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Schlußbemerkung

  • Arnold Freiburg
Chapter
Part of the Studien zur Sozialwissenschaft book series (SZS, volume 45)

Zusammenfassung

In den drei Jahrzehnten, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs vergangen sind, entstanden und entwickelten sich zwei deutsche Staaten unterschiedlicher Gesellschaftsordnung. In beiden Staaten fand ein sozio-ökonomischer und sozialstruktureller Wandel von beträchtlichen Ausmaßen statt, dessen Ausgang gegenwärtig noch nicht abzusehen ist. Dabei gab es bemerkenswerte Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen zwischen Ost und West, etwa hinsichtlich der Industrialisierung, der Urbanisierung, der Entwicklung der Berufs-, der Beschäftigten- und der Qualifikationsstruktur usf. (vgl. etwa Materialien 1971, 65–87; Sontheimer/Bleek 1972, 138–166; Hanke 1974; Freiburg 1977b). Beträchtlich sind aber auch die Unterschiede zwischen den Entwicklungen in beiden Staaten, welche aus der Kollektivierung der DDR-Wirtschaft resultieren. In der DDR ging der Anteil der Selbständigen (einschl. mithelfende Familienangehörige) an allen Berufstätigen zwischen 1950 und 1975 von 36,6 auf 2,4 Prozent zurück (Stat. Jahrb. d. DDR 1955, 32f; 1976, 48). Waren in der DDR im Jahre 1955 noch 40,0 Prozent aller Berufstätigen in Privatbetrieben beschäftigt, so zehn Jahre später 10,2 und 1975 nur noch 5,5 Prozent (Stat. Jahrb. d. DDR 1976, 51). Damit war die DDR-Bevölkerung einem sozialen Umwandlungs-und Einschmelzungsprozeß unterworfen, der unvergleichlich viel tiefer eingriff als der in der Bundesrepublik zu beobachtende. Zudem wurden zwischen 1949 und 1961 rd. 2,7 Millionen Abwanderer in die Bundesrepublik offiziell registriert, das sind etwa 15 Prozent der DDR-Bevölkerung (DDR Handbuch 1975, 312f). Berücksichtigt man zudem die nicht wenigen „Kurswechsel“ der SED-Politik, insbesondere den innenpolitischen Klimawechsel nach Abschluß der Kollektivierung und Schließung der Grenze, so ist offensichtlich, daß die innenpolitische, die Wirtschafts- und die Sozialgeschichte der DDR sehr viel bewegter war als die der Bundesrepublik. Und ebenso die Kriminalgeschichte des sozialistischen deutschen Staates. Damit stellt sich die Frage nach möglichen Zusammenhängen.

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1981

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  • Arnold Freiburg

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