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Hauptteil: Empirizität und Begründungsproblem einer linguistischen Theorie

  • Peter Finke
Chapter
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Part of the Wissenschaftstheorie, Wissenschaft und Philosophie book series (WWP, volume 15)

Zusammenfassung

Im Rahmen der Linguistik, wie in jeder Wissenschaft, in der es noch offene Fragen gibt, ist vieles erklärungsbedürftig. Die meisten solcher Probleme sind recht spezieller Natur, setzen, um als Problem gesehen und akzeptiert zu werden, eine recht spezielle Kenntnis der betreffenden Wissenschaft voraus. Dies gilt auch für Grundlagenprobleme wie diejenigen, die hier zur Debatte stehen. Dennoch werde ich mich bemühen, sie so einfach wie möglich zu behandeln. Zwei Fragen sollen untersucht werden:
  1. 1.

    Unter welchen Bedingungen kann eine linguistische Theorie empirisch genannt werden?

     
  2. 2.

    Unter welchen Bedingungen kann eine linguistische Theorie als begründet gelten?

     

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Literaturverzeichnis

  1. 1.
    Ein gutes Beispiel aus der neueren Linguistik ist die bekannte mengentheoretische Sprachdefinition (Sprache als eine Menge von Sätzen), die die generative Grammatikkonzeption möglich machte.Google Scholar
  2. 2.
    Zur Frage des Unterschieds zwischen guten und schlechten wissenschaftlichen Traditionen cf. TOULMIN 1961. — Cf. auch Kap. Ic5, wo es um Aspekte der Theoriendynamik geht (S. 127 ff.).Google Scholar
  3. 3.
    Die Anregung zu dem zweiten Beispiel verdanke ich Helen Leuninger.Google Scholar
  4. 4.
    Die Antwort des Kindes ist eben nur partiell inadäquat. Sie wäre vollständig inadäquat, wenn es z.B. geantwortet hätte: eine lustige Geschichte ist eine Idee; oder: eine lustige Geschichte ist eine farblose grüne Idee, die wütend schläft.Google Scholar
  5. 5.
    Einen guten Überblick über die wichtigsten Entwicklungsstadien der modernen Linguistik bis in die Mitte der 60er Jahre vermittelt G. HELBIG 1974.Google Scholar
  6. 6.
    Mehr zum Begriff der Wissenschaftlergruppe oder Wissenschafdergemeinschaft cf. Kap. Ic (insbes. S. 110 ff.), IIa2 (S. 144 ff.) und im Teil C. — Zum Konzeptionsbegriff cf. Kap. Ia2 (S. 36).Google Scholar
  7. 7.
    Dies ist beispielsweise schon dann der Fall, wenn man sich darüber klarwerden will, auf welche Entitäten eigentlich das Prädikat „empirisch“ zutrifft;hier treten die verschiedensten Kandidaten auf, z. B. Begriffe, Sätze, Theorien unterschiedlicher Stufe oder wissenschaftliche Untersuchungen. Ich behandele das Problem in Kap. Ib1 (insbes. S. 65 f.).Google Scholar
  8. 8.
    Anstatt einer Sammlung von originalen Belegstellen möchte ich die Worte zitieren, mit denen LYONS die fundamentalen Gemeinsamkeiten der modernen linguistischen Theoriebildung zusammenfaßt: „However abstract, or ‚formal‘, modern linguistic theory may be, it has been developed to account for the way people actually use language. It derives from, and it is validated or refuted by, emprical evidence. In this respect linguistic is not different from any other science“ (LYONS 1968: 51); LYONS setzt bezeichnenderweise hinzu: „The point would not be worth stressing, if it were not the case that some linguists, out of sympathy with current developments, have seen a necessary opposition between what have been called ‚fromalism ‘and ‚realism ‘in the study of language“. — Ich spreche vorsichtig von „nahezu allen“ linguistischen Konzeptionen, weil es linguistikhistorisch auch andere Auffassungen gegeben hat und außerdem sehr frühe Entwicklungsstadien konzeptioneller Innovationen von der Betrachtung ausgeschlossen bleiben sollen. Ich finde es bezeichnend, daß der in den Worten LYNOS ‘zum Ausdruck kommende Empirizitätsanspruch von nahezu allen Sprachwissenschaftlern mit Selbstverständlichkeit erhoben und gegenwärtig nur von manchen linguistischen Metatheoretikern entgegen dieser Überzeugung als unangemessen betritten wird. Auch CHOMSKY, dessen Theorien hier einem besonders nachhaltigen Apriorismusverdacht ausgesetzt sind, hat nie bezweifelt und stets betont, daß die generative Linguistik als eine empirische Wissenschaft angelegt und durchführbar sei. Cf. hierzu den Abschnitt Ib (S. 55 ff.).Google Scholar
  9. 9.
