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Schluß: Linguistik, Ethik, Politik

  • Peter Finke
Chapter
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Part of the Wissenschaftstheorie, Wissenschaft und Philosophie book series (WWP, volume 15)

Zusammenfassung

Die philosophisch-methodologische Reflexion auf Grundlagen der linguistischen Forschung hat uns mitten in einige der schwierigsten Problemgebiete hineingeführt, in denen Linguistik, Philosophie und Wissenschaftstheorie aneinander angrenzen. Unter den beiden Leitfragen nach der Empirizität und Begründbarkeit einer linguistischen Theorie, die mich im I. Teil genötigt hatten, ausführlich die dabei verwendeten Begriffe zu diskutieren und zu klären, habe ich mich im II. Teil dann darauf konzentriert, in einigen Schwerpunktaspekten die Umrisse einer linguistischen Konzeption zu entwickeln, die gute Begründungschancen haben dürfte, obwohl sie einstweilen in wichtigen Teilen des von ihr aufzuspannenden Theorienetzes noch unvollständig ist. An diesen Stellen wird das Netz vorerst, gleichsam provisorisch, von philosophischen Überlegungen zusammengehalten; doch die Bahnen sind damit vorgezeichnet, auf denen das Provisorium der Philosophie durch das fertige Produkt Wissenschaft ersetzt werden kann.

