Advertisement

Staatsbürokratie im Wandel. Zum wechselseitigen Verhältnis von Steuerungs- und Lernperformanz des politisch-administrativen Systems

  • Heribert Schatz
Part of the Politische Vierteljahresschrift Sonderhefte book series (PVS, volume 6)

Zusammenfassung

Die Frage nach der Handlungsautonomie des kapitalistischen Staates, nach den Variationsmöglichkeiten in bezug auf seine Strukturen und Funktionen hat in den vergangenen Jahren einen zentralen Platz in der politikwissenschaftlichen Diskussion eingenommen. Auf der Suche nach den „Bewegungsgesetzen“ der bürgerlichen Gesellschaft im entwickelten Kapitalismus haben insbesondere neomarxistische Wissenschaftler interessante Theoreme über den Zusammenhang von gesellschaftlicher Entwicklung und Veränderungen von Form und Inhalt staatlicher Tätigkeit formuliert. Bei aller Unterschiedlichkeit der Perspektiven und der verwendeten analytischen Kategorien ist diesen polit-ökonomischen Forschungen die Grundannahme gemeinsam, daß der in der Realität zu beobachtende Wandel der Staatsfunktionen letztlich die Folge von Veränderungen der Funktionsbedingungen des ökonomischen Systems ist1. Als Auslöseimpuls für Veränderungen von Struktur und Funktion des Staates werden von der Mehrzahl der Autoren konkrete Entwicklungsschwierigkeiten im Bereich der Wirtschaft angesehen, die sich in akuten Krisen des Gesamtsystems manifestieren2. Zielrichtung der Anpassungsreaktionen des Staates ist die Erhaltung und Stabilisierung des kapitalistischen Systems, „der oberste Funktionsimperativ … für die Staatstätigkeit besteht … in einer jeweils optimalen Kapitalverwertung für die fungierenden Kapitale. … Der systemische und bürgerliche „Reflex“ dieses Entwicklungsgesetzes ist der Imperativ quantitativen (wertmäßigen) Wachstums.“3

