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Die empirische Analyse der Finanzierungspolitik von Kapitalgesellschaften

  • Franzjosef Schafhausen
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Part of the Forschungsberichte des Landes Nordrhein-Westfalen book series (FOLANW, volume 2971)

Zusammenfassung

Nachdem sich die wesentlichsten Änderungen im Bereich der Körperschaftbesteuerung Mitte der siebziger Jahre herausgebildet hatten, wurde das neue System sowohl allgemein als auch bezüglich der Finanzierungsproblematik überwiegend als ein Beitrag angesehen, der die offenkundigen Mängel der alten Regelung weitgehend vermeiden helfen könnte1). Im Gegensatz zu dieser Einschätzung wird heute das reformierte System, zu dessen vorrangigen Zielen die Beseitigung der steuerlichen Diskriminierung der Kapitalgesellschaften zählte, weitaus differenzierter “beurteilt1).

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Literatur

  1. 1).
    Eine Zwischenbilanz der Steuerreform beurteilt im Jahre 1976 die beabsichtigte Körperschaftsteuerreform: “Immerhin beseitigt auch diese Form des Anrechnungsverfahrens weitgehend die Mängel des geltenden Körperschaf tsteuersystems: - Die Gewinne von größeren Kapitalgesellschaften und vergleichbaren Personengesellschaften werden gleich hoch besteuert… - Die steuerliche Benachteiligung der Eigenfinanzierung gegenüber der Fremdfinanzierung wird vermieden. - Die Besteuerung der Ausschüttungen von Kapitalgesellschaften folgt vollständig dem im Einkommensteuertarif zum Ausdruck kommenden Leistungsfähigkeitsprinzip. - Der steuerlich begründete Interessengegensatz zwischen Groß- und Kleinaktionären wird aufgehoben… Nach alledem ist klar, daß die Körperschaftsteuerreform die Attraktivität der Aktie aus mehreren Gründen erhöhen wird.” Hansmeyer, Karl-Heinrich, Zwischenbilanz der Steuerreform, a.a.O., S. 133 In ähnlicher Weise beurteilt das BDI den vorgelegten Gesetzentwurf: “Der vorgelegte Gesetzentwurf verwirklicht die mit der Körperschaftsteuerreform verfolgten Ziele und löst die mit dem Anrechnungsverfahren verbundenen steuertechnischen Probleme in einer im großen und ganzen akzeptablen Weise”. Unveröffentlichte Mitteilung des BDI vom 26.11.1975 an die Mitglieder des Steuerausschusses, Köln 26.11.75, S. 3Google Scholar
  2. 1).
    Nach Wöhe hat die Körperschaftsteuerreform ihre ursprünglichen Ziele nur zu einem geringen Teil erreicht. Erkannte Mängel im alten System wurden seiner Ansicht nach im neuen System nur abgeschwächt. Dies gilt insbesondere für die steuerliche Diskriminierung der Finanzierung: Sowohl die steuerliche Gleichbehandlung der Außenfinanzierung mit Eigen- und Premdkapital als auch die der Selbstfinanzierung der Kapitalgesellschaften im Vergleich zur Gewinnthesaurierung der Personengesellschaften wird nicht erreicht. Wöhe G., Die Steuern des Unternehmens, 4. Auflage, a.a.O., S. 112, 103 Ähnlich bewertet auch Schardt das neue Körperschaftsteuersystem und kommt zu dem Ergebnis, daß die wirt-schafts- und vermögenspolitischen Reformziele durch das KStG 1977 nur teilweise erreicht wurden. Schardt, A., Die Körperschaftsteuerreform 1977 und ihre belastungsmäßigen Auswirkungen, a.a.O., S. 264 f Vielfach wird die Vermutung geäußert, daß die Reform ihr Ziel hätte erreichen können, wenn sie — wie ursprünglich geplant — mit einer Reform der Vermögensteuer, der Gewerbesteuer und der Gewinnermittlungs-vorschriften koordiniert worden wäre.Google Scholar
