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„Mal sehen, was der Spiegel hat“

Die Bedeutung journalistischer Kernressourcen für die Rezeption von Onlineangeboten klassischer Medien
  • Werner Wirth

Zusammenfassung

Das Internet krempelt den Medienmarkt um. Wohin die Reise gehen wird, ist derzeit allerdings noch nicht sicher abzuschätzen (vgl. zum Beispiel Zerdick et al. 1999, Wirth 1999b). Auch über die Auswirkungen auf die klassischen Medien Fernsehen, Hörfunk und die Presse gibt es verschiedene Vermutungen, wobei vor allzu pessimistischen wie euphorischen Vorstellungen gewarnt wird. Zum einen gibt es bislang wenig Anzeichen dafür, daß traditionelle Medien einen dramatischen Bedeutungsverlust oder Reichweitenrückgang erleiden werden, zum anderen sind die Medienunternehmen selbst eifrig in vielseitigen Onlineaktivitäten involviert. Die Akteure sehen in den Aktivitäten allerdings nicht in erster Linie eine neue Einnahmequelle im Sinne bezahlter Online-Abonnements (vgl. Vogel 1999: 76). Die strategischen Ziele liegen vielmehr in der Erweiterung der klassischen Medienprodukt-palette mit vielfachen wechselseitigen Verweisen und Verschränkungen. Online-Präsentationen übernehmen damit eine zu ihren analogen Geschwistern komplementäre Funktion, wobei in einer zunehmend professionellen Weise auf die Möglichkeiten, die das Internet bietet, eingegangen wird. Eine Umfrage unter Medienunternehmen ergab zwar schon 1997, daß diese mit ihrem WWW-Engagement in erster Linie Marketingziele wie zum Beispiel „Imagesteigerung“, „Kompetenzausweis“ und „Zugang zu neuen Marktsegmenten“ verfolgen (Fritz/Kerner 1997: 20). Zu dieser Zeit strahlten die Onlineangebote klassischer Medien jedoch noch mehr Baustellen- als Hochglanzcharakter aus. Zunächst noch weitgehend ohne Konzept, gleichwohl wild entschlossen, stiegen Medienunternehmen scharenweise in die Onlinewelt ein. Bereits 1998 resümierten Ewald et al. (1998: 508), daß kaum ein Unternehmen aus der Medienbranche auf die Möglichkeiten verzichtet, die ein Onlineauftritt hinsichtlich Selbstdarstellung, Produktwerbung und Kontaktaufnahme zum Publikum bietet. Für 1999 kann die ARD/ZDF-Arbeitsgruppe diesen Befund bestätigen (1999: 408). Inzwischen ist in vielen Fällen der amateurhafte einem professionelleren Auftritt gewichen (vgl. Ewald et al. 1998) und es ist nicht mehr zu früh, um nach der Marktposition zu fragen, die die Onlineangebote klassischer Medien einnehmen werden.

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Authors and Affiliations

  • Werner Wirth

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