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Anmerkungen

  1. 1.
    Vgl. hierzu den Überblick bei F. Naschold und W. Väth, Politische Planungssysteme im entwickelten Kapitalismus, in: dies., Hrsg., Politische Planungssysteme, Opladen 1973, insbesondere S. 33 f.CrossRefGoogle Scholar
  2. 2.
    Vgl. z. B. V. Ronge und G. Schmieg, Restriktionen politischer Planung, Frankfurt 1973, S. 20.Google Scholar
  3. 5.
    Vgl. dazu die Bestandsaufnahme bei M. Jaenicke, Hrsg., Herrschaft und Krise, Opladen 1973 sowie die diesbezügl. Kritik bei V. Ronge und G. Schmieg, op. cit„ u. a. S. 285 ff.Google Scholar
  4. 6.
    Vgl. hierzu die grundsätzlichen Zweifel, ob eine solche „Staatstheorie, die den Klassencharakter politischer Herrschaft... nachweisen will“, überhaupt zu entwickeln ist, bei C. Offe, Strukturprobleme des kapitalistischen Staates, Frankfurt 1972, S. 89 fGoogle Scholar
  5. sowie — aus anderer Perspektive — bei H. G. Schütte, Über die Chancen einer Theorie sozialer Systeme, in: H. Albert, Hrsg., Sozialtheorie und soziale Praxis, Meisenheim 1971.Google Scholar
  6. 16.
    Vgl. in diesem Zusammenhang auch die Kritik von C. Offe, R. Funke und M. Glagow, Formwandel der Politikformulierung und delegimatorische Prozesse, Mskr., Starnberg 1973, S. 2 ff.Google Scholar
  7. 18.
    Eine ausführliche Begriffsbestimmung findet sich bei H. Schatz, Auf der Suche nach neuen Problemlösungsstrategien, in: R. Mayntz und F. W. Scharpf, Hrsg., Planungsorganisation, München 1973Google Scholar
  8. 20.
    Vgl. hierzu F. Naschold, Gesellschaftsreform und politische Planung, in: Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft, 1/1972, S. 17 f.Google Scholar
  9. 21.
    Vgl. hierzu u. a. die Typologie von Strukturmerkmalen bei D. Katz und R. L. Kahn, The Social Psychology of Organizations, New York, London, Sidney 1966, S. 39 ff.Google Scholar
  10. 22.
    Siehe R. H. Hall, Die dimensionale Natur bürokratischer Strukturen, in: R. Mayntz, Hrsg., Bürokratische Organisation, Köln/Berlin 1968, S. 69 ff.Google Scholar
  11. 26.
    Vgl. dazu W. Schluchter, Aspekte bürokratischer Herrschaft, München 1972, S. 132.Google Scholar
  12. 28.
    H. A. Simon, Administrative Behavior, New York 1966Google Scholar
  13. H. A. Simon u. J. G. March, Organizations, New York 1967.Google Scholar
  14. 31.
    Vgl. dazu H. A. Simon, The Decision-Maker as Innovator, in: S. Mailick u. E. H. van Ness, Concepts and Issues in Administrative Behavior, Englewood Cliffs 1962, S. 66 ff.Google Scholar
  15. 35.
    Siehe Braybrooke lind C. E. Lindblom, A Strategy of Decision: Policy Evaluation as a Social Process, New York 1963.Google Scholar
  16. 37.
    K. W. Deutsch, The Nerves of Government, New York 1966, S. 111.Google Scholar
  17. 41.
    D. Easton, A Framework for Political Analysis, Englewood Cliffs 1965, S. 119 ff.Google Scholar
  18. 44.
    Vgl. dazu die Zweiphasen-Gliederung bei V. Ronge und G. Schmieg, a. a. O. Cangelosi/Dill unterscheiden vier Phasen: „initial, searching, comprehending und consolidating phase“. Ebenfalls vier Phasen umfaßt der Innovationsprozeß in der Konzeption von G. Hage und M. Aiken, Social Change in Complex Organizations, New York 1970, S. 93 ff, nämlich „evaluation, initiation, implementation und routinisation stage“. Typisch fur Befehlsmodelle ist dagegen die Gleichsetzung von „invention“ und „implementation“Google Scholar
  19. vgl. hierzu beispielsweise E. M. Rogers, The Diffusion of Innovation, New York 1962Google Scholar
  20. H. G. Barnett, Innovation, New York 1953.Google Scholar
  21. 46.
    Vgl. hierzu B. Steinkämper, Klassische und Politische Bürokraten in der Ministerialverwaltung der Bi -publik Deutschland, Diss. Köln 1974, Veröff. in Vorb., v. a. S. 137 ff.Google Scholar
  22. 47.
    Vgl. hierzu J. Habermas, Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus, Frankfurt 1972, S. 77 f.Google Scholar
  23. 50.
    R. Jochimsen, Überlegungen zur mittel- und längerfristigen Aufgabenplanung und deren Einfluß auf die Vorbereitung der Haushaltsentscheidungen, in: J. Esser, F. Naschold und W. Väth, Hrsg., Gesellschaftsplanung in kapitalistischen und sozialistischen Systemen, Gütersloh 1972, S. 245.Google Scholar
  24. 52.
    Vgl. dazu die von A. Etzioni, The Active Society, New York 1968, S. 96, verwendete Klassifizierung sozialer Beziehungen (normative, utilitarian, coercive).Google Scholar
  25. 56.
    F. Naschold und W. Väth, Hrsg., Gesellschaftsplanung in kapitalistischen und sozialistischen Systemen, Gütersloh 1972, S. 20.Google Scholar
  26. 57.
    Vgl. hierzu das Eigennutz-Axiom bei A. Downs, Ökonomische Theorie der Demokratie, Tübingen 1968, S. 26 f.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1975

Authors and Affiliations

  • Heribert Schatz

There are no affiliations available

Personalised recommendations