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Sozialwissenschaften im Positionskampf der Öffentlichkeit

  • Helmuth Schuster
Chapter
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Part of the Beiträge zur sozialwissenschaftlichen Forschung book series (BEISOFO, volume 92)

Zusammenfassung

Sozialwissenschaft als sozialer Prozeß hat die Entwicklung von Strukturen der Öffentlichkeit zur historischen Voraussetzung. Sie ist über ihre eigenen inneren Funktionsbedingungen einer wissenschaftlichen Öffentlichkeit hinaus selbst ein Teil der Produktion von gesellschaftlicher Öffentlichkeit. Alle besonderen gesellschaftlichen Praxissphären werden in dem Maße zu mehr oder minder segmentierten Teilen der Öffentlichkeit, wie sich in ihnen die soziale Reflexion entwickelt.

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Literatur

  1. (1).
    Habermas, Theorie und Praxis, a.a.O., S. 81.Google Scholar
  2. (2).
  3. (3).
    Beck, Folgeprobleme der Modernisierung ..., a.a.O., S. 9, (Unterstreichung durch d. Verf.).Google Scholar
  4. (4).
    Max Weber, Die protestantische Ethik I. Eine Aufsatzsammlung, hg. von Johannes Winckelmann, 6. Auflage, Gütersloh 1981; Schelsky, Die Arbeit tun die anderen ..., a.a.O.Google Scholar
  5. (5).
    Siehe zum Öffentlichkeitsbegriff auch Jeno Kurucz, Struktur und Funktion der Intelligenz während der Weimarer Republik, o.O., 1967, S.50.Google Scholar
  6. (6).
    Karl Prümm, Nachwort, in: Erik Reger, Union der festen Hand (1931), Reinbeck bei Hamburg 1979, S. 520.Google Scholar
  7. (7).
    Charaktristisch ist etwa die Beschreibung, die der Amerikaner William James dem deutschen Professor Wilhelm Dil they widmet: “Es war für mich die erste Begegnung mit einer Spezies von Menschen, die hier offenbar ganz alltäglich ist, Menschen, die mit der gleichen Selbstverständlichkeit Wissen ansammeln, mit der sie die Luft zum Atmen aufnehmen. In unserem Lande ist ein Gelehrter bis zu einem gewissen Grade isoliert; er betreibt seine Studien privatim, in eigens dafür vor-behaltenen Stunden. Für seine weitere und engere Umgebung ist er Bürger, Nachbar usw. ... Dieser Kauz hingegen schien mir nichts außer ‘Professor’ zu sein... als ob er imstande wäre, ausschließlich als Gelehrter dieser oder jener Fachrichtung zur übrigen Gesellschaft in Beziehung zu stehen — und niemals auch nur einen Augenblick jene Interessen zu vergessen und jene Veranlagung abzustreifen, die sein Spezialfach erfordert. Träfe er auf Menschen, oder Umstände, denen er auf dieser Ebene überhaupt nicht begegnen könnte, er würde weitergehen und sie ignorieren, anstatt — wie ein Amerikaner — die Verpflichtung zu empfinden, für dieses Mal von seinem Fach abzusehen.” Zit. nach Fritz Stern, Die politischen Folgen des unpolitischen Deutschen, in: Michael Stürmer (Hrsg.), Das Kaiserliche Deutschland, Politik und Gesellschaft 1870–1918, Kronberg 1977, S. 184.Google Scholar
  8. (8).
    Vgl. Fritz K. Ringer, The Decline of the German Mandarins. The German Academic Community, 1890–1933, Cambridge/Mass. 1969, S. 15 ff.Google Scholar
  9. (9).
    Vgl. allgemein zum Thema Ernst Manheim, Aufklärung und öffentliche Meinung (1933). Stuttgart-Bad Cannstadt 1979, S. 35 ff., dort “Einige Schichten der Öffentlichkeit in formalsoziologischer Beleuchtung”.Google Scholar
  10. (10).
    Joseph A. Schumpeter, Geschichte der ökonomischen Analyse, Bd. I, Göttingen 1965, S. 246.Google Scholar
  11. (11).
    So lassen sich die Si smondi-Schule und die Ricardo-Schule, die Banking-Theoretiker um Tooke und Fullarton, die Mehrprodukt-Theoretiker um Marx und Rodbertus, die Gruppen um Keynes, in Deutschland um Woy-tinsky/Baade sowie Lederer/Löwe und schließlich die Cambridge Employment Group als intellektuelle Gegengruppen zu den bezeichneten Theorien bestimmen, die mit umfangreichen publizistischen Aktionen diese öffentlichen Dogmen zu erschüttern versuchten.Google Scholar
  12. (12).
    Vgl. Max Weber, Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, 3 Bände, Tübingen 1963 sowie ders., Wirtschaft und Gesellschaft, 5. rev. Aufl., besorgt von Johannes Winckelmann, Tübingen 1976, S. 304 ff. Webers Parallelgebrauch von Intellektualisierung und Rationalisierung in seinen religionssoziologischen Schriften steht im Gegensatz zu seinen tagespolitischen, publikumswirksamen Aufsätzen gegen ‘die Intellektuellen’.Google Scholar
  13. (12a).
    Vgl. dazu Dietz Bering, die Intellektuellen, Geschichte eines Schimpfwortes, Frankfurt am Main, Berlin, Wien 1982, S. 303.Google Scholar
  14. (13).
    Max Weber, Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, 3. Auflage, Tübingen 1968, S. 549. Webers Intellektualismus-Begriff steht in engem Zusammenhang mit seiner These der Verselbständigung “ideeller Interessen”, nicht durch materielle Not Ideen zu entwickeln, sondern durch “innere Nötigung, die Welt als einen sinnvollen Kosmos zu erfassen und zu ihr Stellung nehmen zu können”. Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, a.a.O., S. 391.Google Scholar
  15. (13a).
    Vgl. dazu: Günter Dux, Religion, Geschichte und sozialer Wandel, in: Constans Seyfarth und Walter M. Sprondel (Hrsg.), Seminar: Religion und gesellschaftliche Entwicklung, Studien zur Protestantismus-Kapitalismus-These Max Webers, Frankfurt am Main 1973, S. 322 ff.Google Scholar
  16. (14).
    Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, a.a.O., S. 827.Google Scholar
  17. (15).
    Ebd., S. 829.Google Scholar
  18. (16).
    Vgl. ebd., S. 828 f.Google Scholar
  19. (17).
    Vgl. die “Denkschrift über Aufgaben und Ziele der Sozialrechtlichen Abteilung des Forschungsinstituts für Sozi alwi ssenschaften”. Dort heißt es: “Gegenstand der Forschungen unserer Sektion soll die Soziologie der Arbeit sein.” ZStA Potsdam, 63 DAF 3, No. 7194, Bl . 70.Google Scholar
  20. (18).
    Vgl. Karl Siegbert Rehberg, Rationales Handeln als großbürgerliches Aktionsmodell. Thesen zu einigen handlungstheoretischen Implikationen der “soziologischen Grundbegriffe” Max Webers. In: KZfSS, Jg. 31, 1979, S. 199–236.Google Scholar
  21. (19).
    Vgl. Karl Marx, Das Kapital, Bd. 1, Berlin 1973, S. 504 ff.Google Scholar
  22. (20).
    Karl Marx, Das Kapital, 1973 ebd., S. 22. Das öffentliche Bewußtsein reagiert auf Gleichartigkeit und Verschiedenheit subjektiver Lagen. Die Klassenbildung im öffentlichen Themati sierungsprozeß bleibt damit verbunden, so sehr die Klassenbildung wissenschaftlich nur aus einer sehr komplexen sozialen, ökonomischen und historischen “Tiefenstruktur” zu erklären ist.Google Scholar
  23. (21).
    Jürgen Habermas, Strukturwandel der Öffentlichkeit, 9. Auflage, Darmstadt und Neuwied 1978, S. 68.Google Scholar
  24. (22).
    Jürgen Habermas, Strukturwandel der Öffentlichkeit, 9. Auflage, Darmstadt und Neuwied 1978, Ebd., S. 79.Google Scholar
  25. (23).
    Vgl. Maurice Dobb, Wert- und Verteilungstheorien seit Adam Smith, Frankfurt/M. 1977, S. 124.Google Scholar
  26. (24).
    D’Alembert gab als Kriterium für wissenschaftliche Betätigung das an, was praktisch bedeutsam sei und deshalb Gegenstand leidenschaftlicher öffentlicher Dikussion werden könne.Google Scholar
  27. (25).
    Albert Salomon, Fortschritt als Schicksal und Verhängnis. Betrachtungen zum Ursprung der Soziologie, Stuttgart 1957, S. 18 ff.Google Scholar
  28. (26).
    Vgl. Terry N. Clark, Die Durkheim-Schule und die Universität, in: Wolf Lepenies (Hrsg.), Geschichte der Soziologie, Bd. 2, Frankfurt/M. 1981, S. 167 ff.Google Scholar
  29. (27).
    Gemeint ist hier die fünfte Tagung der DGS 1926 in Wien. Robert Michels sprach auf der Tagung noch von einem “gefährlichen Thema”. Vgl. Verhandlungen des Fünften Deutschen Soziologentages vom 26. bis 29. September 1926 in Wien, Tübingen 1927, S. 70. Die demokratisch eingestellte Minderheit der Professoren schloß sich noch in den 20er Jahren aus aller Geselligkeit des Universitätslebens aus. Siehe Otto Baumgarten, Meine Lebensgeschichte, Tübingen 1929, S. 459.Google Scholar
  30. (28).
    Vgl. Max Weber, Gesammelte Politische Schriften, 3. ern. vermehrte Aufl., hg. v. Johannes Winckelmann, Tübingen 1971, S. 351 ff.Google Scholar
  31. (29).
    Vgl. Franz Schneider, Pressefreiheit und politische Öffentlichkeit, Neuwied a.Rh. und Berlin 1966, S. 243 ff. und S. 289 ff.Google Scholar
  32. (30).
    Vgl. Ferdinand Tönnies, Der Kampf um das Sozialistengesetz 1878, Berlin 1929.Google Scholar
  33. (31).
    Vgl. Frank Böckelmann (Hrsg.), Die Schriften zu J.G. Fichtes Atheismus-Streit, München 1969. Böckelmann kommentiert das ‘frühe Trauma der bürgerlichen Intellektuellen, zumal der deutschen’: “Mit Recht muß der Kritiker des religiösen und sozialen Fetischismus fürchten, daß all seine Eindringlichkeit und Überzeugungsfähigkeit nur die Borniertheit und Animosität der Herrschenden vergrößert. Wahnhaft kehren sich alle seine Waffen gegen ihn...” Ebd., S. 9.Google Scholar
  34. (32).
    Vgl. Arseni Gulyga, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Leipzig 1980, S. 94 ff. und S. 102 f.Google Scholar
  35. (33).
    Vgl. Alfred Schmidt, Emanzipatorische Sinnlichkeit. Ludwig Feuerbachs anthropologischer Materialismus, München 1973, S. 267.Google Scholar
  36. (34).
    Hans-Martin Sass, Ludwig Feuerbach, Reinbek bei Hamburg 1978, S. 55.Google Scholar
  37. (35).
    Geheimagenten begleiteten jeden Weg Lists. Metternich. “List ist bekanntermaßen einer der Tätigsten, Verschlagensten und Einflußreich-sten der Deutschen Revolutionsmänner ... Ein Subjekt dieser Art ist eine um so bedenklichere Erscheinung, als er, wie gemeldet wird, von dem Präsidenten der Vereinigten Staaten mit der Befugnis versehen ist, in den einzelnen Städten Sachsens Vizekonsuln anzustellen und es folglich in seiner Macht liegt, in den ohnehin unruhigen Fabrikorten des Erzgebirges und des Vogtlandes öffentlich anzuerkennende Filialen seiner eigenen Wirksamkeit zu errichten.” List solle als “erwiesener deutscher Aufwiegler” und “höchst gefährlicher Demagoge” sofort des Landes verwiesen oder zur erneuten Aburteilung wegen “revolutionärer Umtriebe” an die Bundszentral behörde überstellt werden. Zit. nach: Friedrich List, Das natürliche System der politischen Ökonomie, übersetzt und eingeleitet von Günter Fabiunke, Berlin 1961, S. XXIII f.Google Scholar
  38. (36).
    Siehe Schneider, Pressefreiheit, Das natürliche System der politischen Ökonomie, übersetzt und eingeleitet von Günter Fabiunke, a.a.O., S. 267.Google Scholar
  39. (37).
    Vgl. Manfred Hahn, Nachwort, in: Lorenz Stein, Proletariat und Gesellschaft, München 1971, S. 205 f.Google Scholar
  40. (38).
    “Aber die Hofkamarilla und die Minister versuchten die Wirkung des Buches gleich wieder zu paralysieren.” Otto Betz, Der Boden von Berlin ist Zunder. Unbekannte Briefe Bettina von Arnims an ihren Sohn Siegmund. In: Die Zeit, Nr. 31 von 6.8.1982, S. 17.Google Scholar
  41. (39).
    Vgl. Heinz Maus, Zur Vorgeschichte der empirischen Sozialforschung, in: René König (Hrsg.), Handbuch der empirischen Sozialforschung, 3. umgearbeitete und erweitere Aufl., Stuttgart 1973, Bd. 1, S. 33.Google Scholar
  42. (40).
    Friedrich Engels, Dokumente seines Lebens, 1820–1895, Leipzig 1977, S. 272.Google Scholar
  43. (41).
    Zit. nach L.H. Adolf Geck, Grundfragen der betrieblichen Sozialpolitik, München und Leipzig 1935, S. 79.Google Scholar
  44. (41a).
    Vgl. allgemein Gustav Mayer, Radikalismus, Sozialismus und bürgerliche Demokratie, hg. und Nachw. von Hans-Ulrich Wehler, Frankfurt/Main 1969, S. 24 ff.Google Scholar
  45. (42).
    Brentano an Schmoller am 10.12.1871, siehe Walter Goetz (Hrsg.), Der Briefwechsel Gustav Schmollers mit Lujo Brentano, in: Archiv für Kulturgeschichte, Jg. 1938, Bd. 28, S. 340.Google Scholar
  46. (43).
    Albert Schäffle, Aus meinem Leben, Berlin 1904, Bd. I, S. 160.Google Scholar
  47. (44).
    Ebd., S. 166 f.Google Scholar
  48. (45).
    Ebd., S. 169.Google Scholar
  49. (46).
    Ebd., Bd. II, S. 234.Google Scholar
  50. (47).
    Ebd., S. 134 f.Google Scholar
  51. (48).
    Das Verbot wurde auf Einwirkung Adolph Wagners hin wieder aufgehoben. Ebd.Google Scholar
  52. (49).
    Ignaz Auer, Nach 10 Jahren. Material und Glossen zur Geschichte des Sozialistengesetzes (1878), Neudruck Nürnberg 1929, S. 85.Google Scholar
  53. (50).
  54. (51).
    Schmoller an Brentano am 18.8.1875. In: Goetz (Hrsg.), a.a.O., Bd. 30, 1940/41, S. 145.Google Scholar
  55. (52).
    Vgl. Leo Stern (Hrsg.), Der Kampf der deutschen Sozialdemokratie in der Zeit des Sozialistengesetzes 1878–1890. — Die Tätigkeit der Reichs-Commission -, Berlin 1956 (Archivalische Forschungen zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Bd. 3/II), S. 1025 ff. sowie Friedrich Engels, Dokumente, a.a.O., S. 523 f. Die Reichskommission hatte die Beschwerde Bebeis gegen das Verbot einer Veröffentlichung seiner Reichstagsrede zur Sozialpolitik mit dem bemerkenswerten Argument abgewiesen, der Artikel 22 der Reichsverfassung, der wahrheitsgetreue Berichte über die Verhandlungen in den öffentlichen Reichstagssitzungen schützte, schütze nicht auch den wahrheitsgetreuen Abdruck jeder einzelnen im Reichstag gehaltenen Rede.” Stern (Hrsg.), a.a.O., S. 481.Google Scholar
  56. (53).
    Ebd. (aus der Entscheidung der Reichskommission gegen die Beschwerde Schoenlanks am 23.3.1888).Google Scholar
  57. (54).
    Vgl. Eduard Baumgarten, Max Weber-Werk und Person, Tübingen 1964, S. 710.Google Scholar
  58. (55).
    Der DGS-Vorstand beschloß bei Kriegsausbruch 1914, seine interne Arbeit einzustellen und sich an der “Korrespondenz der Neutralen” (Amtlicher Nachrichtendienst des Deutschen Reiches) zu beteiligen, um das neutrale Ausland “mit wahrheitsgemäßen Berichten aus Deutschland” zu versorgen. Siehe Rundschreiben Becks Ende 1914, in den DGS-Akten, in: Holsteinische Landesbibliothek, Cb 54. Tönnies 61.1.1. Zwischen 1897 und 1900 gab es bereits mindestens 270 sogenannte “Flottenprofessoren”, von denen nachweislich 40 Professoren in ihrem publizistischen Engagement für einen Ausbau der militärischen Rüstung zur See (Kolonien!) direkt mit dem Nachrichtenbüro des Reichsmarineamtes in Verbindung standen. Vgl. Rüdiger vom Bruch, Wissenschaft, Politik und öffentliche Meinung. Gelehrtenpolitik im Wilhelminischen Deutschland (1890–1914), Husum 1980 (Historische Studien Heft 435), S. 66. Alfred Weber war für das Reichsschatzamt tätig (ZStA Merseburg, Rep 196, Nr. 100 Bl . 231, vgl. auch seine Denkschrift zu Kriegsfragen in BA Koblenz, NL Alfred Weber, Bd. 14). Eulenburg gab die “Kriegswirtschaftlichen Zeitfragen” heraus. Jaffé war für Propagandavorträge von der Obersten Heeresleitung und dem Auswärtigen Amt ausersehen (vgl. Moritz, J. Bonn, So macht man Geschichte, München 1953, S. 182 f.). Oppenheimer war an der Gründung der Kriegsrohstoffgesellschaft und eines separaten Kriegsamtes mit sozialpolitischen Aufgaben beteiligt (Franz Oppenheimer, Erstrebtes, Erlebtes und Erreichtes, Lebenserinnerungen, Düsseldorf 1964, S. 222 ff.). Harms stellte sein Weltwirtschaftsinstitut in den “politischen Kriegsdienst” (BA Koblenz, R. 21, Anhang, Personal karte “Bernhard Harms”).Google Scholar
  59. (55a).
    Max Weber, Herkner, Schmoller, Philipovich u.a. arbeiteten im Arbeitsausschuß f. Mitteleuropa (vgl. dazu Felix Somary, Erinnerungen aus meinem Leben, 2. Aufl., Zürich 1959, S. 146 f.). Scheler (“Genius des Krieges”), Simmel (“Der Krieg und die geistigen Entscheidungen”), Plenge (“Die Ideen von 1914”), Sombart (“Händler und Helden”) sowie Vorträge unter Titeln wie “Unser Haß gegen die Engländer”, vgl. die Briefe Jaffés vom 20.11.1914 und 23.11.1914 an Brentano, BA Koblenz, NL Brentano, Nr. 29, Bl. 22 ff.) und Vierkandt (Artikel in den “Blättern für zwischenstaatliche Organisation”) beteiligten sich an der Kriegspublizistik. Max Webers Vortrag vor Offizieren über “Sozialismus” findet sich in seinen “Gesammelten Aufsätzen zur Soziologie und Sozialpolitik”. Goetz Briefs schrieb in seinem Personalfragebogen von 1934: Während des Krieges im Inland und in der Schweiz Vorträge usw. im Auftrag amtlicher Stellen. Propagandaaufsätze nach Spanien, Amerika, Holland. Publizierte 1919/20 pseudonyme Flugblätter und Broschüren gegen Kommunismus und Sozialismus. Aufklärungstätigkeit in USA.” (BA Koblenz, R 21 Anhang Personal karte Goetz Briefs). Vgl. die allgemeine Übersicht: Klaus Schwabe, Wissenschaft und Kriegsmoral, Die deutschen Hochschullehrer und die politischen Grundfragen des Ersten Weltkrieges, Göttingen u.a. 1969. Unter den ordentlichen Professoren beteiligten sich 43 Historiker, 21 National Ökonomen und 48 Philosophen/ Theologen an der Kriegspublizistik, ebd., S. 290. Heyde/Gesellschaft für soziale Reformen, verfaßte Stimmungsberichte über die Industriearbeiterschaft für die Oberste Heeresleitung, vgl. Ratz, a.a.O., S. 219.Google Scholar
  60. (56).
    Das Außenministerium und die Reichswehr besaßen ihre eigenen Apparate. So fabrizierte die Propagandaabteilung des Außenministeriums wissenschaftliche Denkschriften über die ökonomische Belastung Deutschlands durch die Versail1er Verträge, die über “neutrale” Wissenschaftler, in einem Fall unter dem “unverbrauchten” Namen Lujo Brentanos ins Ausland lanciert wurden. Vgl. Schreiben des Auswärtigen Amtes vom 28.11.1921 an Brentano: “Mit größtem Interesse habe ich gelesen, daß Sie gerade den innenpolitisch wichtigsten Teil der Aufklärung über die Schuldfrage, nämlich die Belehrung der in ihrer Auffassung partei-politisch gebundenen, bisher so starren Linksparteien übernommen haben.” Es folgten das Angebot der Druckkostenhilfe und die Offerte, gleiche Aktionen in Norddeutschland zu starten. (BA Koblenz, NL Brentano, N. 2, Bl. 116). Am 18.9.1923 fragte das Auswärtige Amt an, ob Brentano “Herausgeberschaft oder Autorschaft für fertige Broschüre übernimmt, die das Auswärtige Amt von Spezialisten zusammenstellen ließ.” Die Broschüre erschien durch amtliche Stellen finanziert in einem neutralen Verlag (Vereinigung wissenschaftlicher Verlage) unter dem Namen Brentanos. (Ebd., Bl. 123 ff.) Die innenpolitische Abteilung der Reichswehr unter Schleicher versorgte nicht nur gezielt Publizisten mit Munition für die Öffentlichkeit, sondern finanzierte sogar in einem Fall, den soziologischen Kreis um die ‘Tat’, eine Tageszeitung (Die tägliche Rundschau), vgl. Klaus Fritz-sche, Politische Romantik und Gegenrevolution. Fluchtwege in der Krise der bürgerlichen Gesellschaft: Das.. Beispiel des Tat -Kreises, Frankfurt/Main 1976, S. 274. Vgl. zum Übergang des Demobilmachungsam-tes auf die “Reichszentrale” und zur späteren Umfunktionierung unter Goebbels: Johannes Karl Richter, Die Reichs-Zentrale für Heimatdienst, Berlin 1963. Das Rednerreferat für den Kampf gegen die ‘Spartakisten’ leitete der Sohn von Professor Rudolf Stammler, Helmut Stammler, vgl. ebd., S. 35. In der Reichszentrale entworfene Flugblätter trugen sogar die Unterschrift der SPD. Der Plan eines Propagandaministeriums (vgl. ebd., S. 37) aus dem Jahr 1919 wurde erst 1933 realisiert. Mitarbeiter waren von den Industriesoziologen Goetz Briefs, Richard Woldt, Waldemar Zimmermann, Bruno Rauecker und Fritz Fricke (in der Weimarer Zeit).Google Scholar
  61. (57).
    Briefs und Steinitzer “entwarfen ein Flugblatt, das, schnell gedruckt, in Tausenden von Exemplaren über Berlin und dem Ruhrgebiet abgeworfen wurde und lancierten so die Idee, die dann im Gesetz von Februar 1920 ihren Niederschlag fand.” Goetz Briefs, zit. von Bernhard Pfister, Goetz Briefs zum 80. Geburtstag, in: Soziale Verantwortung, Festschrift für Goetz Briefs zum 80. Geburtstag, hrsg. von J. Broermann und Ph. Herder-Dorneich, Berlin 1968, S. XIII.Google Scholar
  62. (58).
    Vgl. ZStA Potsdam, RWM, No. 10284, Bl. 39. Stammler stellte auf einer Besprechung vom 30.9.1919 die Organisation arbeitswissenschaftlicher Vorträge durch die “Reichszentrale” in Aussicht. Zum Scheitern dieses “Reichsausschusses” vgl. K. III. 4.Google Scholar
  63. (59).
    Wie seine weiteren Unternehmungen, so scheiterte auch diese Zusammenarbeit an Plenges Persönlichkeit. Dem Münsteraner Betriebssoziologen Woldt, der gleichzeitig Referent im Kultusministerium und Kontaktmann der Gewerkschaften war, oblag die Leitung der Zweigstelle der “Reichszentrale”, der “Pressestelle Ruhr”, die den geheimen Informationsdienst in dem von den Franzosen besetzten Ruhrgebiet organisieren sollte. In dieser Situation begann Plenge eine öffentliche Auseinandersetzung mit dieser Zweigstelle, und forderte diese auf, seine soziologische Propagandatheorie anzuwenden. Woldt nannte Plenges “Treiben” “gemeingefährlich”. Vgl. ZStA Merseburg, Rep. 76Va Sekt. 13 Tit. X Nr. 19 Beiheft. Schreiben Woldts aus dem Febr./März 1923. Und vgl. Ludger Kerssen, Johann Plenges Ruhrkampfpropaganda, in: Bernhard Schäfers (Hrsg.), Soziologie und Sozialismus. Organisation und Propaganda, Stuttgart 1967, S. 45.Google Scholar
  64. (60).
    Beispiele: Erich Rothacker wurde Abteilungsleiter (wenn auch nur für kurze Zeit) in Goebbels’ Propagandaministerium. Vgl. RDI — Rundschreiben 6 vom 2.5.1933. Arnold Gehlen war als Lektor im Amt Rosenberg tätig. Vgl. BA Koblenz, R 21 Anhang Personalkarte Gehlen. Gier-lichs areitete als Redner auf offiziellen Kulturveranstaltungen, vgl. Schreiben der Hauptstelle kulturpolitisches Archiv an NSD-Dozenten-bund vom 11.3.1941, BA Koblenz, NS 15, Nr. 36.Google Scholar
  65. (61).
    Vgl. die Anschaffungsliste des preußischen Kultusministeriums ‘Deutscher Sozialismus’ für alle Büchereien (die Liste stelle “das einfache Schrifttum für den einfachen Menschen bewußt in den Vordergrund”), in: Die Bücherei, Zeitschrift für deutsche Schrifttumspflege, 1. Jg., 1934, H. 2/3, S. 33–37.Google Scholar
  66. (62).
    Vgl. Böckelmann, a.a.O., S. 85 ff.Google Scholar
  67. (63).
    Vgl. List, a.a.O., S. XIX.Google Scholar
  68. (64).
    Vgl. Alfred Schmidt, Emanzipatorische Sinnlichkeit, Ludwig Feuerbachs anthropologischer Materialismus, München 1973.Google Scholar
  69. (65).
    Vgl. Mayer, Radikalismus, a.a.O., S. 61 sowie ders., Friedrich Engels, Eine Biographie, Frankfurt/Main u.a. 1975, Bd. 1, S. 82 f. Die Entlassung Bauers war das Zeichen für den akademischen Nachwuchs um die jung-hegelianischen “Berliner Freien” (unter ihnen Marx), daß eine akademische Karriere für sie in Deutschland ausgeschlossen sei.Google Scholar
  70. (66).
