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Die Kraft zur Angst und die zum Glück sind das gleiche

Das Konzept des Glücks in der Kritischen Theorie Adornos
  • Norbert Rath

Zusammenfassung

Eine positive Bestimmung des Glücks ist von Theodor W. Adorno (1903–1969), mit Max Horkheimer (1895–1973) der wohl bedeutendste und wirkungsmächtigste Denker der ‘Frankfurter Schule’, nicht zu erwarten. „Weil Geschichte als Korrelat einheitlicher Theorie, als Konstruierbares nicht das Gute, sondern eben das Grauen ist, so ist Denken in Wahrheit ein negatives Element.“1 Die Zeiten des Glücks, so hatte Hegel gesagt, sind die leeren Blätter im Buch der Geschichte. Für Horkheimer und Adorno sind die Zeiten des Glücks, wenn es sie denn überhaupt gab, kurz und illusionär; das Glück der Wenigen wurde erkauft mit der Unterdrückung und Ausbeutung der Vielen. Die Verfasser der ‘Dialektik der Aufklärung’ skizzieren eine Historik der Verdrängung, die deren Folgen im Selbstkonzept und Körperbewußtsein der vom Mangel des Glücks Gezeichneten identifizieren will: „Unter der bekannten Geschichte Europas läuft eine unterirdische. Sie besteht im Schicksal der durch Zivilisation verdrängten und entstellten menschlichen Instinkte und Leidenschaften. (...) Von der Verstümmelung betroffen ist vor allem das Verhältnis zum Körper.“ (DA 276). Es blieb bei der Skizze; das Großprojekt einer Geschichte als Geschichte der rächenden Wiederkehr des Verdrängten haben Horkheimer und Adorno nicht ausgeführt.

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1997

Authors and Affiliations

  • Norbert Rath

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