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Der Ort der Bundesrepublik in der deutschen Geschichte

  • Hans-Peter Schwarz
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Zusammenfassung

Im Jahr 1970 wurde Theodor Schieder von der Niedersächsischen Landeszentrale für Politische Bildung gebeten, zum hundertsten Jahrestag der Reichsgründung am 18. Januar 1971 an einem Sammelband mitzuwirken. Er fand sich dazu bereit und schrieb einen Aufsatz des Titels: „Staat und Nation. Zur Entwicklung des deutschen Nationalbewußtseins seit 1871“.1 Die weitgespannten Überlegungen dieses besonders ausgewiesenen Kenners europäischer Nationalgeschichten und des neueren europäischen Staatensystems mündeten in der Feststellung, gegenüber früheren Epochen hätten sich so grundlegende weltpolitische Veränderungen vollzogen, daß die gegenwärtige Lage „mit historischen Analogien nicht mehr zu verstehen ist“: Die Katastrophe von 1945 habe nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa eine „unvergleichliche“ Bedeutung — „diesseits dieses Abgrundes beginnt eine neue, von anderen Perspektiven bestimmte Lage — nicht nur für uns Deutsche! Nicht nur der historisch geprägte Begriff Deutschland hat seine Konturen verloren, nicht nur Deutschland ist geteilt, sondern ganz Europa“. Schieder knüpfte daran die Bemerkung an, diese neue Lage eines in der Nachkriegszeit der fünfziger Jahre verfestigten Status quo in Europa bestimme auch alle zeitgenössischen Versuche, über ihn hinwegzukommen.

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Literatur

  1. 1.
    Theodor Schieder, „Staat und Nation. Zur Entwicklung des deutschen Nationalbewußtseins seit 1871“, in: 100 Jahre deutsche Geschichte. Hrsg. von der Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung. Hannover 1971, S. 7–28.Google Scholar
  2. 2.
    Karl Dietrich Erdmann, Die Spur Österreichs in der deutschen Geschichte. Drei Staaten, zwei Nationen, ein Volk?, Manesse Verlag, Zürich 1989, No. 27.Google Scholar
  3. 3.
    ibd., S. 34.Google Scholar
  4. 4.
    ibd., S. 35. — Mein eigenes Exemplar des Manesse-Bändchens, aus dem ich zitiere, trägt — dies darf vielleicht doch erwähnt werden — eine persönliche Widmung des Verfassers, datiert: „3. November 1989“. Ich fand es am 10. November bei der Rückkehr von einer Reise vor, einen Tag nach dem Mauersturz am 9. November 1989. Diese Koinzidenz mag mit einer der Gründe dafür sein, weshalb mich die Frage des deutschen Geschichtsbildes zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung ganz besonders interessiert.Google Scholar
  5. 5.
    Was Karl Dietrich Erdmann in bezug auf viele Weimarer Demokraten formulierte, gilt auch für manche, die in den fünfziger Jahren die „Bonner Republik“ akzeptierten: „Apologeten dieses Staates aus Reflexion und nicht aus Enthusiasmus“ (Die Weimarer Republik. München 31983, S. 247). Ich verdanke den Hinweis Michael J. Inacker. Zwischen Transzendenz, Totalitarismus und Demokratie. Die Entwicklung des kirchlichen Demokratieverständnisses von der Weimarer Republik bis zu den Anfängen der Bundesrepublik (1918–1959), Neukirchen-Vluyn 1994, S. 41.Google Scholar
  6. 6.
