Advertisement

Zur aktuellen Kritik am Bundesverfassungsgericht

  • Hans-Jochen Vogel

Zusammenfassung

Der Schlußbericht der Enquete-Kommission Verfassungsreform des Deutschen Bundestages1, deren Vorsitzender Friedrich Schäfer war, mußte sich zu einigen Themenbereichen auf bloße Fragestellungen beschränken, da für eine ausführliche Sachberatung nicht genügend Zeit zur Verfügung stand. Deshalb enthält der Bericht vor allem zu den Fragen der Verfassungsgerichtsbarkeit keine abschließenden Empfehlungen. Die Kommission macht vielmehr anhand eines Problemaufrisses auf Ansätze für mögliche Reformüberlegungen aufmerksam, ohne daß sie allerdings damit sagen will, daß zu allen von ihr aufgezählten Punkten2 gesetzgeberische Änderungen ins Auge zu fassen wären. Nicht von ungefähr findet sich aber in dem Fragenkatalog der Komplex „Bundesverfassungsgericht und politischer Gestaltungsspielraum des Gesetzgebers und der Regierung: Prüfungsumfang des Gerichts, Justitiabilität und Nichtjustitiabilität von Streitfragen, Abgrenzung von Rechtsfragen und Zweckmäßigkeitserwägungen“.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Anmerkungen