    Dies geschieht umgehend in den folgenden Kapiteln.Google Scholar
  10. 10.
    und auch wieder ausgeführten! Cf. dazu das nächste Kapitel. — KUHN 1970.Google Scholar
  11. 11.
    „Daß KUHN den von WITTGENSTEIN eingeführten Begriff des Paradigma benützt, ist vermutlich damit zu erklären, daß beide, WITTGENSTEIN wie KUHN, der Überzeugung sind, im nicht-mathematischen Bereich würden Begriffe häufig oder sogar meist mittels der Methode der paradigmatischen Beispiele eingeführt. Auf die Frage, was ein Spiel sei, werden paradigmatische Beispiele von Spielen angegeben. Ähnlich kann man nach KUHN die Frage, was ein Newtonscher Physiker (ein Relativitätstheoretiker, ein Quantenphysiker) sei, auf keine andere Weise als dadurch beantworten, daß man paradigmatische Beispiele von Tätigkeiten Newtonscher Physiker (Relativitätstheoretiker, Quantenphysiker) gibt“ (STEGMÜLLER 1974: 186-187).Google Scholar
  12. 12.
    Auch dies kann u.U. sehr nützlich sein, z.B. für Überblicke und zur schnelleren Information. Doch wäre es fatal, wenn daraus ein vollständiger Wissenschafts-und Konzeptionsrelativismus abgeleitet würde. Dies wäre auch nicht konsequent: jede Kürzung erfordert bereits die Anwendung von Auswahlkriterien. Die besten Werke, in denen Theorien und Konzeptionen dargestellt und referiert werden, enthalten auch viele kritische und weiterführende Passagen, die deutlich von Existenz und Anwendung solcher Kriterien sprechen. Ein hervorragendes Beispiel für Metatheorien (also Wissenschaftstheorien) ist z. B. das noch nicht abgeschlossene Werk von STEGMÜLLER, in dem Probleme und Resultate der Wissenschaftstheorie und der Analytischen Philosophie kritisch referiert werden. STEGMÜLLER versteht sein Werk darum auch nicht als rein deskriptiv, sondern als „rationale Rekonstruktion“. — STEGMÜLLER 1969, 1970, 1973.Google Scholar
  13. 13.
    Einige Überlegungen hierzu enthält das Kap. Ic5 („Rationale Entscheidung und Begründung).Google Scholar
  14. 14.
    W. DIEDERICH ist uneingeschränkt zuzustimmen, wenn er — im Zusammenhang mit einer Klage über Ungenauigkeiten wissenschaftstheoretischer Begriffsbestimmungen — sagt: „Dies betrifft vor allem den Begriff der Theorie“ und daran den Stoßseufzer anschließt: „— generell einer der schlechtestdefinierten Begriffe der Wissenschaftstheorie!“ (DIEDERICH (ed.) 1974: 14, Fußnote).Google Scholar
  15. 15.
    Jemand könnte sagen: „Im alltäglichen Leben benötigen wir Lösungen, in der Wissenschaft Lösungsstrategien“. Aber wir benötigen ebenso Lösungen in der Wissenschaft, wie wir Lösungsstrategien im täglichen Leben benötigen; man denke an abgeschlossene Theorien einerseits und andererseits daran, wie man plant und überlegt, auf welche Weise man einen schwierigen Berg besteigen oder seine Ersparnisse anlegen soll.Google Scholar
  16. 16.
