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Kritik des ökonomisch bestimmten Individualismus

  • Manfred Wetzel
Part of the Forschungsberichte des Landes Nordrhein-Westfalen book series (JSG)

Zusammenfassung

Hayeks Ausgangspunkt ist ein wissenssoziologisches Argument: Das Wissen jedes einzelnen Subjekts und folglich auch die Summe des Wissens aller einzelnen Subjekte sind prinzipiell beschränkt. Wollten die Subjekte nun versuchen, vor Beginn ihres gesellschaftlichen Handelns, nämlich als Vorbedingung desselben, diese Beschränktheit des Wissens zuerst zu beseitigen, so wäre dies ein Holzweg; und dieser Holzweg bestünde des näheren genau in einer gesamtgesellschaftlichen Planung, die auf dem utopischen Vorsatz beruhte, die gesellschaftlich handelnden Subjekte müßten über ihr gesamtes Handlungsfeld vollständig informiert sein, bevor sich ihre Intentionen verwirklichen ließen. Im Gegensatz dazu sind nach Hayek die UnVollständigkeit und Beschränktheit des Wissens vielmehr Voraussetzung für gesellschaftliches Handeln. Hayek hält es nun für erwiesen, daß die Menschen gerade auf Grund des Umstandes, daß sie unter der Bedingung beschrfänkten Wissens und in Zusammenhang damit unter der Bedingung freier Konkurrenz handeln, Einrichtungen und überhaupt Ergebnisse hervorbringen, die über ihre jeweiligen Intentionen und Entwürfe hinausgehen. Im Anschluß an die schottischen Moralphilosophen behauptet er, daß „Völker sich unerwartet im Besitz von Eirichtungen befinden, die wohl das Ergebnis menschlichen Handelns sind, aber nicht das Ergebnis menschlicher Absicht’, und daß die spontane Zusammenarbeit freier Menschen Dinge hervorbringt, die größer sind, als der einzelne Verstand je ganz erfassen kann“. (F. A. v. Hayek, Individualismus und wirtschaftliche Ordnung (dt. Erlenbach-Zürich 1952).

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Anmerkungen

  1. 2.
    Es ist immerhin festzuhalten, daß Hayek mit dieser seiner Betonung der Subjektivität und Intentionalität des Handelns, wenngleich individualistisch verkürzt, immer noch ein Stück weiter ist als die neueren „individualistischen“ Strategien des sogen, methodologischen Individualismus, welche in ihrer Wut auf das Nichtverfügbare nichts gelten lassen, was sich der empiristischen Datenerhebungsverarbeitungsprozedur entzieht. Konsequenterweise wird Hayek von den theoretisierenden Apologeten dieser Einstellung ein Mißverständis bescheinigt (s. z. B. Viktor Vanberg, Zwei Soziologien. Individualismus und Kollektivismus in der Sozialtheorie (Tübingen 1975), S. 252).Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1982

Authors and Affiliations

  • Manfred Wetzel

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