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Panik Stadt pp 115-119 | Cite as

Die Zerstörung, der Krieg und die Pest

  • Christine Faurè
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Zusammenfassung

Als am 20. Oktober 1938 Orson Welles’ berühmte Sendung „Der Krieg der Welten“ lief, hat er mit einem Eclat die den amerikanischen Universitäten (seither) so teure Methode der Simulationsspiele eingeführt: eine Folge fiktiver Interviews, geschickt unterbrochen, um die Aufmerksamkeit wachzuhalten, eine dramatische Montage — auch was den Ton angeht, der bis zum Schrei ging. Durch diese klassischen — und im Grunde aber eher dürftigen — Mittel steigerte Orson Welles die vierzig Jahre zuvor von Herbert Georges Wells erdachte Szene derart, daß es unter den Zuhörern dieser Sendung zu ungewöhnlich heftigen Ausbrüchen von Panik kam. Man muß dazu sagen, daß er sich bemüht hatte, der Sache einen authentischen Charakter zu geben, indem er sie an verschiedenen Orten der USA ansiedelte und indem er einige Pseudo-Verantwortliche aus Wissenschaft und Politik zu Worte kommen ließ: zum Beispiel Professor Pierson vom Observatorium in Princeton und den Innenminister. In dem durch die Erinnerung an die Wirtschaftskrise der 30er Jahre und durch Kriegsangst sensibilisierten Amerika wurde die Irreführung zum Desaster. (Schließlich war ja auch der Tag nicht mehr fern, da ein Sprecher eine Varieté-Sendung unterbrechen sollte, um mitzuteilen, daß Pearl Harbour von den Japanern zerstört worden sei.) Die Leute flohen ganz gleich wohin, die Straßen waren mitten in der Nacht von unzähligen Autos verstopft, Priester wurden zur Beichte geholt. Es gab Fehlgeburten, gebrochene Gliedmaßen, Selbstmorde. Im Süden wurde auf offenen Plätzen gebetet, in den halbverlassenen Städten geplündert, in New Jersey die National Guard einberufen.

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References

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Copyright information

© Bertelsmann Fachzeitschriften GmbH / Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Berlin/Braunschweig 1979

Authors and Affiliations

  • Christine Faurè

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