    Hier ist es wichtig, zwei Unterschiede nicht zu übersehen, nämlich den zwischen impliziten und expliziten Theorien und den zwischen Theorien und ihren Darstellungen. Meine Explikation des Theoriebegriffs bezieht sich nur auf das, was man vollständiger als eine „explizite Theorie“ bezeichnen kann, also eine Theorie, die in Form mindestens einer wissenschaftlichen Darstellung vorliegt. Es ist demgegenüber nützlich, bestimmte Lösungsstrategien für Erklärungsbedürfnisse — besonders wenn es sich um praktische Probleme des täglichen Lebens handelt, aber bisweilen auch im wissenschaftlichen Bereich — als „implizite Theorien“ zu bezeichnen. Bis zu ihrer Ausarbeitung als explizite Theorien kann es u. U. noch ein weiter Weg sein, wobei das entscheidende Kriterium für den Übergang zur expliziten Form darin besteht, daß der Theorie eine sprachliche Darstellung gegeben wird, die dokumentiert, daß bestimmte allgemeine Kriterien und Postulate zu erfüllen versucht worden ist. Was gemeint ist, wird durch die nachfolgenden Explikationsschritte deutlicher werden. Das Thema implizite vs. explizite Theorien muß noch einmal aufgegriffen werden, wenn es um die sog. Theorienabhängigkeit der Erfahrung geht (Kap. Ib1). — Nicht zu verwechseln ist der Begriff „explizite Theorie“ mit dem Begriff „Darstellung einer Theorie“. Eine Theorie muß in mindestens einer Form dargestellt worden sein, um als explizite Theorie gelten zu können; hingegen können verschiedene Darstellungen sehr wohl Darstellungen ein und derselben Theorie sein.Google Scholar
  17. 17.
    Bestenfalls kann es sich hierbei um implizite Theorien im Sinne von Anmerkung 16 handeln.Google Scholar
  18. 18.
    Die hier bestehende Schwierigkeit wird an einem anderen Beispiel deutlich. Kleine Kinder, die ihre Muttersprache noch nicht beherrschen, können sich in ihren ersten Lebensmonaten in ganz ähnlicher Weise verhalten wie jene Lebewesen. Dann lernen sie allmählich sprechen, aber setzen die ihnen immer umfangreicher und präziser zur Verfügung stehende Sprache u.a. zu denselben Zwecken ein wie zuvor ihr Schreien. Es scheint daher berechtigt zu sein, auch einfacherem Signalsysteme, die in solchen Zusammenhängen verwendet werden, als — primitive-Sprachen zu verstehen.Google Scholar
  19. 19.
    Von den funktionalen Theoriepostulaten sind finale Theoriepostulate zu unterscheiden, die die Verwendung einer Theorie für bestimmte Zwecke, etwa im Rahmen einer Technologie, vorschreiben (Finalisierung von Theorien). Allerdings gibt es gute Gründe für die Annahme, daß nur abgeschlossene Theorien in befriedigender Weise finalisiert werden können. Da wir in der Linguistik bisher nicht über abgeschlossene Theorien verfügen, behandele ich die finalen Theoriepostulate hier weiter nicht. — Weiter unten formuliere ich außerdem sog. strukturale Postulate für Theorien.Google Scholar
  20. 20.
    Primär sind immer die Probleme. Die Gegenstandsbereiche werden problemabhängig definiert, ebenso wie die Auswahl der geeigneten Lösungsstrategien problemabhängig ist. Die hier bestehenden Adäquatheitsrelationen zwischen den Problemstellungen und dem Gegenstandsbereich einerseits und den Problemstellungen und geeigneten Lösungsstrategien andererseits werden noch genauer betrachtet werden müssen (cf. Kap. IIa2, S. 144 ff.).Google Scholar
  21. 21.
    Die Meinung, eine Theorie Ti über die Objekte O müssen jedes Okvollständig hinsichtlich aller seiner Eigenschaften beschreiben und erklären, wäre gänzlich verfehlt. Es scheint aber Linguisten zu geben, die dies glauben. Beispielsweise ist die Kontroverse ‚Systemlinguistik vs. Pragmalingu-istik ‘z.T. von solchen irrigen Einschätzungen beherrscht, Die CHOMSKY-Linguistik ist aber nicht deshalb inadäquat oder fehlerhaft, weil sie auf grammatische Eigenschaften von Sprachen restringiert ist und etwa pragmatische nicht dazustellen vermag, sondern weil sie mit dem überzogenen Anspruch verknüpft worden ist, eine vollständige Sprachtheorie darzustellen. Inadäquat ist — unter der hier interessierenden Perspektive — nur ein solcher globaler Anspruch, der im übrigen mehr in CHOMSKYs Darstellungen hineingelesen worden, als aus diesen tatsächlichen ableitbar ist.Google Scholar
  22. 22.