    Vgl. Marianne Weber, Max Weber. Ein Lebensbild, Tübingen 1926, S. 1 ff.Google Scholar
  71. (67).
    Vgl. Erich Angermann, Robert von Moni 1799–1875. Leben und Werk eines altliberalen Staatsgelehrten, Neuwied 1962, S. 51 ff.Google Scholar
  72. (68).
    Vgl. Albert Wucher, Theodor Mommsen, in: Hans Ulrich Wehler (Hrsg.), Deutsche Historiker, Bd. IV, Göttingen 1972, S. 7 ff.Google Scholar
  73. (69).
    Vgl. Brief Brentanos an Schmoller 4.5.1878, in: Walter Goetz (Hrsg.), Der Briefwechsel Gustav Schmollers mit Lujo Brentano, in: Archiv für Kulturgeschichte, Bd. XXX (1941), Nachdruck 1966, S. 191 f.Google Scholar
  74. (70).
    Vgl. Karl Bücher, Lebenserinerungen, Bd. 1, 1847–1880, Tübingen 1919, S. 249 ff. Wie bei zahlreichen vorhergehenden bzw. “ausbleibenden”, Berufungen , so drohte auch die für Büchers Wirken maßgebliche Berufung nach Leipzig, an seiner angeblich “sozialistischen Gesinnung” sowie an seiner Tätigkeit in der Frankfurter Zeitung zu scheitern, S. 44.Google Scholar
  75. (71).
    “Als ‘Marxist’ blieb Sombart in der “Ära Stummschen Einflusses” 16 Jahre lang in Breslau “hängen”. Das Breslauer Kuratorium und das Kultusministerium setzten dem “bestgehaßten Mann der Schlesischen Zeitung” 1897 als Ordinarius den Züricher Nationalökonomen und sozial-konservativen Gegner der Kathedersozialisten “Wolf vor die Nase”. Gleichzeitig scheiterte Sombarts Berufung auf den verwaisten Lehrstuhl Max Webers in Freiburg — ein beispielloser Vorgang — am Einspruch des badischen Parlaments. Auch Webers Bemühungen zwei Jahre später, ihn als seinen Nachfolger nach Heidelberg zu holen, mißlang.” 1906 nahm Sombart einen Ruf an die Handelshochschule in der Hoffnung an, auch an der Universität zu lesen. Die Fakultät lehnte das jedoch ab. Siehe Bernhard vom Brocke, Werner Sombart, in: Wehler (Hrsg.), Deusche Historiker, Bd. V, Göttingen 1972, S. 136.Google Scholar
  76. (72).
    Über Jastrow schrieb Hirsch: “Er hatte es gewagt, stets offen und frei seine Meinung zu vertreten, auch wenn sie den herrschenden Klassen unbequem war, und dieses Verbrechen konnten ihm die alten Machthaber nicht verzeihen. So erklärt es sich auch, daß dieser bedeutende Gelehrte 20 Jahre warten mußte, bis ihm wenigstens eine außerordentliche Professur an der Universität Berlin, an der er seit 1885 gelehrt hatte, übertragen wurde.” Paul Hirsch, Jastrow als Politiker, in: Sozialpolitische Studien, Festgabe für Ignaz Jastrow zum 70. Geburtstag, Berlin 1929, S. 3.Google Scholar
  77. (73).
    Die Fakultät bezeichnete Simmeis erste Probevorlesung als “ungenügend”. Siehe Michael Landmann. Bausteine zur Biographie, in: Kurt Gassen u. Michael Landmann (Hrsg.), Buch des Dankes an Georg Simmel, Zu seinem 100. Geburtstag am 1. März 1958, Berlin 1958, S. 20. Zu den Berufungen, ebd. S. 25 ff. Nachdem Simmel mehrfach übergangen worden war, konnte nun folgendes Argument ins Feld geführt werden: “die Regierung begründet die Ablehnung Simmeis damit, daß dieser schon (!) 50 Jahre alt sei, ohne einen Ruf erhalten zu haben.” Max Weber an Tönnies, 4.6.1908, ZStA Merseburg, Rep. 92 Max Weber, Nr. 30, Bd. 7, Bl. 78. Weber zerstörte auch Tönnies’ Hoffnungen: “Man würde doch ge-wiß genau dasselbe Ihnen gegenüber sagen, mti demselben banausischen Unrecht natürlich, aber mit gleichem Erfolg!” Ebd.Google Scholar
  78. (74).
    Bernhard vom Brocke, Kurt Breysig, in: Wehler (Hrsg.), Deutsche Historiker, Bd. V, a.a.O., s. 99.Google Scholar
  79. (75).
    Brief Tönnies’ an Paulsen vom 29.7.1898. Paulsen dämpfte Tönnies Hoffnung auf eine Umhabilitierung nach Berlin: “... daß Deine politische Stellung zur Sprache kommt, ist nicht unwahrscheinlich; Agitation in sozialdemokratischer Richtung ist nun, seit dem Fall Arons, eine Sache, die die Fakultät etwas nervös macht.” Paulsen an Tönnies am 2.8.1898, siehe: Ferdinand Tönnies-Friedrich Paulsen, Briefwechsel 1876–1908 (Hrsg. von Olaf Klose u.a.), Kiel 1961, Brentano bedauerte auf Tönnies Anfrage vom 24.1.1898, ob er Aussichten hätte, in Riehls Nachfolge Dozent für Soziologie zu werden (BA Koblenz, NL. Brentano Nr. 61, Bl . 23 f.): “Dagegen kann ich Ihnen nicht die geringste Aussicht eröffnen, daß Sie hier zum Professor ernannt werden würden.” Alles müsse durch den Landtag und der Landtag werde nicht für das neu zu schaffende Fach Soziologie zu bewegen sein. Brentano an Tönnies 26.1.1898 (Landesbibliothek Schleswig Holstein, Cb 54 Tönnies 56).Google Scholar
  80. (76).
    Vgl. Norbert Andernach, Der Einfluß der Parteien auf das Hochschulwesen in Preußen 1848–1918, Göttingen 1972, S. 127, 213 und 260. Herkner hatte sich wie Tönnies im Hamburger Hafenarbeiterstreik für die Arbeiter eingesetzt.Google Scholar
  81. (77).
    Vgl. Hans Peter Bleuel, Deutschlands Bekenner. Professoren zwischen Kaiserreich und Diktatur, Bern u.a. 1968, S. 52.Google Scholar
  82. (78).
    Eulenburg wurde als 50jähriger ord. Prof. an der TH Aachen. Diese Berufung empfand er als “Verbannung”. Eulenburg an Herkner 8.3.1918, in: ZStA Merseburg, Rep. 196, Nr. 79. Schließlich lehrte er an der Handelshochschule Berlin. Thurnwalds akademische Karriere begann erst spät. Als 55jähriger erhielt er seine erste (nicht beamtete außerordentliche) Professur. Vierkandt erhielt erst als 59jähriger eine ordentliche Professur.Google Scholar
  83. (79).
    Vgl. Wilhelm Mader, Max Scheler, Reinbek bei Hamburg 1980, S. 37 ff.Google Scholar
  84. (80).
    Vgl. Gustav Mayer, Erinnerungen. Vom Journalisten zum Historiker der Arbeiterbewegung, München 1949, S. 286.Google Scholar
  85. (81).
    Max Weber sah diese Konsequenzen schon frühzeitig. “... Ich bin absolut überzeugt, daß diese Experimente (Räterepubliken) nur zu einer Diskreditierung des Sozialismus für 100 Jahre führen können und werden. Außerdem — wenn ich ganz ehrlich sein soll, ganz unabhängig von der Beantwortung dieser Frage -die vermutlich verschiedene Antwort auf die andere: War dies Ihnen “aufgegeben” — oder was sonst? Aber darüber beanspruchen Sie begreiflicherweise allein das Recht zu entscheiden. Nur wenn ich bedenke, was das Gegenwärtige (seit 1918) politische Treiben uns ohne Unterschied der Richtung an zweifelsfreien Werten gekostet hat, z.B. Schumpeter, jetzt: Sie und noch kosten soll ohne daß nach meiner Überzeugung auch das Mindeste dabei herauskommt ...” Weber an Lukacs im März 1920 (ZStA Merseburg, Rep 92 Max Weber, Nr. 30, Bd. 8, S. 124.) Vgl. auch ebd., Nr. 20, Bl. 2 f. Brief Max Webers an Lederer 16.2.20.Google Scholar
  86. (82).
    Vgl. Bleuel, a.a.O., S. 146 f.Google Scholar
  87. (83).
    Vgl. Schreiben des Preußischen Kultusministeriums am 24.6.22 an Gerlach, daß es unmöglich sei, ihn in der Lehrstuhl Vertretung Passow nun als ordentlichen Professor durchzusetzen. ZStA Merseburg, Rep. 76 Va, Sek. 5, Tit. IV Nr. 12.Google Scholar
  88. (84).
    Vgl. Dieter Fricke (Hrsg.), Die bürgerlichen Parteien in Deutschland, Handbuch, Bd. 1, Leipzig 1968, S. 100.Google Scholar
  89. (85).
    Vgl. die Akten über das Staatswissenschaftliche Institut, ZStA Merseburg, Rep. 76 Va, Sek. 13, Tit. X, Nr. 19, Bd. IV. Diese Hinausdrängung hatte neben einem persönlichen Hintergrund (Plenge an Sombart am 8.11.1929: “Tröltsch fragte mich einmal gemeinerweise, “mit wem können Sie sich eigentlich in Münster unterhalten?”“ ZStA Merseburg, Rep. 92 Sombart No. 2e, Bl. 119) auch einen politischen: Plenges Aufstieg unter dem Preußischen Kultusminister Haenisch (SPD) folgte ein ebenso tiefer Fall unter dem Minister Boelitz (DVP). Unter Becker (unabh.) bekam Plenge wieder ein “eigenes” Institut, das “Institut für vergleichende Soziologie und Organisationslehre”.Google Scholar
  90. (86).
    Gumbel berichtete: “Wegen Veröffentlichungen über die Schwarze Reichswehr, die ich als Kern einer Bürgerkriegsarmee dargestellt habe, wurden gegen mich hintereinander drei Landesverratsanzeigen erstattet, die sämtlich eingestellt wurden. Ferner versuchte die (Heidelberger) Universität unter nationalem Druck mehrmals, mich auf disziplinarischem Wege zu entfernen, doch gelang ihr dies zunächst nicht... Im August 1930 wurde ich zum außerordentlichen Professor ernannt. Im August 1932 gab die Universität und der badische Kultusminister dem Ansturm der Nationalsozialisten nach und setzte mich ab... Im August 1933 wurde ich ausgebürgert.” E.J. Gumbel (Hrsg.), Freie Wissenschaft. Ein Sammelbuch der deutschen Emigration. Straßburg 1938, S. 268.Google Scholar
  91. (87).
    Nachdem die NSDAP 1930/31 in bürgerliche Regierungen in Braunschweig und Thüringen eingetreten und dort für die Kultusministerien zuständig war, begann ein Kesseltreiben gegen die unter SPD-geführten Regierungen berufenen Hochschullehrer, vgl. zu Theodor Geiger: Ernst-August Roloff, Bürgertum und Nationalsozialismus 1930–33. Braunschweigs Weg ins Dritte Reich, Braunschweig 1980, S. 47 und S. 122 ff. Zu Mathilde Vaerting: vgl. Bleuel, a.a.O., S. 147 f. Nach der gewaltsamen Absetzung der ‘Linksregierung’ in Thüringen 1924 konnte ihre Berufung nicht rückgängig gemacht werden, sie befand sich dann 1933 unter den ersten entlassenen Professoren.Google Scholar
  92. (88).
    Die Linie Treitschke — Delbrück — v. Below brachte Dietrich Schäfer in seinem Gutachten zur Verhinderung Simmeis Heidelberger Berufung auf die bündige Formel: “Die ‘Gesellschaft’ als maßgebendes Organ für menschliches Zusammenleben an die Stelle von Staat und Kirche setzen zu wollen, ist nach meiner Meinung ein verhängnisvoller Irrtum”. Schäfer an das badische Kultusministerium am 26.2.1908, in: Landmann, Bausteine, a.a.O., S. 27.Google Scholar
  93. (89).
    Vgl. im übrigen den Abschnitt “Strukturwandel des Staates”, III.1.Google Scholar
  94. (90).
    Rolf Engelsing, Der literarische Arbeiter, Bd. 1 — Arbeit, Zeit und Werk im literarischen Beruf, Göttingen 1976, S. 309.Google Scholar
  95. (91).
    Ebd., S. 315.Google Scholar
  96. (92).
    Vgl. die von Eulenburg verfaßte Denkschrift der Vereinigung außerordentlicher Professoren in Preußen: Die Lage der außerordentlichen Professoren an den preußischen Universitäten, Magdeburg 1911, S. 58. Vgl. auch Franz Eulenburg, Der akademische Nachwuchs, Leipzig, Berlin 1908.Google Scholar
  97. (93).
    Siehe Norbert Andernach, Der Einfluß der Parteien auf das Hochschulwesen in Preußen 1848–1918, Göttingen 1972, S. 123.Google Scholar
  98. (93a).
    Vgl. Reinhard Riese, die Hochschule auf dem Wege zum wissenschaftlichen Großbetrieb. Die Universität Heidelberg und das badische Hochschulwesen, Stuttgart 1977, S. 153 ff. Zum Fall des a.o. Professors Koch, dem nach einem verlorenen Beleidigungsprozeß mit Max Weber die venia legendi entzogen wurde, was beinahe zu einer badischen “lex Arons” geführt hatte, vgl. ebd., S. 184 f und S. 375 ff.Google Scholar
  99. (94).
    Alexander Busch, Die Geschichte der Privatdozenten. Eine soziologische Studie zur großbetrieblichen Entwicklung der deutschen Universitäten, Stuttgart 1959, S. 110.Google Scholar
  100. (95).
    Ebd., S. 111.Google Scholar
  101. (96).
    Frankfurter Zeitung, 5. Morgenblatt, 20.9.1908. (Max Weber-Arbeitsstelle München in der Bayrischen Akademie der Wissenschaften).Google Scholar
  102. (97).
    Immanuel Kant, Werke Bd. VII (Akademieausgabe 1907/17), Berlin 1968, S. 330.Google Scholar
  103. (98).
    Ebd., S. 343.Google Scholar
  104. (99).
    Ernst Robert Curtius, Deutscher Geist in Gefahr, Stuttgart 1932, S. 65.Google Scholar
  105. (100).
    Friedrich Paulsen, zitiert nach Ferdinand Tönnies, Kritik der öffentlichen Meinung, Berlin 1922, S. 416.Google Scholar
  106. (101).
    Vgl. F.R. Pfetsch, Zur Entwicklung der Wissenschaftspolitik in Deutschland 1750–1914, Berlin 1974, S. 202 sowie S. 214.Google Scholar
  107. (102).
    Hans-Ulrich Wehler, Das deutsche Kaiserreich, Göttingen 1971, S. 128.Google Scholar
  108. (103).
    Vgl. dazu auch das Phänomen der “Gelehrtengeschlechter”. Siehe Friedrich Wilhelm Euler, Entstehung und Entwicklung deutscher Gelehrtengeschlechter. In: Universität und Gelehrtenstand 1400–1800. Hrsg. v. Hellmut Rössler und Günther Franz, Limburg/Lahn 1970, S. 183–232. Die hier gewonnenen Ergebnisse gelten nocht für zahlreiche Provinzuniversitäten im ganzen 19. Jahrhundert.Google Scholar
  109. (104).
    Vgl. Robert Michels, Die Umschichtungen in den herrschenden Klassen Deutschlands nach dem Krieg, Leipzig 1934, S. 76 ff.Google Scholar
  110. (105).
    Wehler, Kaiserreich, a.a.O., S. 129; sowie Walter Jens, Eine deutsche Universität, München 1981, S. 337 ff. Wilbrandt beschrieb, daß es etwa in einer Stadt wie Tübingen “gesellschaftlich” unmöglich war, Kaufleute, Handwerker, geschweige denn Arbeiter in die “Geselligkeit” der Professoren einzubeziehen. Die Tübinger ‘Kaste’ bestand aus Professoren, höheren Beamten und Offizieren sowie deren Frauen.Google Scholar
  111. (105a).
    Robert Wilbrandt, Ihr glücklichen Augen. Lebenserinnerungen, Stuttgart 1948, S. 271.Google Scholar
  112. (106).
    Jens, a.a.O., S. 339.Google Scholar
  113. (107).
    Noch 1933 war die Hälfte aller deutschen Tageszeitungen formell politisch festgelegt. Daneben gab es die großen “unabhängigen” Zeitungsverlage, die zunehmend Zeitungen für “breite” Leserschichten publizierten. In diesen Massenblättern blieb das Aufgreifen des “Zeitgesprächs” vielfach an die Bedingung gebunden, einen bestimmten Anzeigenraum aufzubringen und der betreffenden Leserschicht zu vermakeln. Gerade die wichtigsten dieser Zeitungen erhielten eine große Bedeutung, bestimmte Argumentationsfronten in der Öffentlichkeit zu befestigen (z.B. die Notwendigkeit der Sozialpolitik: Berliner Tage-blatt/Mosse-Verlag, Vossische Zeitung/Ullstein-Verlag oder Frankfurter Zeitung/Sonnemann; oder die Schädlichkeit der Sozialpolitik: Scherl- und Hugenberg-Verlag sowie verschiedene Generalanzeiger-Verlage). Vgl. Kurt Koszyk und Karl H. Pruys, Wörterbuch zur Publizistik, 2. verbesserte Auflage München 1970, S. 78 ff.Google Scholar
  114. (108).
    Vgl. Marianne Weber, Max Weber. Ein Lebensbild, Tübingen 1926, S. 235.Google Scholar
  115. (109).
    Stern, Bd. 3/11, a.a.O., S. 683.Google Scholar
  116. (110).
    Sinzheimer an Brentano am 26.10.1895, BA Koblenz, NL Brentano Nr. 53, Bl. 55.Google Scholar
  117. (111).
    Waldemar Koch, Aus den Lebenserinnerungen eines Wirtschaftsingenieurs, Köln, Opladen 1962, S. 108.Google Scholar
  118. (112).
    So empfand Wilbrandt sein Verhältnis zu Arbeiterkreisen in seiner Frühzeit zu Recht in der “Schwäbischen Tagwacht” charakterisiert, vgl. Wilbrandt, Ihr glücklichen Augen, a.a.O., S. 271.Google Scholar
  119. (113).
    “For a long time it was taken for granted that one could not interview lowincome people directly — it was thought necessary to use informants who were assumed to know something about their conditions.” Paul Lazarsfeld, Preface, in: Obershall, Empirical Research, a.a.O., S. VI. Die Erhebungen in einem anderen bekannten Fall, den Krupp’-schen Arbeiterfamilien wurden von Beamten Krupps durchgeführt, siehe: Richard Ehrenberg und Hugo Racine, Krupp’sche Arbeiterfamilien, Jena 1912, S. 18 und S. 22.Google Scholar
  120. (114).
    Max Weber, Die Verhältnisse der Landarbeiter im ostel bischen Deutschland. Dargestellt auf Grund der vom Verein für Sozialpolitik veranstalteten Erhebungen, Leipzig 1892, S. 769.Google Scholar
  121. (115).
    Max Weber, Privatenquete. In: Mitteilungen des Evangelisch-Sozialen Kongresses, Nr. 4, 1.4.1892, S. 4. (Max Weber Arbeitsstelle München; Bayrische Akademie der Wissenschaften).Google Scholar
  122. (116).
    Vgl. Hans Schwab-Felisch, Gerhart Hauptmann — Die Weber. Vollständiger Text des Schauspiels und Dokumentation, Frankfurt/M. u.a. 1972, S. 242 f.Google Scholar
  123. (117).
    Vgl. Die Pressereaktion auf die ersten Vorschläge des sozialdemokratischen Finanzministers Lüdemann in Preußen, Hamburger Nachrichten, Nr. 411 vom 25.8.1920 und Berliner Tageblatt, Nr. 391 vom 20.8.1920. Vgl. ebenso die Debatten in den Landtagen zur Etatisierung der Frankfurter Akademie der Arbeit und zur Fortführung der Räteinstitutionen. Vgl. etwa die 257. Sitzung des Preußischen Landtags vom 16.3.1927. Allgemein dazu Artur Meier, Proletarische Erwachsenenbildung. Dissertation Berlin 1964, S. 107 ff. Vgl. den Beitrag des ehemaligen Kultusministers von Preußen, Boelitz (DVP), zu den vorgeschlagenen Arbeiterhochschulen: “Haben unsere Universitäten versagt? In: Hamburgische Correspondenz, Nr. 204, vom 3.5.1929, die Beilage der Zeitung “Der Abend” vom 10.10.1929, “Universität und Proletariat” und die Reaktion von Prof. Julius Schaxel, Hochschule und Staatsumwälzung. In: Der Vorwärts, Nr. 512 vom 31.10.1929. Anläßlich der Übernahme des preußischen Kultusministeriums durch Adolph Grimme wurde das Thema der “drohenden” Arbeiterhochschulen wieder aufgegriffen. Vgl. Hamburger Nachrichten, Nr. 84 vom 19.2.1930.Google Scholar
  124. (118).
    Vgl. Ratz, a.a.O., S. 36. Die Gesellschaft für soziale Reform strich es als eine ihrer besonderen Leistungen heraus, wenigstens die christlichen und Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften zu einer festen Mitarbeiterschaft bewogen zu haben.Google Scholar
  125. (119).
    Vgl. Bleuel , a.a.O., S. 145.Google Scholar
  126. (120).
    Vgl. Mayer, Erinnerungen, a.a.O., S. 331.Google Scholar
  127. (121).
    Lammers an Borsig am 21.1.1926, BA Koblenz, NL Silverberg, Nr. 254, Bl. 13.Google Scholar
  128. (122).
    Lammers an Borsig am 18.1.1926, ebd., Bl. 9.Google Scholar
  129. (123).
    Vgl. Hinrichs, Um die Seele des Arbeiters. Arbeitspsychologie, Industrie- und Betriebssoziologie in Deutschland, a.a.O., S. 208 ff. und 283 ff.Google Scholar
  130. (124).
    Von Wiese an Sombart am 16.6.1928, ZStA Merseburg, Rep. 92, Sombart, Nr. 186.Google Scholar
  131. (125).
    Vgl. Akten der DGS, Schleswig-Holsteinsche Landesbibliothek Kiel, Cb 54 Tönnies 61:1.1 Schreiben des DGS-Sekretärs Beck an den Vorstand am 29.7.1909. Aus der Kooperation resultierte 1914 noch die Herausgabe eines gemeinsamen Bulletins.Google Scholar
  132. (126).
    Dunkmann an Tönnies am 10.6.1924, ebd., Cb 54 Tönnies 56.Google Scholar
  133. (127).
    Vgl. BA Koblenz, NL Silverberg, Nr. 228, Bl. 261 ff.Google Scholar
  134. (128).
    Vgl. Vorwärts, Nr. 233 vom 22.5.1929.Google Scholar
  135. (129).
    Vgl. die Bemühungen Elsters 1922, des alten “Intimfeindes” von Schmoller, alle gegnerischen Verbände aufzulösen und in eine Kon-greßorganisation überzuführen. ZStA Merseburg, Rep. 196, Nr. 44, Bl. 143–157.Google Scholar
  136. (130).
    Das berühmteste Beispiel eines solchen Ausweichens vor den etablierten “Gewalten” der wissenschaftlichen Öffentlichkeit ist das Warburg-Institut mit seiner großen Forschungsbibliothek. In Berlin wäre es kaum zum Zuge gekommen. Über das Motiv, die Bibliothek in Hamburg aufzubauen, schreibt Lipton, der Biograph Ernst Cassirers: “In this strongly independent merchant town, with an established tradition of learning but without a university and its hierarchy of professors until 1919, Warburg felt his Library had a chance to survive and prosper. Hamburg’s independence could provide the right environment for his unorthodox thematic approach to the study of civilization.” Cavid R. Lipton, Ernst Cassirer. The Dilemma of a Liberal Intellectual in Germany 1914–33, Toronto/Buffalo/London 1978. S. 86.Google Scholar
  137. (131).
    Dr. Tille im Ausschuß des Zentral Verbandes der deutschen Industrie: “Von den Universitäten dürfen wir nichts erwarten (...) da kann uns nur die Schaffung einer eigenen Akademie helfen, wenn wir den geistigen Kampf aufnehmen wollen (...). Natürlich dürfte eine solche Anstalt nicht in einer Universitätsstadt oder am Orte einer Handelshochschule liegen, sondern z.B. in Düsseldorf, wo eine Beeinflussung durch akademische Lehrer anderer Richtungen in persönlichem Verkehr ausgeschlossen ist.” Zit. nach Frankfurter Zeitung v. 19.11.1909, 1. Morgenblatt, Nr. 321.Google Scholar
  138. (132).
    Vgl. die Veröffentlichungen der entsprechenden Arbeiten des Sozial-sekretärs des Thyssen-Konzerns, Josef Winschuh: Betriebsrat oder Gewerkschaft — Beiträge zur Soziologie des Betriebsrätewesens, Essen a.d.Ruhr 1922 und: Praktische Werkspolitik. Darstellung einer planmäßigen Arbeitspolitik im modernen Fabrikbetriebe, Berlin 1923.Google Scholar
  139. (133).
    Vgl. Marianne Weber, Max Weber. Ein Lebensbild, a.a.O., S. 236. Zu Max Webers Verhältnis zu Stumm vgl. auch: Max Weber, Die Kampfesweise des Freiherrn von Stumm. Neue Preußische (Kreuz-)Zeitung, 97. Jg., Nr. 96, 26.2.1895, Abendausgabe, S. 2.Google Scholar
  140. (134).
    Die Hauptgedanken des Vortrags vor dem Handwerkerverein — Verein für Volksbildung St. Johann — Saarbrücken, in: St. Johanner Zeitung, Jg. 37, Nr. 10, 13.1.1897, Blatt 2 (Max-Weber-Arbeitsstelle Bayrische Akademie der Wissenschaft München).Google Scholar
  141. (135).
    Badische Landeszeitung, Nr. 294, II. Blatt vom 16.12.1897 (ebd.).Google Scholar
  142. (136).
    Vgl. allgemein zur Geschichte des Bildungsbürgertums in den westdeutschen Industriegebieten, allerdings nur bis 1914, Hansjoachim Henning, Das westdeutsche Bürgertum in der Epoche der Hochindustrialisierung 1860–1914. Teil I: Das Bildungsbürgertum in den preußischen Westprovinzen, Wiesbaden 1972.Google Scholar
  143. (137).
    Zur Reichstagsenquête vgl.: ZStA Potsdam, RAM, Nr. 10437–10441, 10638, 10639 und RWR, Nr. 637.Google Scholar
  144. (138).
    Herbert von Beckerath, Der moderne Industrialismus, Jena 1930, S. 435.Google Scholar
  145. (139).
    Vgl. Kapitel II.3.Google Scholar
  146. (140).
