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Psychisch relevante Belastungsbedingungen: Systematisierung und Skizze von Entwicklungstrends

  • Gerd Marstedt
  • Ulrich Mergner
Part of the Beiträge zur psychologischen Forschung book series (BPF, volume 9)

Zusammenfassung

Bei der Lektüre arbeitswissenschaftlicher Veröffentlichungen stößt man immer wieder auf Bemerkungen zum säkularen Belastungswandel oder zum Bedeutungsgewinn psychischer Belastungen.1) Die ihnen zugrundeliegenden allgemeinen Einschätzungen haben zwar häufig eine gewisse Plausibilität für sich, doch ist ihr theoretisches wie empirisches Fundament meist unklar. Oberwiegend dürfte es sich wohl um nicht systematisch abgesicherte common-sense-Hypothesen handeln. Als Grundlage für betriebspraktische, tarifpolitische wie auch gesundheits- und sozialpolitische Bemühungen um die menschengerechtere Gestaltung von Arbeitsbedingungen sind solche Hypothesen jedoch nicht tauglich. Dazu bedarf es fundierterer Urteile auf der Basis genauerer empirischer Analyse belastender Arbeitsbedingungen und ihrer Konstitutionsprozesse. Eine solche Analyse wiederum setzt allerdings ein begriffliches Instrumentarium voraus, das geeignet ist, belastende Arbeitsbedingungen und ihre Veränderungsursachen systematisch zu “begreifen”, Wandlungen im “Beanspruchungspanorama” auf dem Hintergrund eines umfassenderen Verständnisses der Arbeits- und Lebenssituation der abhängig Beschäftigten systematisch auf die realen und strukturell gesetzten Ursachen zu beziehen.

