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Zur frühen Rezeptionsgeschichte von Kleists Schauspiel Prinz Friedrich von Homburg

  • Dirk Grathoff
Part of the Kulturwissenschaftliche Studien zur deutschen Literatur book series (KSDL)

Zusammenfassung

Von wenigen Ausnahmen abgesehen gelangten Kleists Dramen, soweit sie während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überhaupt aufgeführt wurden,1 gewöhnlich nur in bearbeiteten Fassungen, durch erhebliche Eingriffe verändert, auf die Bühnen. Recht glimpflich kam noch der Zerbrochne Krug in der Bearbeitung von Friedrich Ludwig Schmidt davon; die Familie Schroffenstein, das Käthchen von Heilbronn und den Prinzen von Homburg verwertete der unermüdliche Bearbeiter Franz von Holbein,2 der seit den 20er Jahren mehr sich denn Kleist zum Bühnenerfolg verhalf. Ebenso, wenngleich weniger freizügig, beteiligten sich Ludwig Tieck, Karl Immermann oder Heinrich Laube, um nur einige zu nennen, am Geschäft des Bearbeitens, wobei die Eingriffe, welche an Kleists Dramen vorgenommen wurden, gewöhnlich nicht einfach aus aufführungstechnischen Erfordernissen bedingt oder erzwungen waren. Vielmehr artikuliert sich in den Veränderungen der Widerspruch zu den Werken, artikulieren sich Einwände gesellschaftlichpolitischer oder ästhetischer Art. Zusammengefaßt laufen die Veränderungen meist darauf hinaus, den Kleistschen Werken die Schroffheiten ihres Gehalts zu nehmen, die unvermittelten Gegensätzlichkeiten zu glätten und deren adäquate ästhetische Form, die Dissonanzen der künstlerischen Gestaltung, ›harmonisierend‹ abzuschwächen.3 In dem subjektiv sicherlich wohlmeinenden Bemühen, Kleists Dramen für die damalige Zeit vermeintlich bühnenfähig zu machen, wurden die Werke so doch meist zugleich ihres wesentlichen Gehalts beraubt.

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Hinweise

  1. 39.
    Vgl. dazu weiter die Interpretation von Peter Uwe Hohendahl: Der Paß des Grafen Hom: Ein Aspekt des Politischen in Prinz Friedrich von Homburg. In: The German Quarterly 41, 1968, S. 167–176.CrossRefGoogle Scholar

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  • Dirk Grathoff

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