    Stattdessen gab es an den ostelbischen Landesuniversitäten und landwirtschaftlichen Hochschulen zahlreiche damals namhafte, später von der Industrialisierung selbst in die Vergessenheit gedrängte Agrar-soziologen.Google Scholar
  147. (141).
    An dieser formalen Einebnung klebt Kracauer, wenn er die Ungleich-zeitigkeit durch die forcierte Entzauberung der Repräsentation überwunden glaubt und den Begriff des homogenen Weltstadtpublikums Berlin einführt. Siehe Siegfried Kracauer, Das Ornament der Masse, Frankfurt/M. 1967, S. 313, (ursprüngl. Frankfurter Zeitung, 4.3.1926).Google Scholar
  148. (142).
    Dieser Vorwurf traf nicht nur in klassischer Prägung Arbeitervertreter wie Lensch, August Müller oder August Winnig, Bürgerliche wie Lukacs, Korsch oder Rosenberg sowie Bürgerliche, die sich zeitweise mit den Revolutionsregierungen einließen, wie Schumpeter oder Jaffé, sondern auch ‘ Junkervertreter’, wie von Schleicher oder von Schlange-Schöningen, die in Berlin agierten und in Gegensatz zu ihrer Gruppe gerieten.Google Scholar
  149. (143).
    Vgl. Bering, Die Intellektuellen, a.a.O., der einen Überblick dieser Wortverbindungen mit dem Begriff des Intellektuellen gibt.Google Scholar
  150. (144).
    Hans Weil, Die Entstehung des deutschen Bildungsprinzips (Schriften zur Philosophie und Soziologie, Bd. IV, hrsg. von Karl Mannheim), Bonn 1930, S. 263.Google Scholar
  151. (145).
  152. (146).
    Jürgen Kuczynski zeigt die strategische Eroberung Berlins am Beispiel der “Kleindeutschen Schule” der Historiker (Treitschke, Sybel u.a.). Vgl. Ders., Studien zur Geschichte der Gesellschaftswissenschaften, Berlin 1977, Bd. 7, Gesellschaftswissenschaftliche Schulen, S. 184, 187, 189 f., 201 f.Google Scholar
  153. (147).
    Eine Ausnahme stellt René Königs Studie dar, Soziologie in Berlin um 1930, in: KZfSS Sonderheft 23/1981, a.a.O., S. 24–58. Er leuchtet den Hintergrund..der Berliner Soziologen jedoch kaum aus. Dabei bezeichnen seine Überlegungen zu den konservativen Denkern (ebd., S. 53 ff.), jenen “Ideologen mit auswechselbaren Realitäten”, jenen Literaten in “Warteposition”, die ohne geistige Klassentradition tatsächlich “freischwebend” seien, gerade Phänomene jener Berliner Soziologen (nicht nur der konservativen) in prägnanter Weise.Google Scholar
  154. (148).
    1877 wurden die Vereinsversammlungen in die Reichshauptstadt verlegt, um mehr am ‘öffentlichen Leben’ Beteiligte zu gewinnen. Vgl. Borges, Sozialforschung, a.a.O., S. 62.Google Scholar
  155. (149).
    Umgekehrt warfen die Berliner ihren Kritikern “Berlinphobie” vor, vgl. Herkner an Max Weber am 30.6.1912, in: ZStA Merseburg, Rep. 92 M. Weber, Nr. 30, Bd. 6, Bl. 145 f.Google Scholar
  156. (150).
    Vgl. die Kritik Webers an der Berlinder DGS-Gruppe. Weber an Herkner 12.2., 24.2., 16.3. und 7.4.1909. ZStA Merseburg, Rep. 92, NL M. Weber, Nr. 18.Google Scholar
  157. (151).
    Als Mittel dienten Unregelmäßigkeiten, die Beck in anderen Funktionen von einflußreichen Leuten der Berliner Szene vorgeworfen worden waren, die ihn jetzt als Kontaktperson wiederum gegenüber der Öffentlichkeit “untragbar” erscheinen ließen. Vgl. Tönnies an Sombart 16.5., 21.6., 6.7. und 4.9.1919, ebd., NL Sombart, Nr. 9 f.Google Scholar
  158. (152).
    Vgl. Ernst Francke an Schmoller 14.9.1897, in: ZStA Merseburg, Rep. 92, NL Schmoller, Nr. 122.Google Scholar
  159. (153).
    Vgl. Ratz, a.a.O., S. 24.Google Scholar
  160. (154).
    Vgl. Engelsing, a.a.O., S. 320.Google Scholar
  161. (155).
    Oppenheimer kommentierte seine Berufung zum Ordinarius nach Frankfurt später mit den Worten: “Ich hätte besser getan, abzulehnen”. Siehe Franz Oppenheimer, Erlebtes, Erstrebtes, Erreichtes. Lebenserinnerungen, Düsseldorf 1964, S. 251.Google Scholar
  162. (156).
    Ebd., S. 254 und S. 252. Für Simmel galt ähnliches: “Nach allzu langen Wartejahren hatte man sich endlich bereit erklärt, ihm ein Ordinariat als Philosoph zu geben, und auch dort ist es nicht ohne Widerstand geschehen. Er und wir anderen hofften, daß dieses Straßburg für Simmel bloß eine Übergangsstation bedeuten würde, und daß er demnächst einmal in Berlin wieder landen würde, in München, in Heidelberg oder in Wien, wo seine wundervolle Persönlichkeit die Resonanz wieder hätte finden können, die durch Jahrzehnte der philosophische “Privatdozent” Georg Simmel in Berlin hatte.” (Georg Hermann erinnerte sich) Gassen, u.a., Buch des Dankes, a.a.O., S. 162.Google Scholar
  163. (157).
    Siehe den Vergleich bei Adolf Weber, der vor Berlin flüchtete, ders., Schein und Wirklichkeit in der Volkswirtschaft, Berlin 1961, S. 394. Oppenheimers private Vorlesung zählte in Berlin 260, seine öffentliche Vorlesung (über Marx) mehr als tausend Zuhörer, vgl. Oppenheimer, a.a.O., S. 209.Google Scholar
  164. (158).
    Vgl. zum “Rüstow-Kreis”, Krohn, a.a.O., S. 132 ff.Google Scholar
  165. (159).
    Vgl. Kapitel III.1.Google Scholar
  166. (160).
    Vgl. die Sekundärliteratur, Kapitel I, Anm. 48.Google Scholar
  167. (161).
    So etwa die Untersuchungen des Vereins für Sozialpolitik über “Anpassung und Auslese der Arbeiter in der geschlossenen Großindustrie”, 1909 ff. Vgl. Kapitel III.3.Google Scholar
  168. (162).
    Max Weber markierte schon in seiner bekannten Freiburger Antrittsrede über “Nationalstaat und die Volkswirtschaftspolitik” diesen Umschwung: “Nicht eine Frage nach der ökonomischen Lage der Beherrschten, sondern die vielmehr nach der politischen Qualifikation der herrschenden und aufsteigenden Klassen ist auch der letzte Inhalt des sozialpolitischen Problems (...) Gelänge es in der Tat, eine ‘Arbeiteraristokratie’ zu schaffen, welche Trägerin des politischen Sinnes wäre, den wir heute an der Arbeiterbewegung vermissen, dann erst möge der Speer, für welchen der Arm des Bürgertums noch immer nicht stark genug zu werden scheint auf jene breiteren Schultern abgelegt werden...” Weber, Politische Schriften, a.a.O., S. 23 f.Google Scholar
  169. (163).
    Vgl. die in Kapitel I, Anm. 48 genannten Veröffentlichungen.Google Scholar
  170. (164).
    Vgl. Kern, Empirische Sozialforschung, a.a.O., S. 37 ff. Vgl. Adolphe-Lambert-Jacques Quételet, Sur l’homme et le développement de ses facultés, on essai de physique sociale, T. 1–2, Paris 1835. (dt., Jena 1914).Google Scholar
  171. (165).
    Vgl. Ernst Engel, Das statistische Seminar und das Studium der Statistik überhaupt, in: Zeitschrift des Königlich Preußischen Statistischen Bureaus, III-IV, 1871, S. 181–210.Google Scholar
  172. (166).
    Für Lorenz Stein manifestierte sich die Gleichheit des Begriffs der Gesellschaft “in der durchgreifenden Gleichheit der Bewegungen” “die in diesen verschiedensten Formen der Gesellschaft stattfinden”. Stein, Proletariat, a.a.O., S. 34. Marx: Es sei der “letzte Endzweck dieses Werkes, das ökonomiche Bewegungsgesetz der modernen Gesellschaft zu enthüllen ...”. Ders., Das Kapital, Bd. 1, Berlin 1973, S. 15 f.Google Scholar
  173. (167).
    Vgl. Adolphe Quetelet, Soziale Physik, Jena 1914, Bd. I, S. 107. Diese These faszinierte auch Marx, MEW, Bd. 8, Berlin 1978, S. 508.Google Scholar
  174. (168).
    Vgl. Jochen Schumann, Grundzüge der mikroökonomischen Theorie, Berlin u.a. 1971, S. 36 f.Google Scholar
  175. (169).
    MEW, Bd. 19, Berlin 1976, S. 208.Google Scholar
  176. (170).
    Vgl. Ferdinand Tönnies, Gemeinschaft und Gesellschaft. Abhandlung des Communismus und Sozialismus als empirischer Culturform, Leipzig 1887.Google Scholar
  177. (171).
    Vgl. Alfons Reuß, Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode, in: Archiv für exacte Wirtschaftsordnung, (Thünen-Archiv), Bd. 5, 1913, S. 277 ff.Google Scholar
  178. (172).
    Vgl. Kern, a.a.O., S. 79 ff.Google Scholar
  179. (173).
    Zur “Enquête Ouvrière”, vgl. Hilde Weiss, Die ‘Enquête Ouvrière’ von Karl Marx, in: Zeitschrift für Sozialforschung, 1936, S. 76–98.Google Scholar
  180. (174).
    Er gehörte mit seiner elterlichen Familie bereits den etablierten politischen, beamtlichen und wissenschaftlichen Kreisen an, aus denen sich die Gruppe des wissenschaftlichen Nachwuchses mit gemeinhin raschem Aufstieg zum Ordinarius rekrutierte.Google Scholar
  181. (175).
    Max Weber, Die Verhältnisse der Landarbeiter im ostelbischen Deutschland, (Schriften des Vereins für Sozialpolitik, Bd. 55) Leipzig 1892.Google Scholar
  182. (176).
    Max Weber, Die ländliche Arbeitsverfassung, Referat auf der Tagung des Vereins für Sozialpolitik im Jahre 1893, in: Ders., Gesammelte Aufsätze zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Tübingen 1924, S. 444 f.Google Scholar
  183. (177).
    Ebd., S. 447. Vgl. auch ders., Die Entwicklungstendenz in der Lage der ostelbischen Landarbeiter, ebd., S. 470 ff.Google Scholar
  184. (178).
    Vgl. Weber, Die Verhältnisse der Landarbeiter, a.a.O., S. 790.Google Scholar
  185. (179).
    Weber zeigte die Verschlechterung in der Ernährungslage der Landarbeiter in den fortgeschrittenen Gebieten kapitalistischer Arbeitsverfassung. Vgl. ebd. seine Tabellen, S. 782 ff. Die Verschiebung der Ernährung von tierischen Eiweißen und Gemüse zu Kartoffeln spiegele den Übergang von einer seßhaften, mit Tierhaltung verbundenen Landarbeiterschaft zu einer Wanderarbeiterschaft wider.Google Scholar
  186. (180).
    Weber, Entwicklungstendenzen in der Lage der ostelbischen Landarbeiter, a.a.O., S. 489.Google Scholar
  187. (181).
    Ders., Die ländliche Arbeiterverfassung, a.a.O., S. 454.Google Scholar
  188. (182).
    In dem bis dahin wichtigsten Element der Lage-Studien, der Untersuchung der “materiellen” Lage anhand des Budgets der Arbeiter, fiel die Untersuchung hinter den wissenschaftlichen Standard zurück, vgl. Ders., Die Verhältnisse der Landarbeiter, a.a.O., S. 5.Google Scholar
  189. (183).
    Ders., Die ländliche Arbeitsverfassung, S. 456 f. Weber verwahrte sich dagegen, ihn als Chauvinisten zu bezeichnen. Ganz im Fahrwasser der objektivistischen Tendenz der Lage-Studien behauptete Weber, es handele sich bei den im Osten zusammentreffenden Nationalitäten “mit verschiedenen Körperkonstitutionen” um “verschieden konstruierte Mägen”, die man nicht “auf einem und demselben Gebiete als Arbeiter gänzlich frei konkurrieren” lassen könne. Ebd., S. 457.Google Scholar
  190. (184).
    Ders., Entwicklungstendenzen in der Lage der ostelbischen Landarbeiter, S. 470.Google Scholar
  191. (185).
    Sering war Webers Hauptkontrahent in der Frage der “inneren Kolonisation” auf der Vereinstagung. Weber lehnte Serings Vorschläge der Neuansiedlung von Bauern als irreal ab. Ein Landproletariat ohne Landbesitz sei — so Weber — immer noch günstiger dran als ein Landproletariat, dem sein Kleineigentum zum Fluche wurde, weil es weder ein ausreichendes Einkommen garantiere, noch eine Mobilität der Arbeitskraft zur Verbesserung der Lage erlaube.Google Scholar
  192. (186).
    Die vielfachen Flügelkämpfe und Spaltungskrisen des Vereins für Sozialpolitik dokumentieren nur, wie schwer diese “Lebenslüge” in Vereinen zu praktizieren ist, die auf einen repräsentativen Querschnitt der bürgerlichen Öffentlichkeit angelegt sind.Google Scholar
  193. (187).
    Vgl. Eduard Baumgarten, Max Weber — Werk und Person -, Tübingen 1964, S. 364. Ernst Vetter unterzieht Weber empirische Methodologie einer ausführlichen Kritik, vgl. ebd., S. 373 ff.Google Scholar
  194. (188).
    Dr. Max Weber, Privatenquête, in: Mitteilungen des Evangelisch-Sozialen Kongresses, Nr. 4 vom 1.4.1892, S. 4.Google Scholar
  195. (189).
    Ders., Die Erhebungen des Vereins für Sozialpolitik über die Lage der Landarbeiter I, in: Das Land, Nr. 1, Jan. 1892.Google Scholar
  196. (190).
    Ebd., S. 8.Google Scholar
  197. (191).
    Baumgarten, Max Weber — Werk und Person, S. 385.Google Scholar
  198. (192).
    Vgl. Die Landarbeiter in den evangelischen Gebieten Norddeutschlands. In Einzeldarstellungen nach den Erhebungen des Evangelisch-Sozialen Kongresses, hrsg. v. Max Weber. Erstes Heft: S. Goldschmidt, Die Landarbeiter in der Provinz Sachsen, sowie den Herzogtümern Braunschweig und Anhalt, Tübingen 1899;Google Scholar
  199. (192a).
    Zweites Heft: A. Grunenberg, Die Landarbeiter in den Provinzen Schleswig-Holstein und Hannover östlich der Weser, sowie in den Gebieten des Fürstentums Lübeck und der freien Städte Lübeck, Hamburg und Bremen, Tübingen 1899.Google Scholar
  200. (192b).
    Drittes Heft: F. Gerhardt, Die Landarbeiter in der Provinz Ostpreußen, Phil. Diss. (Heidelberg 1902), Lucka 1902;Google Scholar
  201. (192c).
    A. Klee, Die Landarbeiter in Mittel- und Niederschlesien nach den Erhebungen des evangelisch-sozialen Kongresses. Tübingen 1902;Google Scholar
  202. (192d).
    K.B. Breinlinger, Die Landarbeiter in Pommern und Mecklenburg. Dargestellt nach den Erhebungen des evangelisch-sozialen Kongresses. 1. Teil. Die Regierungsbezirke Stettin und Stralsund, phil. Diss., Heidelberg 1903.Google Scholar
  203. (193).
    Max Weber, Zum Preßstreit über den Evangelisch-Sozialen Kongreß, in: Christliche Welt, 8. Jg., Nr. 28, 12.7.1894, Sp. 669 f.Google Scholar
  204. (194).
    Ebd., Göhre, der sich um den persönlichen Augenschein bemühte, wurde dann umgekehrt gerade auch das wieder zum Vorwurf gemacht. Vgl. die Reaktionen auf seine Schrift “Drei Monate Fabrikarbeiter”.Google Scholar
  205. (195).
    Nachdem die preußische Regierung 1893 nach den ersten Veröffentlichungen des Vereins für Sozialpolitik sozialdemokratische Tendenzen in der Landarbeiterschaft witterte und dagegen einen Geheimerlaß zur Bekämpfung dieser Tendenzen an die Amtsträger versandte, begleiteten die Junker die Betätigung der Pfarrer, die jedoch nicht lange anhielt, mit besonderer Skepsis. Vgl. Gerhard Ritter (Hrsg.), Das Deutsche Kaiserreich, 1871–1914, 3. Aufl., Göttingen 1977, S. 284 f.Google Scholar
  206. (195a).
    Jens Fleming, Landwirtschaftliche Interessen und Demokratie. Ländliche Gesellschaft, Agrarverbände und Staat 1890–1925, Bonn 1978, S. 53 ff., insbes. S. 56 ff. zu Max Webers Studien.Google Scholar
  207. (196).
    Katz (Naumann-Mitarbeiter, Redakteur ‘Die Zeit’ und ‘Die Hilfe’) an Brentano am 30.12.1903, Bundesarchiv Koblenz, NL Brentano, Nr. 31, Bl. 21.Google Scholar
  208. (197).
    Vgl. Marianne Weber, Max Weber. Ein Lebensbild, a.a.O., S. 237.Google Scholar
  209. (198).
    Weber, zit. nach: Baumgarten, Max Weber — Werk und Person, a.a.O., S. 385.Google Scholar
  210. (199).
  211. (200).
    Erschienen als Heft IV der von Knapp und Brentano herausgegebenen “Abhandlungen aus dem Staatswissenschaftichen Seminar zu Straßburg”, Straßburg 1887.Google Scholar
  212. (201).
    So die Formulierung Lujo Brentanos in seinen “Elsässer Erinnerungen”, Berlin 1917, S. 99.Google Scholar
  213. (202).
    Ebd., S. 92.Google Scholar
  214. (203).
    Vgl. Heinrich Herkner, Der Lebenslauf eines “Kathedersozialisten”, in: Die Volkswirtschaftslehre der Gegenwart in Selbstdarstellungen, hrsg. v. Felix Meiner, Leipzig 1924 (Autobiographie Nr. 3), S. 13.Google Scholar
  215. (204).
    Herkner zeigt in seiner Analyse der archivalischen Quellen zur el-sässischen Sozialgeschichte, wie sehr die elsässische Herrschaftsschicht in einer Schaukelposition zwischen Frankreich und Deutschland ihren Preis hochzuhalten wußte. Vgl. ders., Oberelsässische Baumwollindustrie, a.a.O., S. 405 ff.Google Scholar
  216. (205).
    Brentano, Elsässer Erinnerungen, a.a.O., S. 97.Google Scholar
  217. (206).
    Ein Fabrikdirektor äußerte sich in den Vernehmungen der Reichsenquête für die Baumwoll- und Leinenindustrie 1878 wie folgt: “Um Arbeiter zu erhalten, sehen sich die Industriellen des Nordens (Frankreichs) genötigt, sie durch den Reiz höherer Löhne anzulocken und wissen sie vielleicht nicht durch Unterstützungs- und Pensionskassen zu fesseln, weil sie in allen Fabriken des Elsaß’ zum Vorteil der Arbeitgeber wie der Arbeiter bestehen. Diese Philanthrophie ist seitens der Industriellen unserer Gegend ein ganz gutes Geschäft.” Ebd., S. 91.Google Scholar
  218. (207).
    Den Vertrauensmann der Arbeiterpartei in Mühlhausen mußte Herkner bezeichnenderweise im Schweizer Basel treffen. Vgl. Herkner an Brentano am 9.8.1886. Bundesarchiv Koblenz, NL Brantano, Nr. 28, Bl. 5.Google Scholar
  219. (208).
    Ebd. “Doch sollte keine schriftliche Beantwortung erfolgen.” Herkner hat dann teils mündliche, teils schriftliche Berichte erhalten.Google Scholar
  220. (209).
    Vgl. Herkner an Brentano am 7.10.1886, ebd., Bl. 9 f.Google Scholar
  221. (210).
    Vgl. Herkner an Brentano am 15.6.1887, BA Koblenz, NL Brentano, Nr. 28, Bl. 43.Google Scholar
  222. (211).
    Vgl. allgemein Brentano, Elsässer Erinnerungen, S. 104–126. Aus diesem Grund konnte Brentano nie Georg v. Mayr, der ihm später in München gezielt als professorales “Gegengewicht” zur Seite gestellt wurde, als “Mann der Erkenntnis”, als Sozialforscher anerkennen.Google Scholar
  223. (212).
    Vgl. H. Herkner, Zur Kritik und Reform der deutschen Arbeiterschutz-gebung, in: Archiv für soziale Gesetzgebung und Statistik, Bd. 3, Tübingen 1890, S. 254.Google Scholar
  224. (213).
    Zit. nach Lindenlaub, a.a.O., Teil 1, S. 164.Google Scholar
  225. (214).
    Schlumberger verfiel in das alte Denkmuster, das noch die Sozialistengesetze beherrscht hatte, daß die sozialdemokratische Bewegung das Produkt sozialistischer Schriften sei.Google Scholar
  226. (215).
    Allerdings offenbarte sich Herkners ‘mangelndes Rückrat’, das Max Weber später neben seinem Moralismus für seine konservative Wende verantwortlich machte, auch hier schon. Er ließ sich vom Verlag Teubner kritische Schiußfolgerungen für die zweite Auflage streichen, während Brentano in Herkners Namen dies kategorisch ablehnte. Vgl. Herkner an Brentano 10.11.1887, in: Bundesarchiv Koblenz, NL Brentano, Nr. 18, Bl. 68 ff.Google Scholar
  227. (216).
    Bebel, Wilhelm Liebknecht, Kautsky und Friedrich Engels interessierten sich für den böhmischen Fabrikantensohn.Google Scholar
  228. (217).
    Im Januar 1890 erreichte eine dünne, nur 114 Seiten umfassende “Denkschrift über die Untersuchung der Arbeiter- und Betriebsverhältnisse in Steinkohlenbezirken” die Öffentlichkeit. Vgl. Denkschrift, bearbeitet im Auftrage der Minister der öffentlichen Arbeit und des Inneren, Beilage zum Deutchen Reichs- und Königlichen Preus-sischen Staatsanzeiger, Berlin, Januar 1890.Google Scholar
  229. (218).
    Max Quarck, Die preußische Bergarbeiterenquête vom Jahr 1889, in: Archiv für soziale Gesetzgebung und Statistik, Bd. 3, Tübingen 1890, S. 162.Google Scholar
  230. (219).
  231. (220).
    Das dort im Kreuzverhör nach englischem Vorbild “sich ergebende Bild ihrer (der Arbeiter) materiellen Lage” ließ “an wissenschaftlicher Exaktheit nichts zu wünschen übrig”, ebd., S. 163 f. Die Industriellen unterstützten die Enquêten, um durch die schlechte Lage der Industriearbeiter in ihren Industriezweigen “die Motivierung der in Aussicht genommenen Schutzzölle” zu untermauern.Google Scholar
  232. (221).
    Vgl. E. Georg Jacoby, Die moderne Gesellschaft im sozialwissenschaftlichen Denken von Ferdinand Tönnies, Stuttgart 1971, S. 235.Google Scholar
  233. (221a).
    Auf folgende Veröffentlichungen Tönnies’ zum Hamburger Hafenarbeiterstreik stützen wir uns: F. Tönnies, Hafenarbeiter und Seeleute in Hamburg vor dem Streik 1896/97, in: Archiv für soziale Gesetzgebung und Statistik, Bd. X, 1897, S. 173–238; ders., Der Hamburger Strike von 1896/97, ebd., S. 673–720; ders., Straftaten im Hamburger Hafenstrike, ebd., Bd. XI, 1897, S. 513–520; ders., Rezension Carl Legien, Der Strike der Hafenarbeiter und Seeleute in Hamburg Altona, ebd., S. 490–492; ders., Die Enquete über Zustände der Arbeit im Hamburger Hafen, ebd., Bd. XII, 1898, S. 303–348; ders., Die Ostseehäfen Flensburg, Kiel, Lübeck, in: Die Lage der in der Seeschiffahrt beschäftigten Arbeiter, Bd. 2, Leipzig 1903, (= Schriften des Vereins für Sozialpolitik, Bd. 104, Teil 1); ders., Die Entwicklung der sozialen Frage, Leipzig 1907.Google Scholar
  234. (222).
    Vgl. den bei Jacoby abgedruckten Briefwechsel im Februar 1897 zwischen Brentano und Tönnies, a.a.O., S. 237 ff.Google Scholar
  235. (223).
    Vgl. dazu Lujo Brentano, Mein Leben im Kampf um die soziale Entwicklung Deutschlands, Jena 1931, S. 200 ff. Vgl. Tönnies an Brentano am 31.1.1897, Bundesarchiv Koblenz, NL Brentano, Nr. 61, Bl. 19–22. Brentano stellte 5.000 M zur Verfügung, unterzeichnete den Aufruf aber nicht. Dies wurde auf sozialdemokratischer Seite vermerkt, vgl. Ludwig Sinzheimer an Brentano am 1.3.1897, ebd., Nr. 53, Bl. 39 f. Da die offiziellen Repräsentanten der Sozialwissenschaften fehlten, weigerten sich die Arbeiterorganisationen, einen Redner auf die Tagung des Vereins für Sozialpolitik in Hamburg 1903 zu schicken. Vgl. Gorges, Sozialforschung, a.a.O., S. 355.Google Scholar
  236. (224).
    In der Beurteilung der Erfolgschancen des Streiks differierte Tönnies von dem in den ihm wohl gesonnenen bürgerlichen Kreisen kursierenden Urteil. So schrieb er am 8.2.97 Brentano: “Ich halte aber nicht für richtig, was Sie, verehrter Herr, andeuten, daß die längere Dauer des Streiks den hiesigen Unternehmern willkommen gewesen sei. Viel mehr lag die Frage, ob sie aushalten konnten, auf des Messers Schneide. Wenn vor 14 Tagen eine Million Mark Unterstützungsgelder auf der Bank gelegen hätten, so bin ich ganz sicher, daß jene die Verhandlungen wiederaufgenommen hätten: die Million hätte kaum angerührt zu werden gebraucht. Und ich meine: wenn 10.000 Männer mit 3.000 Mark Einkommen im Deutschen Reich, im Durchschnitt 100 Mark nicht einmal geopfert, sondern nur riskiert hätten, für diese Sozialpolitik — das wäre eine Tat gewesen, anstatt der vielen Reden über die Ära Stumm usw. — Nun ist die Sache zu Ende und bedeutet allerdings eine schwere Niederlage der Arbeiterschaft. Auch ich versuche aber, den Arbeitern hier vorzustellen, daß einen moralischen Sieg daraus zu machen, in ihrer eigenen Hand liege.” Zit. nach Jacoby, a.a.O., S. 239.Google Scholar
  237. (225).