    Dazu gehörte, wie gleich zu belegen, Werner Conze. Andreas Hillgruber sah das ähnlich. Auch Wolf D. Grüner hielt grundlegende Veränderungen für möglich, wenngleich nicht in der Form des Nationalstaats. Unter Bezugnahme auf den Deutschen Bund der Jahre 1815 bis 1866 entwickelte er auf der Jahrestagung des Kuratoriums Unteilbares Deutschland am 11. 6. 1981 ein detailliertes Konzept (jetzt in: Wolf D. Grüner, Deutschland mitten in Europa. Aspekte und Perspektiven der deutschen Frage in Geschichte und Gegenwart, Hamburg 1992, S. 45–69). In denselben Zeitraum fielen die in einem Sammelband von Wolfgang Venohr publizierten Überlegungen (Die deutsche Einheit kommt bestimmt, Bergisch Gladbach 1982), darin auch Venohrs eigener Beitrag „Konföderation Deutschland“ (S. 181–192). Im Umkreis der Friedensbewegung tauchten damals auch verschiedentlich national-neutralistische Zielvorstellungen auf, da und dort vage verbunden mit dem Wunschbild eines blockfreien Mitteleuropa. In den Gesamtzusammenhang der neuen Unruhe in den frühen achtziger Jahren gehört auch Eberhard Schulz, Die deutsche Nation in Europa. Internationale und historische Dimensionen (= Schriften des Forschungsinstituts der DGAP), Bonn 1982. Einen guten Gesamtüberblick vermittelt Karl-Rudolf Körte, Der Standort der Deutschen. Akzentverlagerungen der deutschen Frage in der Bundesrepublik Deutschland seit den siebziger Jahren, Köln 1990, besonders S. 89–101. Zur entsprechenden Mitteleuropa-Diskussion siehe auch meine Darstellung in: Die Zentralmacht Europas, Berlin 1994, S. 248–251. Zu erwähnen ist in diesem Kontext auch die kritische Abrechnung von Alfred Heuss (Versagen und Verhängnis, Göttingen 1984).Google Scholar
  7. 7.
    Werner Conze, „Deutsches Selbstbewußtsein heute“, in: Politik und Kultur, 9 (1982), Heft 5, S. 3–21. Der Essay fußte auf einem Vortrag Conzes auf der Jahrestagung des Kuratoriums Unteilbares Deutschland in Kiel.Google Scholar
  8. 7a.
    Zu Conzes Auffassungen bezüglich der deutschen Frage siehe Reinhart Koselleck, „Werner Conze. Tradition und Innovation“, in: HZ 245 (1987), S. 538.Google Scholar
  9. 8.
    ibd., S. 13.Google Scholar
  10. 9.
    ibd., S. 19.Google Scholar
  11. 10.
    ibd., S. 18.Google Scholar
  12. 11.
    ibd., S. 16.Google Scholar
  13. 12.
    ibd., S. 19. — Fast zu gleicher Zeit gelangte Andreas Hillgruber zu sehr ähnlichen Einschätzungen. Auch er hielt die deutsche Frage für „eingekapselt“, „storniert“. Doch mußte das keinen geschichtlichen Endzustand bedeuten: „Nur ein weltpolitischer Erdrutsch (der gelegentlich angedeutet wird, zum Beispiel in Honeckers Rede vom 15. Februar 1981, in der er von der revolutionären „Vereinigung“ Deutschlands als ferner Möglichkeit sprach) könnte ein (wieder-) vereinigtes Deutschland als dann nicht nur im Interesse, sondern für die eine oder andere „Supermacht“ in realisierbarer Nähe liegend erscheinen lassen. “ (Andreas Hillgruber, „Die Deutsche Frage im 19. und 20. Jahrhundert“, in: Die Zerstörung Europas. Beiträge zur Weltkriegsepoche 1914 bis 1945, Berlin 1988, S. 78.)Google Scholar
  14. 13.
    Helmuth Plessner, Die verspätete Nation, Über die politische Verführbarkeit des bürgerlichen Geistes. Frankfurt 41992 <= stw 66> S. 64.Google Scholar
  15. 14.
    Arnold Esch, „Geschichte im Entstehen“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.7.1990; abge-dr. bei Udo Wengst, Hrsg., Historiker betrachten Deutschland. Beiträge zum Vereinigungs-prozeß und zur Hauptstadtdiskussion, Bonn/Berlin 1992, S. 17.Google Scholar
  16. 15.
