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Zwischen den Niederungen des Eudämonismus und der „Feierlichkeit des Lebens“: Georg Simmel über das Glück

  • Arnold Zingerle

Zusammenfassung

Wer die Frage beantworten will, in welchen Zusammenhängen, durch wen und auf weiche Weise „Glück“ in der Soziologiegeschichte thematisiert worden ist und sich dabei auf die deutschen Beiträge zur „klassischen“ Begründungsphase der Soziologie um 1900 konzentriert, der muß, so scheint es, unweigerlich in eine Verlegenheit geraten. Denn in der deutschsprachigen Soziologie jener Jahrzehnte ist Glück eher Anathema, nicht eigentlich Thema. Die Ausnahmen sind so rar, daß sie auffallen. So wird man zum Beispiel bei Max Weber auch nach angestrengter Suche wenig finden, — in den frühen Schriften vereinzelt Fußnotenpolemiken gegen sozialpolitische Glückszuteilungserwartungen; in den Studien zu den Weltreligionen zwar wiederholt die Nennung von Glücksvorstellungen, die freilich nicht „reine“ Ideen des Glücks verkörpern, weil sie mit spezifischen Heilsvorstellungen verschmelzen; schließlich in der Religionssoziologie von „Wirtschaft und Gesellschaft“ eine einzige Stelle, die wegen ihrer theoretischen Reichweite von Rang ist: die Formel vom „seelischen Komfortbedürfnis nach der Legitimität des Glükkes“, welches sich in der Religiosität „positiv Privilegierter“ — im Gegensatz zum Erlösungsbedürfnis „negativ privilegierter“ Schichten — zeige1. Inwiefern dieser Zug der deutschen Soziologie mit der skeptischen, dem westlichliberalen Fortschrittsoptimismus abgewandten, die Kantische Absage an den Zusammenhang von Glück und moralischem Verhalten verinnerlichenden Klima innerhalb der deutschen Intellektuellenkultur zusammenhängt2, mag dahingestellt sein.

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1997

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  • Arnold Zingerle

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