    Vgl. zu Tönnies: Jacoby, a.a.O., S. 240. Über Herkner ging die Falschmeldung durch die Zeitungen, bei ihm habe aufgrund der Anklage der Amtsanwaltschaft Breslau eine Hausdurchsuchung stattgefunden. Diese Falschmeldung wurde kritiklos in den ‘Schultheiß’schen Ge-schichtskalender’ übernommen. Vgl. Conrad, Verein für Sozialpolitik — und seine Wirksamkeit auf dem Gebiet der gewerblichen Arbeiterfrage, Jena 1906, S. 128.Google Scholar
  238. (226).
    Vgl. die methodologische Einleitung seines Beitrags zur Untersuchung der “Lage der in der Seeschiffahrt beschäftigten Arbeiter”, 2. Bd., 1. Abteilung, Leipzig 1903, (Schriften des Vereins für Sozialpolitik, Bd. C IV, 1) S. 509–614 (Die Ostseehäfen Flensburg, Kiel, Lübeck), insbes. S. 511–520. Diese ‘methodologische Einleitung’ bezog sich zwar auf eine durch die gesetzliche Neufassung der Seemannsordnung veranlaßte Untersuchung, faßte jedoch die gesammelten Erfahrungen seiner Hafenarbeiterstudie theoretisch zusammen. Vgl. dagegen die österreichischen Enquêten zu gleichen Zeit, wie z.B.: Die Arbeits- und Lebensverhältnisse der Wiener Lohnarbeiterinnen. Ergebnisse und stenographisches Protokoll der Enquête über Frauenarbeit, abgehalten in Wien vom 1. März bis 21. April 1896, Wien 1897. Diese Untersuchug schloß sich methodisch an die englischen Enquêten mit persönlicher “Vernehmung” von Zeugen an, die durch kontradiktorische “Gerichtsverhandlungen” zum Wahrheitsbeweis ihrer Aussagen gezwungen werden sollten. Die Enquete regte die “soziale Gruppe” der “ethischen Gesellschaft zu Wien” an. Vorsitzender der Kommission war Philippovich (Professor an der Universität Wien). Die betroffenen Unternehmer boykottierten diese Enquête durchweg. Die Expertise hatte “eine Reihe von Maßregelungen (der befragten Arbeiterinnen) zur Folge”, “deren Zahl sicher noch größer gewesen wäre, wenn die unbeschränkte Öffentlichkeit eine leichtere Überwachung der Einvernommenen seitens der Unternehmer ermöglicht hätte.” Ebd., S. V, “Die peinlichen Erfahrungen, welche die Commission jedoch nach Abschluß der Enquête machen mußte, insbesondere die mehrfache Entfernung von Expertinnen aus ihrem Arbeitsverhältnisse zwangen das Exekutiv-Co-mité der Commission, den Beschluß zu fassen, nicht nur bei der Namensnennung der Experten, sondern auch bei der Wiedergabe der Aussagen die größte Vorsicht walten zu lassen”. Ebd. Die Aussagen mußten redigiert werden. Die Schuld dafür wurde den Unternehmern angelastet. Mehrere Tageszeitungen brachten Auszüge aus den Vernehmungen. Ziel der Enquête war es, “der Öffentlichkeit typische Bilder zu liefern”. Ebd.Google Scholar
  239. (227).
    Tönnies, Lage der in der Seeschiffahrt beschäftigten Arbeiter, a.a.O., S. 515.Google Scholar
  240. (228).
    Vorwort Imogen Segers’ zu: Gottlieb Schnapper-Arndt, Hoher Taunus. Eine sozialstatistische Untersuchung in fünf Dorfgemeinden, 3. erweiterte Auflage, Allensbach und Bonn 1975, S. XXIV.Google Scholar
  241. (229).
    Es wagte, so Tönnies, aber niemand, seine Darstellung des Streiks anzufechten, da man nicht versuchte, sie zu widerlegen, sondern sie einfach totschwieg. Vgl. Tönnies, Hamburger Arbeiterwohnungen, in: Ethische Kultur, Jg. 5, 1897, S. 239. Nach dem Engagement im Hafenarbeiterstreik waren Tönnies’ Aussichten auf eine Berufung in Preußen vorerst zerstört. Auch die anderen Wissenschaftler, die den Streikaufruf unterzeichnet hatten, spürten den Druck “von oben”. Gegen Otto Baumgarten wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Heinrich Herkner isolierte sich in Karlsruhe, entfloh dem eingeleiteten Disziplinarverfahren durch Annahme einer Berufung in der Schweiz, wo er zehn Jahre blieb, und anläßlich seiner Berufung an die TH Charlottenburg fand eine erregte Debatte im preußischen Landtag statt. Ignaz Jastrow blieb “ewiger Privatdozent” und mußte 1897 noch von der Leitung der “Sozialen Praxis” zurücktreten (und sie bezeichnenderweise an Ernst Francke von der Zeitung ‘Hamburger Korrespondent’ abgeben, die zuvor Tönnies’ Erklärung zum Streik ablehnte.)Google Scholar
  242. (229).
    Vgl. Ferdinand Tönnies, Zum Hamburger Strike. Offener Brief an die Redaktion des “Hamburger Korrespondenten”, in: Ethische Kultur, Jg. 4, 1896, S. 409–411.Google Scholar
  243. (230).
    Vgl. Ferdinand Tönnies, Soziologie- und Universitätsstudium, in: Das neue Leben, Bd. 1, 1912, S. 19.Google Scholar
  244. (231).
    Vgl. Jacoby, a.a.O., S. 236. Der ‘Hamburger Korrespondent’ lehnte es ab, Tönnies’ “offenen Brief” zu veröffentlichen, während das ‘Hamburger Echo’ ihn als “unparteiisches Urteil” “unbefangener bürgerlicher Kreise” publiziert. Die ‘Hamburger Nachrichten’ schalten ihn als Helfershelfer des Umsturzes, während das ‘Hamburger Fremdenblatt’ immerhin Tönnies’ Kritik an den Wohnbedingungen der Hamburger Arbeiter anerkannte. Ebd., S. 236 u. 239 f. Der legendäre Ministerialdirektor im preußischen Kultusministerium, Althoff, ließ Tönnies als Privatdozenten ‘versauern’, bis “dieser Zustand anfing, eine Blamage für die deutschen Universitäten und das Preußische Kultusministerium zu werden”. Bernhard Harms, Ferdinand Tönnies, in: Reine und angewandte Soziologie, Eine Festgabe für Ferdinand Tönnies zu seinem achzigsten Geburtstag, Leipzig 1936, S. 386. Gleichzeitig nahm Althoff Tönnies in seinem “berühmten” Vergleich von den Professoren und Prostituierten aus, die er sich zugleich an jeder Ecke kaufen könne. Vgl. Jacoby, a.a.O., S. 270, Anmerkung 37.Google Scholar
  245. (232).
    Vgl. die Diskussion Industriestaat oder Agrarstaat auf dem 8. Evangelischen Sozialen Kongreß 1897 in Leipzig zwischen Max Weber, Karl Oldenberg u.a.. Allgemein: Kenneth D. Barkin, The Controversy over German Industrialization 1890–1902, Chicago, London 1970.Google Scholar
  246. (233).
    Vgl. Gerhard A. Ritter, Das Deutsche Kaiserreich 1871–1914, 3. Auflage, Göttingen 1977, S. 289.Google Scholar
  247. (234).
    Vgl. Zur Sammlungsbewegung folgende historische Darstellungen. Klaus Saul, Staat, Industrie, Arbeiterbewegung im Kaiserreich, Düsseldorf 1974, S. 15 ff.;Google Scholar
  248. (234a).
    Dirk Stegmann, Die Erben Bismarcks. Sammlungpolitik 1897–1918, Köln/Berlin 1970.Google Scholar
  249. (234b).
    Vgl. als Überblick Fritz Blaich, Staat und Verbände in Deutschland zwischen 1871 und 1945, Wiesbaden 1979, S. 20 ff. und S. 35 ff.Google Scholar
  250. (235).
    Rundschreiben der DGS vom 6.11.1909 (gez. Beck), NL Tönnies, LB Kiel, Cb 54:61.1.1. Zu den Technikern, vgl. Rundschreiben vom 6.10.1910, ebd. sowie weitere Materialien zu allen vorstehend genannten Informationen.Google Scholar
  251. (236).
    Bosch wurde unterstützendes Mitglied. Mit dem Sodaindustriellen Ernst Solvay, der schon das erste soziologische Forschungsinstitut in Europa gegründet hatte, wurde eine gute Zusammenarbeit vereinbart. Das Solvay-Institut in Brüssel habe “außerordentlich reiche Geldmittel und werde großzügig verwaltet”, so der Schriftführer der DGS, Hermann Beck, an den DGS-Vorstand am 19.7.1909, ebd. Als Vertreter des Frankfurter Metallindustriellen Wilhelm Merton wurde sein ‘Adlatus’ Phillip Stein in den DGS-Vorstand aufgenommen. Stein war Direktor des Frankfurter Instituts für Gemeinwohl. Merton finanzierte auch die ‘Soziale Praxis’ und deren Berliner Büro.Google Scholar
  252. (237).
    In diese Richtung tendieren alle Interpreten der Soziologiegeschichte, die die These des Elfenbeinturms auf die Geschichte der DGS projizieren und das Bild saturierter, nur mit sich selbst und allgemeinsten Grundlagenproblemen beschäftigter Soziologen produzieren.Google Scholar
  253. (238).
    Vgl. weiter unten.Google Scholar
  254. (239).
    Max Weber, Politik als Beruf, in: Ders., Gesammelte Politische Schriften, 3. vermehrte Aufl., Tübingen 1971, S. 525 f. Vgl. im übrigen ders., Wirtschaft und Gesellschaft, a.a.O., S. 308.Google Scholar
  255. (240).
    Peter Gay, Die Republik der Außenseiter. Geist und Kultur der Weimarer Zeit 1918–1933, Frankfurt/M. 1971, S. 111 f.Google Scholar
  256. (241).
    Bernhard vom Brocke, Kurt Breysig. Geschichtswissenschaft zwischen Historismus und Soziologie, Lübeck und Hamburg 1971, S. 88.Google Scholar
  257. (242).
    Ebd., S. 304. Breysigs Kritik an der politischen Gängelung von Universitätslehrern brachte ihm schon 1898 einen Rüffel Althoffs ein. Vgl. Kurt Breysig, Aus meinen Tagen und Träumen. Aus dem Nachlaß, hrsg. von Gertrud Breysig und Michael Landmann, Berlin 1962, S. 39 ff.Google Scholar
  258. (243).
    Vgl. ebd., S. 282 zu Breysigs Soziologiebegriff um 1909.Google Scholar
  259. (244).
    Vgl. Marie Luise Gothein, Eberhard Gothein. Ein Lebensbild seinen Briefen nacherzählt, Stuttgart 1931, S. 52.Google Scholar
  260. (245).
    Vgl. Alfred Grotjahn, Erlebtes und Erstrebtes. Erinnerungen eines sozialistischen Arztes, Berlin 1932, S. 115 f. und 123.Google Scholar
  261. (246).
    Ebd., S. 124.Google Scholar
  262. (247).
    Ebd., S. 237.Google Scholar
  263. (248).
    Ebd., S. 133.Google Scholar
  264. (249).
    Herkner gehörte zu den Mitherausgebern der ersten arbeitswissenschaftlichen Schriftenreihe (Schriften zur Psychologie der Berufseignung und des Wirtschaftslebens ab 1918).Google Scholar
  265. (250).
    Vgl. weiter unten.Google Scholar
  266. (251).
    Jastrows zeitweise Annäherung an die Sozialdemokratie, seine öffentliche und prozessuale Auseinandersetzung mit dem preußischen Handelsminister v. Berlepsch, dessen sozialpolitisches Bekenntnis Jastrow an den Zuständen in den preußischen staatlichen Bergwerken und seine Mitverantwortlichkeit für ein Grubenunglück ‘entlarvte’ und sein Engagement im Hamburger Hafenarbeiterstreik 1896/97 ließen ihn zu einem Paria werden. Der erfolgreiche Start als ‘Macher’ der Handelsschule — er holte Sombart nach Berlin — sollte nicht lange dauern. Als der Mohr seine Schuldigkeit getan hatte, entließ die Handelshochschule ihn von heute auf morgen. Vgl. Georg Simmel, Der Fall Jastrow, in: Die Zukunft, Bd. 89, 23. Jg., IV, 1914, S. 33–36.Google Scholar
  267. (252).
    Werner Sombart sammelte systematisch die Reaktionen auf seine Veröffentlichungen, vgl. ZStA Merseburg Rep. 92, NL Sombart.Google Scholar
  268. (253).
    Die Briefwechsel der Soziologen geben einen hinreichenden Eindruck dieses verdeckten Kampfes wieder, der die Ideenproduktion eher als Resultante der Kontrolle entglittener Militärstrategien, als die eines planvollen Forschungsprozesses erscheinen läßt.Google Scholar
  269. (254).
    Georg Lukacs äußerte zur grundlegenden Bedeutung Simmeis: “Eine Soziologie der Kultur, wie sie von Max Weber, Troeltsch, Sombart und anderen unternommen wird, ist — so sehr sie alle auch methodisch von ihm abweichen mögen — doch nur auf dem von ihm geschaffenen Boden möglich geworden.” Erinnerung an Simmel (1918), wiederabgedruckt in: Hannes Böhringer und Karlfried Gründer (Hrsg.), Ästhetik und Soziologie um die Jahrhundertwende: Georg Simmel, Frankurt/M. 1976, S. 175.Google Scholar
  270. (255).
    Repräsentativ für Simmeis Nicht-Wirkung auf seine “Schüler” sei die Äußerung Arthur Steins zitiert, den Simmel in der Absicht, sich wieder stärker der Soziologie zuzuwenden, 1913 zu seinem soziologischen Assistenten machen wollte: “Simmel wurde nicht zu einer formenden Kraft für mich. Von was auch hätte man Schüler sein können? (...) Verglichen mit Simmel war Rickert aufs Ganze gesehen vielleicht unbedeutender, aber architektonischer. Es blieb etwas. Daher zog es mich zu ihm mehr.” Michael Landmann, Arthur Steins Erinnerung an Georg Simmel, in: Böhringer/Gründer, Asthetik, a.a.O., S. 272.Google Scholar
  271. (256).
    Leopold von Wiese, Neuere soziologische Literatur — Kritische Literaturübersichten, in: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, Bd. 31, 1910, S. 900.Google Scholar
  272. (257).
    Hans Simmel, Auszüge aus den Lebenserinnerungen, in: Böhringer/Gründer, a.a.O., S. 265.Google Scholar
  273. (258).
    Vgl. ebd., S. 256, 258 und 266.Google Scholar
  274. (259).
    Georg Simmel, Philosophie des Geldes, 6. Aufl., Berlin 1958, S. VIII.Google Scholar
  275. (260).
    Vgl. ebd., S. 510 ff. und S. 524 ff.Google Scholar
  276. (261).
    Georg Simmel, Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung, 5. Aufl., Berlin 1968, S. 1. Vgl. ebd., S. 528.Google Scholar
  277. (262).
    Karl Marx, Das Kapital, Bd. 1, a.a.O., S. 89.Google Scholar
  278. (263).
    Simmel erschwerte die Diskussion seiner Gedanken außerordentlich, indem er die Diskussion der Gedanken anderer schlichtweg verweigerte: d.h. er gab weder Zitatverweise noch überhaupt Verweise auf andere oder entgegenstehende Gedankengänge. Auch darin war er Essayist der organisierten Öffentlichkeit: Selbstverständigung nicht mit dem, sondern für das Publikum.Google Scholar
  279. (264).
    Marx, Kapital, Bd. I, S. 12.Google Scholar
  280. (265).
    Simmel, Soziologie, a.a.O., S. 10.Google Scholar
  281. (266).
    Bestimmte Gebrauchswerte, Arbeitstätigkeiten oder Ideen können Inhalt verschiedener Gesellschaftsformen sein.Google Scholar
  282. (267).
    Marx, Kapital, Bd. I, S. 95.Google Scholar
  283. (268).
    Vgl. Simmel, Philosophie des Geldes, a.a.O., S. 3 ff. und S. 30 ff. An keiner Stelle verrät Simmel, wieviel er aus der Marxschen Werttheorie für seine Werttheorie geschöpft hat. Vgl zwei Hinweise, S. 85 und S. 476: Ohne Marx zu nennen, S. 456 ff. Den ganzen ersten Teil der Philosophie des Geldes könnte man als sehr eigenwillige Reflexion zur Entfaltung der Wertformen im ‘Kapital’ lesen.Google Scholar
  284. (269).
    Vgl. Franz Oppenheimer, System der Soziologie, Bd. I/1, 2. unveränderte Aufl., Stuttgart 1964, S. 112 ff.Google Scholar
  285. (270).
    Simmel kommunizierte auch mit sich selbst nicht, denn in der Philosophie des Geldes finden sich unvereinbare Geldbegriffe nebeneinan-dergestellt.Google Scholar
  286. (271).
    Simmel, Philosophie des Geldes, a.a.O., S. 362 ff.Google Scholar
  287. (272).
    Ebd., S. 368 f.Google Scholar
  288. (273).
    Ebd., S. 367 f.Google Scholar
  289. (274).
    Ebd., s. 498 ff.Google Scholar
  290. (275).
    Ebd., S. 505 ff.Google Scholar
  291. (276).
    Ebd., S. 559.Google Scholar
  292. (277).
    Ebd., S. 560.Google Scholar
  293. (278).
    Nur die objektivierte Leistung, nicht die Persönlichkeit trete in die Zirkulation, ebd., S. 368 f.Google Scholar
  294. (279).
    Ebd. S. 506 ff. Das Problematische, die Entfremdung wird noch darin gesehen, daß die objektive Kultur individuell Faßbarem entwachsen ist. Aber Simmel beruhigte sich damit, daß die objektive Kultur letztendlich von der subjektiven abhängig sei.Google Scholar
  295. (280).
    Vgl. ebd., S. 506.Google Scholar
  296. (281).
    Vgl. Karl-Heinz Manegold, Universität, Technische Hochschule und Industrie, Berlin 1970, S. 123, 128, 154 f. und 258.Google Scholar
  297. (282).
    Vgl. Kapitel IV zum Technikbegriff.Google Scholar
  298. (283).
    Die Betriebsoziologie war deshalb a priori nicht in den Denkvoraussetzungen der auf Kulturdeutung angelegten Soziologie enthalten; sie entwickelte sich u.a. auch deshalb nicht als Differenzierung der kultursoziologischen Hauptströmungen der Hochschulsoziologie der 20er Jahre, sondern als Einlagerung eines von ihr relativ unabhängig entstandenen Wissenschaftsprogramms, das im Praxiskontext industriebetrieblicher Mikrostrukturen selbst seine wissenschaftlichen und sozialen Quellen besaß. Vgl. Kapitel IV.Google Scholar
  299. (284).
    Vgl. Kapitel IV.Google Scholar
  300. (285).
    Vgl. dazu Kapitel III.3 ausführlich. Der Widerspruch zwischen fachwissenschaftlicher Programmatik seiner Arbeitsforschung und kulturgeschichtlicher Fassung des Industrialisierungsprozesses ist nur ein scheinbarer. Darauf ist allerdings genauso häufig verwiesen worden, wie es unterlassen wurde, die mögliche Interpretation der Perspektiven “nachzuweisen”. Der Mühe, sich mit den Details der Arbeitsforschung zu befassen, haben sich alle Interpreten versagt.Google Scholar
  301. (286).
    Robert Michels, Über Max Weber, in: Basler Nachrichten, 76. Jg., Nr. 296, 14. Juli 1920 (Max Weber Archiv/Bayerische Akademie der Wissenschaften).Google Scholar
  302. (287).
    Vgl. dazu Helene Tombert, Lebensformen und Denkweisen der akademischen Welt Heidelbergs im Wilhelminischen Zeitalter, Lübeck und Hamburg 1969.Google Scholar
  303. (288).
    In einem Brief an Rickert vom 2.4.1905 formulierte Weber seinen Ansatz jedoch selbst so, wie er vielfach mißverstanden wurde: “Im Juni oder Juli erhalten Sie einen Sie vielleicht interessierenden kulturgeschichtlichen Aufsatz: Askese des Protestantismus als Grundlage der modernen Berufskultur — eine Art, spiritualistische Konstruktion der modernen Wirtschaft.” Zit. nach: Marianne Weber, Max Weber — Ein Lebensbild, Tübingen 1926, S. 359.Google Scholar
  304. (289).
    Nach seiner mehrjährigen Krankheit und vollkommenen Wissenschaftsabstinenz gehörte Simmeis Philosophie des Geldes zu Webers Regenerierungslektüre, vgl. ebd., S. 266.Google Scholar
  305. (290).
    Max Weber, Die protestantische Ethik, Bd. I. Eine Aufsatzsammlung, hrsg. v. J. Winkelmann, 6. Aufl., Gütersloh 1981, S. 76.Google Scholar
  306. (291).
    Ebd., S. 83 f. Dagegen kritisierte Weber die ersten Kapitel Simmeis, denen er eine Gleichsetzung von Geldwirtschaft und Kapitalismus vorwarf, ebd., S. 25.Google Scholar
  307. (292).
    Spengler “erntete” später da ab, wo die Kulturhistoriker und -Soziologen noch gebremst durch wissenschaftliche Vorbehalte säten. Vor Spengler halfen sie, den Okzident als einen nach innen und außen einheitlichen Kulturzusammenhang zu begreifen. Die Epigonen dieser Idee, Spengler, Horneffer, Mehlis (Hrsg. der von Max Weber mitbegründeten Zeitschrift “Logos”), wurden zu Hausphilosophen der Industrie- und Technikerverbände.Google Scholar
  308. (293).
    Für Max Weber war die Arbeiterklasse zur Gänze in der Kreation eigener “Formwerte”, d.h. eines eigenen “Kulturüberbaus”, erst bei Schil1er angelangt.Google Scholar
  309. (294).
    Die Kenntnis der Marxschen Theorie war, außer bei Sombart und Schum-peter, die jedoch beide trotz ihrer Marxbücher einer detaillierten Fachkritik zugunsten pointenreicher Akzentuierungen auswichen, bei allen Schülern der “historischen Schule” (Max Weber einschließlich) äußerst gering. Vgl. in diesem Zusammenhang das Kapitel “Weber, Marx und der Marxismus”, in: Constans Seyfarth und Walter M. Sprondel (Hrsg.), Seminar: Religion und gesellschaftliche Entwicklung. Studien zur Protestantismus- Kapitalismus-These Max Webers, Frankfurt/M. 1973, S. 19 ff.Google Scholar
  310. (295).
    Weber verstand sich als “Bourgeois”. Tatsächlich liefen in Webers Familie Fäden zusammen, die wie an einem Knotenpunkt der Geschichte typische Einblicke in die “Innenausstattung” bürgerlichen Geistes seiner Zeit erlauben. Die väterliche Linie der Familie wies typische Züge des provinziellen Kleinbürgertums auf, das sich erst langsam aus dem vorkapitalistischen Handel löste, um dann zu regionalen Repräsentanten des modernen kapitalistischen “Geistes” und später in seinen Söhnen zu einflußreichen Positionen in nationalen Zentren politischer Macht aufzusteigen. Die mütterliche Linie repräsentierte die Teile des Bürgertums, denen die Entwicklung Nachteile zu bringen schien und die in latenter Opposition zu dieser, durch Bismarcks “Bonapartismus” geprägten, “inneren Revolution” nach 1866 standen. Dazu gehörten die geistigen und religiösen Strömungen, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vollkommen in den Hintergrund gedrängt wurden, aber auch die international gerichteten Bürger der Großhandelszentren wie Hamburg oder Frankfurt, wo die im Englandgeschäft engagierte Handelsfirma Souchay ansässig war von deren vererbten Geld noch zwei Generationen später Webers Mutter die Wahl-kämpfe des Pastors Friedrich Naumann und seines National sozialen Vereins finanzierte. In der Weberschen Familie baute sich eine außerordentliche Spannung auf. Während der Vater offenbar das Leben der Familie wie sein eigenes Handeln vollkommen äußeren Zwecken politischer und gesellschaftlicher Hoffart unterstellte und in der Veräußerlichung die Erfolgsbedingungen bürgerlicher Wirksamkeit erblickte, versuchte die Mutter, in der Distanzierung und Innerlichkeit ethischer und ideeler Motive die äußeren Zwecke zu überwinden, woraus sie im Anschluß an ihre mütterliche Linie auch praktische Konsequenzen zog. Einerseits quälte Max Weber zeit seines Lebens das Problem, nur über einen besoldeten Beruf an der bürgerlichen Wirklichkeit teilnehmen zu können. Seine ‘Berufskarriere’ machte ihn sensibel für die Unausweichlichkeit., bürgerlichmännlicher Existenz, nur “Berufsmensch” zu sein. Nichts “Äußerliches” im Sinne des Vaters zu leisten und ihn doch ständig um Geld anzugehen, seine verschuldete Studentenzeit, der unbesoldete Militärdienst, das unbesoldete Re-ferendariat, die unbesoldete Assessorenzeit, das Abwarten des unbesoldeten Privatdozenten, der sich noch schriftlich verpflichten mußte, niemals die Übernahme in eine bezahlte Professur zu beantragen, die Paradoxie des wissenschaftlichen “Berufs”, statt einer handelnden nur eine kontemplative Praxis auszuüben und schließlich seine krankheitsbedingte Unfähigkeit zur Ausübung selbst dieses “Berufs” waren die Stufen seiner ‘Karriere’. Während seiner 3 1/2-jährigen Krankheit sperrte sich Weber gegen jeden Kontakt, der ihn an seinen Beruf hätte erinnern können. Andererseits spürte er in der Erwartung seiner Umwelt, aber insbesondere seiner Mutter, daß “äußere” (auch psychische und körperliche!) Probleme von “innen”, d.h. willensmäßig in Befolgung ethisch gerichteter Lebensführung zu überwinden seien. “Innere” und “äußere” Prämien seien nur aus voller Pflichterfüllung zu gewinnen. Von ihr gehe ein innerer Zwang zu rastloser Arbeit aus, dem Weber immer wieder erlag, obwohl er ihr konstitutionell nicht gewachsen zu sein meinte. Die ‘protestantische Ethik’ und der ‘Geist des Kapitalismus’ sind eine subtile Reflexion und Selbstbewältigung dieses Widerspruchs zwischen dem Zwang zur äußersten “Hingabe” an die äußere Welt zur Wirksamkeit und der ethischen Einzäunung der subjektiven Fähigkeiten und Bedürfnisse. Dieser Widerspruch löst sich in der These auf, daß gerade die durch Ideen bedingte innere Disziplinierung über eine methodische Lebensführung zwangsläufig in den äußeren Erfolg umschlägt wie umgekehrt dieser Erfolg zugleich mit seinen inneren Prämien die Wirtschaftsethik als Handlungsorientierung befestigt. Vgl. Marianne Weber, Max Weber -Ein Lebensbild, a.a.O., Kapitel 1–8.Google Scholar
  311. (296).