    So Heinrich August Winkler, in: Frankfurter Rundschau, 14.11.1986, abgedr. in: „Historikerstreit“ (= Serie Piper 816), München/Zürich 1987, S. 263.Google Scholar
  17. 16.
    Zur Zeit arbeitet Otto Hildebrandt M.A., gestützt auf die erreichbaren Nachlässe, an einer differenzierten Untersuchung mit dem Thema: „Die deutschen Historiker und ihre Nation“. Der Verfasser ist ihm für verschiedenste Hinweise und Anregungen verpflichtet.Google Scholar
  18. 17.
    Ralf Dahrendorf, Gesellschaft und Demokratie in Deutschland. München 1971 <1968>, 757.Google Scholar
  19. 18.
    Umfassender angelegt sind indessen Monographien zur Gesamtentwicklung Europas, so beispielhaft Karl Dietrich Brachers Monographien (Europa in der Krise. Innengeschichte und Weltpolitik seit 1917, Berlin 1979, und: Zeit der Ideologien. Eine Geschichte politischen Denkens im 20. Jahrhundert, Stuttgart 1982) Auf Einzelfeldern setzt es sich allerdings zunehmend durch, die Untersuchungen zur deutschen Geschichte eben nicht diesseits oder jenseits der Epochenzäsur von 1945 anzusiedeln, vielmehr — ungeachtet der evidenten Brüche — die personalen, sozialen, wirtschaftlichen, ideellen und institutionellen Zusammenhänge herauszuarbeiten. Musterhaft in dieser Hinsicht war das von Martin Broszat initiierte „Bayernprojekt“ des Instituts für Zeitgeschichte, auch der daraus erwachsene Sammelband zur sozial- und Alltagsgeschichte im Umbruch vom Dritten Reich zur Bundesrepublik (Martin Broszat u. a., Hrsg.: Von Stalingrad zur Währungsreform. Sozialgeschichte des Umbruchs in Deutschland, München31990). Umfassend ist die Perspektive der von Lutz Niethammer und A. von Plato initiierten Forschung in bezug auf das Ruhrgebiet (Lebensgeschichte und Sozialkultur im Ruhrgebiet 1930 bis 1960, 3 Bde, Berlin 1983–1985). Noch weitgespannter ist die epochale Fragestellung in dem bekannten von Werner Conze und M. R. Lepsius herausgegebenen Sammelband (Sozialgeschichte der Bundesrepublik Deutschland, Stuttgart 21985 <1983>).Google Scholar
  20. 19.
    Thomas Nipperdey, Deutsche Geschichte, 1800–1866, Bürgerwelt und starker Staat, München 1983; Deutsche Geschichte, 1866–1918. Bd. 1: Arbeitswelt und Bürgergeist, München 1990; Deutsche Geschichte, 1866–1918; Bd. II: Machtstaat vor der Demokratie, München 1992.Google Scholar
  21. 20.
    Hans-Ulrich Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. I: Vom Feudalismus des Alten Reiches bis zur defensiven Modernisierung der Reformära, 1700–1815, München 21989; Bd. II: Von der Reformära bis zur industriellen und politischen „Deutschen Doppelrevolution“, 1815 – 1845/49, München 21989; Bd. III: Von der „Deutschen Doppelrevolution“ bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1849–1914, München 1995.Google Scholar
  22. 21.
    Gordon A. Craig, Deutsche Geschichte 1866–1945, München 1993 <1978>.Google Scholar
  23. 22.
    Klaus Hildebrand, Das vergangene Reich. Deutsche Außenpolitik von Bismarck bis Hitler, Stuttgart 1995.Google Scholar
  24. 23.
    Zum Beispiel: Thomas Nipperdey: „Die deutsche Einheit in historischer Perspektive“ (in: Nachdenken über die deutsche Geschichte, München 1986, S. 206–217); Gordon A. Craig (Über die Deutschen, München 1982); Klaus Hildebrand, Integration und Souveränität. Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland 1949–1982, Bonn 1993.Google Scholar
  25. 24.