    Dies wird näher aufgeführt in Kap. Ic4 (S. 120 ff.) und IIc1 (S. 170 ff.).Google Scholar
  23. 23.
    MASTERMAN 1966: 61-65 der dt. Ausgabe (LAKATOS/MUSGRAVE (eds.) 1974).Google Scholar
  24. 24.
    KUHN 1970, Postskript zur 2. Auflage. — Dt. Übers. in WEINGART (ed.) 1972: 287-319.Google Scholar
  25. 25.
    Cf. zu dem letzten Beispiel KANNGIESSER 1976: 120.Google Scholar
  26. 26.
    Mit dieser Komponente der Disziplinären Matrix rekonstruiert KUHN eine der wichtigsten Bedeutungen seines früheren Paradigma-Begriffs.Google Scholar
  27. 27.
    Genau genommen müßten hier konkrete Beispiele für Etymologien, etc., stehen, mit Angabe der Forscher und der Darstellungen, die sie (z.B. in Veröffentlichungen) davon gegeben haben.Google Scholar
  28. 28.
    Es handelt sich um das Postulat einer SNEED-Matrix oder S-Matrix (cf. nächstes Kapitel).Google Scholar
  29. 29.
    Im Rahmen der SNEEDschen Wissenschaftstheorie ist eine wesentlich präzisere Formulierung des Begriffs eines Theorienetzes möglich. Sie soll aber hier nicht gegeben werden, weil sie unsere Untersuchung an dieser Stelle mit einem unnötig großen formalen Aufwand belasten würde. Außerdem ist auf Folgendes hinzuweisen: Die an dieser Stelle gegebene Definition ist unvollständig. Sie nennt nur eine notwendige Bedingung für das Vorliegen eines Theorienetzes. Der Grund für diese Unvollständigkeit liegt aber nicht im Begriff der K-Matrix, denn diese kann ja vollständiger als ihr Vorbild, die KUHNsche Disziplinäre Matrix, angegeben werden (cf. hierzu auch das Folgende). Vielmehr ist als hinreichende Bedingung hinzuzufügen, daß die beiden Theorien T1 und T2 über einen gemeinsamen Durchschnitt T-theoretischer Begriffe verfügen (s.u.). — Zur genauen Definition des Begriffes eines Theorienetzes cf. BALZER/SNEED 1977.Google Scholar
  30. 30.
    Locus classicus ist TARSKIs berühmte Arbeit über den Wahrheitsbegriff in den formalisierten Sprachen (TARSKI 1936).Google Scholar
  31. 31.
    Gemeint ist die formale Hierarchie der Typentheorie, die von RUSSELL in den „Principia mathe-matica“ entwickelt worden ist.Google Scholar
  32. 32.
    So in dem im Nachlaß veröffentlichten Aufsatz „Logische Allgemeinheit“ (ca. 1923), abgedruckt z.B. in FREGE 1971: 166-171.Google Scholar
  33. 33.
    Der Begriff der Eigenschaft einer Theorie wird hier nicht explizit definiert. Wir müssen uns mit ihm anläßlich der Diskussion der Prädikate „empirisch“ und „begründbar“ noch genauer auseinandersetzen.Google Scholar
  34. 34.
    SNEED 1971; 1976Google Scholar
  35. 35.
    STEGMÜLLER 1973.Google Scholar
  36. 36.
    Die Theorie SNEEDs, die ursprünglich für physikalische Theorien formuliert worden ist, wird gegenwärtig in verschiedenen Wissenschaften auf ihre Anwendbarkeit hin untersucht. Hier gibt es sogar Perspektiven für eine Neubegründung der Literaturwissenschaft (cf. GÖTTNER 1974; FINKE/KINDT/WIRRER 1975). — Eine Anwendung auf die Linguistik wird beschrieben in SCHNELLE 1976 und FINKE 1977a.Google Scholar
  37. 37.