    Max Weber, Die protestantische Ethik, a.a.O., S. 175 f.Google Scholar
  312. (297).
    Als Folge einer durch Kriegsunglück und Bürokratie bestimmten Kriegswirtschaft sah Weber zusätzlich die letzten Reste des normalen bürgerlich-kapitalistisch ausgerichteten Ethos’ “ausgetilgt”, das auf den rationalen Betrieb ausgerichtet sei, statt auf die Zufallschancen, die aus den Poren des bürokratischen Systems quollen. Vgl. Max Weber, Gesammelte politische Schriften, 3. vermehrte Auflage, Tübingen 1971, S. 254 f.Google Scholar
  313. (298).
    Max Weber, Protestantische Ethik, a.a.O., S. 75.Google Scholar
  314. (299).
    Ebd., S. 76.Google Scholar
  315. (300).
    Vgl. ebd., S. 88 f.Google Scholar
  316. (301).
    Dies schließt soziologisches Wissen ein, das in der Öffentlichkeit, sofern es Einfluß auf soziale Bewegungen erlangen könnte, in Konkurrenz zu den “prämierenden Ideen” steht und damit den gleichen Wirksamkeitsbedingungen unterworfen ist.Google Scholar
  317. (302).
    Vgl. diese. Literatenschelte, die aber noch heftigere Charakterisierungen an anderer Stelle annahm, in: Max Weber, Wahlrecht und Demokratie in Deutschland (Dezember 1917), in: ders., Gesammelte Politische Schriften, 3. vermehrte Auflage, Tübingen 1971, S. 263.Google Scholar
  318. (303).
    Vgl. ebd., S. 280–285.Google Scholar
  319. (304).
    Ebd., S. 286. Den Antiparlamentarismus der Professoren führte Weber auf die “Ressentiments akademischer Literaten gegen alles nicht von ihnen examinierte Menschentum” zurück. Zu diesem Menschentum gehörten die demokratischen Politiker, die sich nicht aus Bürokratie und Coleurwesen, sondern aus Massenparteien rekrutierten, die ihre eigenen, nicht bildungspatentierten Auslesemittel schüfen, ebd., S. 440.Google Scholar
  320. (305).
    Vgl. Max Weber, Einleitung in die Wirtschaftethik der Weltreligionen, in: Ders., Soziologie, Universalgeschichtliche Analyse, Politik, 5. Überarb. Aufl., Stuttgart 1973, S. 410. Weber formulierte diesen Umschlag vom Sollen zum Sein in seiner berühmten Pointe “Der Puritaner wollte Berufsmensch sein, — wir müssen es sein.” In: Ders., Protestantische Ethik, a.a.O., S. 188.Google Scholar
  321. (306).
    Max Weber, Rede auf dem ersten Deutschen Soziologentage in Frankfurt 1910, in: Ders., Gesammelte Aufsätze zur Soziologie und Sozialpolitik, Tübingen 1924, S. 445.Google Scholar
  322. (307).
    Ders., Protestantische Ethik, a.a.O., S. 188.Google Scholar
  323. (308).
    Ders., Gesammelte Aufsätze zur Soziologie, a.a.O., S. 499.Google Scholar
  324. (309).
    Vgl. ebd. und ders., Wirtschaft und Gesellschaft, a.a.O., S. 834 und S. 551 ff. Betriebsdemokratische Experimente könnten sich danach nur auf extrafunktionalen Auswahlverfahren für die Kontrolle der eigentlichen Geschäftsführung beziehen.Google Scholar
  325. (310).
    Ebd., S. 835. In seinen Münchener Vorlesungen 1919 rechnete Weber die Emanzipation der Produktion durch Wissenschaft dem “frei sich bewegenden Intellekt” zu. Zugleich räumte er ein, daß die Erfindungen im 18. Jahrhundert nicht auf wissenschaftlichem Wege gemacht wurden. Er verstand die technische Entwicklung als durch ökonomische Chancen prämierte systematische Verwertung des Wissens. Da auch im 19. und 20. Jahrhundert technische “Erfindungen” kaum in dem Sinn gewonnen wurden, daß die Erkenntnisse des ‘frei’ sich bewegenden Intellekts nur noch in Eisen gegossen zu werden brauchten, verdeckten Webers Formulierungen die entscheidenden Probleme technischer Entwicklung. An den Mittelgliedern der Erklärungskette hängt hier die ganze soziologische Analyse. In welchen Fallstricken man sich hier verfangen konnte, zeigte sich bei Webers Freund Rickert, der die moderne Technik über die “angewandte” Naturwissenschaft und diese wiederum über den Geist des Humanismus ableitete. Tönnies entrüstete sich in einem Brief an Sombart vom 25.4.1912: “Rickert sähe die moderne Naturwissenschaft als Werk der Philologen an!” ZStA Merseburg, Reg. 92, NL Sombart, Nr. 9 f. Vgl. Max Weber, Wirtschafsgeschichte, München und Leipzig 1923, S. 263. Arthur Salz bestritt die Verwissenschaftlichungsthese in historischer Sicht und ließ für die von ihm untersuchte Phase der industriekapitalistischen Frühzeit nur eine “Wahlverwandschaft” von ‘Wissenschaft’ und ‘Industrie’ gelten. Es sei notwendig, einmal darauf hinzuweisen, wieviel die sich entwickelnde Wissenschaft überhaupt dem geschäftigen Leben des Alltags, den Praktiken und Erfahrungen und der schlichten Weisheit um ihr Brot besorgter Menschen und Menschlein verdankt.” Arthur Salz, Kulturtendenz in der Frühzeit des Industriekapitalismus, in: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik , Bd. 33, Tübingen 1911, S. 501. Die von ihm erforschte Bergbauwissenschaft wurde in den Bergwerken praktiziert, lange bevor irgendeine Institution der “geistigen Kultur” damit in Berührung kam.Google Scholar
  326. (311).
    Vgl. dazu näher Kapitel III.2. Der Rationalisierungsbegriff Webers behielt immerhin dadurch seine problematisierende Schärfe, daß er die ‘Kultur’ nicht nur als Abspiegelung des Geistes und als durch Wissen umgeformte Natur (einschließlich der Naturbeziehungen der Menschen untereinander) auffaßte, sondern unabhängig vom tatsächlichen Wissen auch als Handlungsorientierung definierte, alle äußeren Erscheinungen im Prinzip durch Berechnen beherrschen zu können.Google Scholar
  327. (312).
    Die Übernahme dieser Perspektive bei Vertretern der Frankfurter Schule, wie Adorno, ist auffällig. Seine Kritik an der instrumentel-len Vernunft stimmte ein in den Weberschen Vorstellungsinhalt der Rationalisierung, daß mit der Schlamperei der letzte Rest menschlicher Subjektivität aus den industriekapitalistischen Organisationen verschwinde. Die kultursoziologische Denkweise blieb zum Nachteil der verschiedenen industriesoziologischen Forschungsansätze erhalten.Google Scholar
  328. (313).
    Alfred Webers und Karl Mannheims These der frei schwebenden Intelligenz, die gerade durch ihre soziale Gebundenheit in der “Mitte” zwischen den Klassen zur “objektiven Stellungnahme” befähigt werde, findet sich bei Max Weber schon vorgeprägt: Advokaten und politische Journalisten seien durch ihre ständische Lage besonders befähigt, ihre Führungsqualitäten zu entwickeln, die den, gegenüber Staatsund Industriebürokratien unabhängigen, Berufspositionen zukommen sollten. Vgl. Max Weber, Gesammelte politische Schriften, a.a.O., S. 525 ff.Google Scholar
  329. (314).
    Genau unter diesem Stichwort definierte Alfred Weber die Aufgabe der Kultursoziologie als die Erforschung der Bedeutung der “geistigen Führer”: “(...) gerade die Wellen, die von ihnen auszugehen vermögen, die Bedeutung, die sie in der Zeit zu gewinnen vermochten, das allgemeine Gesicht, das die Führer selbst besaßen und besitzen, muß ein Zeugnis sein für das, was wir waren und sind.” Ders., Ideen zur Staats- und Kultursoziologie, Karlsruhe 1927, S. 102 f. Den Prozeß der Rationalisierung beschreibt Weber als “Bewußtseinsausbreitung”, in dem die Objekte des Geistes durch Reflexion aufgelöst und in durch das Bewußtsein umgeformte und beherrschbare Formen gebrachte werden. Ebd., S. 112.Google Scholar
  330. (315).
    Webr, Politische Schriften, a.a.O., S. 154.Google Scholar
  331. (316).
    Vgl. Tönnies an Sombart am 19.7.1901, ZStA Merseburg, Rep 92, NL Sombart, Nr. 9 f.Google Scholar
  332. (317).
    Vgl. Ferdinand Tönnies, Zur Theorie der Geschichte, in: Archiv für systematische Philosophie, Bd. VIII, 1902, S. 1–38.Google Scholar
  333. (318).
    Tönnies an Sombart am 30.7.1905 über Max Webers “Protestantische Ethik und Geist des Kapitalismus”: “Das Thema liegt mir außerordentlich nahe (...). Weber geht im Dogmatischen übermäßig ins Detail und verliert sich zu stark in ideologischen Betrachtungen (...). Im Ganzen sind die Zusammenhänge noch einfacher und elementarer, als er sie vorstellt. Jedoch sind viele Bemerkungen vortrefflich. Allerdings scheint Weber von Rickerts kleinem Geist übel beeinflußt zu sein, überhaupt merkt man immer seine Bedingtheit durch die Weisheit der Badischen Hochschulen.” Schon am 29.11.1903 kritisierte Tönnies gegenüber Sombart Rickerts “Logik der Wissenschaften” und seine “Geschichte als Wissenschaft des Einzelnen und Individuellen” als das “einfältigste Ding”, das ihm seit langem in der Geschichte der Philosophie vorgekommen sei. “Entsetzt” sei er gewesen, als er “auch — Max Weber als einen Anhänger dieser großartigen Entdeckung entdek-ken mußte!” ZStA Merseburg, Rep 92, NL Sombart, Nr. 9 f. Daß Tönnies bei dieser Meinung blieb, zeigt ein Brief an Sombart vom 25.4.1912, in dem er seine Bestürzung über die wissenschaftshistorischen Annahmen Rickerts zum Ausdruck bringt. Vgl. ebd.Google Scholar
  334. (319).
    Vgl. Ferdinand Tönnies, Die Entwicklung der Technik (1905), wiederveröffentlicht, in: Ders., Soziologische Studien und Kritiken, 2. Sammlung, Jena 1926, S. 33.Google Scholar
  335. (320).
    Vgl. ebd., S. 50, Anm. 1.Google Scholar
  336. (321).
    Ebd., S. 60.Google Scholar
  337. (322).
    Ebd., S. 61.Google Scholar
  338. (323).
    “Die Menschen werden um so freier sich vorkommen, je mehr sie einerseits nur den Sachen gehorchen, d.h. den technischen Anforderungen eines Arbeitsprozesses gerecht werden, andererseits je mehr sie sich selbst beherrschen und nur von sich selbst beherrscht werden, indivi duel 1 und sozial. Die Befreiung der Arbeit setzt daher allerdings die Elimination der Kapitalisten voraus (...)•” Ebd., S. 62.Google Scholar
  339. (324).
    Dieser Technikbegriff stützte sich auf Reuleaux, Karmasch und ande-rer Theoretiker der Technik, statt auf die Forschungsergebnisse der dominierenden Ingenieure, wie Riedler, die den Anteil der Naturwissenschaften am technischen Fortschritt so gering ansetzten, daß es einem geisteswissenschaftlichen Vorurteil gleichkam, Technik als Anwendung der Naturwissenschaften anzusehen. Die Probleme der Naturbeherrschung sind theoretisch nicht in der Weise auflösbar, daß es sich zwischen Naturwissenschaft und Technik um ein reines Anwendungsverhältnis handeln könnte. Vielmehr wird die Naturbeherrschung in der Praxis immer nur graduell erzielt. Die technischen Wissenschaften arbeiten an Verfahren, die diese graduelle Beherrschung in der Matrialbearbeitung in Experimenten optimieren, ohne das theoretische Verhältnis der verschiedenen Wirkungsfaktoren naturwissenschaftlich bestimmen zu können. Zwischen Wesenwille und Kürwille, also hier zwischen Können und Wissen besteht ein nur tendenziell zur einen Seite hin auflösbares Spannungsverhältnis.Google Scholar
  340. (325).
    Kritisch zu dieser Trivialisierung äußerte sich Rosa Luxemburg. Vgl. Rosa Luxemburg, Ausgewählte Reden und Schriften, II. Band, Berlin 1951, S. 95–125.Google Scholar
  341. (326).
    Sombart hatte vor 1933 von allen Soziologen nicht nur die meisten Studenten, was sich an den Hörerzahlen belegen ließe; er hatte auch außerhalb der Soziologenschaft das größte Publikum. Seine Bücher zogen heftige Diskussionen in der Tagespresse nach sich. Sombarts Nachlaß enthält zu jedem Buch eine Mappe der Rezensionen, die er genau studierte. Vgl. zum Handwörterbuch der Staatswissenschaften, 3. Auflage, Jena 1909, Band VII, Stichwort ‘Soziologie’, Verfasser Wilhelm Lexis. Lexis verwandte eher das Kriterium universitärer Geltung und Rezeption als das einer Wirkung in der (nicht) wissen-schaftlichen Öffentlichkeit. Während im etablierten Schmoller-Kreis von Wiese an der Berliner Universität an seiner soziologischen Dissertation (‘Spencer’) arbeitete, erfuhr er nichts über die Existenz Simmeis, der laufend soziologische Veranstaltungen über ‘soziale Differenzierung’ abhielt! Die ‘Pariaöffentlichkeit’ Simmeis drang in nichtetablierten Kreisen so weit, daß etwa über osteuropäische Studenten gescherzt wurde, die vom Bahnhof direkt den Weg zu Simmel suchten.Google Scholar
  342. (327).
    Eine Probe seiner “Soziologie der sozialen Bewegung” aus diesem 1924 vollkommen veränderten Werk gab Sombart, in: Ders., Die Treibkräfte der sozialen Bewegung, in: Der Arbeitgeber, 15. Jg., 1925, S. 281 f. Vgl. ders., Der Proletarische Sozialismus, Jena 1924, 2 Bände. Wie sein ressentimentgeladenes Werk bei anderen Soziologen ankam, deutet ein Brief Sombarts an Tönnies vom 21.10.1935 an: “Ich habe Ihnen meine letzten Schriften nicht mehr zugehen lassen, seitdem vor 10 Jahren schon mein “Proletarischer Sozialismus” Ihren Unmut in so hohem Grade erregt hatte, daß fast die Grundlagen unserer langjährigen Freundschaft ins Wanken gerieten. Und in derselben Linie verlaufen ja doch alle meine Gedanken in den letzten 20 Jahren, die unlängst in dem viel angefeindeten Buche ‘Deutscher Sozialismus’ gemündet sind.” Abgedruckt in: Jacoby, Die moderne Gesellschaft, a.a.O., S. 241.Google Scholar
  343. (328).
    Selbst als Ordinarius der Berliner Universität blieb Sombart eigentlich Privatgelehrter. Im Gegensatz zu Schmoller entwickelte Sombart keinen Seminarbetrieb als ‘Schule des wissenschaftlichen Nachwuchses’. Die Universität führte ihm, der ansonsten ganz in seiner 150 000 Bände umfassenden Privatbibliothek ‘hauste’, nur ein zusätzliches Publikum zu. Vgl. auch Nicolaus Sombart, Jugend in Berlin, in: Merkut, 37. Jg., 1983, S. 385Google Scholar
  344. (329).
    Bernhard von Brocke, Kurt Breysig, a.a.O., S. 203. Vgl. Ders., Werner Sombart, in: Hans-Ulrich Wehler (Hrsg.), Deutsche Historiker, Bd. V, Göttingen 1972, S. 130–148.Google Scholar
  345. (330).
    Werner Sombart, der Bourgeois, Zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen (1913), München und Leipzig 1923, S. 218 f.Google Scholar
  346. (331).
    Ebd., S. III.Google Scholar
  347. (332).
    Vgl. die Neuauflage des 1913 erstmals erschienenen Buches: Werner Sombart, Liebe, Luxus und Kapitalismus. Über die Entstehung der modernen Welt aus dem Geist der Verschwendung, Berlin o.J (1983). Die Antithese zu Max Webers Askese-Kapitalismus-These ist auffällig.Google Scholar
  348. (333).
    Sombart, Bourgeois, a.a.O., S. 230.Google Scholar
  349. (334).
    Vgl. Werner Sombart, Deutscher Sozialismus, Berlin 1934. Aus diesem Grund stieß Sombart auf Kritik aus NSDAP-Kreisen, deren imperalistisches “Deutschland, Erwache” unmittelbar abhängig war von einer weiter forcierten Rationalisierung und Expansion des militärisch-industriellen Komplexes.Google Scholar
  350. (335).
    Vgl. Sombarts überarbeiteten Vortrag auf dem ersten Soziologentag: Ders., Technik und Kultur, in: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, Bd. 33, 1911, S. 309 ff.Google Scholar
  351. (336).
    Vgl. ebd., S. 315 ff. Sombart zitierte Marx’ berühmte These aus der Einleitung “Zur Kritik der Politischen Ökonomie” von 1859, verkürzte in der Interpretation aber wie Max Weber den Begriff ‘Produktivkräfte’ auf Technik, die Sombart durch den ‘Geist ‘ der Technik bestimmte. Als Leser des ‘Kapitals’ mußte Sombart die umfassende Definition der Produktivkraft menschlicher Arbeit (Qualifikationsgrad, Entwicklung und technologische Anwendung der Wissenschaft, gesellschaftliche Anwendung der Wissenschaft, geselIschafftliche Arbeitsteilung und Kooperation, Umfang und Effektivität der Produktionsmittel, Kontrolle und Ausbeutungsgrad der Naturbedingungen u.a.) kennen. Sombart bezog seine technizistischen Produktivkraftdefinition auf ‘Geist’, statt auf ‘Arbeit’. Daraus erklären sich die Verständnisdifferenzen.Google Scholar
  352. (337).
    Ebd., S. 309.Google Scholar
  353. (338).
    Sombart, Bourgeois, a.a.O., S. 442 f.Google Scholar
  354. (339).
    Vgl. die Abschnitte “Die treibenden Kräfte” (“Die neuen Führer”) und “Die Arbeitskräfte” (“Die Beschaffung der Arbeitermasse” und die “Anpassung der Bevölkerung an die Bedürfnisse des Kapitalismus”), in: ders., Der moderne Kapitalismus, Bd. III.1, Berlin 1955, S. 3 ff. und S. 304 ff. Vom Mitbegründer der Internationalen Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz und deren deutscher Organisation, der Gesellschaft für soziale Reform, sowie vom Kenner der Arbeiterbewegung, dem ‘anderen’ Sombart, hätten diese Kapitel eben nicht in dieser Weise verfaßt werden dürfen. Um so folgenreicher war es, daß gerade jemand wie Sombart den Arbeitsprozeß nur als Spiegelbild unternehmerischen Denkens definierte.Google Scholar
  355. (340).
    Vgl. ebd., Bd. III.2, S. 884 ff., S. 895 ff. und S. 928 ff.Google Scholar
  356. (341).
    Ebd., S. 952: “immer werden wir genötigt sein, diese Riesengebilde, das größte zivilisatorische Werk, das Menschengeist geschaffen hat, zu bewundern. Auch dann, wenn man es etwa haßte und für Teufelswesen hält”, dbd.Google Scholar
  357. (342).
    Willi Prion, Die Lehre vom Wirtschaftsbetrieb, Bd. III (Der Betrieb als Arbeit), Berlin 1938, S. 183 mit Bezugnahme auf Sombart.Google Scholar
  358. (343).
    Ebd., S. 166, ebenfalls mit Bezugnahme auf Sombart. Dieses von Prion und Ri.eger verfaßte Lehrbuch war typisch. Seit den 50er Jahren nahm ohne Änderung des normativen Ansatzes die Stelle der Sombart’schen historisch-kultursoziologischen Theorie die mathematisierte neoklassische Orthodoxie ein, etwa Gutenbergs Lehre der Produktionsfaktoren, ihrer Grenznutzen- und Grenzkostenverläufe sowie der berechenbaren Gewinn optima. Statt aus dem historisch gewordenen kapitalistischen Geist und seinen Prinzipien wurden die Unternehmensmodelle aus den idealisierten Bedingungen einer auf ein Entscheidungskalkül reduzierbaren und am ökonomischen “Gesetze” orientierten Organisation abgeleitet.Google Scholar
  359. (344).
    Vgl. Max Scheler, Der Bourgeois. Der Bourgeois und die religiösen Mächte. Die Zukunft des Kapitalismus — Drei Aufsätze zum Problem des kapitalistischen Geistes (1914), in: Ders., Vom Umsturz der Werte. Abhandlungen und Aufsätze, 5. Aufl., München 1972, S. 341–395; hier S. 382.Google Scholar
  360. (345).
    Ebd., S. 383.Google Scholar
  361. (346).
    Rathenau veröffentlichte 1913 Schriften “Zur Mechanik des Geistes” und “Zur Kritik der Zeit”. Gleichzeitig war Rathenau bekannterweise führender Industrieller in der neuen Rationalisierungsbewegung (Normung, Typisierung, Arbeitsrationalisierung als “Gemeinschaftsarbeit”).Google Scholar
  362. (347).
    Scheler, Bourgeois, a.a.O., S. 390.Google Scholar
  363. (348).
    Ebd., S. 391 ff.Google Scholar
  364. (349).
    Ebd., S. 393. Kennzeichnend für die deutsche Wissenschaftstradition sei der Kantianismus und sein ethischer Formalismus. Diesen verfolge er bis in alle Schlußwinkel. Er “bezichtigte” den seit Kant in Deutschland gelehrten “falschen Pflicht- und Arbeitsheroismus” des Verrats an “der Freude und Liebe als der tiefsten Ursprungsquelle alles sittlichen Seins und Willens”. Diese Kantianische Arbeitsethik werde “als falsche Grundrichtung einer historisch gewordenen Ethosform langsam durchschaut.” In: Ders., Der Formalismus in der Ethik und die materiale Wertethik (1913/1916), 5. Aufl., Bern 1966, S. 15. Die in diesem Buch entwickelte Wertrangordnungslehre sah Scheler als Fundament seiner Idee einer Kultursoziologie und seiner Lehre der Wissensformen und -maßstäbe (in: Erkenntnis und Arbeit) an.Google Scholar
  365. (350).
    Vgl. Friedrich von Gottl-Ottlilienfeld, Wirtschaft und Technik, Grundriß der Sozialökonomik, II. Abteilung, Teil II) 2. neubearb. Aufl., Tübingen 1923. Die erste Auflage erschien noch unter Anregung und Herausgeberschaft Max Webers. Vgl. zum Text, S. 40, 48, 50.Google Scholar
  366. (351).
    Ebd., S. 59.Google Scholar
  367. (352).
    Vgl. ders., Fordismus über Industrie und technische Vernunft, 3. Aufl., Jena 1926Google Scholar
  368. (352a).
    ders., Vom Sinn der Rationalisierung (im Auftrag des RKW geschrieben), Jena 1929.Google Scholar
  369. (353).
    Vgl. Kapitel IV. Einen guten Überblick über die literarische Debatte bietet Helmuth Lethen, Neue Sachlichkeit 1924–1932. Studien zur Literatur des ‘Weißen Sozialismus’, 2. Aufl., Stuttgart 1975.Google Scholar
  370. (354).
    Vgl. Georg Lukacs, Die Zerstörung der Vernunft, Bd. 2, 2. Aufl., Darmstadt/Neuwied 1980, Kapitel IV, zitiert ebd., S. 108.Google Scholar
  371. (355).
    Vgl. dazu Ritter, Deutsches Kaiserreich, a.a.O., S. 363 f.Google Scholar
  372. (356).
    Charlotte Lütkens, Die deutsche Jugendbewegung, ein soziologischer Versuch, Frankfurt/M. 1925, S. 34.Google Scholar
  373. (357).
    Ferdinand Tönnies, Marx’ Leben und Lehre, Jena 1921 (Sozialistische Bücherei, Bd. 5, hrsg. v. Karl Nötzel), S. 22.Google Scholar
  374. (357a).
    Vgl. auch ders., Historischer Materialismus, in: Internationales Handwörterbuch des Gewerkschaftswesens, hrsg. v. Ludwig Heyde, Berlin 1931, Bd. 1, S. 770 ff.Google Scholar
  375. (358).
    Karl Korsch, Grundsätzliches zur Sozialisierung (1920), in: Ders., Gesamtausgabe, Bd. 2 (hrsg. v. Michael Buckmiller), Frankfurt/M. 1980, S. 213 ff.Google Scholar
  376. (358a).
    Georg Lukacs, Geschichte und Klassenbewußtsein (1922), 4. Aufl., Darmstadt und Neuwied 1976, S. 151 ff., S. 282 ff., S. 304 f. und S.. 546 ff.Google Scholar
  377. (359).
    Vgl. Karl Dunkmann, Über Begriff und Aufgabe der angewandten Soziologie, in: Ethos, Bd. 2, Karlsruhe 1928, S. 211–228. Ebd., S. 222 ff.: Marx sei “Vorläufer” seines Themas, die Welt zu verändern, anstatt sie lediglich zu ‘betrachten’. Während aber Marx die Synthese von Erkenntnissubjekt und Erkenntnisobjekt in einer ‘Klassenso-ziologie’ vollziehe, entwickele er eine ‘Gruppensoziologie’ (S. 224).Google Scholar
  378. (359a).
    Vgl. auch Heinz Sauermann, Angewandte Soziologie und Sozialpolitik, in: Der Arbeitgeber, Bd. 23, 1933, S. 126–128. Dieses Motiv taucht in allen Schriften Dunkmanns auf;Google Scholar
  379. (359b).
    vgl. Karl Dunkmann, Angewandte Soziologie, Berlin 1929, S. 10 f., S. 14 f. und S. 21 f., ders. (zusammen mit Gerhard Lehmann und Heinz Sauermann), Lehrbuch der Soziologie und Sozialphilosophie, Berlin 1931, S. 160 f. Freyer habe sich zu seiner Auffassung bekannt, daß Soziologie ‘eingreife’, sofern sie die Beziehung auf das Ich des Soziologen nicht loswerde. Als soziales Wesen gehöre der Soziologe selbst zu seinem Objekt. Ders., Soziologie der Arbeit, Halle 1933, S. 8. Von dieser “Synthesis” von Subjekt und Objekt ausgehend versuchte Dunkmann, die “Zwie-schlächtigkeit” aller soziologischen Begriffe und den “Doppel Charakter” der Arbeit als Zentral problem aufzuweisen, vgl. ebd., S. 80 ff. und S. 91 ff. Seine Methode bezeichnete Dunkmann als ‘Realdialek-tik’. Er unterscheide sich von der Fortsetzung der Hegeischen Dialektik bei Marx, Lukacs, Heimann und Freyer, vgl. Dunkmann, Lehrbuch der Soziologie, a.a.O., S. 160 f.Google Scholar
  380. (360).
