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Die ungleiche Verteilung des Glücks

Zur Entstehung der Klassenanalyse
  • Wulf D. Hund
Part of the Forschungsberichte des Landes Nordrhein-Westfalen book series (JSG)

Zusammenfassung

Im bürgerlichen Sprachschatz ist Glück ein Synonym für Eigentum. Kaum je deutlicher wird dies als bei Jefferson, wo er in seinem Entwurf der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung „Eigentum“ in „Streben nach Glück“ korrigiert.1 Die Proklamation jener selbstverständlichen Wahrheiten, daß alle Menschen gleich geschaffen seien und über Leben, Freiheit und Streben nach Glück als unveräußerliche Rechte verfügten2, meint daher nicht, es sollten alle gleich glücklich sein. Klar formulieren dies nach ihrer Revolution die Franzosen, die in ihrer Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte3 das allgemeine Glück zum Ziel der Gesellschaft erheben und neben Gleichheit, Freiheit und Sicherheit auch Eigentum als natürliches Recht des Menschen aufzählen. Unmißverständlich interpretiert Kant: Die „Gleichheit der Menschen in einem Staat... besteht aber ganz wohl mit der größten Ungleichheit, der Menge und den Graden ihres Besitztums, es sei an körperlicher oder Geistesüberlegenheit über andere, oder an Glücksgütern...; so daß des einen Wohlfahrt sehr vom Willen des anderen abhängt (des Armen vom Reichen), daß der eine gehorsamen muß (wie das Kind den Eltern, oder das Weib dem Mann) und der andere ihm befiehlt, daß der eine dient (als Taglöhner) der andere lohnt, usw. Aber dem Rechte nach... sind sie dennoch... alle einander gleich“.4

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Anmerkungen

  1. 1.
    Vgl. W.P. Adams: Republikanische Verfassung und bürgerliche Freiheit. Die Verfassung und politische Ideen der amerikanischen Revolution. Darmstadt 1973, S. 195.Google Scholar
  2. 2.
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  4. 4.
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Authors and Affiliations

  • Wulf D. Hund

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