    Raymond Poidevin, Die unruhige Großmacht. Deutschland und die Welt im 20. Jahrhundert, Würzburg 1985 <1983>.Google Scholar
  26. 25.
    Reinhart Koselleck, Vergangene Zukunft, Zur Semantik geschichtlicher Zeiten. Frankfurt 21992 <1979> (= stw 757), S. 359ff.Google Scholar
  27. 26.
    Die Frage der ehemals deutschen Ostgebiete wird im folgenden weitgehend ausgespart. Natürlich wäre im weiten Horizont deutscher Geschichte im zweiten Jahrtausend festzustellen, daß die Geschichte von Bundesrepublik und DDR auch insofern von großer nationalgeschichtlicher Bedeutung ist, weil man im Zeitraum von 1950 bis 1990 die erzwungene Schrumpfung des deutschen Siedlungsraums resigniert, aber vernünftig zugleich als Definitivum anerkennen gelernt hat.Google Scholar
  28. 27.
    Hans-Ulrich Wehler, „Geschichtswissenschaft heute“, in: Stichworte zur geistigen Situation der Zeit, 2. Bd., Frankfurt 1979 (= edition Suhrkamp, 1000), S. 710f.Google Scholar
  29. 28.
    Friedrich Meinecke. Die deutsche Katastrophe. Betrachtungen und Erinnerungen. Wiesbaden 61965 <1946>.Google Scholar
  30. 29.
    ibd., S. 9.Google Scholar
  31. 30.
    ibd., S. 6.Google Scholar
  32. 31.
    Margret Boveri, Der Verrat im XX. Jahrhundert. Für und gegen die Nation. Hamburg 1956 (= rde 23), Bd. I, S. 40. Noltes so betitelte Darstellung erschien 1987 (Der europäische Bürgerkrieg 1917–1945. Nationalsozialismus und Bolschewismus. Berlin 1987). Auf Boveris bahnbrechende Studien geht er mit keinem Wort ein, erwähnt aber später erschienene Bücher von Possony, Resting und Schnur, die mit dem Begriff „Weltbürgerkrieg“ arbeiten (S. 552).Google Scholar
  33. 32.
    ibd., Bd. IV, S. 312.Google Scholar
  34. 33.
    Wissenschaftler und Publizisten standen und stehen einander nicht nach, wenn es darum geht, den universalgeschichtlichen Umbruch der Moderne, insbesondere des 20. Jahrhunderts grell zu beleuchten. „Wir stehen an einer Weltenwende, vielleicht der ungeheuersten, die je hereinbrach... “, schreibt Ernst Jünger im Jahr 1922 (Der Kampf als inneres Erlebnis. Berlin 1922, S. 82). — „Überall in der Welt haben die großen gewachsenen Kulturzusammenhänge, die festen Überlieferungen, Gebräuche, Sitten und schließlich die religiösen Fundamente einen Bruch und teilweise einen Zusammenbruch erfahren. Das ist der eigentliche Grund der weltüberspannenden Völkerkrise... “, so der aus dem „Tat“-Kreis kommende Giselher Wirsing mitten im Zweiten Weltkrieg (Das Zeitalter des Ikaros. Von Gesetz und Grenzen unseres Jahrhunderts, Jena 1944, S. 12). — „Wir stehen mit der Katastrophe, die wir durchlebt haben und immer noch durchleben, für jeden, der etwas Blick hat, deutlich am Ende der bisherigen Art der Geschichte, der Geschichte nämlich, die wesentlich vom Abendland bestimmt war“, läßt der greise Soziologe Alfred Weber seine gleichfalls im Zweiten Weltkrieg zu Papier gebracht universalgeschichtliche Zeitdiagnose beginnen (Abschied von der bisherigen Geschichte. Überwindung des Nihilismus?, Berlin 1946, S. 11). — Ein Jahrzehnt später begreift Karl Jaspers die Entwicklung als „Ende der Achsenzeit“, die zwischen 800 und 200 v. Chr. beginnt und gegenwärtig, im „technischen Zeitalter“ zu Ende gehen wird, sei es im Chaos, sei es in der einen Welt der Menschheit des Erdballs (Vom Ursprung und Ziel der Geschichte. Frankfurt 1955 (= Fischer Bücherei 91)).Google Scholar
  35. 34.