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Literaturverzeichnis

  1. 1.
    MIGRANS 1973: 1.Google Scholar
  2. 2.
    Eine erste Version dieser Gedankengänge enthält FINKE 1973, hier wesentlich überarbeitet und modifiziert.Google Scholar
  3. 3.
    Dies ist eine Version der Finalisierung von Wissenschaft, bei der die Möglichkeit des Mißbrauchs in erheblichem Umfange besteht; linguistische Beispiele werden weiter unten gegeben. Ich möchte aber betonen, daß eine politische Zweckbestimmung wissenschafdicher Forschung keinesfalls notwendig problematisch sein muß; man denke z.B. an aktuelle Probleme der Sprachplanung in Afrika und Lateinamerika.Google Scholar
  4. 4.
    Gelegentlich werde ich auch einfach von ,Politizitat’ sprechen.Google Scholar
  5. 5.
    Die hier vorgestellte Auffassung besitzt nur in oberflächlicher Hinsicht einige Ähnlichkeiten mit der HABERMASschen Konzeption von Universalpragmatik und APELs Konzeption einer idealen Kommunikationsgemeinschaft (cf. HABERMAS 1971; APEL 1972, 1973). Ich werde mich mit diesen Konzeptionen nicht systematisch auseinandersetzen, aber an einigen Stellen auf die gravierenden Unterschiede zur hier vorgestellten Auffassung hinweisen. — Zur Klärung meiner Position haben wesentlich Diskussionen mit S. KANNGIESSER und S.J.SCHMIDT beigetragen. Cf. auch KANNGIESSER 1975: passim; SCHMIDT 1975: 191-247.Google Scholar
  6. 6.
    Hier denke ich vor allem an soziologische Abhandlungen zur Wissenschaftsorganisation und-ent-wicklung; cf. beispielsweise WEINGART (ed.) 1974. In diesem Zusammenhang sei auch auf die Dokumente des sog. Positivismusstreits der deutschen Soziologen verwiesen, als deren Protagonisten POPPER und ADORNO, sowie H. ALBERT und J. HABERMAS zu nennen sind.Google Scholar
  7. 7.
    Dieser Wahrheitsanspruch ist nicht nur eine Forderung nach Konsens der am Wissenschaftsprozeß Beteiligten, sondern eine Voraussetzung für die Möglichkeit eines solchen Konsens. — Die Wahrheitstheorie ist eines der schwächsten Teilstücke der APEL/HABERMASschen Konzeption von praxisrelevanter Wissenschaft (s. u.).Google Scholar
  8. 8.
    Ich wähle diese Ausdrücke, weil sie — jedenfalls partiell — auch schon für den Bereich der theoretischen Vernunft von Wissenschaft aufgegriffen und bei der Ausformulierung expliziter Theorien verwendet worden sind. In FINKE 1973 bin ich selbst deshalb teilweise der damit gegebenen Gefahr der Äquivokation mit moralischen Prinzipien erlegen, die beispielsweise GRICE 1968 mit Vorbedacht vermeidet. Cf. das folgende.Google Scholar
  9. 9.
    Cf. CARNAP 1947 (19564) Es ist sehr fraglich, ob ein Begriff wie „wahre Theorie“ überhaupt sinnvoll ist. — Ich bin mir bewußt, daß die hier vorgetragene Auffassung gewisse Ähnlichkeiten mit POPPERS von KUHN und anderen teilweise zu recht kritisierten Theorie der Wahrheitsnähe besitzt, betone aber im Unterschied zu POPPER den Strategiecharakter von Theorien und im Unterschied zu KUHN die Falschheit von dessen Inkommensurabilitätsthese.Google Scholar
  10. 10.
    Dieser Sozialitätsaspekt aller Wissenschaft, also die Tatsache, daß Forschung im Rahmen einer Wissenschaftlergemeinschaft stattfindet, die in zahlreiche Forschergruppen gegliedert ist, wird von der Transzendentalhermeneutik zu dem Versuch einer apriorischen Letztbegründung von Wissenschaft und Philosophie benützt. Eine unbegrenzte, kritische, ideale Kommunikationsgemeinschaft, real (noch) nicht verwirklicht, jedoch eine angeblich notwendige Bedingung für das Zustandekommen jeglicher Form von Kommunikation, müsse „kontrafaktisch“ vorausgesetzt werden, wenn die Möglichkeit von Kommunikation und Wissenschaft erklärbar sein soll, sagt APEL (1973: 18 f.). Eine solche Konzeption, die durch ein ungebrochenes Vertrauen auf notwendige und nichtempirische Fundamente allen Wissens gekennzeichnet ist, verkennt völlig die Schwierigkeiten, aber auch den Bedarf, die einer apriorischen Letztbegründung entgegenstehen. Auch ich bringe meine hier skizzierte Position weiter unten in Zusammenhang mit dem philosophischen Transzendentalismus KANTs, jedoch mit einigen entscheidenden Modifikationen.Google Scholar
  11. 11.
    Ich widerspreche hier beispielsweise der Ethikkonzeption von LORENZEN (cf. LORENZEN 1969).Google Scholar
  12. 12.
    Cf. THIENEMANN 1956; WALTER 1973.Google Scholar
  13. 13.
    Cf. EIBL-EIBENSFELDT 1972; BURKWARDT 1972.Google Scholar
  14. 14.
    Zum Thema syntaktische Komplexität cf. BARTSCH 1975.Google Scholar
  15. 15.
    Zum Begriff der perlokutionären Handlung cf. AUSTIN 1962.Google Scholar
  16. 16.
    Es gibt inzwischen mehrere gute Grundsatzkritiken der Theorien von GADAMER und APEL, sowie der verwandten Theorien von HABERMAS und LORENZEN. Für die hier besonders einschlägige Theorie APELs nenne ich vor allem KRÜGER 1970, SCHNELLE 1973, GÖTTNER 1973 und SCHMIDT 1975. — Im Zusammenhang der Aprioritätsdiskussion verweise ich auf die interessante Theorie KRIPKEs (KRIPKE 1972).Google Scholar
  17. 17.
    HUMBOLDT 1836.Google Scholar
  18. 18.
    Aus diesem Grunde habe ich im formalen System von Sprache-Welt-Beziehungen, das ich in FINKE 1974: dargestellt habe, vier Ebenen der Mannigfaltigkeit unterschieden. Cf. auch FINKE (im Druck).Google Scholar
  19. 19.
    Wir erinnern uns hier an HUMBOLDTs kategorischen Imperativ einer „freien Seminardiskussion“: „Es darf also niemand auf andere Weise zum anderen reden, als dieser, unter gleichen Umständen, zu ihm gesprochen haben würde“ (HUMBOLDT 1830: 419).Google Scholar
  20. 20.
    Die SAPIR-WHORFsche Hypothese, so behaupte ich, ist dann eine sinnvolle empirische Hypothese, wenn sie systematisch auf die universellen Bedingungen des sprachlichen Handelns bezogen wird; zur Widerlegung von Universalientheoremen eignet sie sich nicht. — Cf. WHORF 1959.Google Scholar
  21. 21.
    Ein solches Kommunikationsprinzip, das auch als Symmetrieprinzip bezeichnet worden ist, ist nicht etwa deshalb falsch, weil die sozialen und sprachlichen Inhomogenitäten faktische Kommu-nikationssysmmetrie nur selten zulassen, sondern es formuliert vielmehr die Möglichkeit, daß die linguistischen Anteile dieser Asymmetrien prinzipiell ausgeglichen werden können.Google Scholar

Copyright information

© Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig 1979

Authors and Affiliations

  • Peter Finke

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