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Auf dem Weg zum universalen Normalismus?

  • Jürgen Link
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Part of the Historische Diskursanalyse der Literatur book series (HDL)

Zusammenfassung

Am 22.5.1989 veröffentlichte der Spiegel eine von EMNID in seinem Auftrag erhobene und verfertigte Skala, auf der den deutschen politischen Parteien Zahlenwerte zugewiesen waren (Abb.). Bei diesem auf den ersten Blick unscheinbaren diskursiven Ereignis handelte es sich in Wahrheit um ein Symptom von geradezu epochaler Bedeutung. Die Skala war nämlich auf der Basis von quantitativen Graden der ‘Linksheit’ bzw. ‘Rechtsheit’ der Parteien bezüglich einer Mitte erstellt. So erhielt die FDP etwa einen Wert von 0,1 rechts von der Mitte Das erscheint als ‘normal’ — aber in solcher Normalität liegt eben nicht die Antwort, sondern die Frage: Wie kann eine ursprünglich gänzlich qualitative und gänzlich symbolische Eigenschaft wie politische ‘Linksheit/Rechtsheit’ quantitativ funktionieren? An diesem Beispiel läßt sich exemplarisch studieren, auf welche Weise selbst rein symbolisch-subjektives („metaphorisches“) Orientierungs-Wissen homogenisiert, verdatet, kontinuiert und quantifiziert, schließlich also in ein Normalitäts-Dispositiv sensu stricto verwandelt werden kann. Dieser Prozeß muß zunächst im Sinne Foucaults „archäologisch“ rekonstruiert werden.

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Literatur

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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1997

Authors and Affiliations

  • Jürgen Link

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