    Hans Freyer, Soziologie als Wirklichkeitswissenschaft, Leipzig und Berlin 1930, S. 307. Vgl. ebd., auch S. 82 ff.Google Scholar
  381. (361).
    Karl Dunkmann an Ferdinand Tönnies am 26.3.1924, Tönnies-Nachlaß, Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek Kiel, Cb 54:56.Google Scholar
  382. (362).
    Vgl. Franz Oppenheimer, Erlebtes, Erstrebtes, Erreichtes. Lebenserinnerungen, Düsseldorf 1964, S. 171.Google Scholar
  383. (363).
    Oppenheimer, Erlebtes, a.a.O., S. 243.Google Scholar
  384. (364).
  385. (365).
    Ebd., S. 241.Google Scholar
  386. (366).
    Ebd., S. 241.Google Scholar
  387. (367).
    Ebd., S. 244. Oppenheimers Sohn Ludwig war “Führer” in der internationalen pazifistischen Jugendbewegung. Die Zeitschrift ‘Junge Menschen’ widmete Oppenheimers Theorie und Vorschlägen eine Nummer. Bei einer der berühmten Tagungen auf dem Hohen Meißner durfte Oppenheimer sein Programm entwickeln.Google Scholar
  388. (368).
    Eugen Rosenstock, Werkstattaussiedlung, Untersuchungen über den Lebensraum des Industriearbeiters (Sozialpsychologische Forschungen, hrsg. von Willy Hellpach, Bd. II), Berlin 1922.Google Scholar
  389. (369).
    Vgl. Briefwechsel zwischen Paul Legers (Geschäftsführer des Gesamtverbandes der deutschen Werkzeugindustrie und des Arbeitgeberverbandes der Eisen- und Metallindustrie Remscheid und Umgebung) und Alexander Rüstow (Vereinigte Maschinenbauanstalten) vom 16.2. und 22.2.1927, in: Bundesarchiv Koblenz, NL Rüstow, Nr. 18.Google Scholar
  390. (370).
    Vgl. Eugen Rosenstock, Zerfall und Ordnung des Industrievolkes (Sonderabdruck aus der Rhein-Mainischen Volkszeitung), Frankfurt/M. 1923, S. 33 ff.Google Scholar
  391. (371).
    Vgl. Lukacs, Geschichte und Klassenbewußtsein, a.a.O. Gegen seine Heidelberger Vergangenheit im Max-Weber-Kreis formulierte Lukacs, dem auch Max Webers Einsatz beim ungarischen Regime der Gegenrevolution den Kopf rettete, sein Credo: Die Gewißheit der Revolution sei “uns nur methodisch — durch die dialektische Methode — garantiert. Und auch diese Garantie kann nur durch die Tat, durch die Revolution, durch das Leben und Sterben für die Revolution erprobt werden.” Einen “Marxisten der Gelehrtenstubenobjektivität” könne es deshalb nicht geben. Ebd., S. 116 f. Ebenso Korsch, Grundsätzliches zur Sozialisierung, a.a.O., Korsch stammte aus der freideutschen Jugendbewegung und wurde der wissenschaftliche Assistent Robert Willbrandts in der ersten Sozialisierungskommission. Daran anschließend befaßte sich Korsch intensiv mit Fragen der Sozialisierung und des Betriebsrätewesens. Der an die Universität Jena berufene Korsch wurde wegen “Linksabweichlertum” aus der KPD ausgeschlossen. Sein Freund Kurt Lewin veröffentlichte in der von ihm herausgegebenen Reihe “Praktischer Sozialismus” die Studie “Sozialisierung des Taylorsystems”.Google Scholar
  392. (372).
    Hermann Schumacher an Lujo Brentano am 7.12.1918. Von diesem mit der Generalkommission der Gewerkschaften unter Legien abgesprochenen ‘Aufruf blieben nur die, in verschiedenen “Affären” industriever-bandlicher Wissenschaftsbeeinflussung verschlissenen, Ludwig Bernhard (Universität Berlin), Richard Ehrenberg (Universität Rostock, Hrsg. des Thünen-Archivs und der Krupp-Arbeiterstudien), Ludwig Pohle (Universität Frankfurt, Förderer der “Wirtschaftsfriedlichen”) und Julius Wolf (vor Pohle Hrsg. der Zeitschrift für Sozialwissenschaft , TH Charlottenburg) ausgeschlossen. Vgl. BA Koblenz, NL Brentano, Nr. 56, Bl. 124 f.Google Scholar
  393. (373).
    Vgl. Marianne Weber, Lebensbild, a.a.O., S. 638 ff.Google Scholar
  394. (374).
    Ebd., S. 644.Google Scholar
  395. (375).
    Vgl. Karl Kautsky, Selbstdarstellung, in: Felix Meiner (Hrsg.), Die Volkswirtschaftslehre in Seibstdarstellungen, Leipzig 1924, S. 30.Google Scholar
  396. (376).
    Vgl. Philipp Löwenfeld, Memoiren (Auszug), in: Monika Richarz (Hrsg.), Jüdisches Leben in Deutschland. Selbstzeugnisse zur Sozi algeschichte 1918–1945, Stuttgart 1982, S. 78. Theordor Geiger hat nach eigenen Angaben auch zum “revolutionären Umfeld” Eisners gehört.Google Scholar
  397. (376a).
    Vgl. Siegfried Bachmann, Leben und Werk des Soziologen Prof. Dr. Theordor Geiger (1891–1952), in: Mitteilungen der TU Carolo Wilhelmina zu Braunschweig, Jg. XV, Heft III/IV, 1980, S. 57.Google Scholar
  398. (377).
    Leopold von Wiese, Selbstdarstellung, in: Felix Meiner (Hrsg.), Volkswirtschaftslehre in Selbstdarstellungen, Leipzig 1929, S. 39. Nach “Abebben der Rätegefahr” entstand aus der Vereinigung die Kölner Volkshochschule.Google Scholar
  399. (378).
    Vgl. David Kettler, Marxismus und Kultur. Mannheim und Lukacs i.n der ungarischen Revolution 1918/19, Neuwied 1967. Vgl. Johnston, Österreichische Kultur- und Geistesgeschichte, a.a.O., S. 98.Google Scholar
  400. (379).
    Vgl. Der Zentral rat der Deutschen Sozialistischen Republik 19.12. 1918–8.4.1919. Bearbeitet von Eberhard Kolb unter Mitwirkung von Reinhard Rürup, Leipzig 1968, S. 618.Google Scholar
  401. (380).
    Vgl. zum politischen Teil dieser Differenzierung: Arthur Rosenberg, Geschichte der Weimarer Republik, 17. unveränd. Aufl., Frankfurt/M. 1975, S. 97.Google Scholar
  402. (381).
    So Emil Lederer, Probleme der Sozialisierung, Rede im “Verein für Sozialpolitik” am 16. Sept. 1919, wiederabgedruckt in: Ders., Kapitalismus, Klassenstruktur und Probleme der Demokratie in Deutschland 1910–1940, Göttingen 1979, S. 162.Google Scholar
  403. (382).
    Die im Anschluß an diese Vorlesungen entstandenen Dissertationen nahmen keinen erkennbaren Bezug auf das, was Weber vorgetragen hatte.Google Scholar
  404. (383).
    Wilhelm Mattes, Die bayerischen Bauernräte. Eine soziologische und historische Untersuchung über bäuerliche Politik, Stuttgart und Berlin 1921;Google Scholar
  405. (383a).
    Gerhard Colm, Beitrag zur Geschichte und Soziologie des Ruhraufstandes vom März-April 1920, Essen a.d.R. 1921 undGoogle Scholar
  406. (383b).
    Franz Gutmann, Das Rätesystem. Seine Verfechter und seine Probleme, München 1922, (Max Weber gewidmet).Google Scholar
  407. (384).
    Colm, Soziologie des Ruhrauf Standes, a.a.O., S. 7.Google Scholar
  408. (385).
    Mattes, Bauernräte, a.a.O., S. 1.Google Scholar
  409. (386).
    Gutmann, Rätesystem, a.a.O., S. 7.Google Scholar
  410. (387).
    Colm, Soziologie des Ruhraufstandes, a.a.O., S. 7.Google Scholar
  411. (388).
    Vgl. Fritz Fricke, Arbeiterbildung gestern und heute, in: Viertel-jahreshefte der Berliner Gewerkschaftsschule, 8. Jg., 1932, S. 63–73.Google Scholar
  412. (389).
    Vgl. Ernst Troeltsch, Spektator-Briefe. Aufsätze über die deutsche Revolution und die Weltpolitik 1918/22. Tübingen 1924.Google Scholar
  413. (390).
    Anonym (Ferdinand Tönnies), Der Gang der Revolution, Zur Soziologie der politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen, Königsberg i.Pr. (1919).Google Scholar
  414. (391).
    Emil Lederer, Der Klassenkampf der Revolution, in: Die weißen Blätter, Bd. 7, Berlin 1920, S. 1–9, S. 70–79 undGoogle Scholar
  415. (391a).
    ders., Soziologie der Gewalt. Ein Beitrag zur Theorie der gesellschaftlichen Kräfte, in: Ders. (Hrsg.), Soziologische Probleme der Gegenwart (= Die weißen Blätter, N.F., Heft 1), Berlin 1921, S. 16–29.Google Scholar
  416. (392).
    Theordor Geiger, Die Masse und ihre Aktion, Ein Beitrag zur Soziologie der Revolution, Stuttgart 1926 (Nachdruck 1967).Google Scholar
  417. (393).
    Vgl. Verhandlungen des 3. Deutschen Soziologentages am 24. und 25. September 1922 in Jena, Tübingen 1923.Google Scholar
  418. (394).
    Vgl. Robert Michels, Psychologie der antikapitalistischen Massenbewegungen, in: Grundriß der Sozialökonomik, Bd. IX.1, Tübingen 1926, S. 241–359.Google Scholar
  419. (394a).
    Heinz Marr, Das proletarische Verlangen. Ein Beitrag zur Psychologie der Masse, Jena 1921.Google Scholar
  420. (394b).
    Carl Mennicke, Massenbewußtsein, in: Frankfurter Zeitung v. 15.4.1923 (1. Morgenblatt, Nr. 276)Google Scholar
  421. (394c).
    oder Wilhelm Vleugels, Der Begriff der Masse, in: Jahrbuch für Soziologie, Bd. II, Karlsruhe 1926, S. 176–201.Google Scholar
  422. (395).
    Vgl. III.4.Google Scholar
  423. (396).
    In einer 1919 “im Benehmen mit der der Reichsregierung unterstellten Zentrale für Heimatdienst” geschaffenen Denkschrift hieß es ganz in diesem Verständnis: Mit dem Ende des Obrigkeitsstaates sei es notwendig geworden, “die für die wichtigen Frage der Nation erforderliche einheitliche Willensbildung in der Bevölkerung durch ein Informations- und Meinungsbildungssystem zu beeinflussen und zu lenken.” Die Zentrale für Heimatdienst habe die Aufgabe als geistiges Zentrum, als Gehirn für den gesamten Wirtschafts- und Kulturorganismus zu wirken, das “Instruktion, Weisungsgut, einer im kleinsten Ort wirksamen, organisch gefügten Wirtschaftszelle erteilt, auf entgegengesetztem Weg rekonstruierende Information (Auskünfte, Berichte) aufnimmt und verarbeitet”. Klaus W. Wippermann, Politische Propaganda und staatsbürgerliche Bildung. Die Reichszentrale für Heimatdienst, Bonn 1976, S. 73. Wippermann verweist auf ähnliche Vorschläge des Münsteraner Soziologen Plenge für die “Reichszentrale”. Zahlreiche prominente Wissenschaftler stellten sich für diese “lancierte” Öffentlichkeit zur Verfügung. Vgl. z.B. Der Geist der neuen Volksgemeinschaft. Eine Denkschrift für das deutsche Volk, hrsg. v.d. Zentrale für Heimatdienst, Berlin 1919 (mit Beiträgen von den DGS-Mitgli edern Max Scheler, Robert Wilbrandt, Gustav Radbruch und M.H. Baege). In klassischem Pathos wandte sich die Reichszentrale mit Worten Arnold Metzgers, Troeltschs, Oppenheimers u.a. in Flugblättern und Plakaten “An die Gebildeten der deutschen Nation”. Vgl. Wippermann, Propaganda, a.a.O., S. 70 f. Die Reichszentrale erließ ihre “Zellen”-Richtlinien für “lancierte” Propagandaartikel in Lokalzeitungen, für lokale Flugblattaktionen u.ä. Schon die zweite Richtlinie am 9.9.1919 griff in uns interessierende Fragestellungen ein: “Zeitlohn oder Akkordlohn?” Weitere Richtlinien behandelten Gemeinschaftsarbeit und Rationalisierung in der Industrie, die Arbeitsgemeinschaften als Wege zum Wirtschaftsfrieden, die Sozialisierung des Kohlenbergbaus, Neuregelung der Arbeitszeit, das neue Arbeitsrecht u.a. Vgl. ebd., S. 522 ff.Google Scholar
  424. (397).
    Vgl. Gerda Soecknick, Religiöser Sozialismus der neueren Zeit unter besonderer Berücksichtigung Deutschlands, Jena 1926, S. 106 f.Google Scholar
  425. (398).
    Wilhelm und Marion Pauck, Paul Tillich. Sein Leben und Denken, Bd. 1 Leben (1976), Stuttgart 1978, S. 84.Google Scholar
  426. (398a).
    Vgl. auch Paul Tillich (Hrsg.), Kairos. Zeitschrift für philosophische Gestaltung, 1925–1926. Blätter für religiösen Sozialismus (hrsg. v. Carl Mennicke bis 1926) und Neue Blätter für den Sozialismus. Zeitschrift für geistige und politische Gestaltung (hrsg. v. Eduard Heimann, Fritz Klatt und Paul Tillich), 1930–1933. Zu diesen Zeitschriften steuerten außer den genannten z.B. Arnold Bergsträsser, Alfred Meusel, Sigmund Neumann, Hans Speier, Dolf Sternberger, Ekkart Kehr, Hermann Heller, Georg Jacoby, Siegfried Marck, Ludwig Oppenheimer, Fritz Borinski, Walter Dirks und Gustav Radbruch Artikel bei.Google Scholar
  427. (399).
    Im Exil schrieb Rudolf Hilferding am 23.9.1933 an Karl Kautsky: “Unsere Politik in Deutschland war seit 1923 sicher im ganzen und großen durch die Situation erzwungen und konnte nicht viel anders sein. In diesem Zeitpunkt hätte auch eine andere Politik kaum ein Resultat gehabt. Aber in der Zeit vor 1914 und erst recht von 1918 bis zum Kapp-Putsch war die Politik plastisch, und in dieser Zeit sind die schlimmsten Fehler gemacht worden.” Zit. nach Eberhard Kolb, Die Arbeiterräte in der deutschen Innenpolitik 1918–1919, (1962) 2., um ein Vorwort und einen bibliographischen Anhang erweiterte Auflage, Frankfurt/M. u.a. 1978, S. 7. Vgl. auch Rosenberg, Geschichte der Weimarer Republik, a.a.O., S. 60. Ebert/Noske/Scheidemann hätten sich 1919 auf demokratisch-republikanische Truppen stützen müssen, statt auf Freikorps, S. 98. Nach Niederschlagung des Kapp-Putsches habe die Möglichkeit bestanden, die zersetzte Reichswehr zu ersetzen und eine reine Arbeiterregierung zu bilden; stattdessen seien die gerade geschlagenen Kapp-Verbände gegen die Arbeiteraufstände im Ruhrgebiet eingesetzt worden, S. 135. Im Sommer 1923 sei eine rein bürgerliche Regierung für die Inflation allein verantwortlich gewesen. Selbst die nunmehr nahezu vermögenslos gewordene Mittelschicht habe grundlegende Maßnahmen gegen das “kapitalistische Schiebertum” befürwortet. Mit diesen Handlungschancen gegen ‘ republikfeindliche’ Kräfte im Bürgertum waren aber noch keine Handlungsalternativen benannt. Bekanntlich leitete gerade Hilferding als Finanzminister 1923 eine Stabilisierung der Hyperinflation nach streng konservativen ökonomischen Maximen ein.Google Scholar
  428. (400).
    Heimann sah diese Verbindung: “Die Übersetzung der wirtschaftstheoretischen in die soziologische Sprache (...) ist methodologisch folgenschwer: dadurch wird die scheinbar so lange sich sperrende Wirtschaftstheorie in die Soziologie und folglich auch die Wirtschaftpolitik in die allgemeine Politik eingegliedert.” Oppenheimer habe dies mit “Klarheit und Kraft durchgeführt”. Eduard Heimann, Soziale Theorie des Kapitalismus. Theorie der Sozialpolitik (1929), neu hrsg. mit einem Vorwort v. Bernhard Badura, Frankfurt/M. 1980, S. 35.Google Scholar
  429. (401).
    Vgl. Vorwärts, Nr. 233, 22.5.1929; vgl. Christian Eckert an Franz Boese am 11.6.1929 und Franz Boese an Emil Lederer am 14.6.1929, ZStA Merseburg, Rep. 196, Nr. 103, Bl 291 und 287. Als Mitglieder wurden Soziologen, Juristen und Vertreter wirtschaftlicher und sozialpolitischer Organisationen angegeben. Ziel sei die Förderung der Forschung in Soziologie, Sozialökonomie etc. und die Verbreitung der Forschungsergebnisse durch Veröffentlichungen, Vorträge und Tagungen. Die Arbeiterklasse bedürfe eines eigenen Forschungsapparates. Vorsitzender der Vereinigung war Fritz Tarnow, sein Stellvertreter Karl Renner, Schriftführer Fritz Naphtali, der für die Herausgabe der Programmschrift “Wirtschaftsdemokratie” 1928 verantwortlich zeichnete. Im Vorstand der Vereinigung waren Emil Lederer, Eduard Heimann, Rudolf Hilferding, Gustav Radbruch, Hugo Sinzheimer u.a. Erstes Produkt dieser Gemeinschaftsarbeit war: Die 40-Stunden-Woche. Untersuchungen über Arbeitsmarkt, Arbeitsertrag und Arbeitszeit, hrsg. im Auftrag des ADGB v. Theodor Leipart, Berlin 1931 (unter den wissenschaftlichen Mitarbeitern sind zu nennen: der oben schon genannte Gerhard Colm, der spätere WWI-Direktor Bruno Gleitze, der aus dem ungarischen Lukacs-Mannheim-Kreis stammende Albert Halasi , der Tönnies-Schüler Paul Hermberg, Emil Lederer, der Heimann-Schüler E. Nölting, der Wilbrandt-Schüler Ludwig Preller, der Grotjahn-Schüler Meyer-Brodnitz sowie Lothar Erdmann, Redakteur der Zeitschrift “Die Arbeit”). Zweites Produkt und erstes und einziges Heft der Schriftenreihe der Vereinigung war: Die wirtschaftlichen Funktionen der Sozialversicherung, Berlin 1932. Organisatorin dieser Studie war die Soziologin und spätere Dozentin an der New School of Social Research, langjährige, für arbeitswissenschaftliche Fragen zuständige Referentin im Reichsarbeitsministerium, Hilde Oppenheimer. Von den noch nicht genannten Mitarbeitern dieser Studie sind noch Fritz Croner und Jakob Marschak von Interesse. Marschak wiederum bildete den “Brückenkopf” zur Rüstow-Löwe-Gruppe.Google Scholar
  430. (402).
    Vgl. dazu Krohn, Wirtschaftstheorie als Interessen, a.a.O., S. 123 ff., S. 64 ff. Für das Selbstverständnis wichtig war die Auseinandersetzung mit Sombarts historisch verstehender Wirtschaftssoziologie. Die Neoricardi aner Rüstow u.a. nahmen diese verstehende Wirtschaftssoziologie an, hielten gleichzeitig auch an theoretischer Sozialökonomie fest. So schrieb Rüstow an Löwe am 23.1.1933: “Wenn man davon spricht, daß sich die Ergebnisse der Marktgesetze ‘hinter dem Rücken der Wirtschaftssubjekte’ durch eine ‘List der Idee durchsetzen, so nimmt man damit Bezug auf die Tatsache, daß die Marktzusammenhänge, die den eigentlichen Inhalt der ökonomischen Theorie bilden, zunächst unsichtbar sind, und nur dem mit der ökonomischen Methode bewaffneten geistigen Auge des Theoretikers im übertragenen Sinne ‘sichtbar’ werden. Demnach zerfallen die Vorgänge und Zusammenhänge der Marktwirtschaft in solche, die den Wirtschaftenden bewußt sein müssen, damit sie wirtschaften können, und solche, die ihm nicht bewußt sind, und nicht bewußt zu sein brauchen — ja gelegentlich nicht einmal bewußt sein dürfen, wenn die Sache störungsfrei funktionieren soll ... Wirtschaftssoziologie als Kulturwissenschaft hat es unmittelbar nur mit der sichtbaren Wirtschaft zu tun. Sie wäre auch möglich, wenn die unsichtbare Wirtschaft nicht entdeckt, die ökonomische Theorie nicht erfunden und ausgebildet worden wäre.” Sie könne deshalb von Leuten betrieben werden, die von der “Theorie keine oder nur unzulängliche Kenntnis haben (Sombart!)”. Bundesarchiv Koblenz, NL Rüstow, Nr. 6., Bl. 6 f.Google Scholar
  431. (403).
    Diese. Verbindungen wurden später in der Zeitschrift “Die Tat” unter der Überschrift “Die Spinne” (Alexander Rüstow) öffentlich denunziert. Vgl. Karl Lange/Verband Deutschen Maschinenbau Anstalten an Arnold Bergsträsser am 24.1.1932. Rüstow und Lange meinten, die De-nunzation Eschmanns im Januarheft der ‘Tat’ 1932 könne nur über Bergsträsser ‘gelaufen’ sein, der über Rüstows frühere Tätigkeit Bescheid wußte und in Heidelberg Alfred Webers Privatassistenten Eschmann oder Dr. Wirsing (Prof. Brinkmann) informiert habe. Ebd., Bd. 265.Google Scholar
  432. (404).
    Vgl. Eduard Heimann, Mehrwert und Gemeinwirtschaft, Kritische und positive Beiträge zur Theorie des Sozialismus, Berlin u.a. 1922;Google Scholar
  433. (404a).
    ders., Die sittliche Idee des Klassenkampfes und die Entartung des Kapitalismus, Berlin 1926;Google Scholar
  434. (404b).
    ders., Über Individualismus und Solida-rismus in der kapitalistischen Konzentration, in: Archiv für Sozial-Wissenschaft und Sozialpolitik, Bd. 39, 1915, S. 741–766.Google Scholar
  435. (404c).
    Vgl. auch ders., Sozialismus im Wandel der modernen Gesellschaft. Aufsätze zu Theorie und Praxis des Sozialismus. Ein Erinnerungsband, hrsg. v. H.-D. Ortlieb, Berlin/Bonn 1975.Google Scholar
  436. (405).
    Selbst eine sozialistische Planwirtschaft komme um die Beachtung der Marktgesetze nur um den Preis der Ineffizienz herum, müsse aber auch dann in der Zuordnung von Angebot und Bedarf die Marktgesetze durch bürokratische Informationssysteme “simulieren”. Typisch für dieses in den 20er Jahren entstandene Bewußtsein ist etwa Goetz Briefs’ Formulierung: Es sei nicht einzusehen, wieso aus der Marktwirtschaft “schon die Existenz von Klassen herausspringen kann... In die grundsätzliche Verfassung der Wirtschaft schlägt nun eine historische Tatsache von größter Bedeutung ein: der Stand der Eigentumsverteilung.” Goetz Briefs, Das gewerbliche Proletariat, in: Grundriß der Sozialökonomik, Bd. VIII, a.a.O., S. 150.Google Scholar
  437. (406).
    Die Soziologie hat mit der Zurückweisung politischer Ideologeme dieses Programms auch die ihr im Ursprung zugewiesene Rolle als Wissenschaft der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, innerhalb derer sich die ökonomische Denkweise mit den Marktgesetzen, entfaltet, nicht angenommen. Damit ging auch bei der Mehrheit der Ökonomen das Bewußtsein einer ergänzenden Wirtschaftsoziologie verloren. Mit der klassischen Wirtschaftsoziologie fiel die Brücke zur modernen Industriesoziologie. In der Soziologenschaft ist die Wirtschaftsoziologie nahezu tot.Google Scholar
  438. (407).
    Heimann, Soziale Theorie, a.a.O., S. 190.Google Scholar
  439. (408).
    Heimanns Mitarbeiter Siegfried Landshut und J.P. Mayer gaben 1932 die neu entdeckten Frühschriften von Marx heraus. Vgl. Heimann dazu in: Neue Blätter für den Sozialismus, 3. Jg., 1932, S. 669 sowie ders., Sozialwissenschaft und Wirklichkeit. Zwei soziologische Vorträge, Tübingen 1932, S. 60 f. Gleichzeitig warnte Heimann aber auch vor der Überschätzung der Vitalität einer Arbeiterschaft, die zu lange “Fußschemel der angeblichen Persönlichkeit war”. S. 61.Google Scholar
  440. (409).
    Heimann, Soziale Theorie, a.a.O., S. 231.Google Scholar
  441. (410).
    Ebd., S. 232.Google Scholar
  442. (411).
    Ebd., vgl. auch Eduard Heimann, Soziale Betriebsarbeit, in: Neue Blätter für den Sozialismus, 1. Jg., 1930, S. 220–226; Ilse Ganzert, Soziale Betriebsarbeit, ebd., S. 213–220 und der Bericht von Lotte Jahn über soziale Betriebsarbeit bei Oetker, ebd., S. 473 f.Google Scholar
  443. (412).
    Heimann, Soziale Betriebsarbeit, a.a.O., S. 224 f.Google Scholar
  444. (413).
    Vgl. Margrit Schuster/Helmuth Schuster, Industriesoziologie im Nationalsozialismus, in: Soziale Welt, Heft 1/2, Jg. 35, 1984, S. 122 f.Google Scholar
  445. (414).
    Indes ließen sich die Mitglieder des Kairos-Kreises in ihrer Nachberliner Zeit kaum noch auf gemeinsame Ausgangspunkte verpflichten. Ihre Kommunikationsstruktur eines freimütigen “Rundbriefverfahrens” blieb erhalten. Adolf Löwe und Alexander Rüstow, die beide jedoch nie Anhänger Tillichs waren, übten Kritik am “syndikalistischen” und literarischen Schwung des Buches (Rüstow an Löwe am 23.9. und beipflichtender Antwortbrief vom 25.9.1929). Am 20.9.1929 hob Löwe Heimanns Leistung hervor: Heimann habe erstens die Sozialpolitik in die historische und ökonomische Dynamik des Kapitalismus eingeordnet und eine “glückliche” Darlegung des dialektischen Charakters der Sozialpolitik zustande gebracht. Zweitens habe er hierbei die liberale Idee verdeutlicht. “Es zeigt sich wieder, wieviel wir alle Oppenheimer zu verdanken haben, wenngleich die Folgerungen Heimanns originaler Art sind.” Drittens betone Heimann die “förderalistischen Elemente im Sinne Proudhons gegen Zentralisierungsfimmel” stark. Utopie der “neuen Maschine” sei allerdings falsch. Die Befreiung der Arbeit bestehe in der Beschränkung auf die jeweilige “Leistbarkeit der Arbeiter”. Heimann sei in der “klaren Preisgabe der Produktivitätsideologie zugunsten einer menschlichen Arbeitsordnung” zuzustimmen. “Natürlich gäbe es hier Grenzen.” Dagegen negiert Rüstow im Brief vom 23.9.1929 den dialektischen Charakter der Sozialpolitik. Für ihn verbleibe “Sozialpolitik innerhalb der Möglichkeitsgrenze der kapitalistischen Marktwirtschaft und bis zur äußersten Ausnutzung dieser Grenze, aber zugleich auch hinter ihrer strikten Wahrung. (Also gerade das und nur das, was Heimann unechte Sozialpolitik nennt.)...” Bundesarchiv Koblenz, NL Rüstow, Nr. 6.Google Scholar
  446. (415).