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Literatur

  1. 1).
    Als - wegen der relativen Komplexität schon wieder untypische - Bei- spiele vgl. etwa VALENTIN 1967, S. 16 oder STRASSER 1982, S. 17 ffGoogle Scholar
  2. 1).
    Vgl. dazu die Abbildung auf der nächsten Seite.Google Scholar
  3. 2).
    ROHMERT/RUTENFRANZ 1975, S. 52Google Scholar
  4. 3).
    Ebenda, S. 53Google Scholar
  5. 4).
    Vgl. vor allem ebenda, S. 50Google Scholar
  6. 5).
    Die Bezeichnung “sozial-emotional” kann dabei als sowohl auf Ursachen “sozial”) wie Wirkungen (“emotional”) abstellend verstanden werden. Dies stellt einen weiteren Beleg für die konstatierte Uneindeutigkeit des generellen Bezugspunktes der Gliederung dar. Auch die synonym gebrauchte Bezeichnung “emotional-situative Komponenten der Belastung” (ebenda, S. 52) beseitigt diese Unklarheit nicht.Google Scholar
  7. 1).
    Ebenda, S. 52Google Scholar
  8. 2).
    Ebenda, S. 53Google Scholar
  9. 3).
    Ebenda, S. 52Google Scholar
  10. 1).
    Vgl. ebenda. Auf S. 64 wird zumindest eine Begründung dafür gegeben, warum diese Belastungsart nicht empirisch untersucht wird.Google Scholar
  11. 2).
    Ebenda, S. 52Google Scholar
  12. 3).
  13. 4).
    Vgl. ebenda, S. 64Google Scholar
  14. 5).
    Eine relativ scharfe Kritik aus arbeitswissenschaftlicher Sicht findet sich, zusammen mit einem eigenen Schema für eine “an der Informationsverarbeitung orientierte Gliederung menschlicher Tätigkeiten” bei STRASSER 1982, S. 46 fGoogle Scholar
  15. 1).
    KERN/SCHUMANN 1970Google Scholar
  16. 2).
    Ebenda, Bd. I, S. 68Google Scholar
  17. 3).
  18. 4).
    MICKLER/DITTRICH/NEUMANN 1976Google Scholar
  19. 5).
    Vgl. ebenda, S. 383Google Scholar
  20. 6).
    Vgl. ebenda, S. 390Google Scholar
  21. 1).
  22. 2).
    Ebenda, S. 391Google Scholar
  23. 3).
    Ebenda. Wie in ihrer Konzeption der Kategorien der Qualifikationsanalyse rekurrieren die Autoren dabei explizit auf die psychologische Handlungstheorie HACKERs und ihre partielle Reformulierung in VOLPERTs Handlungsstrukturanalyse, versuchen jedoch - mit der Kategorie der psychich-affektiven Belastungen - auch darüber hinaus zu gelangen.Google Scholar
  24. 4).
    Ebenda, S. 391 und 393Google Scholar
  25. 1).
    Vgl. ebenda, S. 392Google Scholar
  26. 2).
    Vgl. ebendaGoogle Scholar
  27. 1).
    Ebenda, S. 393Google Scholar
  28. 2).
    Vgl. dazu BUHLE/ALTMANN 1972, BUHLE 1982, BINKELMANN 1983a und zuletzt DUHL/SAUER 1983.Google Scholar
  29. 1).
    DtHL/SAUER 1983, S. 20Google Scholar
  30. 2).
    Ebenda, S. 25Google Scholar
  31. 3).
    Ebenda, S. 14Google Scholar
  32. 4).
    Ebenda, S. 24Google Scholar
  33. 5).
    Vgl. dazu das Schema auf der folgenden Seite.Google Scholar
  34. 6).
    Vgl. ebenda, S. 27 ffGoogle Scholar
  35. 1).
    Ebenda, S. 24Google Scholar
  36. 2).
    Dies sehen übrigens die Autoren ganz ähnlich. Vgl. ebenda, S. 28Google Scholar
  37. 3).
    Daß die Benennung konkreter Risiken nur beispielhaft erfolgen kann, begründen DtHL/SAUER recht einleuchtend. Sie heben hervor, daß die “Schnittstellen” “… zwar Dimensionen (bestimmen), in denen Risiken wirksam werden können, aber noch nicht das jeweilige konkrete Risiko selbst … (Daß) ein tatsächliches Risiko … eintritt … ist nur in der Untersuchung konkret-historischer empirischer Sachverhalte festzustellen. Es ist deshalb an dieser Stelle auch nicht möglich, die konkreten Risiken in den verschiedenen Risikofeldern im einzelnen zu bestimmen.” (Ebenda, S. 28)Google Scholar
  38. 4).
    Ebenda, S. 271) Das Risikofaktorenkonzept ist hier auszunehmen, obwohl die Belastungsrelevanz allgemeinerer betrieblicher und gesellschaftlicher Anforderungen (noch) nicht hinreichend deutlich gemacht ist.Google Scholar
  39. 1).
    Vgl. zum folgenden: SCHMIDTKE 1976, S. 43 ff und SCHMIDTKE 1973Google Scholar
  40. 2).
    SCHMIDTKE 1976, S. 43Google Scholar
  41. 3).
  42. 4).
    Ebenda, S. 46Google Scholar
  43. 1).