  1. 1.
    BT-Drs. 7/5924; auch ds: Beratungen und Empfehlungen zur Verfassungsreform, Teile I und II, Zur Sache 3/76 und 2/77, hrg. vom Presse-und Informationszentrum des Deutschen Bundestages.Google Scholar
  2. 2.
    Zur Sache 2/77, Kap. 16 „Fragestellungen zur Verfassungsgerichtsbarkeit", S. 266 ff.Google Scholar
  3. 3.
    BVerfGE 39, 1.Google Scholar
  4. 4.
    BVerfGE 35, 79.Google Scholar
  5. 5.
    BVerfGE 48, 127.Google Scholar
  6. 6.
    BVerfGE 40, 296.Google Scholar
  7. 7.
    BVerfGE 36, 1.Google Scholar
  8. 8.
    BVerfGE 44, 125.Google Scholar
  9. 9.
    BVerfGE 45, 1.Google Scholar
  10. 10.
    BVerfGE 44, 249 (die Entscheidung wurde am 25.7.1977, also nach dem in Anm. 9 aufgeführten Urt. v. 25.5.1977, bekanntgegeben).Google Scholar
  11. 11.
    Anläßlich der 1. Lesung des Entwurfs des 7. Besoldungserhöhungsgesetzes. 107. Sitzung am 28.9.1978, Sten. Ber. Bd. 107, S. 8467 ff. (insbes. S. 8471).Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. z. B. die Rede von Ministerpräsident Holger Börner vor dem Hessischen Landtag am 31. Mai 1978, Sten. Ber. 8/78, S. 4742 ff.Google Scholar
  13. 13.
    Vgl. u. a. Hans Schueler, Die Zeit v. 24.2.1978; Robert Leicht, Süddeutsche Zeitung v. 19.4.1978.Google Scholar
  14. 14.
    Aus der ständig zunehmenden Literatur seien nur folgende . Beispiele genannt: Dieter Wilke/Gerd H. Koch, JZ 1975, S. 233; Christian-Friedrich Menger, Verw. Arch. 67 (1976) S. 303; Martin Kriele, NJW 1976, S. 777 ff; Ernst-Wolfgang Böckenförde, NJW 1976, S. 2089 ff.; Konrad Zweigert, in: Bundesverfassungsgericht und Grundgesetz, Band 1,1976, S. 63 ff.; Norbert Achterberg, DÖV 1977, S. 649 ff.; Rainer Eckertz, Der Staat 17 (1978), S. 183 ff.; Wolf-Rüdiger Schenke, NJW 1979, S. 1321 ff.; jeweils mit zahlreichen weiteren Nachweisen.Google Scholar
  15. 15.
    Vor allem im Rahmen von abweichenden Meinungen, vgl. Helmut Simon/Wiltraut Rupp-v. Brünneck, BVerfGE 35, 148 ff.; 39, 68 ff.; Walter Seuffert, BVerfGE 40, 330 ff.; Martin Hirsch, BVerfGE 48, 185 ff. Zu weiteren Äußerungen vgl. Martin Hirsch, DRiZ 1977, S. 225, aber auch Ernst Benda, Gegen den Vorwurf, politisch zu richten, Rheinischer Merkur v. 21.4.1978.Google Scholar
  16. 16.
    Robert Leicht, a.a.O. (Anm'13).Google Scholar
  17. 17.
    Hans Schueler, a.a.O. (Anm. 13).Google Scholar
  18. 18.
    Ministerpräsident Holger Börner in einer Rede in Kassel, wiedergegeben in der Aktuellen Stunde des Hessischen Landtages vom 31.5.1978, a.a.O. (Anm. 12) S. 4744.Google Scholar
  19. 19.
    Konrad Zweigert, a.a.O. (Anm. 14), S. 73.Google Scholar
  20. 20.
    Hans Leussink, in: Festschrift für Alex Möller, 1978, S. 143 (152).Google Scholar
  21. 21.
    Dieter Wilke/Gerd H. Koch, a.a.O. (Anm. 14), S. 233.Google Scholar
  22. 22.
    Werner Holtfort, Vorgänge 37, 1/1979, S. 64 (73).Google Scholar
  23. 23.
    BVerfGE 40, 141.Google Scholar
  24. 24.
    BVerfGE 46, 160.Google Scholar
  25. 25.
    BVerfGE 48, 346.Google Scholar
  26. 26.
    BVerfGE 49, 89.Google Scholar
  27. 27.
    BVerfGE 50, 290.Google Scholar
  28. 28.
    Vgl. auch Säcker, BayVB1. 1979, S. 193 ff.Google Scholar
  29. 37.
    Sitzung des Hauptausschusses am 13.1.1949, Stenografische Berichte, S. 461 ff.Google Scholar
  30. 10.
    Sitzung am 8.5.1949, Stenografische Berichte, S. 229.Google Scholar
  31. 31.
    BT-Drs. Nr. 328.Google Scholar
  32. 32.
    BT-Drs. Nr. 788.Google Scholar
  33. 116.
    Sitzung vom 1.2.1951, Sten. Ber. Bd. 6, S. 4419.Google Scholar
  34. 19.
    Gesetz zur Änderung des Grundgesetzes vom 29.1.1969, BGBl. I S. 97.Google Scholar
  35. 35.
    Vgl. etwa BVerfGE 45, 187 zur Verfassungsmäßigkeit der lebenslangen Freiheitsstrafe. Das BVerfG hat die Verfassungsmäßigkeit dieser Strafe nur mit bedeutsamen Einschränkungen bejaht und ausgeführt, das Rechtsstaatsprinzip verlange eine gesetzesförmige Verrechtlichung der Voraussetzungen, unter denen die Vollstreckung einer lebenslangen Strafe ausgesetzt werden könne. Mit dieser Feststellung wurden Vorstellungen in Kreisen der Opposition korrigiert, die sich gegen eine entsprechende gesetzliche Regelung ausgesprochen hatten.Google Scholar
  36. 36.
    Die Anträge vom 31.1.1952 und vom 11.5.1953 sind abgedruckt in: Der Kampf um den Wehrbeitrag, Band I, 1952, S. 3 ff, Band III, 1958, S. 166 ff.Google Scholar
