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Thesen zur Rolle und Funktion von Bürgerinitiativen im Spätkapitalismus

  • Udo Bermbach
Chapter
Part of the Politische Vierteljahresschrift Sonderhefte book series (PVS, volume 6)

Zusammenfassung

Parallel*, teilweise auch im Gefolge der antiautoritären Studentenbewegung haben sich vor allem seit dem Ende der sechziger Jahre immer häufiger Bürgerinitiativen (BI) organisiert, die primär im kommunalen und regionalen Bereich bestehende bzw. im Entstehen begriffene ‘Mißstände’ attackierten, vielfach mit dem der Studentenrevolte entlehnten Instrumentarium von Demonstrationen, Go-ins, Sit-ins, Besetzungen usw. Dem zunächst phänomenlogisch ähnlichen Erscheinungsbild von Studentenrevolte und BI ist häufig von zeitgenössischen Beobachtern und Kritikern dieselbe Beurteilung widerfahren; das verwundert freilich wenig, denn Artikulationen politischer Absichten und Forderungen, die dem institutionell vorgegebenen Willensbildungs- und Entscheidungsprozeß sich nicht widerspruchslos einpassen lassen, galten und gelten hierzulande allzu rasch als radikal, systemüberwindend oder wie dergleichen Formeln für theoretisch Unbegriffenes sonst noch lauten mögen. Gegenüber einer Erscheinung, die den ständig beschworenen,mündigen Bürger’ auf bisher ungewohnte Weise ernstzunehmen schien, dabei gelegentlich beträchtliche Mobilisierungserfolge aufweisen konnte und so unerwarteten Druck auf politische, gesellschaftliche, auch private Institutionen auszuüben vermochte, bestehen solche Vorurteile nach wie vor. Hin und wieder zu verzeichnende, feundlichere Äußerungen von Politikern wie Administratoren können kaum über das unverholen weiterexistierende Mißtrauen und Unbehagen hinwegtäuschen, das zuständige Verwaltungsbehörden wie politische Entscheidungsgramien immer dann befällt, wenn der gleichsam ‚extrakonstitutionelle’ Einflußversuch von BI auf sie zukommt.

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Literaturhinweise

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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1975

Authors and Affiliations

  • Udo Bermbach

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