    Zu Gerhard Ritter siehe Klaus Schwabe und Rolf Reichardt, Hrsg., Gerhard Ritter. Ein politischer Historiker in seinen Briefen, Boppard 1984, sowie „Gerhard Ritter (1888–1967) “ in: Hartmut Lehmann/James van Horn Melton, eds., Paths of Continuity: Central European Historiography from the 1930s through the 1950s, Cambridge 199, S. 83–108. Über Ludwig Dehio besitzen wir eine einfühlsame Studie von Sergio Pistone (Ludwig Dehio, Napoli 1977) und über Hans Herzfeld, unter Auswertung des Nachlasses, von Gerhard A. Ritter („Hans Herzfeld. Persönlichkeit und Werk“ in: JbBMOD 32, 1983, S. 13–91). Die für ein Verständnis Adenauers während der ersten Nachkriegsperiode wichtigen Reden liegen bisher nur zu kleinen Teilen gedruckt vor (Reden 1917–1967. Eine Auswahl, hrsg. von Hans-Peter Schwarz. Stuttgart 1967). Günstiger verhält es sich mit Kurt Schumacher (Reden und Schriften, hrsg. von A. Scholz und W G. Oschilewski (= Turmwächter der Demokratie, Bd. 2), Berlin 1953; Reden, Schriften, Korrespondenzen 1945–1952, hrsg. von W Albrecht, Berlin 1985) und Theodor Heuss (Die großen Reden, 2 Bde, Tübingen 1965; Politiker und Publizist. Aufsätze und Reden, ausgewählt und kommentiert von M Vogt, Tübingen 1984). Vgl. dazu meine Darstellungen und Bewertungen in: Vom Reich zur Bundesrepublik. Deutschland im Widerstreit der außenpolitischen Konzeptionen in den Jahren der Besatzungsherrschaft 1945–1949, Stuttgart 21980 <1966>.Google Scholar
  36. 35.
    Konrad Adenauer. Briefe 1945–1947. Hrsg. von Rudolf Morsey und Hans-Peter Schwarz. Berlin 1983, S. 466.Google Scholar
  37. 36.
    Siehe dazu meinen Aufsatz „Mit gestopften Trompeten. Die Wiedervereinigung Deutschlands aus der Sicht westdeutscher Historiker“, in: GWU, 44 (1993), S. 683–704.Google Scholar
  38. 37.
    Golo Mann hatte indessen zumindest einen Vorgänger: Ludwig Dehio, der schon 1952 in einem allerdings unpublizierten Vortrag seine Zweifel an der Zukunft des deutschen Nationalstaates deutlich artikuliert hatte (Mitteilung von Herrn Otto Hildebrandt M.A.).Google Scholar
  39. 38.
    Golo Mann, „Der verlorene Krieg und die Folgen“, in: Hans Werner Richter, Hrsg., Bestandsaufnahme, Eine deutsche Bilanz 1962, München/Wien/Basel 1962, S. 44 f.Google Scholar
  40. 39.
    ibd., S. 45.Google Scholar
  41. 40.
    „Hat Deutschland eine Zukunft? “, in: Die Zeit, 7. 9. 1962, abgedr. in: „Deutschland und die Welt“, Hrsg. von Hans-Adolf Jacobsen und Otto Stenzl, München 1964 (= dtv 174/175), S. 197–203.Google Scholar
  42. 41.
    Siehe GWU, 23, 1972, S. 354–356.Google Scholar
  43. 42.
    ibd.,S.691.Google Scholar
  44. 43.
