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Der Fall des Krugs

Zum geschichtlichen Gehalt von Kleists Lustspiel
  • Dirk Grathoff
Part of the Kulturwissenschaftliche Studien zur deutschen Literatur book series (KSDL)

Zusammenfassung

In Kleists Lustspiel geht es um die Aufklärung eines nächtlichen Vorfalls in der Kammer eines jungen Mädchens. Um einen nichtigen »Schwank«, wie uns der Richter gleich zu Beginn versichert, »der zur Nacht geboren,/Des Tags vorwitzgen Lichtstrahl scheut.« (I, 182). Beteiligt sind ein Krug, der zerbrochen wurde, das junge Mädchen namens Eve und eine ganze Täterschar: Ruprecht, ihr Verlobter, Dorfrichter Adam, ein Flickschuster namens Leberecht und Beelzebub persönlich. Angesichts der verwirrenden Vielzahl möglicher Täter könnte es scheinen, Kleists Kriminallustspiel teile ein zentrales Anliegen des Kriminalgenres: die Ermittlung des Täters. Allein, verwirrend wirken die verschiedenen Tatverdächtigen nur auf die Beteiligten im Spiel, nicht auf den Zuschauer des Spiels: er weiß von Beginn an, spätestens seit Adams Traumerzählung (I, 187), daß der Dorfrichter den Krug zerschlagen hat. Um die Ermittlung des Täters, die unseren schwergewichtigen Mord- und Totschlagkrimis so wichtig ist, scheint es bei diesem leichtgewichtigen Fall einer Krugzertrümmerung also nicht zu gehen. Einige Interpreten haben daraus den voreiligen Schluß gezogen, dem Lustspiel gehe es nicht um das »Was«, sondern nur um das »Wie« der Ermittlung, womit sie unterstellen, das »Was« des Lustspiels erschöpfe sich halt in der Aufdeckung des Schuldigen. So schnell wollen wir die Frage nach dem »Was«, dem Sachgehalt des Stücks, nicht verabschieden; wenn schon der Täter frühzeitig preisgegeben wird, mag Adams Tat und Täterschaft vielleicht das »Was« des Lustspiels bergen.

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Wiesbaden 2000

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  • Dirk Grathoff

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