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Solidarität und Ehrenamtlichkeit, Subsidiarität und Selbsthilfe. Veraltete Prinzipien der Sozialpolitik?

  • Alois Baumgartner
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Zusammenfassung

Ein erster Zugang zu dem, was der sozialethische Grundbegriff der Solidarität aussagt, ergibt sich aus seiner etymologischen Herkunft. Das Wort wird in der Regel vom lateinischen „solidum“, Boden, fester Grund, hergeleitet. Demnach könnte man Solidarität verstehen als das Bewußtsein, mit anderen auf dem selben Boden zu stehen und sich in der selben Situation zu befinden, woraus die Forderung erwächst, entsprechend dieser Gemeinsamkeit zu denken und zu handeln. Sich solidarisieren heißt dann, sich bewußt in die Lage anderer zu versetzen. Solidarisierung ist ein wechselseitiger Identifizierungsprozeß. Der einzelne identifiziert sich mit dem Geschick anderer in den Formen von Mitleid und Mitfreude, von Mitverantwortung und Mithaftung. Das, was anderen geschieht, erfährt er als ihn selbst betreffend. Er weiß sich zuständig, wenn Hilfe erforderlich ist. Er läßt sich im Sinn von Mitverantwortung und Mithaftung Folgen defizitären Handelns zurechnen, das ursächlich der Gruppe zuzuordnen ist, der er als Mitglied angehört und der er solidarisch verbunden ist. Andererseits scheint der Solidarität auch die Gegenbewegung wesentlich zu sein: die Hinwendung der Gruppe zum einzelnen. Die Lage des einzelnen Mitglieds ist für die Solidargruppe nie belanglos, sondern immer moralische Herausforderung aller. Das allgemeine Wohl läßt sich in einer Solidargemeinschaft nicht ablösen von der Wohlfahrt jedes einzelnen. Im einzelnen wird gewissermaßen die Gruppe präsent.

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Literatur

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Copyright information

© Lizenzausgabe der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit 1997

Authors and Affiliations

  • Alois Baumgartner

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