  3. 1).
    Wöhe, G., Die Steuern des Unternehmens, a.a.O., S. 112 “Keine Unternehmensflucht in die Totale GmbH”, Betriebswirtschaftler-Tag 1979, in: Handelsblatt vom 5.10.1979, S. 6Google Scholar
  4. 2).
    Wöhe, G., Die Steuern des Unternehmens, a.a.O., S. 112 Schardt, A., Die Körperschaftsteuerreform 1977 und ihre belastungsmäßigen Auswirkungen, a.a.O., S. 265Google Scholar
  5. 1).
    Schardt versucht die Auswirkungen der Reform in einem Steuerbelastungsvergleich mit Hilfe der Teilsteuerrechnung zu erfassen. Schardt, A., Die Körperschaftsteuerreform 1977 und ihre belastungsmäßigen Auswirkungen, a.a.O. Wöhe bedient sich zur Darstellung der Belastungseffekte eines veranlagungsorientierten Ansatzes: Wöhe, Gr., Die Steuern des Unternehmens, a.a.O., S. 103Google Scholar
  6. 1).
    Jährlich ausgewiesen für die Industriebranchen: in Wirtschaft und Statistik, zuletzt “Jahresabschlüsse 1978 von Aktiengesellschaften der Industrie”, Wirt-schaft und Statistik Nr. 12/1979, S. 881 ff. und 827 ff., für alle Branchen: Fachserie 2 Reihe 2.1, zuletzt für 1976, Wiesbaden 1979.Google Scholar
  7. 2).
    Nach dem Gesetz über die Rechnungslegung von bestimmten Unternehmen und Konzernen vom I5. August 1969 (BGBl. IGoogle Scholar
  8. S. 1189 ff.). Vgl. Jahresabschlüsse 1977 von Unternehmen, für die das Publizitätsgesetz gilt, in: Wirtschaft und Statistik Nr. 8/1979, S. 565 ff. und 518* f., sowie Jahresabschlüsse 1977 von Konzernen, für die das Publizitätsgesetz gilt, in: Wirtschaft und Statistik, Nr. 10/1979, S. 746 ff. und 665* f.5 ABER: keine Branchengliederung, für Personengesellschaften außerdem keine Ertrags-, Aufwands- und Gewinndaten, keine Anwendung aktienrechtlicher Bewertungsregeln; wie bei den Aktiengesellschaften Fehlen von Beschäftigungsdaten.Google Scholar
  9. 3).
    Jahresabschlüsse der Unternehmen in der Bundesrepublik Deutschland 1965 bis 1976. Sonderdrucke der Deutschen Bundesbank Nr. 5, 2. Aufl. Juli 1978. — Ertragslage und Finanzierungsverhältnisse der Unternehmen im Jahre 1978, in: Monatsberichte der Deutschen Bundesbank, November 1979, S. 16 ff.Google Scholar
  10. 4).
    Statistisches Bundesamt, Fachserie 4, Reihe 4.3, Kostenstruktur der Unternehmen im Bergbau und im Verarbeitenden Gewerbe. Mängel: keine Durchschnittsdaten für die Branchen insgesamt, keine Investitionsdaten, keine Bilanzdaten für Grundstücke/Gebäude, Forderungen, liquide Mittel, Eigen- und Fremdmittel, unterschiedliche Definition von “Kosten” (teils steuerlich absetzbare, teils kalkulatorische Kosten), Fehlen des Bereichs der nicht betriebsbedingten Erträge und Aufwendungen, so daß weder Finanz- noch Gewinnanalysen möglich sind.Google Scholar
  11. 1).