    Ludwig Heyde an Ferdinand Tönnies am 9.12. 1929, Schleswig-Holsteinische LB Kiel, Cb 54:56, Tönnies NL.Google Scholar
  447. (416).
    Vgl. Goetz Briefs, Soziale Theorie des Kapitalismus — Theorie der Sozialpolitik, in: Soziale Praxis, Jg. 38, 1929, Sp. 1041–1049;Google Scholar
  448. (416a).
    Ferdinand Tönnies, Sozialpolitik als Idee, in: Weltwirtschaftliches Archiv, Bd. XXXI, (Literaturteil), 1930, S. 161–175; vgl. zur Diskussion: Soziale Praxis, Jg. 39, 1930, Sp. 177 ff., S. 252 ff., S. 275 ff., S. 299 ff., S. 905 ff. und S. 932 ff. mit Beiträgen von Pribram, Zwiedineck-Südenhorst und Carl Landauer.Google Scholar
  449. (416b).
    Karl Dunkmann, Sozialpolitik und Sozialismus, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Deutsche Wirtschafts- und Sozialpolitik, Jg. 4, Nr. 11, 1.6.1930, S. 5 f.Google Scholar
  450. (417).
    Materielle und innere Grenzen der deutschen Sozialpolitik, in: Ruhr und Rhein, 13.12.1929, S. 1631.Google Scholar
  451. (418).
    Ludwig Preller, Sozialpolitik in der Weimarer Republik (1949), hrsg. v. Florian Tennstedt, Kronberg/Ts., Düsseldorf 1978, S. 218.Google Scholar
  452. (419).
    Vgl. z.B. das ADGB-Standardbuch von Ernst Nölting, Grundlegung und Geschichte der Sozialpolitik, 2. verb. Aufl., Berlin 1932, S. 8 f. Mit überzeugender Eindringlichkeit habe Heimann auf die konservativrevolutionäre Doppelseitigkeit der Sozialpolitik hingewiesen.Google Scholar
  453. (419a).
    Oder für den Afa-Bund: Fritz Croner, Zur Theorie proletarischer Sozialpolitik, in: Die Gesellschaft, 1930, Bd. 1, S. 51 f.Google Scholar
  454. (420).
    Bundesarchiv Koblenz, NL Rüstow, Nr. 18a.Google Scholar
  455. (421).
    Vgl. Alexander Rüstow, an Adolph Löwe am 11.3.1929 “Du wirst staunen, woher alle Schwierigkeiten (im Verein für Sozialpolitik) kommen werden! Mein Lieber, die alten Herren machen vorläufig außer in Kiel die Berufungen. Hast Du das noch nicht gemerkt? Kein Holz ist grün genug, daß es angesichts dieser Tatsache nicht dürr würde!” Bundesarchiv Koblenz, NL Rüstow, Nr. 6.Google Scholar
  456. (422).
    Vgl. Franz Boese, Geschichte des Vereins für Sozialpolitik 1872–1932, Berlin 1939 (Schrift des Vereins für Sozialpolitik, Bd. 188), S. 218 f. Zunächst hatte das Thema noch “Grundlagen” der Sozialpolitik geheißen, “auf der Tagung und im Verhandlungsband hieß es “Grundlagen und Grenzen” (i.o.) der Sozialpolitik! “Im Grunde” — so der Schriftführer Boese — “war es ja besonders auf eine wissenschaftlich besinnliche Festlegung der Grenzen abgesehen. Denn (!) obwohl seit der Revolution von 1918 nun schon zwölf Jahre verflossen waren, (...) war die Macht der Arbeiterschaft (...) doch noch sehr spürbar.” Aus taktischen Gründen unterließ man in der Einladung zur Tagung den Titel “Grenzen der Sozialpolitik”, ebd., S. 218. Boese an den Vorsitzenden des Vereins, Christian Eckert (Köln) am 29.10.1929: “Die Auseinandersetzung von Briefs mit Heimann (...) über ‘Theorie der Sozialpolitik’ lehrt so einigermaßen, was wir in Königsberg zu diesem Thema zu erwarten haben: nur wenige Auserwählte werden den Festrednern in ihr Wolkenkuckucksheim (...) folgen können (...). Man ersieht aus jener Auseinandersetzung auch klar, daß es in unserer Wissenschaft ohne ‘Politik’ eben nicht abgeht. Das Theoretische dient immer nur zum Versteckspielen, zur Kulisse (...). Da das so ist, müssen wir jedenfalls darauf sehen, daß der Nicht-Sozialist in Königsberg zuerst redet, damit der nachfolgende Sozialist der Entgegnende ist und sich dabei deutlicher offenbaren muß”. Boese an Eckert am 4.12.1929: “Ich bin sehr für die Manipulierung der Diskussion, aber sie darf um keinen Preis spürbar, der Schein der Freiheit, der ja grundsätzlich gegeben ist, muß sorgsam aufrechterhalten werden. Ich glaube, es ist nachdem die Herren (die präparierten Diskussionsredner, d. Verf.) angenommen haben, die Aufwendung aller Energie geboten, um ihnen das Heucheln von völliger Unbefangenheit einzubläuen.” In: ZStA Merseburg, Rep. 196, Nr. 53. Auf der Tagung kam dann jedoch keine Diskussion zum Thema Sozialpolitik zustande.Google Scholar
  457. (423).
    Vgl. Alfred Braunthal, Der wirtschaftsdemokratische “Wunderglaube”, in: Der Klassenkampf, 5. Jg., 1931, Heft 3;Google Scholar
  458. (423a).
    Willi Eichler, Wirtschaftsdemokratie, in: ISK, 3. Jg., 1928, Heft 9;Google Scholar
  459. (423b).
    Paul Hermberg, Demokratisierung der Wirtschaft? in: Der Klassenkampf, 2. Jg., 1928, Nr. 18;Google Scholar
  460. (423c).
    Otto Leichter, Wirtschaftsdemokratie, in: Der Kampf, 21. Jg., 1928, Heft 12.Google Scholar
  461. (423d).
    Fritz Naphtali, Debatten zur Wirtschaftsdemokratie, in: Die Gesellschaft, 6. Jg., 1929, Nr. 3,Google Scholar
  462. (423e).
    Walter Ulbricht, Wirtschaftsdemokratie oder wohin steuert der ADGB? Berlin 1928.Google Scholar
  463. (423f).
    Rudolf Gerber, Über “Industriefrieden” und “Wirtschaftsdemokratie? Eine soziologische und sozialökonomische Untersuchung, Jena 1930.Google Scholar
  464. (424).
    Vgl. Hermann Lufft, Wirtschaftsdemokratie, in: Soziale Revue, 29. Jg., 1929, Heft 2;Google Scholar
  465. (424a).
    Hermann Hagen, Wirtschaftsdemokratie, in: Soziale Revue, 30 Jg., 1930, Heft 10;Google Scholar
  466. (424b).
    Bruno Rauecker, Warum Wirtschaftsdemokratie? In Vossische Zeitung,1929, Nr. 156Google Scholar
  467. (424c).
    und ders., Wirtschaftsdemokratie als nationale Aufgabe, Berlin 1929;Google Scholar
  468. (424d).
    Max Rössiger, Der werdende Wirtschaftsbürger, Berlin 1928;Google Scholar
  469. (424e).
    Heinrich Funke, Wirtschaftsdemokratie in Deutschland, in: Soziale Kultur, 47 Jg., 1926, Heft 6–8.Google Scholar
  470. (425).
    Vgl. Gerhard Albrecht, Wirtschaftsdemokratie, in: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, Bd. 75 (III. Folge), 1929 I, 20.2. 1929.Google Scholar
  471. (425a).
    Josef Dobretsberger, Wirtschafsdemokratie, in: Das neue Reich, 12. Jg., 1930, Nr. 24.Google Scholar
  472. (425b).
    Karl Dunkmann, Wirtschaftsdemokratie, in: Mitteilungen der Gesellschaft für deutsche Wirtschafts- und Sozialpolitik, 3. Jg., 1929, Nr. 5, 6, 7.Google Scholar
  473. (425c).
    Johannes Gerhardt, Liberalismus und Wirtschaftsdemokratie, Berlin 1930, undGoogle Scholar
  474. (425d).
    ders., Unternehmertum und Wirtschaftsführung, Tübingen 1930;Google Scholar
  475. (425e).
    Hugo Kanter, Die Wirtschaftsdemokratie, in: Deutsche Wirtschaftszeitung, 26. Jg., 1929, Nr. 19;Google Scholar
  476. (425f).
    Ernst Saemisch, Wirtschaftsdemokratie? In: Der deutsche Volkswirt, 2. Jg., 1928, Nr. 50.Google Scholar
  477. (425g).
    Adolf Weber, Zum Begriff “Wirtschaftsdemokratie”, in: Der Arbeitgeber, 19 Jg., 1929, Nr. 12;Google Scholar
  478. (425h).
    Josef Winschuh, Angewandte Wirtschaftsdemokratie und ihre Ergebnisse, in: Glückauf, Jg. 1930, Nr. 7.Google Scholar
  479. (426).
    RDI-Geschäftsführer Herle an RDI-Vorstandsmitglied Silverberg am 20.3.1928, in: Bundesarchiv Koblenz, NL Silverberg, Nr. 228, Bl. 42.Google Scholar
  480. (427).
    Vgl. ebd., Bl. 43–47.Google Scholar
  481. (428).
    Vgl. Silverberg an RDI-Geschäftsführung am 12.11.1928, ebd., Bl.265.Google Scholar
  482. (429).
    Ebd. Silverberg meinte den Aufsatz des liberalen Publizisten Gustav Stolper: Sozialistische und liberale Wirtschaftsdemokratie? In: Der deutsche Volkswirt, 2. Jg., 1928, Nr. 50.Google Scholar
  483. (430).
    NL Silverberg, ebd., Nr. 229, Bl. 45–47.Google Scholar
  484. (431).
    Walter Eucken an Rüstow am 21.1.1929, in: Bundesarchiv Koblenz, NL Rüstow, Nr. 6 sowie ZStA Merseburg, Rep. 92, Sombart, Nr. 2d1, Einladung zum ersten Treffen vom 20.10.1928 “gez. Herkner/Silverberg”.Google Scholar
  485. (432).
    Sombart rechnete Adolf Weber zur ‘Clique’, die Sombarts Berufungen in seinen jungen Jahren vereitelt hatte. Silverberg bedauert am 6.4.1929 in einem Brief an Sombart, daß er wegen Weber ausscheiden wolle. Vgl. ZStA Merseburg, Rep. 92, Sombart, Nr. 2e, Bl. 452. Vgl. dort auch Bl. 453–458.Google Scholar
  486. (433).
    Vgl. Schreiben des RDI-Präsidenten Bücher an Sombart vom 21.9. und 6.10.1927, ZStA Merseburg, Rep. 92 Sombart, Nr. 2d.Google Scholar
  487. (434).
    Vgl. Kapitel III.4. So hatte die Industrie erfolgreich ehemalige ‘Kathedersozialisten’ für den Kampf gegen den Achtstundentag gewonnen.Google Scholar
  488. (435).
    So die Formulierung des RDI-Schreibens v. 12.10.1929 zur Bilanzierung der Saartagung, Bundesarchiv Koblenz, NL Silverberg, Nr. 229, Bl. 282. Vgl. Das Problem der Wirtschaftsdemokratie, hrsg. v.d. Deutschen Bergwerkszeitung, 2. Aufl. Düsseldorf 1929 (Aufsätze zur RDI-Tagung) und Karl Lange, “Wirtschaftsdemokratie” oder organisierte Wirtschaftsfreiheit? Sitzungsbericht über die ordentliche Mitgliederversammlung des Vereins deutscher Maschinenbauanstalten am 6. Juni 1929 in Berlin.Google Scholar
  489. (436).
    RDI-Geschäftsführer Herle an Silverberg am 19.3.1929, vertraulich, in: Bundesarchiv Koblenz, NL Silverberg, Nr. 268, Bl. 124 f. (Unter-streichungen im Original).Google Scholar
  490. (437).
    Adolf Weber, Das Ende des Kapitalismus, 1. Aufl., München 1929, S.8 und 2. Aufl., 1929, S. 9.Google Scholar
  491. (438).
    Ebd. 1. Aufl., S. 13, vgl. 2. Aufl., S. 37 und S. 39f. Den Begriff ‘Kartell’ aus der ersten Auflage ersetzte er an heikler Stelle durch den Begriff ‘geregelte Konkurrenz’ (vgl. S. 40, 2. Aufl.). (Ein Vorläufer des modernen Begriffs der ‘workable competition’, der die Ökonomen aus der Begriffsnot befreite).Google Scholar
  492. (439).
    Vgl. ebd., 1. Aufl., S. 28 und 2. Aufl., S. 29.Google Scholar
  493. (440).
    Deutsche Presse, 17. Jg., Nr. 14/15, Berlin, 1.4.1927 und dazu der RDI-Präsident Bücher zustimmend in seinem Vrotrag vom April 1927: ‘Die volkswirtschaftliche Einheit von Wissenschaft, Unternehmertum und Arbeiterschaft im Produktionsprozeß, in: Bundesarchiv Koblenz, NL Silverberg, Nr. 227, Bl. 266 f.Google Scholar
  494. (441).
    Am 26.3.1924 schrieb Dunkmann über seine praktische Anwendung der Soziologie: “Nun erst schmelzen Wissenschaft und Religion zusammen.” Soziologie rückte fortan bei Dunkmann in die Funktion der Theologie, Schieswig-Holsteinische LB Kiel, Cb 54–56 NL Tönnies. Über sein erstes soziologisches Werk, die ‘Lehre vom Beruf, äußerte er später, daß in seiner Herleitung des Berufs von der ‘Gemeinschaft’ “alle ethischen und selbst religiösen Begleitmomente im Berufsbegriff” gesichert erschienen, — “selbst der Theologe kam auf seine Rechnung.” Ders., Soziologie der Arbeit, Halle 1933, S. 36. Selbst Rosenstock warf er unsoziologische religiöse Romantik im Berufsbegriff vor, ebd., S. 42. Nunmehr entdeckte er im Begriff des Menschlichen das “Apriori aller Soziologie”. Darin sei der Glauben an ein Ganzes enthalten: “Es gilt aber heute, die Quellen dieses urreligiösen Bewußt-seins wieder auszugraben und zu reinigen.” Ebd., S. 44. ‘So gleichlautend der Ansatz schien’, so evident sei der Unterschied zwischen ihm und Heimann, dem er unsoziologischen ‘Spiritualismus’ und gewerkschaftlichen Aktivismus vorwarf. Ebd., S. 110 f. Für den Kairos-Kreis behielt die Religion Gegenwartsbedeutung, für Dunkmann stets weniger. Den Geist des Kairos-Kreises charakterisierte Mennicke bündig: “Für uns ist die Überwindung des rationalistischen Atheismus des 18. und 19. Jahrhunderts zentralste Angelegenheit. Für uns sind allen Ernstes die Tillich’schen Formulierungen nicht nur Religionsphilosophie, sondern Ausdruck des religiösen Grundverhältnisses, das für uns schlechthin entscheidende Lebensbedeutung hat.” Was ‘Menschsein’ heißt und ‘was der Mensch bedarf, dieses Menschenbild entnahm der Kairos-Kreis Tillichs religiösem Sozialismus: in den wissenschaftlichen Studien der einzelnen Mitglieder des Kreises stößt heute nur noch der genaue Kenner des Tillich-Werkes auf diese Verbindungen. Vgl. Mennicke an Rüstow am 27.10.1925, Bundesarchiv Koblenz, NL Rüstow, Nr. 208.Google Scholar
  495. (442).
    Karl Dunkmann an Ferdinand Tönnies am 27.12.1924, Schleswig-Holsteinische LB, Cb 54:56, NL Tönnies, “Hirnverbrannte Politik rechts und links, fanatisierte Geister hüben und drüben und die ‘Wissenschaft’ steht erschreckend still (...)” Ebd.Google Scholar
  496. (443).
    Dunkmann an Tönnies am 30.12.1924, ebd.Google Scholar
  497. (444).
    Dunkmann an Tönnies am 20.3.1924, ebd.Google Scholar
  498. (445).
    René König, Soziologie in Berlim um 1930, in: KZfSS, Sonderheft 23/1981, a.a.O., S. 49.Google Scholar
  499. (446).
    Trotzdem lieferte Heimanns Theorie die Stichworte, um die Umrisse einer eigenen soziologischen Konzeption der Sozialpolitik zu markieren. Vgl. den Nachruf auf Dunkmann: Heinz Sauermann, Angewandte Soziologie und Sozialpolitik, in: Der Arbeitgeber, 23. Jg., 1933, S. 128.Google Scholar
  500. (447).
    “Als Interessenkoalition der Industriearbeiterschaft gegen die Arbeitgeberschaft ist sie ein soziologisch unmögliches Gebilde”. Karl Dunkmann/Karl Vorweck, Die Werksgemeinschaft in historischer und soziologischer Beleuchtung, Berlin 1928, (Schriften ‘Wege zum Wirtschaftsfrieden’ der Gesellschaft für Deutsche Wirtschafts- und Sozialpolitik e.V. Berlin Nr. 1), S. 106. Dunkmann verfaßte den soziologischen Teil dieses, gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Vorwerck herausgegebenen Buches unter dem Titel “Werksgemeinschaft als Organisationsproblem. Eine soziologische Untersuchung”, ebd. , S. 63–130.Google Scholar
  501. (448).
    Vgl. Kapitel IV.3.Google Scholar
  502. (449).
    Man denke nur, welche Schwierigkeiten Sozialforscher vor der Jahrhundertwende zu überwinden hatten. Nicht zu vergessen sind die hohen Zeitkosten, die außerordentliche Energie, die dem damaligen Lageforscher durch die unentwickelten Verkehrs- und Bildungsverhältnisse abverlangt wurden. Büßte der Lageforscher das Wohlwollen der Behörden und der Lokalhonoratioren ein, versiegten nicht nur alle Informationsquellen. Das Industriegebiet selbst wurde zu einem großen “Werksgelände”, dessen Eingang sich ihm verschloß. Ohne “Empfehlungen” und “Anliegen” zu reisen, sich aber für Land und Leute intensiv zu interessieren, machte jeden zu einem “verdächtigen Subjekt”. Eine publizierte Lagestudie wurde unter diesen restriktiven Voraussetzungen in sich zu einem ‘Politikum’, dessen Wirkungen sich ein Privatforscher mit wissenschaftlichen Distanzerklärungen gar nicht entziehen konnte.Google Scholar
  503. (450).
    Karl Marx — Friedrich Engels, Werke Bd. 3, Berlin 1962, S. 5.Google Scholar
  504. (451).
    “Eine bloße Soziologie der Distanz mag einer sinkenden Gesellschaft gegenüber am Platz sein, oder auch einer solchen, die in sich selbst verzweifelt, nicht aber einer solchen, die an sich selbst glaubt und an ihre Zukunft.” Dunkmann, Angewandte Soziologie, a.a.O., S. 21. Nicht als kritische, sondern als ‘positive’ Gestaltungswi ssenschaft sollte sich bei Dunkmann Soziologie begründen; Marx’ Programm enthielt dagegen das Moment der ‘Distanzierung’, indem Wissenschaft sich radikal kritisch, auch zu sich selbst verhalte. So sehr Erkenntnis an die geistige Anstrengung zum ‘Begriff gebunden sei, so wenig finde die Wissenschaft in sich selbst ihr Maß zur Wirklichkeit. Soziologische Leitideen für eine Zukunft der Gesellschaft zu produzieren, ist danach ein a priori unkritisches Verfahren. Auch kritische Wissenschaft bleibe ex-post-Darstellung der menschlichen Praxis.Google Scholar
  505. (452).
    Karl Dunkmann (Hrsg.), Lehrbuch der Soziologie und Sozialphilosophie (unter Mitarbeit von Gerhard Lehmann und Heinz Sauermann), Berlin 1931, S. 111 und Dunkmann, Angewandte Soziologie, a.a.O., S. 10, S. 22 f. und insbesondere S. 28 f.Google Scholar
  506. (453).
    König, Soziologie in Berlin um 1930, a.a.O., S. 47.Google Scholar
  507. (454).
    Dunkmann, Angewandte Soziologie, a.a.O., S. 10 ff.Google Scholar
  508. (454a).
    Ders., Über Begriff und Aufgabe der angewandten Soziologie, a.a.O., S. 224.Google Scholar
  509. (455).
    Ders., Die Lehre vom Beruf, Eine Einführung in die Geschichte und Soziologie des Berufs, Berlin 1922. Obwohl sich Dunkmann später von den Grundgedanken des Buches, dem Gegensatz Beruf-Arbeit löste, beschäftigte ihn das Thema weiter. Am 8.7.1924 schrieb er Tönnies: “Beruf und Religion bilden ein sehr verschlungenes Problem, das mich in meiner Lehre vom Beruf sehr beschäftigt hat und mit dem ich lange nicht fertig bin. So einfach ist die Sache nicht zu lösen, wie auch Weber meinte.” Schleswig-Holsteinsche LB Kiel, Cb 54/56, NL Tönnies.Google Scholar
  510. (456).
    (So der Titel des Aufsatzes), in: Der Arbeitgeber, 14. Jg., 1924, S. 3–6.Google Scholar
  511. (457).
    Ludwig Heyde in der Eröffnung des neuen Jahrgangs der “Sozialen Praxis”, 32. Jg., 1924, Sp. 1.Google Scholar
  512. (458).
    Dunkmann, Die erlösende Idee, a.a.O., S. 4.Google Scholar
  513. (459).
  514. (460).
  515. (461).
  516. (462).
    Ebd., S. 6.Google Scholar
  517. (463).
    Vgl. den Bericht über Dunkmanns Vortrag im Kasino der Borsigwerke; Dr. P. Krische, Gemeinschaftskultur, in: Borsig-Zeitung, 1. Jg., 1924, Nr. 8/9, S. 75–77.Google Scholar
  518. (463a).
    Vgl. den vorbereiteten Artikel Dunkmanns, Gemeinschaft und Gesellschaft, in: Borsig-Zeitung, 1. Jg., 1923: Nr. 4/5, S. 30–32.Google Scholar
  519. (464).
    Dunkmann an Tönnies am 25.7.1924; “Dr. Striemer ist hier ein wertvolles Mitglied der Gemeinschaftsarbeit.” Schleswig-Holsteinische LB Kiel, Cb 54:56, NL Tönnies. Striemer wurde 1923 wegen ‘gelber’ Tendenzen seiner gewerkschaftlichen Ämter enthoben.Google Scholar
  520. (465).
    Schleswig-Holsteinische LB Kiel, Cb 54:46, NL Tönnies, Tönnies antwortete: Die Soziologie könne helfen, die Geburtswehen auf dem Weg zu neuen sozialen Formen abzukürzen. Striemer bot Tönnies 100 Mk für den Aufsatz, der 1926 unter dem Titel ‘Soziologie und ihr Wert’ erschien. Vgl. Borsig-Zeitung, 3. Jg., Nr. 1/2, S. 1 f. Dieser Betrag überstieg das damalige Monatsgehalt eines wissenschaftlichen Assistenten in den Sozialwissenschaften. Die Borsigzeitung erschien mit einer Auflage von 8000 Exemplaren. Die halbe Auflage ging an industrielle Unternehmungen im In- und Ausland.Google Scholar
  521. (466).
    Striemer an Tönnies am 23.7.1925, ebd.Google Scholar
  522. (467).
    Vgl. ZStA Potsdam, 3901 Reichsarbeitsministerium, Film-Nr. 33220, Akte Nr. 940, ‘Arbeitsvermittlung und Berufsberatung für Akademiker’, 1.1.1928.Google Scholar
  523. (468).
    Striemer an Tönnies am 27.6.1925, Schleswig-Holsteinsche LB Kiel, Cb 54:56, NL Tönnies.Google Scholar
  524. (469).
    Dunkmann an Tönnies am 26.3.1924, ebd.Google Scholar
  525. (470).
    Ebd., gemeint sind Othmar Spann, der österreichische Soziologe und Ständetheoretiker und August Horneffer, der erste Herausgeber der ‘Tat’ und Gießener Philosophieprofessor. Horneffer schrieb regelmäßig Essays im Organ der Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände.Google Scholar
  526. (471).
    Vgl. Dunkmann an Tönnies am 10.6.1924, ebd.Google Scholar
  527. (472).
    Ebd. Es solle der Liberalismus von ‘innen heraus überwunden’ werden. Außerdem solle mit einem Organ ein Gegengewicht zur Kölner Soziologenzeitschrift geschaffen werden, das ihm “unbedingt nötig” erscheine. Denn: “Was solle man mit Wieses Tafeln zur Beziehungssoziologie?” Ebd. Als vorläufiges Organ fungierte die Zeitschrift “Nordland”. Monatsschrift für Volkstum und Gemeinschaftspflege. “Unter Mitwirkung von Karl Dunkmann und Willy Schlüter, verantwortlich geleitet und herausgegeben von Reinhard Kraut, 1. Jg., 1924. Vgl. dort auch die Selbstanzeige Dunkmanns ‘Kritik der sozialen Vernunft’ , S. 98 f.Google Scholar
  528. (473).
    Dunkmann an Tönnies am 25.7.1924, ebd. Vgl. auch Rundschreiben Dunkmanns vom 10.2.25, ebd.Google Scholar
  529. (474).
    “Das Institut wird Hand in Hand mit dem Zentrali nstitut für Erziehung und Unterricht Kurse und Vorträge veranstalten und sich in seiner Gesamtarbeit vornehmlich den Problemen und Aufgaben der modernen Wirtschaft und Volkserziehung zuwenden (...) Das vorschwebende Ziel aller Arbeit ist die ‘Volksgemeinschaft’ (...) Die besondere Note aber des Instituts ist die streng soziologisch geschulte Gedankenführung und Zielsetzung, die jenen Tendenzen zumeist abgeht.” Der Arbeitgeber, 14. Jg., 1924, S. 346. Die innere Arbeit beschrieb Dunkmann mit den Stichworten ‘soziale Hebung des alternden Arbeiters in den Betrieben’, Betriebssatzungen und Werksgemeinschaft. Vgl. Dunkmann an Tönnies am 25.7.1924. Zur ‘Sozialen Praxis’ Brief vom 20.2.1925, Schleswig-Holsteinische LB Kiel, Cb 54:56, NL Tönnies.Google Scholar
  530. (475).
