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Handelsbilanz und Steuerbilanz — Maßgeblichkeit und umgekehrte Maßgeblichkeit

  • Arndt Raupach
Chapter

Zusammenfassung

Es war einmal ein Kaufmann, der Schwierigkeiten hatte, seine Waren zu verkaufen; so setzte er die veralteten Waren in seiner Bilanz mit einem niedrigeren Wert an. Behörden und Gerichte beschieden ihm jedoch, diese Abschreibung sei steuerlich nicht zulässig, da er die nach den einschlägigen Richtlinien erforderlichen Nachweise nicht erbracht habe. Freilich fügte das Gericht begütigend hinzu, es sei zuzugeben, daß die Abschreibung allgemein anerkannten Buchführungsgrundsätzen entsprochen habe. Dies nun brachte den Steuerpflichtigen auf die Barrikaden1. Er rief das Höchste Steuergericht an und machte geltend, wenn sein Verhalten den allgemein anerkannten Buchführungsgrundsätzen entsprochen habe, so müsse doch auch eine Vermutung dafür sprechen, daß die Abschreibung auch steuerlich zu beachten sei. Das Höchste Steuergericht bemerkte dazu:

„Die Vermutung, auf deren Bestehen sich die Antragstellerin beruft, ist im Hinblick auf die ganz unterschiedlichen Aufgaben von Handels- und Steuerbilanz unhaltbar. Oberstes Ziel der Handelsbilanz ist es, die Unternehmensleitung, die Anteilseigner, die Kreditgeber und andere näher Interessierte mit nützlichen Informationen zu versorgen. Die ausschließliche Pflicht des Bilanzerstellers besteht darin, die genannten Personen vor einer Irreführung zu bewahren. Das oberste Ziel des Steuersystems ist jedoch die angemessene Erzielung von Steuereinnahmen. Den Steuerbehörden obliegt die wichtige Aufgabe, den Fiskus zu schützen. Entsprechend ihren Zielen und Aufgaben folgt die Handelsbilanz dem Prinzip der Vorsicht, d. h. mögliche Bewertungsfehler sollen eher zu einer Unter- als zu einer Überbewertung von Einkommen und Aktivposten führen.

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Literatur

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  3. 3.
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  4. 4.
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  5. 5.
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  6. 6.
    Vgl. BFH v. 24. 4. 1985 — I R 65/80, BFHE 144, S. 14, BStBl II 1986, S. 324.Google Scholar
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    Sieben der zehn Senate entscheiden inzwischen in Einkommensteuersachen: der I., III., IV., VI., VIII., IX., X. Senat, vgl. dazu Raupach, in: Raupach/Tipke/Uelner, Niedergang oder Neuordnung des deutschen Einkommensteuerrechts?, 1985, S. 63.Google Scholar
  8. 8.
    BFH v. 25. 4. 1985 — IV R 83/83, BFHE 144, S. 25, BStBl II 1986, S. 350.Google Scholar
  9. 9.
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  10. 10.
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  11. 11.
    Vgl. zu dieser Möglichkeit Herrmann/Heuer/Raupach, § 6b Anm. 24 und 260.Google Scholar
  12. 12.
    Tatsächlich meint Dziadkowski (BB 1986, S. 331), ein Widerspruch sei nicht erkennbar.Google Scholar
  13. 13.
    Kreile, DStZ 1987, S. 449, 453.Google Scholar
  14. 14.
    Weil § 7 Abs. 5 Satz 2 EStG ausdrücklich zwischen Absetzungen für Abnutzung, erhöhten Absetzungen sowie Sonderabschreibungen unterscheidet. Vgl. Herrmann/Heuer/Raupach, § 7 a Anm. 7 und § 21 a Anm. 177; Drenseck, in: Schmidt, EStG, 7. Aufl. 1988, § 7 Tl. 15 e.Google Scholar
  15. 15.
    Vgl. auch Döllerer, BB 1987, Beil. 12 zu Heft 16 S. 16; Dziadkowski, BB 1986, S. 329, 333; Herrmann/Heuer/Raupach, § 6 EStG Anm. 2 c.Google Scholar
  16. 16.
    Vgl. Erlasse Nieders., Schleswig-Holstein, Bremen, Kiel, in: StEK EStG § 7 Nr. 37.Google Scholar
  17. 17.
    Vgl. Herrmann/Heuer/Raupach § 7 EStG Anm. 408 u. 465.Google Scholar
  18. 18.
    Vgl. Herrmann/Heuer/Raupach § 7 Anm. 421 u. 440.Google Scholar
  19. 19.
    Vgl. Abschn. 63 Abs. 2 EStR.Google Scholar
  20. 20.
    NRW v. 24. 1. 1964, DB 1964, S. 164.Google Scholar
  21. 21.
    BGBl I 1963, S. 549.Google Scholar
  22. 22.
    Ebenso Entwurf eines BMF-Schreibens zur Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz vom Mai 1987 Nr. IV B 2-S 2139–35/86, S. 9, 10; a.A. Bordewin, DStZ 1986, S. 79, 84; Glanegger, in: Schmidt, EStG, 7. Aufl. 1988, § 6 Tz. 112.Google Scholar
  23. 23.
    Herrmann/Heuer/Raupach, § 3 ZonenRFG Anm. 8; a. A. Entwurf eines BMF-Schreibens vom Mai 1987, a.a.O. (FN 21).Google Scholar
  24. 24.
    AA noch Herrmann/Heuer/Raupach, § 6a Anm. 28.Google Scholar
  25. 25.
    Vgl. Abschn. 35 EStR.Google Scholar
  26. 26.
    Vgl. Herrmann/Heuer/Raupach, § 5 Anm. 577.Google Scholar
  27. 27.
    Schulze-Osterloh, FR 1986, S. 545, 551.Google Scholar
  28. 28.
    Verfügung OFD Düsseldorf v. 6. 6. 86, DB 1986, S. 1430; a.A. Sauer, DB 1987, S. 2369, 2374.Google Scholar
  29. 29.
    Beschlußempfehlung, BT-Drucks. 10/4268, S. 146.Google Scholar
  30. 30.
    Vgl. Mathiak, in: Raupach, Werte und Wertermittlung im Steuerrecht, 1984, S. 97, 113: „fünf Wahlrechte zuviel“.Google Scholar
  31. 31.
    Herrmann/Heuer/Raupach, § 5 EStG Anm. 7.Google Scholar
  32. 32.
    Auch der Entwurf eines BMF-Schreibens zur Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz vom Mai 1987 Nr. IV B 2-S 2139–35/86, S. 2, a.a.O. (FN 21), geht davon aus.Google Scholar
  33. 33.
    § 6 Abs. 3 EStG wird deshalb auch für verfassungswidrig gehalten (Wittig, DStR 1986 S. 526, 530) bzw. für verfassungsrechtlich bedenklich (Hartmann/Böttcher/Nissen/Bordewin, § 6 Tz. 387).Google Scholar
  34. 34.
    Herrmann/Heuer/Raupach, § 6 Tz. 2d.Google Scholar
  35. 35.
    Vgl. Merkert/Koths, BB 1985, S. 1765; Dziadkowski, BB 1986, S. 329, 333; Wittig, DStR 1986, S. 526, 530.Google Scholar
  36. 36.
    Vgl. FN 5.Google Scholar

Copyright information

© Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH, Wiesbaden 1989

Authors and Affiliations

  • Arndt Raupach

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