    Ebenda, S. 46 f. - Nicht angesprochen wird von SCHMIDTKE dabei allerdings, daß gerade bei Steuertätigkeiten das Phänomen der “Habitualisierung” zu beachten ist: durch Obung können bestimmte Abläufe gleichsam “automatisiert” werden und dann ohne ständige Bewußtseinskontrolle stattfinden. POPITZ/BAHRDT u.a. (1957, S. 117 ff) haben dies am Beispiel des Autofahrens herausgearbeitet und haben dabei auf mögliche Entlastungseffekte für die Arbeitenden verwiesen: Gelungene Habitualisierung einzelner Tätigkeitsbestandteile setzt sie in den Stand, ihre Aufmerksamkeit auf die wichtigen Tätigkeitsanforderungen zu konzentrieren.Google Scholar
  44. 2).
    Vgl. etwa: SINGER 1969; SINGER/RUTENFRANZ/NACHREINER 1970; SCHNAUBER 1979, S. 150 ff; LAURIG 1980, S. 80 ff; STRASSER 1982, S. 43 ffGoogle Scholar
  45. 3).
    SCHMIDTKE 1976, S. 54Google Scholar
  46. 1).
    Ebenda, S. 55Google Scholar
  47. 2).
  48. 3).
    RUTENFRANZ 1969Google Scholar
  49. 4).
    Vgl. z.B. JANSEN 1967, 1970, HEUSCH u.a. 1981Google Scholar
  50. 5).
    Vgl. z.B. LEVI 1964, BORSCH-GALETKE 1977Google Scholar
  51. 6).
    Vgl. etwa SCHMID 1970 und, zusammenfassend MERGNER/OSTERLAND/PELTE 1975, MONSTERMANN/PREISER 1978Google Scholar
  52. 7).
    Etwa: KASL/COBB 1970Google Scholar
  53. 8).
    Eine Ausnahme von dieser Regel stellt allenfalls eine weithin unbekann-te Arbeit von SCHWARZ (1980) über “Psychische Belastung im maschinellen Abbaugebiet des Steinkohlenbergbaus” dar, in der eine Reihe von Belastungsmomenten in einer recht umfassenden (wenn auch nicht immer schlüssigen) Systematik aufgeführt werden, die in traditionellen arbeitswissenschaftlichen Taxonomien meist nicht auftauchen. Hauptgliederungspunkte der Systematik sind dabei “Umwelteinflüsse als zusätzliche psychische Belastungen” (vgl. S. 196 ff) und “Außergewöhnliche psychische Reize” (S. 198 ff).Google Scholar
  54. 1).
    BUHLE/ALTMANN 1972Google Scholar
  55. 2).
    EULER 1977a, bGoogle Scholar
  56. 3).
    EULER 1977b, S. 309Google Scholar
  57. 4).
    WOTSCHAK 1978, S. 4Google Scholar
  58. 1).
    MERGNER 1976, S. 16Google Scholar
  59. 2).
    ABENDROTH u.a., o.J.Google Scholar
  60. 3).
    GORRES/MERGNER 1976, S. 26 fGoogle Scholar
  61. 1).
    Ebenda, S. 26Google Scholar
  62. 2).
    Wir beziehen uns hier vor allem auf von FERBER/von FERBER/SLESINA 1982. In früheren Arbeiten (vgl. von FERBER/SLESINA 1981a, SLESINA 1981b) gehen sie allerdings noch stärker von der Trennbarkeit quasi stofflich-technisch bestimmter und sozialnormativ vorgegebener Belastungsfaktoren aus, wenn sie zwischen Belastungen aus körperlichen Anforderungen und Umgebungseinflüssen und dem Bereich der psychosozialen Belastungen unterscheiden. Der Aspekt sozialer Normen wird dabei für die Begründung letzterer schon deutlich in den Vordergrund gerückt: “Psychosoziale Belastungen ergeben sich aus den normativen Regelungen und Anforderungen, die betrieblicherseits an die Beschäftigten gerichtet werden. Normativ bestimmt sind unter anderen die Arbeitszeit, die erwartete Leistungsmenge und -qualität, die Formen der Arbeitsausführung, der Kommunikation und Interaktion. Soziale Kontrollen sichern die Beachtung und Durchsetzung der betrieblichen Normen gegenüber den Normadressaten und bewirken kontinuierliche Anpassungsleistungen und Leistungserbringung.” (von FERBER/SLESINA 1981a, S. 116 )Google Scholar
  63. 3).
    Vgl. von FERBER/von FERBER/SLESINA 1982, S. 283Google Scholar
  64. 4).
  65. 1).
    Ebenda, S. 284Google Scholar
  66. 2).
    Vgl. ebendaGoogle Scholar
  67. 1).
    Will man stärker zusammenfassen, kann man - wobei die Trennschärfe allerdings geringer wird und die Zuordnungsprobleme schwieriger werden - die drei Ebenen der Arbeitsgestaltung (Punkte a, b, h), der Organisation des betrieblichen Gesamtarbeitsprozesses (c, d, e) und der betrieblichen “Arbeitspolitik” (f, g) unterscheiden. (Vgl. dazu etwa MERGNER 1983a, H. FUNKE 1983)Google Scholar
  68. 1).
    Sieht man von den Ansätzen von VOLKHOLZ und GURRES/MARSTEDT/MERGNER ab, auf die noch eingegangen wird, wäre hier vor allem auf die von KERN/ SCHUMANN (1970) entwickelten Arbeitstypen zu verweisen. Sie sind allerdings vorrangig am Kriterium des Mechanisierungsgrads orientiert. Die (sehr reduzierte) Beschreibung der Belastungsstruktur findet im Rahmen der Analyse der Arbeitsanforderungen statt und ihr unterliegt kein eigenständiges typologisches Interesse.Google Scholar