    Eine detaillierte funktionale Analyse von Theorien deutet ihren Charakter als Lösungsstrategien so, daß es sich bei ihnen um prognosefähige Systeme handelt. Unter einer Prognose ist hier — im Gegensatz zu einer bloßen Prophetie — eine durch die Anwendung gewisser systematischmethodologischer Regeln gewonnene Aussage über in der Zukunft mögliche Ereignisse zu verstehen; eine Prognose besitzt einen Gesetzescharakter. So kann beispielsweise das D-N-Modell der Erklärung als ein Prognoseschema gedeutet werden. Der falschen Auffassung, daß die Anwendung solcher Prognoseschemata auf die sog. Naturwissenschaften beschränkt sei, sind vor allem POPPER und HEMPEL entgegengetreten. Cf. z.B. POPPER 1971 und HEMPEL 1970. — Zur funktionalen Wissenschaftstheorie cf. FINKE 1977a.Google Scholar
  38. 38.
    Eine der frühesten Darstellungen dieser Auffassung hat N.R. CAMPBELL 1920 gegeben (Wiederdruck in FEIGL/BRODBECK (eds.) 1953: 288-308. CAMPBELL charakterisiert eine Theorie wie folgt: „A theory ist a connected set of propositions which are divided into two groups. One group consists of statements about some collection of ideas which are characteristic of the theory; the other group consists of statements of the relation between these ideas and some other ideas of a different nature“ (290). Auch in der Linguistik ist diese Theorieauffassung bisher üblich: „Theorien sind Klassen von Sätzen (bzw. von Behauptungsaussagen), welche nach formalen wie auch nach inhaltlichen Gesichtpunkten bestimmt sind“ (WUNDERLICH 1974: 33).Google Scholar
  39. 39.
    Der statement-view, der vor allem von STEGMÜLLER in verschiedenen Publikationen kritisiert wird, ist allerdings nicht so simpel, wie er in letzter Zeit verschiedentlich dargestellt wird. So würdigt m.E. auch STEGMÜLLER in seinen kritischen Analysen die komplexen Ordnungen, die der Klasse von Sätzen einer Theorie im Sinne des statement-view aufgeprägt sind, nur unzureichend. Eine Theorie ist nach dieser Auffassung nicht nur eine Klasse von Sätzen, sondern eine Klasse von Sätzen, die in einer komplexen Weise logisch geordnet sind. Allerdings vermag dieser Ordnungsaspekt die grundsätzlichen Inadäquatheiten dieser Konzeption nicht zu beseitigen.Google Scholar
  40. 40.
    Hier mag ein Einwand kommen, der etwa wie folgt lauten könnte: Der statement-view müßte eigentlich proposition-view heißen. Es sei nicht gemeint, daß eine Theorie eine Klasse von Sätzen, sondern, daß sie eine Klasse von Aussagen sei. Abgesehen davon, daß auch der Aussagen-bzw. Propositionsbegriff nicht unabhängig von den Sätzen definiert werden kann, die zur Darstellung von Aussagen notwendig sind, wäre dieser Einwand auch deshalb nicht überzeugend, weil er das Hauptproblem, dem der statement-view ausgesetzt ist, nicht lösen würde. Ich meine den Widerspruch zu einem intuitiven, aber wichtigen Konzept von Konstanz und Identität einer Theorie, wie ich es umgehend diskutieren werde.Google Scholar
  41. 41.
    Zum Begriff der L-Äquivalenz cf. CARNAP 1947 (19603): 7-16.Google Scholar
  42. 42.
    Eine solche Argumentation, die erstmals von FREGE in den „Grundlagen der Arithmetik“ zu Definitionszwecken verwendet worden ist (dort geht es um den Begriff der Anzahl; FREGE 1884 (1961): 73-81), ist — unter ausdrücklicher Beziehung auf FREGE-von PATZIG zur Definition des Tatsachenbegriffs vorgelegt worden (PATZIG 1970: 56-65). — Cf. auch Kap. IIc1 (S. 170 ff.).Google Scholar
  43. 43.