    Die Ost- und Deutschlandpolitik von CDU und CSU in den beiden Jahrzehnten von 1970 bis 1990 ist mangels Zugänglichkeit wesentlicher Quellen erst ansatzweise erforscht. Für die Periode von 1970 bis 1982 am verläßlichsten sind die Darstellungen von Wolfgang Jäger und Werner Link (Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bde 5 I/II. Stuttgart/Mannheim 1986 und 1987). Die offenen Quellen und das neuere Schrifttum für die achtziger Jahre finden sich bei Matthias Zimmer aufbereitet (Nationales Interesse und Staatsräson. Zur Deutschlandpolitik der Regierung Kohl 1982–1989, Paderborn 1992). Eine Synopse der offiziellen Positionen gibt Rudolf Horst Borcke (Deutschlandpolitische Positionen der Bundestagsparteien. Synopse, Erlangen 1985). Lesenswert ist, wie sich die Spannungen innerhalb von CDU/CSU aus Sicht eines eigenständigen Kopfes in der damaligen DDR darstellten (Michael Lemke, CDU/CSU und Vertragspolitik der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1969–1975. Kontinuität und Wandel christdemokratischer Ost- und Deutschlandpolitik, Saarbrücken-Scheidt 1992).Google Scholar
  45. 44.
    Siehe Thomas Nipperdey, „Der Kölner Dom als Nationaldenkmal“, in: Nachdenken über die deutsche Geschichte. München 1986, S. 160.Google Scholar
  46. 45.
    Zu welchen Verrenkungen die Wiederentdeckung führte, daß verschiedene NS-Konzentra-tionslager nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches weitergeführt wurden, wenn auch nun mit anderen Insassen und Opfern politischen Terrors, beweist seit 1990 beispielhaft die Auseinandersetzung um die Gestaltung der Gedenkstätte Buchenwald. Siehe Manfred Overesch. Buchenwald und die DDR oder Die Suche nach Selbstlegitimation. Göttingen 1995 sowie Lutz Niethammer (Hg): Der „gesäuberte“ Antifaschismus. Die SED und die roten Kapos von Buchenwald. Dokumente. Berlin 1994.Google Scholar
  47. 46.
    Ralf Dahrendorf, Gesellschaft und Demokratie in Deutschland <= Anm. 17>, S. 464.Google Scholar
  48. 47.
    Siehe dazu die Studie von Gustav Schmidt, Deutscher Historismus und der Übergang zur parlamentarischen Demokratie. Untersuchungen zu den politischen Gedanken von Meinecke, Troeltsch, Max Weber, Hamburg 1964.Google Scholar
  49. 48.
    Dazu immer noch unübertroffen Klaus Schwabe, Wissenschaft und Kriegsmoral. Die deutschen Hochschullehrer und die politischen Grundfragen des Ersten Weltkrieges, Göttingen u.a. 1963, S. 19–45.Google Scholar
  50. 49.
    Thomas Mann, Politische Schriften und Reden. Bd. 1: Betrachtungen eines Unpolitischen. Frankfurt/Hamburg 1968 (= Das essayistische Werk. Taschenbuchausgabe in acht Bänden), S. 196. Zur Sonderwegs-Ideologie siehe u. a. die Studie von Bernd Faulenbach, Ideologie des deutschen Weges. Die deutsche Geschichte in der Historiographie zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus. München 1980.Google Scholar
  51. 50.
    Lothar Gall, „Die Bundesrepublik in der Kontinuität der deutschen Geschichte“, in: HZ 239 (1984), S. 603–613.Google Scholar
  52. 51.
    Siehe dazu die Kontroverse zwischen David Blackbourn/Geoff Eley (Mythen deutscher Geschichtsschreibung. Die gescheiterte bürgerliche Revolution von 1848. Frankfurt/Berlin 1980) und Hans-Ulrich Wehler („Deutscher Sonderweg oder allgemeine Probleme des westlichen Kapitalismus? Zur Kritik an einigen Mythen deutscher Geschichtsschreibung“, in: Merkur 35 (1981), S. 478–487). Zum Fortgang der Kontroverse vgl. die Bibliographie in: Deutscher Sonderweg — Mythos oder Realität? (= Kolloquien des Instituts für Zeitgeschichte), München/ Wien 1982, S. 82–87.Google Scholar
  53. 52.
