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Zusammenfassung

Sie sind einander, soweit feststellbar, wohl nie persönlich begegnet. Doch schon die erste wechselseitige Kenntnisnahme der Werke des anderen, die nachweisbar ist, stand unter einem widrigen Vorzeichen. Am 13. März 1808 machte der Jenaer Physiker Johann Thomas Seebeck Hegel auf das soeben erschienene Februarheft des Phöbus mit Kleists Marquise von O... aufmerksam: »Was sagen Sie denn zu dem Glück unsrer Neukatholiken?«, fragte Seebeck in seinem Schreiben an Hegel, »zur neuen Maria, unbefleckter Empfängnis? Ein Mädchen in Italien wird schwanger und macht bekannt, daß sie es sei, aber von einem Vater dazu nichts wisse; wer da glaube es zu sein, möge sich bei ihr melden. Das soll ein wahres factum sein. Die neuen Gläubigen haben nun nicht ermangelt, es sogleich zu benutzen und recht erbaulich zuzurichten. Vid. Phöbus, 2tes St. Was werden wir nicht alles noch erleben!«1 Auf diese Weise wurde Kleist von Seebeck also in den Kreis der Dresdner Romantiker eingereiht und die Marquise von O... Hegel als vermeintlicher Ausdruck von deren ›neukatholischer‹ Gesinnung vorgestellt. Im Jahr zuvor war in Dresden Heinrich von Kleists Amphitryon mit einer Vorrede von Adam Müller erschienen, während Kleist als angeblicher preußischer Spion in Frankreich inhaftiert war. Adam Müller war bereits Ende April 1805 in Wien zum Katholizismus konvertiert,2 so daß ihm in der Öffentlichkeit in besonderem Maße das Odium der mythosverfallenen Romantiker anhaften mußte. Entsprechend fiel etwa auch Goethes erste Reaktion auf den Amphitryon aus.3

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Hinweise

  1. 7.
    Die Kleist betreffenden Passagen vgl. bes.: G.W.F. Hegel: Ästhetik. (Red. von Friedrich Bassenge.) 2 Bde, 2. Aufl. Frankfurt/M. 1965, Bd. 1, S. 237–239 u. 552-555.Google Scholar

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Wiesbaden 2000

Authors and Affiliations

  • Dirk Grathoff

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