    „Heute ist man (…) geneigt, unter Theorien mehr oder weniger stark formalisierte Theorien zu verstehen und damit auf diese Produkte menschlichen Geistes mit logischer Voreingenommenheit, also gewissermaßen durch die Brille des Logikers, zu blicken. Für historische Untersuchungen ist eine derartige Einstellung aber eher hinderlich als förderlich. Kodifizierung und Axiomatisierung ist eine Späterscheinung und nach KUHN häufig bereits ein Verfallssymptom, da es zu dieser Art von Präzisierung meist erst dann kommt, wenn die Wissenschaft in eine Krise geraten ist und von abweichenden gegnerischen Anschauungen bedrängt wird“. (STEGMÜLLER 1975: 497). — Es ist vielleicht nicht überflüssig darauf hinzuweisen, daß die For-malisierung von Theorien zwar bisweilen anscheinend als Selbstzweck betrieben wird, aber — gerade auch in Disziplinen, die sich noch keinesfalls in einer Spätphase ihrer Entwicklung befinden — das einzig zuverlässige Mittel sind, noch vorhandene Unklarheiten oder Alternativen unzweideutig zu entscheiden. Die Sprachwissenschaft ist ein gutes Beispiel hierfür.Google Scholar
  44. 44.
    Man kann präzis über noch präzisierungsbedürftige Theorien sprechen, ebenso unpräzis über präzis ausgearbeitete Theorien. Hier wird die Auffassung vertreten, daß es nicht sinnvoll ist, nur Objekte, die einem absoluten Präzisionsmaßstab genügen, als „Theorien“ zu bezeichnen. Ein solcher absoluter Präzisionsmaßstab ist eine Fiktion.Google Scholar
  45. 45.
    Es mag sein, daß es in einem solchen Fall schwierig sein kann, die Theorie zweifelsfrei von ihrer Darstellung zu unterscheiden. Selbst wenn dies faktisch unmöglich wäre — was zumeist nicht der Fall ist — wäre die begriffliche Unterscheidung Theorie — Darstellung der Theorie notwendig.Google Scholar
  46. 46.
    Ich muß hier noch an ein intuitives Vorverständnis des Theoriebegriffs appellieren, doch ist dies das übliche und beinahe einzige Korrektiv auf dem Gebiet begrifflicher Analysen, über das wir verfügen. Es ist auch vernünftig, solche Plausibilitätskriterien zu verwenden, da in sie unsere guten und schlechten Erfahrungen mit begrifflichen Feststellungen Eingang finden können. So mißt etwa STEGMÜLLER der Alltagserfahrung des Wissenschaftlers eine korrigierende Funktion zu, wenn er gegen den statement-view schreibt: „Eine derartige Identifizierung wäre äußerst unzweckmäßig. Es müßte dann z.B. die geringfügigste Änderung (…) — z.B. in einem Spezialgesetz, das nur zu ganz bestimmten Anwendungen der Theorie gehört — als Änderung der Theorie bezeichnet werden. Demgegenüber dürfte man mit dem Sprachgebrauch viel besser im Einklang bleiben und auch zu einer in logischer wie in historischer Hinsicht angemesseneren Analyse gelangen, wenn man in solchen Fällen sagt, daß die Theorie konstant bleibt, während sich die mit Hilfe dieser Theorie aufgestellten empirischen Hypothesen (…) ändern.“ (STEGMÜLLER 1974: 180).Google Scholar
  47. 47.
    Natürlich können wir Begriffe auch durch Ausdrücke, die anderen sprachlichen Kategorien angehören, darstellen; besonders häufig werden Nominale (‚Terme‘) verwendet. So war z.B. die soeben von mir verwendete Redeweise, genau genommen, unkorrekt. Präziser hätte ich von den Begriffen reden müssen, die durch die Ausdrücke oder Terme „Satz“ etc. dargestellt werden können.Google Scholar
  48. 48.