    Der mit Schreiben vom 8.2.1980 vom Bundesminister der Justiz herausgegebene “Vorentwurf eines Gesetzes zur Durchführung der Vierten Richtlinie des Rates der Europäischen Gemeinschaften zur Koordinierung des Gesellschaftsrechts (Bilanzrichtlinie-Gesetz)” zielt grundsätzlich — wenn auch nicht im Detail — auf eine Einbeziehung der Unternehmen aller Rechtsformen in vereinheitlichte Handelsbilanzregeln ab. Weitere Verbesserun-gen sind nach Verabschiedung der 7. EG-Richtlinie über den Konzernjahresabschluß zu erwarten.Google Scholar
  12. 1).
    Hierzu insbesondere das dritte und vierte Kapitel der vorliegenden Arbeit.Google Scholar
  13. 2).
    Zu denÜbergangsregelungen: Zur Reform der Körperschaftsteuer 1977, a.a.O., S. 47–54 und 206–213Google Scholar
  14. 1).
    Zur Methodik dieser Betrachtungsweise vgl. Gliederungspunkt 3.4 dieser Arbeit.Google Scholar
  15. 2).
    Scheibe-Lange, Ingrid, Wertschöpfung, Ertrags- und Finanzlage der industriellen Aktiengesellschaften bis 1978, in: WSI-Mitteilungen 5/1980 ¿33. Jahrgang, Köln 1980, S. 280Google Scholar
  16. 3).
    Als sonstige eigenerwirtschaftete Mittel werden hier Sonderposten mit Rücklageanteil, Pauschalwertberichtigungen, Pensionsrückstellungen und Sozialverbindlichkeiten verstanden.Google Scholar
  17. 1).
    Jahresabschlüsse der Unternehmen in der Bundesrepublik Deutschland 1965 bis 1976. Sonderdruck der Deutschen Bundesbank Nr. 5, 2. Auflage, Juli 1978. Ertragslage und Finanzierungsverhältnisse der Unternehmen im Jahre 1978, in: Monatsberichte der Deutschen Bundesbank, November 1979, S. 16 ff. Soweit die Bundesbankstatistik Steuerbilanzen auswertet, dürften die stillen Reserven, welche die Bilanzsummen und das Eigenkapital verkürzen, niedriger als bei den Aktiengesellschaften sein; wurden Handelsbilanzen zugrundegelegt, können die stillen Reserven erheblich höher sein. Der Umsatzüberschuß, zu dem die Effektivverschuldung in Beziehung gesetzt wird, umfaßt methodisch weniger Bestandteile und dürfte darum verglichen mit den Aktiengesellschaften zu niedrig gegriffen sein.Google Scholar
  18. 1).
    Gliederungspunkte 3.3.2.3; 3.4.1.4; 4.1.2Google Scholar
  19. 1).
    Diese Darstellung geht von einer größeren Grundge-saratheit aus. Sie umfaßt alle amtlich notierten Werte.Google Scholar
  20. 1).
    Handelsblatt Nr. 73 vom 15.4.1980, Seite 20 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche BundesbankGoogle Scholar
  21. 1).
    Wirtschaft und Statistik 9/79, Unternehmen und Arbeitsstätten, Dividende der Aktiengesellschaften 1978, S. 661 und 596*Google Scholar
  22. 1).
    Wird das “konjunkturelle Normal jähr” 1970 zugrundegelegt, ergibt sich bis Ende 1979 ein durchschnittlicher Kursgewinn von 6 bis 10 Prozentpunkten.Google Scholar
  23. 2).
    Als “Ausschüttungsquote” wird das Verhältnis zwischen Ausschüttungsvolumen und Nettogewinn einer Kapitalgesellschaft verstanden.Google Scholar
  24. 1).
    Zur Auseinandersetzung um die lange Jahre gepflegte konstante Dividendenpolitik bedeutender Aktiengesellschaften, die insbesondere in den letzten Monaten in das Kreuzfeuer der Kritik geriet: Pritsch, Ulrich, Aktienfrühling läßt auf sich warten, in: Handelsblatt vom 14./15. März 1980 /”Nr. 53_7, Seite 23; Konstante Dividendenpolitik ist der Tod der”“Aktie, in: Handelsblatt vom 28.11.1979, Seite 14; Dividendenkontinuität benachteiligt Aktionär, in: Handelsblatt vom 20. März 1980, Seite 12;Google Scholar
