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Kriterien einer problemorientierten Planung und Finanzierung wassergütewirtschaftlicher Aufgaben im kommunalen Bereich

  • Robert Lungstraß
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Part of the Forschungsbericht des Landes Nordrhein-Westfalen book series (FOLANW, volume 2554)

Zusammenfassung

Die Erarbeitung von Kriterien zur Überwindung der skizzierten Problemstrukturen impliziert die Frage nach dem zugrunde gelegten Planungsbegriff und der dahinterstehenden Planungstheorie. Aus der umfangreichen Planungsliteratur lassen sich nach NASCHOLD 1) vier grundlegende Typen von Planungstheorien abgrenzen:
  1. 1.

    Planungstheorien als Planungstechniken, die sich weitgehend mit der Anwendung von Planungstechniken wie Systemanalyse, Relevanz-, Delphi-Verfahren etc. identifizieren lassen.

     
  2. 2.

    Planungstheorien als Management-Theorien, die die Hauptschwächen politischer Strukturen und Prozesse in der mangelnden Leitung des Top-Managements sehen und diese durch die Anwendung moderner Managementsysteme wie der Konzeption des Management by objectives and participation mit integrierten Informations- und Kontrollsystemen zu mindern oder zu beseitigen suchen.

     
  3. 3.

    Planungstheorien, die, mikro- oder makroökonomisch ausgerichtet, auf primär ökonomischen Rationalitätskalkülen unter Zugrundelegung verschiedener Varianten der Wohlfahrtsökonomie basieren. Die mikroökonomischen Varianten versuchen dabei vorrangig die direkte Optimierung von Mikrostrukturen, während die makroökonomischen Theorien die strategischen Makrostrukturen langfristig zu rationalisieren versuchen, um dann retrograd die Mikrostrukturen zu optimieren.

     
  4. 4.

    Planungstheorien der “Planung als politischer Prozeß” (Cohen, Scharpf)1), die davon ausgehen, daß politische Rationalitätskalküle über alle anderen Arten von Rationalisierungsversuchen dominieren. Diese Ansätze erweitern den Bezugsrahmen der Planung über die rein ökonomischen Rationalitätskalküle hinaus auf die Berücksichtigung der politischen Auswahl-, Zielfindungs-, Konflikt- und Konsensprozesse, Interessenartikulation, Macht- und Entscheidungsstrukturen.2) Planung ist dann, wenn auch nicht unbegrenzt einsetzbar, als Rationalisierungsinstrument des gesamten politischen Prozesses anzusehen.3)

     

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Literatur

  1. 1).
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  2. 2).
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  29. 4).
    Vgl. Presi, A. R., und Turvey, R.: Kosten-Nutzen-Analyse, a.a.O.Google Scholar
  30. 5).
    Aus der unübersehbaren Literatur zur Haushaltstheorie sei lediglich auf die grundlegenden Ausführungen verwiesen bei: Heinig, K.: Das Budget, Bd. I und II, Tübingen 1949 und 1951;Google Scholar
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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1976

Authors and Affiliations

  • Robert Lungstraß
    • 1
  1. 1.Finanzwissenschaftliches ForschungsinstitutUniversität zu KölnDeutschland

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