    Dunkmann an Tönnies am 25.7.1924, ebd.Google Scholar
  531. (476).
    Dunkmann an Tönnies am 16.7.1925, ebd.Google Scholar
  532. (477).
    Nur bei Max Adler untersuchte Dunkmann stattdessen die Unmöglichkeit einer marxistischen Soziologie. Diese führte er darauf zurück, daß Marxisten keine von den Produktionsverhältnissen unabhängigen sozialen Bezighungsformen anerkennen könnten. Soziologie werde letztendlich in Ökonomie aufgelöst. Vgl. Der Arbeitgeber, 14. Jg., 1924, S. 381–383, S. 437–439, S. 518–521; 15. Jg., 1925, S. 133–136, S. 264–266, S. 333–336 und 16. Jg., 1926, S. 45–49.Google Scholar
  533. (478).
    Vgl. auch ders., Kritik der sozialen Vernunft, Berlin 1924.Google Scholar
  534. (479).
    Dunkmann an Tönnies am 27.12. und am 30.12.1924, Schleswig-Holsteinische LB Kiel, Cb 54:45, NL Tönnies. Als Mitdiskutanten ließen sich außer seinen Assistenten Gerhard Lehmann und Heinz Sauermann, Karl Vorwerck, Otto Bobertag, Alfred Striemer, Paul Krische, Eberhard Köhler, Walter Funk, Friedrich Kienzl und Alfred Vierkandt identifizieren.Google Scholar
  535. (480).
    Zwei Serien: A) Zur Einführung in Theorie und Praxis der Arbeiterbe-wegung, B) Zur Einführung in die Theorie und Praxis der sozio-logischen Pädagogik.Google Scholar
  536. (481).
    Das Handbuch wurde herausgegeben von Fritz Giese und erschien ab 1926 (Halle) in zahlreichen Bänden.Google Scholar
  537. (482).
    Gottls Gebildelehre sei unausweichlicher Ausgangspunkt einer Soziologie der Wirtschaft, vgl. Dunkmann, Angewandte Soziologie, a.a.O., S. 122.Google Scholar
  538. (483).
    Ebd., S. 123. Vgl. dazu Theodor Geigers kritische Rezension, in: Die Arbeit, 6. Jg., 1929, S. 661–664.Google Scholar
  539. (484).
    Dunkmann, Angewandte Soziologie, S. 131.Google Scholar
  540. (485).
    Ebd., S. 130 f.Google Scholar
  541. (486).
    Es könne “im Grunde gar keine rechtliche Möglichkeit” geben, “das Monopol der beruflichen Gewerkschaften tatsächlich aufrecht zu erhalten. Denn so weit kann die Rechtsetzung unmöglich gehen, daß sie ein ‘Recht’ nur gewissen Gruppen erteilt, auf das doch alle Staatsbürger Anspruch haben.” Ebd. Die Unternehmer des Kaiserreiches deuteten vielfach die Gewerkschaften ebenso nur in der ‘schiefen’ Gegenüberstellung zu den nichtorganisierten, politisch anders eingestellten “arbeitswilligen” Bürgern, die gegen Eingriffe in ihre Rechte vor den Gewerkschaften staatlich geschützt werden müßten.Google Scholar
  542. (487).
    Ebd., S. 131 f.Google Scholar
  543. (488).
    Ebd., S. 132.Google Scholar
  544. (489).
    Vgl. Dunkmann (Hrsg.), Lehrbuch der Soziologie, a.a.O., (hier Sauermann) S. 414. Sauermanns Artikel leistet nur eine Literaturübersicht ohne stringente Problembearbeitung. Instruktiver sind Dunkmanns industriesoziologische Einströmungen in seinem ‘System der Soziologie’, ebd., S. 119–260.Google Scholar
  545. (490).
    Vgl. Fritz Giese (Hrsg.), Handwörterbuch der Arbeitswissenschaft, Teil 2, Halle 1931,Google Scholar
  546. (490a).
    Vgl. auch Karl Dunkmann, Die Kooperation als Strukturprinzip der Wirtschaft, München 1930.Google Scholar
  547. (491).
    Ders., Soziologie der Arbeit (Handbuch der Arbeitswissenschaft, Bd. VIII/IX, Teil 1, hrsg. von Fritz Giese), Halle 1933, S. 36.Google Scholar
  548. (492).
  549. (493).
    Ebd., S. 36 f. Eine logische Trennung von Gemeinschaft und Gesellschaft scheitere an der Wirklichkeit.Google Scholar
  550. (494).
    Ebd., S. 155 f.Google Scholar
  551. (495).
    Ebd., S. 33 f. und S. 91. Ansonsten lehnte Dunkmann Marx ab.Google Scholar
  552. (496).
    Ebd., S. 97.Google Scholar
  553. (497).
    Ebd., S. 96 f.Google Scholar
  554. (498).
    Vgl. Dunkmann, Sozialismus und Liberalismus, in: Neue Wirtschaft, 6. Jg., 1932, Nr. 14, S. 1–3 sowie Nr. 15, S. 1.Google Scholar
  555. (499).
    Abschrift eines Briefes Dunkmanns an einen ungenannten Journalisten vom 13.5.1927, in: Schleswig-Holsteinische LB Kiel, Cb 54:56, NL Tönnies.Google Scholar
  556. (500).
    Dunkmann an Tönnies am 19.11.1924, ebd.Google Scholar
  557. (501).
    Der Vortrag erschien in: Glückauf, Heft 1, 3.1., 1925, S. 10–17.Google Scholar
  558. (502).
    Ebd., S. 11.Google Scholar
  559. (503).
    Ebd., S. 13.Google Scholar
  560. (504).
  561. (505).
    Dunkmann an Tönnies am 27.12.1924, Schleswig-Holsteinische LB Kiel, Cb 54:56, NL Tönnies.Google Scholar
  562. (506).
    Dunkmann an Tönnies am 20.2.1925, ebd.Google Scholar
  563. (507).
    Dunkmann an Tönnies am 8.6.1925, ebd. In seiner Rede vor den Bergbauindustriellen deutete Dunkmann die Wirksamkeit einer solchen soziologischen Zellenbewegung an: “Glücklicherweise spürt er (der Arbeiter) von dem allen herzlich wenig, er verbleibt persönlich in engem Kreise und folgt dem, der in seiner unmittelbaren Umgebung die lauteste Stimme hat oder der es am schlauesten versteht, ihn in seine “Zelle” einzufangen”. Dunkmann, Der Kampf um die Seele des Arbeiters, a.a.O., S. 14. Im August 1924 begründete Dunkmann den ersten soziologischen Arbeiterkreis in Berlin, vgl. ebd., S. 12 und Dunkmanns Brief vom 23.8.1924 an Tönnies, a.a.O.Google Scholar
  564. (508).
    Dunkmann, Der Kampf um die Seele des Arbeiters, a.a.O., S. 16.Google Scholar
  565. (509).
    So der Vorsitzende August Vogler in seiner Eröffnungsansprache, in: Verein deutscher Eisenhüttenleute, Die menschliche Arbeitskraft im Produktionsvorgang, Düsseldorf 1925, S. 2.Google Scholar
  566. (510).
    Karl Dunkmann, Massenpsychologie und Arbeitserfolg, ebd., S. 7.Google Scholar
  567. (511).
    Ebd., S. 7 f. Vgl. auch Dunkmanns Eindrücke von dieser Tagung, geschildert in seinem Brief vom 8.6.1925 an Tönnies, a.a.O.,Google Scholar
  568. (512).
    Vgl. IV.3.Google Scholar
  569. (513).
    Karl Dunkmann, Individuum und Masse. Ein Beitrag zur Psychologie der industriellen Masse, in: Der Arbeitgeber, 16. Jg., 1926, S. 267–269, hier S. 269.Google Scholar
  570. (514).
    Vgl. dazu Preller, Sozialpolitik, a.a.O., S. 203. Vgl. Reinhard Nee-be, Großindustrie, Staat und NSDAP 1930–1933. Paul Silverberg und der Reichsverband der deutschen Industrie in der Krise der Weimarer Republik, Göttingen 1981, S. 35 ff.Google Scholar
  571. (515).
    Vgl. die Rundschreiben vom 15.10. zur Einladung und vom 18.11.1926 zur Tagung dieser Gesellschaft. ZStA Merseburg, Rep. 92 Sombart, Nr. 2c. Sombart lehnte eine Beteiligung am 29.10.1926 ab, da die Gesellschaft “mit den Gewerkschaften keine Fühlung” habe. Ebd.Google Scholar
  572. (516).
    Vgl. ZStA Potsdam 62, DAF-3, Nr. 2204, Schr, vom 5.11.1926. In der christlichen gewerkschaftlichen Zeitschrift “Der Deutsche” (6.11.–1926) wurde diese “neue gelbe Gründung” als Widerspruch zur Silver-berg-Rede kommentiert: “Wir sind um eine Gesellschaft gegen die deutsche Sozialpolitik reicher geworden.” Vgl. ebd.Google Scholar
  573. (517).
    Vgl. Dunkmann an Tönnies am 14.11.1926, wo er die Gesellschaft nur als “Parallelgesellschaft” (zur Gesellschaft für soziale Reform) angab. Tönnies war seit 1901 aktives Mitglied der ‘Gesellschaft für soziale Reform’. Vgl. die Liste der Hauptausschußmitglieder, ZStA Merseburg, Rep. 92 Sombart, Nr. 2a, Anlage zum oben genannten Schreiben vom 25.10. und 18.11.1926. Vgl. Mitteilungen der GWS, 3. Jg., Nr. 1 vom 15.1.1929, S. 2–8, Nr. 2 vom 31.1.1929, S. 13 f.Google Scholar
  574. (518).
    Vgl. Franz Schürholz, Von der Psychotechnik über Arbeitspädagogik zur Menschenführung. Gedanken zu der Organisationswelle neuer Institute, in: Technische Erziehung, 4. Jg., Januar 1929, S. 3 f.Google Scholar
  575. (519).
    Karl Dunkmann/Karl Vorwerck, Die Werksgemeinschaft in soziologischer und historischer Beleuchtung, Berlin 1928.Google Scholar
  576. (520).
    Ebd., S. 109. Zur Umsetzung der Leistungslohnformen, die die GWS ausarbeitete, dienten besondere Refa-Kurse für die GWS-Praktiker und praktische ‘Einführungen’ in ihre Handhabung in der Wintershall A.G. Kassel sowie der Norddeutschen Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei Delmenhorst. Vgl. Rundschreiben der GWS Nr. 40 vom 7.5.1930, abgedr. in: Mitteilungen der GWS, 4. Jg., Nr. 10, vom 15.5.1930, S. 12. Vgl. Kapitel IV.2.Google Scholar
  577. (521).
    Vgl. dazu Werner Bohnstedt/Redakteur der Sozialen Praxis an Tönnies am 4.1.1928, Schleswig-Holsteinische LB Kiel, Cb 54:56, NL Tönnies.Google Scholar
  578. (522).
    Dunkmann behauptete am 15.7.1927 gegenüber Tönnies, Mitarbeiter aus “allen Lagern” zu suchen. Die Gegensätze sollten durch sein Institut als ‘Plattform’ überbrückt werden. Auch die Gesellschaft für soziale Reform habe “deutsch-nationale Männer nicht abgewiesen”. “Ich habe für mein Institut, das sich die Mitarbeit der deutschen Soziologen zumeist sichern wollte, vergeblich angeklopft fast auf allen Seiten. Niemand macht mit, jeder hat Bedenken. Von Wiese, die Frankfurter, die Kölner überhaupt. (...) Spann ist der einzige Soziologe vom Fach, der sich bereit erklärt hat.” Er verteidigte sich gegen den Vorwurf, die ‘Gelben’ zu unterstützen. Durch Schreiben im ‘Arbeitgeber’ könne er mehr für “unsere arbeitende Klasse” tun als an ihrer Seite. (21.1.1926) Er symphatisierte mit keiner bestehenden Partei. Er hoffe auf eine “Reform des Bürgertums ohne Marxismus und Rechtspresse”. Den Unternehmern sei nichts anzulasten, sie hätten “umgelernt”. Tönnies Kritik an Luxus und arbeitslosem Einkommen sei “sehr zu beklagen, aber sind das wirklich zumeist unsere ‘Unternehmer’? Sind es nicht vielmehr die Juden???” Dunkmann am 17.1.1926 an Tönnies, ebd. Soziologische Argumentationen kaschierten in seinen Veröffentlichungen häufig den instrumentellen und distanzlos deutschnationalen Vorurteilen verhafteten Zweck.Google Scholar
  579. (523).
    Am 24.10.1925 wunderte sich Dunkmann, warum “Die Arbeit” einen so “tiefen Graben” zwischen ihm und Tönnies aufrichte. Tönnies’ Schülerin Annemarie Hermberg hatte Dunkmanns “Gemeinschaftsideologie” heftig angegriffen. Vgl. Die Arbeit, Jg. 2, 1925, S. 619–632. Vgl. die Gegenkritik: Karl Dunkmann, Der Streit um Tönnies, in: Arbeitgeber, 15. Jg., 1925, S. 534–538.Google Scholar
  580. (523a).
    Lothar Erdmann, Redakteur der ‘Arbeit’ forderte Tönnies auf, selbst das Wort zu ergreifen, 24.11.1925 an Tönnies. Vgl. auch Annemarie Hermbergs Briefe vom 21.9., 29.10. und 21.12.1925 an Tönnies. Es müsse Dunkmanns. Sätzen entgegengetreten werden, weil sie “so gefährlich in der Öffentlichkeit wirken” (21.12.1925).Google Scholar
  581. (523b).
    Vgl. auch Tönnies Ausführungen zur Gewerkschaftssoziologie, in: Die Arbeit, 2. Jg., 1925, S. 193–201 undGoogle Scholar
  582. (523c).
    ders., Marx -Leben und Lehre, Jena 1921, S. 25 ff. Zur gleichen Zeit regte Tönnies eine Studie seines Schülers Hellmut Hultzsch zur ‘Soziologie der industriellen Werksgemeinschaften’ an. Vgl. Hultzsch an Tönnies am 19.8 und 28.12.1924 und am 15.1.1925. Hultzsch veröffentlichte dann: Hellmut Hultzsch, Arbeitsstudien bei Ford, Dresden 1926 und ders., Ford’sehe Arbeitsmethoden in der Werkstatt (River Rouge Erfahrungen als Fordarbeiter Y 2922, in: Soziales Museum in Frankfurt (Hrsg.), Ford und wir. Vorträge auf der 6. Tagung für Werkspolitik, Berlin und Wien 1926, S. 9–22. Alle angegebenen Briefe an Tönnies, Schleswig-Holsteinische LB Kiel, Cb 54:50, NL Tönnies.Google Scholar
  583. (524).
    Werner Bohnstedt an Tönnies am 16.1.1928, ebd. Vgl. die Aufsätze von Vorwerck und Tönnies, in: Soziale Praxis, 37. Jg., 1928, Sp. 149–154. Tönnies wurde deutlich: Warum ich nicht glaube, daß die wirtschaftlichen Vereine und der sie befördernde Werksgemeinschaftsgedanke dazu (zur sozialen Reform) helfen werden? Weil sie immer nur im Interesse der Unternehmer oder des Kapitals sich geltend machen. (...) Wenn Herr Dr. Vorwerck, Professor Dunkmann und andere Theoretiker verlangen, die heutige Belegschaft eines Bergwerks, eines Eisenwerks oder irgendwelcher Fabrik solle sich in ihrem Betriebe so “zu Hause” fühlen, wie in der Regel wohl — abgesehen von persönlichen Reibungen, die auch in einer Familie kaum je fehlen — der Handwerksgeselle in seiner Werkstatt, der Handlungsgehilfe in seinem kleinen Geschäft auch heute noch, wo dergleichen überlebt, sich fühlen mag, so verlangen sie was unmöglich oder doch in hohem Grade unwahrscheinlich ist (...). Die Arbeiterschaft wird weder in deutschen noch in anderen Ländern so töricht sein, diese Waffe der Schwachen, die Koalition, sich wieder entreißen zu lassen, oder sie gar mit kindlichem Vertrauen freiwillig niederzulegen.” (Ebd.,, Sp. 152 f.) Den heutigen Menschen helfe “weit sicherer die rechnende Vernunft als irgend welche ‘Herzlichkeit’ und Gemeinschaftsschwärmerei auf den Weg der Friedenwahrung (...)” Ebd., Sp. 153. Vorwerck wendete darauf sein Argument: “Das Wort Werksgemeinschaft dürften wir somit gegenwärtig im soziologischen Sinne kaum gebrauchen, wenn wir das Arbeitsverhältnis im Betrieb bezeichnen wollen. Ich glaube jedoch, daß eben die wirtschaftlichen Notwendigkeiten und Möglichkeiten eine Grundstimmung erzeugen können, die die Vorbedingungen für das Erwachen eines Gefühls der ‘wesenhaften Verbundenheit’ sein kann.” In: Dunkman/Vorwerck, Werksgemeinschaft, a.a.O., S. 20. Tönnies habe dagegen keine Beweise für seine Thesen gebracht, ebd., S. 55.Google Scholar
  584. (525).
    Vgl. Soziale Praxis, 36. Jg., 1927, Sp. 415. Die Antworten wurden mit 10 Mark dotiert.Google Scholar
  585. (526).
    Heyde an Tönnies am 15. Mai 1927. Heyde wolle dies aufrechterhalten, “auch wenn Herr D., wie er andeutet, zu Pistole und Säbel greife”. D.’s Wirken sei “verhängnisvoll: wir andern werden mit ihm in denselben Topf geworfen ...” D. solle “unschädlich” gemacht werden. Er wolle nicht jemanden beleidigen, der zu Tönnies “aufblickt”, Dunkmann solle “sich auf die soziologische Forschung werfen, nicht auf ihre angebliche Anwendung mit anti-sozialreformerischer Tendenz. Heyde spickte Tönnies mit Informationen über den “Werksgemeinschaftsklüngel”, die Mitarbeiter Dunkmanns, den Hauptmann Kienzl und den Major a.D. Vorwerck, bis er Tönnies “soweit” hatte. Vgl. Tönnies, Gemeinschaft und Werksgemeinschaft, in: Soziale Praxis, 37. Jg., 1928, Sp. 151 ff.Google Scholar
  586. (527).
    Vgl. die Materialsamml ung im Tönnies-Nachlaß (Tätigkeitsberichte des Instituts für angewandte Soziologie) als Anlage der Dunkmannbriefe, a.a.O.Google Scholar
  587. (528).
    Volker R. Berghahn, Der Stahlhelm. Bund der Frontsoldaten 1918–1935, Düsseldorf 1966, S. 98.Google Scholar
  588. (529).
    Ebd., S. 100.Google Scholar
  589. (530).
    Vgl. Tätigkeitsbericht des Instituts, a.a.O.Google Scholar
  590. (531).
    Nr. 32, Anlage 2, ebd.Google Scholar
  591. (532).
    Der Werksgemeinschaftsbewegung sei eine neue “Tatform” entstanden. (S. 36) Stadtler pries den ‘Pommerschen Landbund’ als Modell. Stadtler selbst habe im Niederlausitzer Braunkohlenbergbau einen ähnlichen Versuch mit 30.000 Bergleuten ‘gestartet’. (S. 40) Der Geschäftsführer des Pommerschen Landbundes war der Schüler Richard Ehrenbergs, Claus v. Eickstedt. Eickstedt, Voss, Koepnick und andere Ehrenberg-Schüler bemühten sich um eine soziologische Vertiefung der Ehrenberg-Theorie der ‘Arbeitsgemeinschaft’. Hierbei adaptierten sie Tönnies’ Soziologie in einer sehr trivialisierten Form. Eine geschichtliche Ironie lag bei diesem Vorgang darin, daß diese Trivia-lisierung der Theorie Tönnies’ eben gerade von den Schülern Ehrenbergs vorgenommen wurde. Ehrenberg war Tönnies ‘intellektueller’ Gegner im Hamburger Hafenarbeiterstreik, der vom Handelskammersekretär rasch zum Ordinarius aufstieg, gerade weil er von linksliberalen Sozialwissenschaftlern wie Tönnies heftig bekämpft wurde. Vgl. im übrigen Berghahn, a.a.O., S. 113. Stadtler arbeitete in der Begründung der “Niederlausitzer Bergbaugemeinschaft” mit Dr. Walther Kupsch zusammen, der wiederum Mitglied des Berliner Dunkmannkreises war. (Vgl. Vorwerck/Dunkmann, Die Werksgemeinschaft, a.a.O., S. 29 f. und Walther Kupsch, Der Kampf um die Werksgemeinschaft, Berlin 1928 (Schriften der Gesellschaft für deutsche Wirtschafts- und Sozialpolitik, Heft 4). Die dem Institut für angewandte Soziologie verbundenen Tendenzen spiegeln sich in der von Vorwerck herausgegebenen Zeitschrift ‘Werk und Beruf und in den von Eberhard Koehler verantworteten ‘Mitteilungen der Gesellschaft für deutsche Wirtschaftsund Sozialpolitik’.Google Scholar
  592. (533).
    Otmar Spann nahm in Osterreich für die Heimwehren eine parallele Rolle ein, vgl. Klaus-Jörg Siegfried, Universalismus und Faschismus, Wien 1974, S. 88 ff. und S. 221 ff.Google Scholar
  593. (534).
    Heinz Sauermann, Angewandte Soziologie und Sozialpolitik, in: Der Arbeitgeber, 23. Jg., 1933, S. 126–128, hier S. 127.Google Scholar
  594. (535).
    Vgl. Vorwerck zur GWS, in: Werk und Beruf, 3. Jg., 1931, S. 92 ff. und Dunkmann-Mitarbeiter Fritz Horst, in: Neue Wirtschaft, 5. Jg., 1931, Nr. 3, S. 5 ff. und Nr. 5, S. 7 f.Google Scholar
  595. (536).
    Vgl. dazu Reinhard Neebe, a.a.O., S. 117 f. Mit Dunkmann saß im Vorstand der Gesellschaft für Deutsche Wirtschafts- und Sozialpolitik Walter Funk, Chefredakteur der Berliner Börsenzeitung und seit 1931 im Beraterstab Hitlers. Funk wurde später Goebbels’ Staatssekretär und dann NS-Wirtschaftsminister.Google Scholar
  596. (537).
    Jacob Herle an Silverberg am 11.8.1930, in: Bundesarchiv Koblenz, NL Silverberg, Nr. 254, Bl. 146.Google Scholar
  597. (538).
    Dieser Soziologe habe folgendes festgestellt: “1. Man kann gegen Utopien nicht allein mit verstandesmässigen Erwägungen ankämpfen. 2. Die Unternehmerideologie der bisherigen kapitalistischen Periode genügt nicht mehr den psychologischen und politischen Anforderungen der Jetztzeit. 3. Das Unternehmertum der heutigen kapitalistischen Epoche ist für die Öffentlichkeit anonym geworden. Wer es als solches studieren will, ist auf Bevollmächtigte (im soziologischen Sinne) angewiesen. 4. Es ist deswegen zu verstehen, daß sich die Sozialwissenschaft mehr dem Studium des interessanten und viel greifbareren Phänomens der Arbeitnehmerschichten zuwendet, als den Problemen der Unternehmerpersönl i chkeit. 5. Daß dies an einem Systemfehler liegt, zeigt die Erscheinung, daß sobald eine Unternehmerpersönlichkeit sich selbst aktiv stark exponiert, sie ohne Weiteres das Interesse, ja sogar die Sympathie der Soziologen erweckt. 6. Gerade die Betriebswissenschaftler sind bereit, ihr Interesse der Unternehmerideologie zuzuwenden, sofern diese überhaupt existent und greifbar ist, weil dieser Teil unseres ökonomischen Lehrgebäudes fast gar nicht beobachtet ist. 7. Es ist aber richtig, daß eine Unternehmerideologie nicht gemacht werden kann, sondern von selbst entstehen muß. Dabei ist zu berücksichtigen, daß jedem Tatbestand an sich schon überzeugende Kraft innewohnt. 8. Aus diesem Grunde müssen positive Größen bei der Fundierung einer Unternehmerideologie besonders berücksichtigt werden.” Herle könne diese “Ausführungen zum allergrößten Teil nur unterstreichen (...)”. Ebd.Google Scholar
  598. (539).
    Vgl. Rundschreiben vom 25.11.1930 an die Mitglieder des Senats und Präsidiums des RDI, Bundesarchiv Koblenz, NL Silverberg, Nr. 230, Bl. 145–152.Google Scholar
  599. (540).
    Bundesarchiv Koblenz, NL Silverberg, Nr. 181, Bl. 54–64, hier Bl. 55. Teilnehmer der Besprechung waren: Dr. Holthöfer (Bergbauverein), Dr. Herle (RDI), Dr. Blank (Gutehoffnungshütte), Dr. Sogemeier (Zweckverband), Heinrichsbauer (Rheinisch-Westfälischer Wirtschaftsdienst), Bergassessor Reusch jr., Bergassessor Winkhaus jr., Dr. Sauermann (Assistent von Professor Dunkmann), Dr. Jost (Assistent von Professor Briefs) sowie als Beobachter Silverbergs Privatassistent Bauer.Google Scholar
  600. (541).
    Ebd., Bl. 56.Google Scholar
  601. (542).
    Ebd., Bl. 61.Google Scholar
  602. (543).
    Ebd., Bl. 54 f.Google Scholar
  603. (544).
    Vgl. dazu Armin Mohler, Die konservative Revolution in Deutschland 1918–1932, Stuttgart 1950, S. 95 ff. und S. 212 ff. und insbesondere Klaus Fritzsche, Politische Romantik und Gegenrevolution. Fluchtwege in der Krise der bürgerlichen Gesellschaft: Das Beispiel des Tat -Kreises, Frankfurt/M. 1976. Die “Tat” war mit einer Auflage von 30.000 die meist gelesene Monatsschrift des wissenschaftlichen Nachwuchses. 1932 vermittelte von Schleicher diesem Kreis den Erwerb einer eigenen Tageszeitung. Seit 1912/13 war der Schöpfer der ‘Tat’, Eugen Diederichs, eng mit dem Ausbau der Soziologie verbunden. Er regte Alfred Weber an, in seinem Verlag eine Kultursoziologische Reihe zu eröffnen. Den Münchener Soziologen Hans Dohrn gewann er zur Herausgabe einer politisch-soziologischen Bibliothek. Diederichs veranstaltet die berühmten Burg Lauensteiner Tagungen, auf denen Max Weber sprach. Ende der 20er Jahre geriet die ‘Tat’ ins Fahrwasser der “Revolution von Rechts”. Alfred Webers Privatassistent Eschmann und Karl Brinkmanns Assistent Giselher Wirsing wurden neben Sombart-Schüler Ferdinand Fried und Hans Zehrer führende Redakteure der ‘Tat’. Merkwürdigerweise fehlt Paul Massing in Fritzsches Darstellung. Jedenfalls waren Sombart, Freyer, Carl Schmitt und Karl Mannheim (!) die intellektuellen Vorbilder des Tatkreises. Vgl. ebd., S. 53.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1987

Authors and Affiliations

  • Helmuth Schuster

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