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Eine Strategie zur Erhöhung der „relativen Autonomie“ des politischen Systems?

  • Jürgen Reese
Part of the Politische Vierteljahresschrift Sonderhefte book series (PVS, volume 6)

Zusammenfassung

Das Bemühen um technischen und ökonomischen Fortschritt stellt sich durchweg besser organisiert dar als das Bemühen um den Ausbau des Sozialstaates. Investitionsbeihilfen, Steuervergünstigungen, direkte Subventionen, Bereitstellung von Infrastruktur — das alles sind staatliche Aktivitäten, in denen es nur selten zu schweren Konflikten und noch seltener zu einer intensiven öffentlichen Auseinandersetzung kommt. Ganz anders erscheint die politische Szene bei Maßnahmen, durch die das System sozialer Für- und Vorsorge weiterentwickelt und die Einkommens-, Vermögens- und Machtverteilung beeinflußt werden sollen. Nicht nur der grundsätzliche Streit um den Ausbau des Sozialstaates entbrennt dabei immer wieder aufs neue, auch die Uneinigkeit in den sozialen Zielen auf der Seite der Befürworter des Sozialstaates kostet in dem Bemühen um vereinheitlichende Zielsetzung Kräfte, die in wirtschaftlichen und technologischen Allokationsbereichen bereits der Zielverwirklichung zugute kommen können. Der hohe Konsensbedarf redistributiver Sozialpolitik stellt offenbar Anforderungen an die Gesellschaft, denen sie nur mühsam und unter großem Druck gerecht wird. So kann es kaum verwundern, daß die soziale Wirklichkeit westlicher Industriegesellschaften bei allen Unterschieden zwischen den einzelnen Ländern sich insgesamt nicht auf dem Niveau befindet, das von ihrer technischen, wissenschaftlichen und ökonomischen Entwicklung erreicht worden ist.

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Anmerkungen

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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1975

Authors and Affiliations

  • Jürgen Reese

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