    Karl Dietrich Bracher, Deutscher Sonderweg — Mythos oder Realität? <= Anm. 51>, S. 46. -Klaus Hildebrand, „Der deutsche Eigenweg“, in: Manfred Funke u. a., Hrsg., Demokratie und Diktatur. Geist und Gestalt politischer Herrschaft in Deutschland und Europa. Festschrift für Karl Dietrich Bracher. Düsseldorf 1987, S. 15–34.Google Scholar
  54. 53.
    ibd., S. 32.Google Scholar
  55. 54.
    Gerhard Ritter, Das deutsche Problem. Grundfragen des deutschen Staatslebens gestern und heute. München 1962, S. 9. Dabei knüpfte er an sehr selbstkritische Überlegungen an, die er bereits kurz nach dem Zusammenbruch als einer der ersten formuliert hatte. Siehe beispielsweise „Geschichte als Bildungsmacht. Ein Beitrag zur historisch-politischen Neubesinnung“. 2. Aufl., Stuttgart November 1947.Google Scholar
  56. 55.
    ibd., S. 193 und 189.Google Scholar
  57. 56.
    Klaus Hildebrand, „Reich-Großmacht-Nation“, in: HZ, 259 (1994), S. 370, 388. Dazu jetzt auch Hildebrands große Gesamtdarstellung (Das vergangene Reich. Deutsche Außenpolitik von Bismarck bis Hitler, Stuttgart 1995).Google Scholar
  58. 57.
    Wolfgang J. Mommsen, Großmachtstellung und Weltpolitik. Die Außenpolitik des Deutschen Reiches 1870–1914, Berlin 1993, S. 15.Google Scholar
  59. 58.
    Heinrich August Winkler, „Auf ewig in Hitlers Schatten? “ <=Anm. 15>.Google Scholar
  60. 59.
    Dolf Steinberger, „Verfassungspatriotismus“ in: Verfassungspatriotismus <= Schriften X> Frankfurt 1990, S. 13.Google Scholar
  61. 60.
    Karl Jaspers, „Freiheit und Wiedervereinigung“, in: Lebensfragen der deutschen Politik. München 1963 <=dtv 105>, S. 171–281.Google Scholar
  62. 61.
    Zum zeitgeschichtlichen Kontext und zu den Implikationen des seinerzeitigen Vorschlags Bundeskanzler Adenauers siehe meine Darstellung auf Grundlage der derzeit verfügbaren Quellen (Adenauer. Der Staatsmann, 1952–1967, Stuttgart 1991, S. 402–439).Google Scholar
  63. 62.
    Allein 1952–1961 durchliefen 2.245.900 die Notaufnahme; 1949–52 422.600. Zahlen nach Franz Neumann, Daten zu Wirtschaft, Gesellschaft, Politik, Kultur der Bundesrepublik Deutschland 1950–1975, Baden-Baden 1976.Google Scholar
  64. 63.
    Siehe dazu Volker Eklhofer, Die Flüchtlings- und Übersiedelungsbewegungen in die Bundesrepublik als Auslösefaktoren des politischen Umbruchs in der DDR, München 1992. Im November 1989 kamen 133.429 Übersiedler in die Bundesrepublik, im Januar 1990 73.729, im Februar 63.893 und im März 63.893 (Karl-Rudolf Körte, Die Chance genützt? Eine Politik zur Einheit Deutschlands, Frankfurt, New York 1994, S. 46).Google Scholar
  65. 64.
    Hermann Lübbe, Abschied vom Superstaat, Vereinigte Staaten von Europa wird es nicht geben, Berlin 1994, S. 38.Google Scholar
  66. 65.
    Reinhart Koselleck, Vergangene Zukunft (=Anm. 25) S. 371.Google Scholar
  67. 66.
