstellung von der Kriegsauf die Friedensproduktion, der Wiederaufbau der zerstörten Länder und die Befriedigung des immensen Warenhungers der Völker —, bilden gerade die notwendigen Voraussetzungen für eine gute Konjunktur. Wegen dieses Nachholungs- und Wiederaufbaubedarfs, wegen der massierten und konzentrierten Nachfrage ist daher statt einer Liquidation zunächst eher eine teilweise Restauration der Privatwirtschaft und Lockerung der staatlichen Eingriffe zu erwarten.“ Siehe Moszkowska: Spätkapitalismus, 1.c., S. 182.Google Scholar
  53. 55.
    Vgl. Barraclough, Geoffrey: Tendenzen der Geschichte im 20. Jahrhundert, 2. A., München 1971.Google Scholar
  54. 56.
    Vgl. ibidem S. 236 ff.Google Scholar
  55. 57.
    Der wesentliche Faktor für die höhere Inflationsanfälligkeit der westlichen Länder dürfte wohl in dem hohen Konzentrationsgrad liegen. Der traditionelle Marktmechanismus, der bei Überproduktionskrisen zu Preissenkungen führte, existiert nicht mehr, so daß jede nur auf Nachfragesteigerung gegründete Expansionspolitik Preisniveausteigerung mit sich bringt; ob man inflationäre Entwicklungen quasi als Kosten der Beschäftigungszunahme hinzunehmen bereit ist, bleibt ein politisches Problem. Vgl. auch den „Maldague-Report“: Commission of the European Communities, Report of the Study Group „Problems of Inflation“, Brüssel, 3. März 1976 (11/198/76—E). — Auch wenn man die Konzentration nicht als eigentliche Ursache der Inflation ansieht, bleibt doch die Tatsache, daß monopolistische bzw. oligopolistische Strukturen die Inflation potenzieren. Vgl. hierzu Zinn, K. G.: Preiskontrollen und Preisadministration, erscheint demnächst.Google Scholar

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1977

Authors and Affiliations

  • Karl Georg Zinn

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