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Heinrich von Kleists Würzburger Reise

Eine erweiterte Rekonstruktion
  • Dirk Grathoff
Part of the Kulturwissenschaftliche Studien zur deutschen Literatur book series (KSDL)

Zusammenfassung

Die Reise, die Heinrich von Kleist und sein Freund Ludwig von Brockes im Herbst 1800 nach Würzburg unternahmen, ist vor allem deshalb von so großem Interesse für die literaturgeschichtliche Forschung, weil sie offensichtlich eine wichtige Station auf dem Weg von der biographisch vorgegebenen Militärlaufbahn hin zum literarischen Schriftsteller darstellte. Die preußische Armee, in die Kleist gemäß der Familientradition 1792 im Alter von 14 Jahren gesteckt wurde, verließ er 1799; Ende 1802 erschien sein erstes literarisches Werk, Die Familie Schroffenstein.1 Dazwischen begann er ein Studium in Frankfurt an der Oder, brach es wieder ab, ging auf Reisen, zuerst nach Würzburg, quälte sich danach kurzfristig in einem ungeliebten »Amt« eines Berliner Ministeriums herum, dann reiste er nach Paris, von dort in die Schweiz — und dabei war er zum Dichter geworden. Wie kam das? Eine Antwort auf die Frage, welche Rolle die Würzburger Reise in diesem Dich-terwerdungsprozeß gespielt hat, ist dem interessierten Literarhistoriker durch Kleist selbst außerordentlich erschwert worden, denn er hat einen fast undurchdringbaren Schleier des Geheimnisses über Anlaß, Ziel und Zweck der Reise gedeckt. Bis heute ist es nicht gelungen, einen völlig zweifelsfreien Nachweis vorzulegen, warum Brockes und Kleist im Herbst 1800 nach Würzburg gefahren sind. Auch mir persönlich ist das noch nicht gelungen. Alle Hypothesen, die bislang zur Erklärung des Zwecks dieser Reise entwickelt worden sind, mußten in Form von Indiziennachweisen vorgetragen werden, weil noch kein einziges Dokument aufgetaucht ist, das direkt und eindeutig den Reiseanlaß belegen könnte. Mit Gewißheit kann man nur sagen, daß die praktizierte Geheimhaltung wirkungsvoll gewesen ist — auch das ist ein Faktum, das erklärt werden muß.

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Wiesbaden 2000

Authors and Affiliations

  • Dirk Grathoff

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