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Heinrich von Kleist und Napoleon Bonaparte, der Furor Teutonicus und die ferne Revolution

  • Dirk Grathoff
Part of the Kulturwissenschaftliche Studien zur deutschen Literatur book series (KSDL)

Zusammenfassung

Wer sich auf das Thema Kleist und die Französische Revolution einläßt, sieht sich schnell von einer verwirrenden Vielzahl von Anti-Haltungen umstellt. Mit Gewißheit kann von einer antinapoleonischen Einstellung Kleists gesprochen werden, sofern solche immer die verborgene Bewunderung für die historische Größe der Person einschließt. Eine antifranzösische kann einem Schriftsteller, dem nachgesagt worden ist, daß er besser Französisch als Deutsch habe sprechen können, wohl nur mit Einschränkungen unterstellt werden. Freilich hat er blutrünstige Befreiungskriegslieder gegen »diese Franken« geschrieben (so: I, 26). Antibourgeoise und antikapitalistische Tendenzen mögen ebenso zu beobachten sein, doch das wirkt bei jemandem von adliger Herkunft in romantischer Nachbarschaft fast schon wieder anrüchig. Ob sich die letztgenannten Tendenzen zu einer antimodernen Grundhaltung vereinen, mag man nicht entscheiden, ohne die geschichtlichen Oppositionen zur Moderne prüfend zu bedenken. Und wie ist es schließlich um die mögliche antirevolutionäre Haltung bestellt? In solcher Allgemeinheit — gegen jedwede Revolution gerichtet — kann davon bei Kleist nicht gesprochen werden, wohl aber hat er sich kritisch gegen die spezifische geschichtliche Verlaufsfigur der Französischen Revolution gewendet, insbesondere gegen die napoleonische Phase nach dem 18. Brumaire. Der gordische Knoten all dieser Anti-Haltungen mag vielleicht dadurch aufgelöst werden können, daß ihnen insgeheim und letztlich eine Anti-Stellung zur Antike zugrunde lag (I, 666):
  • Und wenn er mir, in diesem Augenblick,

  • Wie die Antike starr entgegenkömmt,

  • Tut er mir leid, und ich muß ihn bedauren!

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Hinweise

  1. 9.
    Georg Lukács: Die Tragödie Heinrich von Kleists. (1936). In: Ders., Werke. Bd. 7. Neuwied u. Berlin 1964, S. 201–231.Google Scholar
  2. 18.
    Richard Samuel hat im Materialienteil seiner Edition des Prinzen von Homburg darauf aufmerksam gemacht, daß Kleist das Bild von David in Paris gesehen haben könnte; vgl. Samuel 1964, S. 208. Stuart Atkins hat ebenso bemerkt, daß Kleist das Gemälde von David gekannt haben muß, dann aber den Blick auf ein anderes Brutus-Gemälde des David-Schülers Guillaume Lethière gelenkt, das schwerlich in Frage kommen dürfte, denn es wurde erst nach Kleists Tod 1812 im Louvre ausgestellt; vgl. Stuart Atkins: Heinrich von Kleist and the Fine Arts — Kleist and Bury, or Kleist and Lethière? In: German Life and Letters 31, 1977/78, S. 166–174. Vgl. zur Erörterung der möglichen Bild-Vorlagen. an die Kleist gedacht haben kann, auch näher den Beitrag über »Antike und Moderne«, oben S. 121.CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Wiesbaden 2000

Authors and Affiliations

  • Dirk Grathoff

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