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Das Praxisproblem der sozialwissenschaftlichen Arbeits- und Industrieforschung

  • Helmuth Schuster
Chapter
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Part of the Beiträge zur sozialwissenschaftlichen Forschung book series (BEISOFO, volume 92)

Zusammenfassung

Einigkeit über einen Begriff ‘praxisorientierter’ Soziologie besteht unter Soziologen nicht. Umrisse einer Diagnose, worin die Defizite der gegenwärtigen soziologischen Praxis bestehen, zeichnen sich demgegenüber schon eher ab. Auf einer ganz allgemeinen Ebene lassen sich in der heutigen Diskussion folgende, mögliche Defizitbereiche benennen(1):

Erstens wird häufig das professionspolitische Element angeführt; das meint die steigenden Kapazitäten ausgebildeter und in der Ausbildung befindlicher Soziologen, die ihren Beruf jenseits von Forschung und Lehre finden müssen und auf einen „Praxisbezug“ angewiesen sind.

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Literatur

  1. (1).
    Zu folgenden Überlegungen regte uns Weltz an, vgl. Friedrich Weltz, Begleitforschung zwischen Aktionismus und Berührungsangst, in: Soziale Welt, Jg. 33, 1982, S. 300.Google Scholar
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    Vgl. ausführlich den Debattenbericht, der sich jedoch auf einer anderen Ebene als der unsrigen bewegt, nämlich der des interdisziplinären Gesprächs zwischen Soziologen und Historikern: Hans Ulrich Wehler (Hrsg.), Soziologie und Geschichte, 2. Aufl., Königstein/Ts. 1984.Google Scholar
  22. (19).
    So wies Ricardo der politischen Ökonomie die Erforschung der Gesetze zu, die die Verteilung des Gesamtertrags auf Rente, Profit und Lohn, die Einkommen der. ökonomischen Klassen, bestimmen. Marx konfrontierte die politische Ökonomie mit der Aufgabe, das Bewegungsgesetz der modernen kapitalistischen Produktionsweise zu enthüllen. Analog würden im Begriff “Soziologie” lediglich die sich wandelnden historischen Grenzen einer Strukturanalyse auszuweisen sein. Marxistischen Soziologen gelingt es nicht, Marx’ Begriffsbestimmung aus der Ökonomie in die Soziologie zu übertragen. Erich Hahn z.B. glaubt, “daß eine Spezifik der Soziologie darin besteht, daß man sie nicht auf geradlinigem oder nur eindimensionalem Wege definieren kann.” Ders., Theoretische Probleme der marxistischen Soziologie, Köln 1974, S. 28.Google Scholar
  23. (20).
    Tönnies ist seine These des Übergangs von ‘Gemeinschaft’ zu ‘Gesellschaft’ häufig als geschichtsphilosophische Prognose ausgelegt worden. Er hielt jedoch daran fest, daß ‘Gemeinschaft’ und ‘Gesellschaft’ “soziologische Strukturbegriffe (seien), die als solche gegen die Geschichte sich abgrenzen lassen.” Vgl. Ferdinand Tönnies, Einführung in die Soziologie, Stuttgart 1965, S. 14.Google Scholar
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  25. (22).
    Ähnlich äußerte sich bereits von Wiese. Sein Programm sei, sich der “Sonderpflege einer sich in der Gegenwart allmählich formenden Fachwissenschaft der Gesellschaftslehre (zu) widmen. (...) Wir bemühen uns, die Soziologie von den Schlacken des Dilettantismus und von Vermengungen mit ihr fremden Bestandteilen zu befreien.” In: Kölner Vierteljahreshefte für Soziologie, 6. Jg., 1926/27, S. V f.Google Scholar
  26. (23).
    Vgl. auch Hans-Ulrich Wehler (Hrsg.), Geschichte und Soziologie, 2. Aufl., Königstein/Ts. 1984, S. 19 ff. u. 35 ff. Bereits Max Weber und Ernst Troeltsch setzten sich kritisch mit dem Historismus auseinander Einflußreich waren ferner die Kritiken von Karl Mannheim, Raymond Aron u.a. sowie in jüngerer Zeit an naturwissenschaftlichen Verfahrensweisen orientierte Soziologen um Popper, französische Strukturalisten, Touraine, Lukacs usw.. Dieser Kritik am Historismus stimmen wir zu. Allerdings verfehlen Soziologen häufig die Spezifik der historischen Forschung, wenn sie meinen, Geschichtswissenschaft sei in die Vergangenheit gewandte Soziologie. Siehe die Vorbehalte Wehlers gegen die “Geschichtsliebhaber” unter den Soziologen, in: Hans Ulrich Wehler, Geschichte als Historische Sozialwissen-schaft, Frankfurt/M. 1973, S. 15 f.Google Scholar
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    Vgl. Wolf Lepenies (Hrsg.), Geschichte der Soziologie. Studien zur kognitiven, sozialen und historischen Identität einer Disziplin, 4 Bände, Frankfurt/M. 1981.Google Scholar
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    Vgl. auch: M. Rainer Lepsius (Hrsg.), Soziologie in Deutschland und Österreich 1918–1945. Materialien zur Geschichte, Emigration und Wirkungsgeschichte, KZfSS Sonderheft 23, Opladen 1981.Google Scholar
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  32. (27a).
    Die speziellen Soziologien resultieren aus der Anwendung der Allgemeinen Soziologie auf die verschiedenen sozialen Gebilde. M. Rainer Lepsius, Industrie, in: René König (Hrsg.), Soziologie, Umgearb. und erweiterte Neuausgabe, Frankfurt/M., 258–282. Tsd. März 1970, S. 131 ff. Ebenso versteht Carl Jantke die Betriebssoziologie als Sonderdisziplin der allgemeinen Soziologie.Google Scholar