    Die bislang materialreichste Studie zum Einigungsprozeß enthält der Sammelband von Eckhard Jesse/Armin Mitter, Hrsg., Die Gestaltung der deutschen Einheit. Geschichte, Politik, Gesellschaft (= Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, Bd. 308), Bonn 1992. Siehe auch Konrad H. Jarausch, The Rush to German Unity, New York/Oxford 1994, und Karl-Rudolf Korte, Die Chance genutzt? <= Anm. 63>.Google Scholar
  68. 67.
    Harold James, Vom Historikerstreit zum Historikerschweigen. Die Wiedergeburt des Nationalstaats (=WJS Corso), Berlin 1993. Der Essay entstand vor dem Hintergrund der umfassenderen Studie von James: Deutsche Identität. 1770–1990. Frankfurt/New York 1991.Google Scholar
  69. 68.
    Wolf gang Schuler, „Die Deutschen stehen vor einem Neuanfang“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.12.1989.Google Scholar
  70. 69.
    Heinrich August Winkler, „Die Mauer wegdenken“, in: Die Zeit, 11.8.1989.Google Scholar
  71. 70.
    Heinrich August Winkler, „Der Staatenbund als Bewährungsprobe“, in: Süddeutsche Zeitung, 16. 2. 1990; abgedruckt bei Udo Wengst, Hrsg., Historiker betrachten Deutschland <=Anm. 15>, S. 33–38.Google Scholar
  72. 71.
    Heinrich August Winkler, „Der unverhoffte Nationalstaat“, in: Die Zeit, 28.9.1990; abgedruckt bei Wengst, ibd., S. 162–172.Google Scholar
  73. 72.
    Heinrich August Winkler, Weimar, 1918–1933, Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie, München 1993, S. 616.Google Scholar
  74. 73.
    Jürgen Kocka, „Nur keinen neuen Sonderweg“ in: Die Zeit, 19.10.1990, abgedr. in Udo Wengst (Hrsg.), Historiker betrachten Deutschland <= Anm. 14>, S. 191.Google Scholar
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    ibd., S. 188.Google Scholar
  76. 75.
    Helmut Kohl, Rede vor dem American Council on Germany, 5. Juni 1990, in: Bulletin, 13. Juni 1990, S. 640.Google Scholar
  77. 76.
    Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 11. Wahlperiode. Stenographische Berichte, Bd. 154. Plenarprotokoll 11/228. Berlin, 4.10.1990, S. 18039 B.Google Scholar
  78. 77.
    Vgl. meine zusammenfassenden Erörterungen in: Die Zentralmacht Europas. Deutschlands Rückkehr auf die Weltbühne, Berlin 1994, S. 201–239 und die dortige Literaturübersicht (S. 271–277).Google Scholar
  79. 78.
    Dazu ibd., S. 47–57. Der Terminus „Die gescheiterte Großmacht“ ist von Andreas Hillgruber in die Diskussion gebracht worden (Die gescheiterte Großmacht. Eine Skizze des Deutschen Reiches 1871–1945, Düsseldorf 1980).Google Scholar
  80. 79.
    Helmuth Plessner, Die verspätete Nation <= Anm. 13>, S. 47.Google Scholar
  81. 80.
    Heinz Gollwitzer, „Für welchen Weltgedanken kämpfen wir? “, in: Klaus Hildebrand und Rainer Pommerin; Hrsg., Deutsche Frage und europäisches Gleichgewicht. Festschrift für Andreas Hillgruber zum 60. Geburtstag, Köln/Wien 1985, S. 83–109.Google Scholar
  82. 81.
    Helmuth Plessner, Die verspätete Nation <= Anm. 13>, S. 43, 96.Google Scholar
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    Hans-Peter Schwarz, „Segmentäre Zäsuren, 1949–1989: eine Außenpolitik ohne gleitende Übergänge“, in: Martin Broszat, Hrsg., Zäsuren nach 1945. Essay zur Periodisierung der deutschen Nachkriegsgeschichte. München 1990, S. 18.Google Scholar
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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH Opladen 1996

Authors and Affiliations

  • Hans-Peter Schwarz

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