  69. 2).
    Nur hingewiesen werden kann an dieser Stelle darauf, daß das Problem des Zusammenwirkens tätigkeitstypischer Belastungskonstellationen mittlerweile auch in den Arbeitswissenschaften verstärkt diskutiert wird. (Vgl. z.B. ROHMERT 1982 ) Allerdings verbleibt diese Diskussion weitgehend im Rahmen von Mehrfachbelastungs-und Superpositionsansätzen, wie sie z.B. der Frage nach der Veränderung der körperlichen Beanspruchung bei Hitzearbeit unterliegen. Umfassendere Vorstellungen von strukturell gesetzten Belastungskonstellationen werden kaum entfaltet.Google Scholar
  70. 3).
    Vgl. etwa MASCHEWSKY 1982a, S. 331 ffGoogle Scholar
  71. 4).
    Vgl. VOLKHOLZ 1977Google Scholar
  72. 1).
    Vgl. dazu ausführlich ebenda, S. A. 89 ffGoogle Scholar
  73. 2).
    Vgl. zuletzt MASCHEWSKY 1982a, S. 332Google Scholar
  74. 3).
    VOLKOLZ 1977, S. 111Google Scholar
  75. 4).
  76. 5).
    NASCHOLD/TIETZE 1978, S. 19Google Scholar
  77. 1).
  78. 2).
    MASCHEWSKY 1982a, S. 335Google Scholar
  79. 3).
    Vgl. MERGNER/OSTERLAND/PELTE 1975; MERGNER 1976, S. 16Google Scholar
  80. 4).
    Vgl. GURRES/MARSTEDT/MERGNER 1983Google Scholar
  81. 5).
    Vgl. dazu im einzelnen ebenda, S. 263-274Google Scholar
  82. 6).
    Vgl. ebenda, S. 275 und 309 ffGoogle Scholar
  83. 7).
    Vgl. dazu die recht ausführlichen Oberlegungen im ForschungsberichtGoogle Scholar
  84. 1).
    So etwa zuletzt NASCHOLD 1979, S. 5: “Entgegen zunächst sehr optimistischen Erwartungen einer Beanspruchungsreduktion deuten die direkten Auswirkungen des Arbeitsvollzugs nach übereinstimmendem Urteil auf eine Belastungsverschiebung von physischen auf psychische Beanspruchungen hin.”Google Scholar
  85. 1).
    Vgl. z.B. MICKLER u.a. 1976 und, gewendet auf die Belastungsproblematik, MERGNER 1976Google Scholar
  86. 2).
    Vgl. DtRR/NASCHOLD 1982a, S. 441-443Google Scholar
  87. 3).
    Vgl. ebenda, S. 441Google Scholar
  88. 4).
    Ebenda, S. 437Google Scholar
  89. 5).
  90. 6).
  91. 7).
    Ebenda, S. 442. Im weiteren stellen DURR/NASCHOLD dann den Zusammenhang zum Bedeutungsgewinn der chronisch-unspezifischen Volkskrankheiten her: “Die dadurch bedingten Beanspruchungen verlieren dann ihren partiellen und auf körperliche Teilfunktionen bezogenen Charakter und strukturieren sich ‘zentral-subjektiv’. Sie betreffen damit weniger Beeinträchtigungen einer spezifischen lokalisierbaren Körperlichkeit, sondern wirken als Beeinträchtigungen zentraler Funktionsweisen kortikal-nervaler und humoraler Regulationsmechanismen. Diese Entwicklungstendenzen zur Entlokalisierung industrieller Belastungen stehen in einem evidenten Zusammenhang mit dem häufig festgestellten Befund oft schwer definierbarer Gesundheitsbeeinträchtigungen, die als psychische Störungen, als psychosomatische Erkrankungen und als koronare Herzkrankheiten u.a. bezeichnet werden.” (Ebenda)Google Scholar
  92. 1).
  93. 2).
  94. 3).
  95. 4).
    Vgl. ebendaGoogle Scholar
  96. 5).
    Vgl. Kap. III.3Google Scholar
  97. 6).
    Insbesondere ist - es kann nicht oft genug betont werden - nicht da von auszugehen, daß Mechanisierung automatisch zu Belastungsreduktionen führt. Auch auf höheren Mechanisierungsstufen finden sich Tätigkeiten mit hohen - zum Teil in ihrer Struktur veränderten - Belastungen (vgl. dazu vor allem: KERN/SCHUMANN 1970 ).Google Scholar
  98. 1).
    Hingewiesen wird dabei vor allem auf den Bedeutungsverlust von unmittelbar-produktiven Tätigkeiten im primären und sekundären Sektor und dem Bedeutungsgewinn von mittelbar-produktiven vor allem im sekundären sowie von (im orthodoxen Verständnis) unproduktiven Tätigkeiten im tertiären Sektor.Google Scholar
  99. 1).
    Diese Linie wollen wir hier nicht weiter verfolgen. Vgl. dazu etwa die Oberlegungen in MERGNER 1983, S. 105-109Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1986

Authors and Affiliations

  • Gerd Marstedt
    • 1
  • Ulrich Mergner
    • 1
  1. 1.GöttingenDeutschland

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