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    Vgl. Jantke, Das sozialrefomerische Anliegen der deutschen industriellen Sozialforschung, in: Walter G. Hoffmann (Hrsg.), Beiträge zur Soziologie der industriellen Gesellschaft, Dortmund 1952, S. 137.Google Scholar
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    Vgl. Jantke, Das sozialformerische Anliegen..., a.a.O., S. 137.Google Scholar
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  41. (35).
    Vgl. M. Rainer Lepsius, die Entwicklung der Soziologie nach dem Zweiten Weltkrieg 1945–1967, in: KZfSS, Sonderheft 21, Opladen 1979, S. 62 ff.Google Scholar
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    Ursula Karger, Institutionsgeschichtliche Zäsuren in der deutschen Soziologie. Dargestellt am Beispiel der Deutschen Soziologentage, Bochum 1978, S. 156 Anmerkung 2 und S. 156 ff.Google Scholar
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    Vgl. auch die korrigierten Zahlen in: Margrit Schuster/Helmuth Schuster, Industriesoziologie im Nationalsozialismus, in: Soziale Welt, 35. Jg., 1984, S. 95.Google Scholar
  44. (38).
    Kurz vor der Berufung Mannheims auf den soziologischen Lehrstuhl in Frankfurt schrieb das Kuratorium der Universität am 4.10.1929 an das preußische Kultusministerium, der Schwerpunkt des am 5.7.1929 beantragten soziologischen Lehrauftrags für Hendrik de Man solle für “Sozialpsychologie und Sozialpädagogik” erteilt werden, um “Rückwirkungen” auf die Besetzung der soziologischen Professur auszuschließen. Mit der Berufung Mannheims verlor Gottfried Salomon-Delatour die Vertretungsgelder für seinen jahrelangen soziologischen Lehrauftrag. Eine erneute Beantragung führte nur noch zur Bewilligung eines besonderen Lehrauftrags für “französische Staats- und Gesellschaftslehre”. Vgl. ZStA Merseburg, Rep. 76 Va, Sek 5, Tit. IV, Nr. 12. Bei Max Horkheimers Berufung verlangte die Fakultät von Kultusminister Grimme, daß “der Lehrauftrag keinesfalls für Philosophie und Soziologie, sondern für Sozialphilosophie erteilt werde...” (Unterstreichung v. Verf.). Paul Kluke, Das Institut für Sozialforschung, in: Wolf Lepenius (Hrsg.), Geschichte der Soziologie, Bd. 2, Frankfurt/M.1981, S. 419.Google Scholar
  45. (39).
    Oppenheimers Vortrag auf dem 2. deutschen Soziologentag 1912 über Rassenphilosophie fiel nicht ins Gewicht. Dennoch entfaltete Oppenheimer nach seiner Berufung bald eine rege soziologische Forschungstätigkeit und konnte seinen komplexen universalwissenschaftlichen Grundriß der Soziologie vorlegen. Oppenheimer hatte sich durch Förderung von Adolph Wagner an der Berliner Universität für Nationalökonomie habilitiert. Der Frankfurter Großhändler Kotzenberg stiftete 300 000 Mark zur Errichtung des Lehrstuhls für Oppenheimer an der Frankfurter Universität. Am 6.2.1919 blockierte der Dekan der wirt-schafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät die Berufungsverhandlung mit dem Fakultätsbeschluß, ‘Oppenheimer werde niemals auf eine Vorschlagliste für Nationalökonomie kommen’. Die Berufungsliste der Fakultät enthielt außer Oppenheimer die Namen Paul Barth (Leipzig) und Othmar Spann (Wien). Vgl. ZStA Merseburg, Rep 76 Va, Sek 5, Tit V, Bl. 163 ff. Zur Berufungsverhandlung mit Oppenhemer.Google Scholar
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    Siehe Karger, a.a.O., S. 157.Google Scholar
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    Vgl. LB Kiel, Tönnies-Archiv Cb 54.61:2.1, Denkschrift v. Wieses mit Namensliste 1929/30 und Cb 54.61:2.2 handschriftlich korrigiertes DGS-Mitgliedsverzeichnis, Stand 1933.Google Scholar
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    Kürschners Gelehrtenlexikon 1931, Sp. 3831 f.Google Scholar
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    Vgl. Karl Mannheims Vortrag, gehalten am 28.2.1932, bei einer “Tagung reichsdeutscher Hochschuldozenten der Soziologie” in Frankfurt a.M., ders.: Die Gegenwartsaufgaben der Soziologie. Ihre Lehrgestalt, Tübingen 1932, S. 2 ff. Lutz und Schmidt behelfen sich in ihrem Überblicksartikel zur ‘Industriesoziologie’ mit der terminologischen Hilfskonstruktion, entweder von “Soziologie” oder von “Sozialtheorie” zu sprechen. So rechnen sie die Wissenschaftliche Betriebsführungslehre Frederic Winslow Taylors zur Sozialtheorie in der Industrieforschung, dagegen Max Webers Psychophysik der Arbeit zur Soziologie.Google Scholar
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    Vgl. Burkart Lutz, Gert Schmidt, Industriesoziologie, in: René König (Hrsg.), Handbuch der empirischen Sozi al forschung, Bd. 8, 2. völlig neu bearbeitete Auflage, Stuttgart 1977, S. 109 und 114.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1987

Authors and Affiliations

  • Helmuth Schuster

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