  25. 1a).
    Schwarzer, Otto, Risiko ohne Chance, Mauerblümchen-Dasein der Aktionare, in: Süddeutsche Zeitung vom 26. Januar 1980. Übereinstimmend wird kritisiert: Die Dividendenkontinuität pervertiere den Sinn der Aktie, der Anteil der Aktionäre am Gesamtergebnis gehe zurück; der übertriebene Dividendengleichschritt innerhalb der Branchen sei nicht gerechtfertigt.Google Scholar
  26. 2).
    Schwarzer spricht in diesem Zusammenhang von der “Thesaurierungsgier der Unternenmensmanager”, Schwarzer, Otto, Risiko ohne Chance, a.a.O.Google Scholar
  27. 1).
    Gilt nur für Aktiengesellschaften der Industrie. Die Kennzahlen anderer Kapitalgesellschaften wurden nicht ausgewertet.Google Scholar
  28. 2).
    Agio oder Aufgeld als die Bezeichnung der Differenz zwischen dem Nennwert und dem Bezugskurs eines im Rahmen einer Kapitalerhöhung emittierten Anteils.Google Scholar
  29. 3).
    Diese Aussage stützt sich auf Bilanzkennzahlen der industriellen Aktiengesellschaften von 1958–1978 [Anhang Tabelle 11]Google Scholar
  30. 1).
    Global errechnet sich ein Bezugskurs von 247,8%, der beispielsweise im Rahmen der Kapitalerhöhung der Volkswagenwerk AG vom 1.9.1978 übertroffen wurde. Alleine im Verlauf dieses Finanzierungsvorgangs erfolgte die Ausgabe von 6.000.000 Aktien zum Nennwert von DM 50,— und zu einem Bezugskurs von DM 150,— [= 300%]. Diese Aktion repräsentierte etwa ein Fünftel aller statistisch erfaßten Grundkapitalerhöhungen der industriellen Aktiengesellschaften im Jahre 1978.Google Scholar
  31. 1).
    Hierzu: Bundestagsdrucksache 7/1470, a.a.O., S. 332Google Scholar
  32. 1).
    Da die Bildung von Rückstellungen aus völlig anderen Gründen erfolgt als die Eigenkapitalbildung, kann das jeweilige Unternehmen nur in einem beschränkten Umfang über derartige Mittel verfügen, sofern das Verfügungsmotiv nicht mit dem Grund der Passivierung übereinstimmt. In jedem Fall entsteht aber ein Liquiditätsvorteil, der allerdings wieder durch die häufige Unge-wißheit über den Zeitpunkt der Inanspruchnahme der Vorsorgemaßnahme entwertet wird.Google Scholar
  33. 1).
    Zum Kapazitätserweiterungseffekt: Ruchti, H., Die Abschreibung, Stuttgart 1953; Hax, K., Langfristige Finanz- und Investitionsentscheidungen, a.a.O.Google Scholar
  34. 1).
    Albach, Horst, Zur Entwicklung der Kapitalstruktur deutscher Unternehmen, in: Zeitschrift für Betriebswirtschaft, 45. Jahrgang (1975) Nr. 1, S. 1–12Google Scholar
  35. 1).
    Vgl. Seiten 91ffder vorliegenden StudieGoogle Scholar
  36. 1).
    Die langfristig beobachtbare, kontinuierliche Zunahme dieser Bilanzposition ist auf andere Steuerrechtsänderungen zurückzuführen und hat nur sekundär finanzierungsbedeutsame Effekte, die zudem aufgrund der Charakteristik der Rückstellungen zu relativieren sind.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1980

Authors and Affiliations

  • Franzjosef Schafhausen
    • 1
  1. 1.Finanzwissenschaftliches ForschungsinstitutUniversität zu KölnDeutschland

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