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Zusammenfassung

Von Skeptikern wird bezweifelt, daß man mit Kindern überhaupt philosophieren könne.1 Fälschlich wird von solchen Skeptikern Philosophie mit formal-logischem Denken gleichgesetzt. Das ist es aber nicht nur, obwohl Kinder auch das im frühesten Alter schon beherrschen. Mit meinem Sohn, der damals knapp vier Jahre alt war, stand ich in Holland in einem Schnellimbiß. Er aß die dort üblichen Kroketten liebend gern; allerdings verschmähte er Pommes frites auch nicht. Ich fragte ihn, ob er Kroketten oder Pommes frites wollte. Die Verkäuferin sagte, daß Pommes frites alle seien. Darauf mein Sohn: „Dann kann ich ja nur Kroketten haben.“ Ich fand ein ähnliches Beispiel später bei Paul Lorenzen wieder, der folgerte: „Die geistige Operation besteht darin, von den zwei Aussagen‚A und B‘ und‚ nicht A‘ überzugehen zu der Aussage ‚B‘. Und der Schluß ist ein logischer, weil er kraft der Form gilt.2“ Allerdings können die Kinder auf dieser Stufe noch nicht das Denken über das Denken anstellen. Das ist vergleichbar mit dem Phänomen, daß man grammatikalisch richtige Sätze formen kann, ohne die Regeln angeben zu können. Die Kinder kennen nicht die formal-logischen Regeln, nach denen sie schließen. Diese zu wissen, ist einer späteren Entwicklungsstufe vorbehalten.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Vgl. den jeweiligen Anfang der beiden Aufsätze von Lipman und van der Leeuw in der „Zeitschrift für Didaktik der Philosophie“ Nr. 1/1984.Google Scholar
  2. 2.
    Paul Lorenzen, Theorie der technischen und politischen Vernunft, Stuttgart 1978, S. 9Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. Gernot Böhme, Der Typ Sokrates, Frankfurt 1988, S. 119Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. Theaitetos, 210bGoogle Scholar
  5. 5.
    William James, Der Pragmatismus, Hamburg 1977, S. 170Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. dazu Jürgen Habermas, Nachmetaphysisches Denken, Frankfurt 1988, S. 46Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. in meiner Habermas-Monographie in der „Sammlung Metzler“, Stuttgart 1991, das Kapitel „Der Mensch erkennt, der Mensch setzt Normen. Wie wird der Mensch?”Google Scholar
  8. 8.
    Ekkehard Martens, Sich im Denken orientieren. Philosophische Anfangsschritte mit Kindern, Hannover 1990, S. 20Google Scholar
  9. 9.
    Vgl. ebd., S. 40Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. in meiner Habermas-Mongraphie, a.a.O.Google Scholar
  11. 11.
    Vgl. Wolfgang Fischer, Jugend als pädagogische Kategorie, in: Enzyklopädie Erziehungswissenschaft, Bd. 9.1, Stuttgart 1982, herausgegeben von Herwig Blankertz u.a., S. 40. Fischer beruft sich hier auf Ballauf.Google Scholar
  12. 12.
  13. 13.
  14. 14.
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  15. 15.
    Vgl. dazu Ekkehard Martens, Dialogisch-pragmatische Philosophiedidaktik, Hannover 1979, S. 5 ff. und ders., Didaktik der Philosophie, in: Ekkehard Martens/Herbert Schnädelbach (Hg.), Philosophie. Ein Grundkurs, Reinbek 1985, S. 549 und van der Leeuw, a.a.O., S. 12Google Scholar
  16. 16.
    Vgl. meine Schrift „Das Sokratische Gespräch in der Erwachsenenbildung“, Bd. 11 der Reihe „Theorie und Praxis” des Fachbereichs Erziehungswissenschaften I der Universität Hannover, Hannover 1986 und Detlef Horster, Das Sokratische Gespräch, in: Günther Holzapfel (Hg.), Ethik und Erwachsenenbildung, Bremen 1990Google Scholar
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    Hans-Ludwig Freese, Kinder sind Philosophen, Berlin 1989, S. 35–45Google Scholar
  21. 21.
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  22. 22.
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  24. 24.
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    Vgl. Thomas Meyer, Fundamentalismus. Aufstand gegen die Moderne, Reinbek 1989, S. 140ff.Google Scholar
  26. 26.
    Vgl. Jürgen Habermas, Die neue Unübersichtlichkeit, Frankfurt 1985, S. 52 und Thomas Meyer (Hg.), Fundamentalismus in der modernen Welt, Frankfurt 1989, S. 17. Vgl. dazu auch Jürgen Habermas, Der philosophische Diskurs der Moderne, Frankfurt 1985, S. 31Google Scholar
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  30. 30.
    Vgl. auch von Hentig, a.a.O., S. 91Google Scholar
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  40. 40.
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  42. 42.
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    Vgl. Hartmut von Hentig, a.a.O., S. 73ff.Google Scholar
  48. 48.
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  49. 49.
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  50. 50.
    Vgl. Jürgen Habermas, Theorie des kommunikativen Handelns, Band 2, Frankfurt 1981, S. 213Google Scholar
  51. 51.
    Vgl. Jürgen Habermas, Die Neue Unübersichtlichkeit, a.a.O., S. 141 und Thomas Meyer, a.a.O., S. 214Google Scholar
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    Vgl. Thomas Meyer, a.a.O., S. 156Google Scholar
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  55. 55.
    Hartmut von Hentig, a.a.O., S. 99Google Scholar
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Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1992

Authors and Affiliations

  • Detlef Horster

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