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Der hybride Inszenierungstyp Fernsehen

Zur Organisation und Evolution eines audiovisuellen Wirklichkeitsstils
  • Peter M. Spangenberg

Zusammenfassung

Der Versuch, die »Realität« des Massenmediums Fernsehen oder die seiner Beobachter zu bestimmen (vgl. Luhmann 1996: 158–168; Schmidt 1994b: 3–10), führt zu Schwierigkeiten, die recht aufschlussreich für ein Verständnis der Funktionsvoraussetzungen dieses Mediums sind. Da ist zunächst ein denkbar schlechtes Ansehen in der Medienkritik, die einen Großteil der oft pauschalen kulturkritischen Medienschelte an das Fernsehen adressiert. Auch im Technik- und Mediendiskurs der Postmoderne, der sich in den Printmedien der Gutenberg-Galaxis schon seit einem guten Jahrzehnt etabliert hat und in immer neuen Überbietungsgesten das nunmehr endgültige, unabwendbare und unmittelbar bevorstehende Ende seiner eigenen medialen Basis verkündet (vgl. Bolz 1993: 183–233), kommt das Fernsehen nur als ein uninteressantes Randphänomen vor. Doch obwohl viele Kritiker und manche Zuschauer es teils misstrauisch, teils desinteressiert beobachten, hat sich das Fernsehen sowohl quantitativ wie auch im Hinblick auf die Selbsterfahrung der Gesellschaft1 und erst recht als Unterhaltungsangebot als ein nicht zu umgehendes Leitmedium der Gesellschaft etabliert.

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Authors and Affiliations

  • Peter M. Spangenberg

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