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Inanspruchnahme von Arbeitsgerichten — zur Verteilung öffentlicher Güter

  • Klaus Moritz
Part of the Forschungsberichte des Landes Nordrhein-Westfalen book series (JSG)

Zusammenfassung

Für viele Juristen stellt die Justiz das Zentrum ihres Denkens dar. Die Gerichte publizieren ihre Entscheidungen und liefern damit den Juristen das wesentliche Fallmaterial, das für sie die gesellschaftlichen Konflikte abbildet. In keiner gesellschaftlichen Institution wird so rein „rechtlich“ gedacht wie in den Gerichten. Verwaltungen oder Unternehmen haben dagegen einen eher instrumenteilen Umgang mit dem Recht: es ist ein Entscheidungsfaktor unter anderen. Aufgrund der engen Verbindung der Rechtswissenschaftler mit der Justiz gibt es nur wenige Reflektionen über die Justiz durch Juristen. Die eigentlich reflektiv angelegte Teildisziplin, die Rechtsphilosophie, befaßt sich eher mit den ideellen Grundlagen des Rechts (Herstellung von Frieden, Ordnung, Gerechtigkeit, Kultur)1 oder mit seinen materiellen Voraussetzungen (marxistische Rechtslehre)2. — Die gesellschaftliche Funktion der Justiz wird in einigen rechtssoziologischen Arbeiten untersucht, soweit sie nicht lediglich die Klassifizierung eines sozialen Normengefüges vornehmen.3 In neueren Publikationen ist der Bereich einer Justizsoziologie auch in Deutschland weit gefächert vorgestellt worden.4 Es werden die Soziologie der Richter5, ihr Entscheidungsverhalten6, ihre politische Funktion7, und der Zugang zur Justiz8 mit unterschiedlicher Intensität untersucht.

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Anmerkungen

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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1982

Authors and Affiliations

  • Klaus Moritz

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