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Zur Diskursgeschichte des Normalismus — Aufstieg und Ausbreitung eines Dispositiv-Netzes

  • Jürgen Link
Chapter
Part of the Historische Diskursanalyse der Literatur book series (HDL)

Zusammenfassung

Die folgende Skizze versteht sich als „diskursgeschichtlich“ — damit ist im Anschluß an Foucault gegenüber Konzepten wie „Begriffsgeschichte“ und „historischer Semantik“ die enge Kopplung zwischen den im engeren Sinne diskursiven (etwa semantischen) Komplexen und operativen Dispositiven betont (das Musterbeispiel ist die Gaußkurve und ihr operativer Einsatz, z.B. bei Tests). Besonderes Augenmerk ist auf „diskursive“ bzw. „interdiskursive Ereignisse“ (von der Art der ‘Explosion’ der „Normalisierung“ im mediopolitischen Diskurs seit 1968, mit deren Dokumentierung diese Studie begann) zu lenken. Für die interdiskursive Fragestellung dürften Enzyklopädien eine besonders wichtige Quelle darstellen, da ihre Funktion ja genau darin besteht, dasjenige spezialdiskursive und interdiskursive Wissen zu sammeln, das mutmaßlich den gesamten interdiskursiven Bereich der Kultur konstituiert. Dabei geben interne Feinstrukturen einer Enzyklopädie wie Auftauchen eines Begriffs als Lemma oder lediglich im Inneren von Artikeln, Länge der Lemmata, Bilanz der Querverweise und vor allem Akzentuierung eines Lemmas als kulturell dominant durch die Widmung eines (z.B. ‘eingerahmten’) Spezialartikels wichtige Hinweise auf das jeweilige interdiskursive Gewicht. Durch die Analyse solcher enzyklopädischer Verweisnetze können insbesondere auch wichtige Aufschlüsse über interdiskursive Dominanzstrukturen und Dominanzwechsel gewonnen werden: Ein Interdiskurs, in dem soziologische Normalitäts-Konzepte unter der Dominanz biologischer stehen, ist offenbar ‘qualitativ’ verschieden von einem Interdiskurs, bei dem dieses Verhältnis umgekehrt wäre. Wie nicht anders zu erwarten, sind die Lemmata „normal“, „Normalität“, „Normalisierung“ (einschließlich ihrer Zusammensetzungen) im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts in den Enzyklopädien von Null auf erheblichen Umfang expandiert, ohne aber bisher den Status von Spezialartikeln erreicht zu haben. Durch Vergleich zwischen speziellen und allgemeinen Enzyklopädien lassen sich weitere Anhaltspunkte für den interdiskursiven Transfer gewinnen. Wenn man nun vom augenblicklichen Status quo (Beginn der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts) ausgeht, so existieren im deutschsprachigen Raum erst sehr wenige ausführliche Artikel „Normal, Normalität“ in Spezialenzyklopädien, von denen ich exemplarisch den Artikel von Henning Ritter im Historischen Wörterbuch der Philosophie von 1984 erwähne. Dieser Artikel faßt im wesentlichen die Thesen von Canguilhem zusammen und gewinnt daraus den avanciertesten deutschsprachigen enzyklopädischen Standard zum Komplex des „Normalen“. Systematisch wird (nach Canguilhem) erstens das „Normale“ in ein mehr „deskriptives“ und ein mehr „normatives“ Normales zweigeteilt. Das Deskriptiv-Normale ist an Statistik und Durchschnitte, also an jeweils als positiv dominant konstatierbare Befunde gekoppelt. Ihm gegenüber wird aber (mit Canguilhem) die These verteidigt, daß „in letzter Instanz eine normative Entscheidung unumgänglich“ sei (921). In dieser Darstellung ist also das Normale nicht zufriedenstellend von der Normgeltung und der Normativität unterschieden. Die semantische Bifurkation zwischen Normalität und Normativität wird eher verwischt als akzentuiert, und obwohl das Prinzip von Broussais-Comte gebührend dargestellt wird, plädiert der Artikel schließlich mit Canguilhem für eine „neuerliche ‘qualitative Differenzierung von Normalität und Anormalität’“ (924).

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Literatur

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  • Jürgen Link

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