  37. 37.
    Vgl. BVerfGE 4, 157.Google Scholar
  38. 38.
    Vgl. BVerfGE 8, 51.Google Scholar
  39. 39.
    Vgl. BVerfGE 20, 56. Die SPD-Bundestagsfraktion nahm einen Antrag zur Parteienfinanzierung — 2 BvF 1/66 — und einen weiteren Antrag zur Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung — 2 BvF 1/66 — zurück.Google Scholar
  40. 40.
    Urteil vom 24.7.1979 — 2 BvF 1/78 —, S. 23, 38 der Urteilsausfertigung.Google Scholar
  41. 41.
    Im ganzen also 117 Aufhebungen für die Zeit vom 6. September 1949 bis zum 30. November 1966. Die entsprechende Zahl für die Zeit vom 1. Dezember 1966 bis heute beträgt 32.Google Scholar
  42. 42.
    BVerfGE 6, 55.Google Scholar
  43. 43.
    BVerfGE 10, 59.Google Scholar
  44. 44.
    BVerfGE 12, 205.Google Scholar
  45. 45.
    BVerfGE 20, 56. Die Regelung über die Abzugsfähigkeit von Parteispenden war bereits in BVerfGE 8, 51 für verfassungswidrig erklärt worden.Google Scholar
  46. 46.
    BVerfGE 22, 180.Google Scholar
  47. 47.
    In diesem Zusammenhang sei nur daran erinnert, daß es auch vor 1966 scharfe Kritik am BVerfG gegeben hat. 1952 erklärte der damalige Bundesjustizminister Thomas Dehler, das BVerfG sei „in einer erschütternden Weise von dem Wege des Rechts abgewichen" (zitiert bei Ernst Friesenhahn, Die Verfassungsgerichtsbarkeit in der Bundesrepublik Deutschland, 1963, S. 48 Fn. 134). — Zum Fernseh-Urteil offenbarte Bundeskanzler Adenauer in der Haushaltsrede am 8.3.1961 dem Bundestag: „Das Kabinett war sich darin einig, daß das Urteil des Bundesverfassungsgerichts falsch ist." (147. Sitzung, Sten. Ber. Bd. 48, S. 8308). — Auch nach Ansicht von Karl Carstens (Politische Führung, 1971, S. 82) hat das BVerfG — im Bereich der Abgrenzung der Kompetenzen zwischen Bund und Ländern — „eine Reihe von Fehlurteilen gefällt".Google Scholar
  48. 48.
    Der zeitliche Ablauf der Verfahren betreffend die Verfassungsmäßigkeit des Versorgungsausgleichs und anderer Regelungen des 1. EheRG vom 14.6.1976 läßt den Schluß zu, daß der 1. Senat aus einsichtigen Gründen gerade hier, obwohl aus der Sicht der Instanzgerichte eine möglichst schnelle Klärung erwünscht war, in Interesse einer ausgewogenen Entscheidung von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht hat.Google Scholar
  49. 49.
    116. Sitzung des Deutschen Bundestages am 1.2.1951, Sten. Ber. Bd. 6, S. 4412, 4415.Google Scholar
  50. 50.
    Landesbericht der Bundesrepublik Deutschland für die Dritte Konferenz der Europäischen Verfassungsgerichte, AöR 102 (1977), S. 1 (24 f.).Google Scholar
  51. 51.
    Und auch nur den äußeren Anschein von Druck oder Einschüchterung vermeiden. Jeder, der nur einigermaßen mit richterlichen Verhaltensweisen vertraut ist, weiß, daß dadurch gerade das Gegenteil erreicht wird.Google Scholar
  52. 52.
    Vgl. etwa BVerfGE 6, 32 (40 ff.) und insbesondere 7, 198 (205 ff.). Dazu vor allem Hesse, EuGRZ 1978, S. 227 (230 ff.); siehe auch Fiedler, JZ 1979, S. 417 (421 ff.).Google Scholar
  53. 53.
    Vgl. Ernst-Wolfgang Böckenförde, NJW 1974, S. 1529 (1534).Google Scholar
  54. 54.
    BVerfGE 44, 249.Google Scholar
  55. 55.
    Ernst Benda, Bundesverfassungsgericht und Gesetzgeber im dritten Jahrzehnt des Grundgesetzes, DÖV 1979, S. 465 (469).Google Scholar
  56. 56.
    Siebe insbesondere Abschnitt C.! 2b der rirTei!s,,.;;nde Google Scholar
  57. 57.
    BVerfGE 36, 1 (26 f.).Google Scholar
  58. 58.
    BVerfGE 40, 296 (318).Google Scholar
  59. 59.
    BVerfGE 44, 249 (267 ff.).Google Scholar
  60. 60.
    Z. B. BVerfGE 24, 300 (342): 0,5 %-Grenze für Wahlkampfkostenerstattung; BVerfGE 39, 1 (48 ff.): Umschreibung der vier zulässigen Ausnahmen von der Strafbarkeit des Schwangerschaftsabbruchs.Google Scholar
  61. 61.
    Willi Geiger, Der Abgeordnete und sein Beruf, in: Politik als Beruf? Das Abgeordnetenbild im historischen Wandel. Protokoll eines Seminars der Deutschen Vereinigung für Parlamentsfragen, Zur Sache 1/79, S. 105 ff. (Ill f).Google Scholar
  62. 62.
    Wolf-Rüdiger Schenke, Die Verfassungsorgantreue, 1977, S. 120.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1980

Authors and Affiliations

  • Hans-Jochen Vogel
    • 1
  1. 1.BonnDeutschland

Personalised recommendations