    Wie STEGMÜLLER gezeigt hat, kann das Verfahren der Definition von mengentheoretischen Prädikaten als eine informelle Art der Axiomatisierung aufgefaßt werden: „In einer für Logiker und Mathematiker kennzeichnenden kühnen Verallgemeinerung werden die Ausdrücke ‚Axiomatisierung einer Theorie ‘und ‚Einführung eines mengentheoretischen Prädikats ‘gleichgesetzt. Von einer informellen Axiomatisierung sprechen wir deshalb, weil die mengentheoretischen Begriffe nicht im Rahmen eines formalen Systems der Mengenlehre eingeführt werden, sondern im Rahmen der Umgangssprache auf rein intuitiver Grundlage. In der Mathematik ist die Methode sehr gebräuchlich“ (STEGMÜLLER 1973: 39); wie wir noch sehen werden, ist diese Methode auch in der neueren Linguistik durchaus üblich.Google Scholar
  49. 49.
    Der entscheidende Punkt ist, daß eine solche Theoriekonzeption eine zwangslose und plausible Rekonstruktion einiger insbesondere von KUHN in die wissenschaftstheoretische Debatte eingeführter Begriffe der Theoriedynamik erlaubt. So können z. B. die Veränderungen, die die generative Syntax seit CHOMSKYs „Syntactic Structures“ durchgemacht hat, als Veränderungen ein und derselben Theorie interpretiert und müssen nicht als eine Abfolge verschiedener Theorien gedeutet werden.Google Scholar
  50. 50.
    Für eine detaillierte formale Darstellung der Theorienstruktur der strukturalen Linguistik auf der Grundlage der Konzeption SNEEDs verweise ich auf den wichtigen Aufsatz von SCHNELLE 1976. In dem vorliegenden Buch (sowie, kürzer, in FINKE 1977a) wird mit einer allgemeineren Intention der wissenschaftstheoretische Rahmen dargestellt, in den die SNEED-SCHNELLEsche Formalisierung eingebettet werden kann. — Ich zitiere zumeist nicht die Originalarbeit SNEEDs (SNEED 1971), sondern die kritisch-modifizierte und verbesserte Version der SNEEDschen Gedanken, die STEGMÜLLER 1973 vorgelegt hat. Das Buch STEGMÜLLERs ist darüberhinaus leichter lesbar und zugänglich, als das in der Darstellungsweise kompromißlos anspruchsvolle Buch SNEEDs. — SNEED hat seine Konzeption neuerdings in einigen Punkten verändert, die jedoch im Wesentlichen nur eine größere Eleganz ihrer formalen Repräsentation ermöglichen (cf. SNEED 1976; BALZER/SNEED 1977). Dies tangiert die in diesem Buch debattierten grundsätzlichen Strukturen dieser Konzeption jedoch nicht, weshalb sich meine Diskussion zumeist an der Standardfassung, wie sie in SNEED 1971 und STEGMÜLLER 1973 vorliegt, orientiert. Freilich enthalten die neueren Arbeiten SNEEDs wesentliche Präzisierungen zur Problematik des Verhältnisses elementarer und komplexer Theorien.Google Scholar
  51. 51.
    Um die Einführung der SNEEDschen Modellstruktur möglichst intuitiv plausibel zu machen und noch keine Entscheidungen in der Empirizitätsdiskussion vorwegzunehmen, ist meine Darstellung in diesem Kapitel von einer wesentlichen Vereinfachung gegenüber der Theorie SNEEDs gekennzeichnet, die das Äußerste darstellt, was als Vereinfachung hier zulässig ist: die Unterscheidung von T-theoretisch und T-nichttheoretisch (oder N-theoretisch) wird hier noch nicht gemacht. Ich versuche dies in Kap. Ib2 wieder zurechtzubiegen (S. 71 ff.).Google Scholar
  52. 52.
    Im gegenwärtigen Argumentationszusammenhang, in dem es nicht um Fragen der Theoriendynamik, sondern nur um solche der Theorienstruktur geht, ist zunächst nur eine ‚Theorie im schwachen Sinne ‘von Interesse (s.u.). Fragen der Erweiterung des Strukturkerns einer Theorie (im schwachen Sinne), die zur Erörterung theoriedynamischer Prozesse überleiten, werden im Begründungskapitel (Ic), aber auch dort nur kurz, behandelt. — Im Sinne der neuerdings überarbeiteten Konzeption (SNEED 1976; BALZER/SNEED 1977) spreche ich lediglich von Theorieelementen, d.h. den kleinsten Analyseeinheiten (sprach-)wissenschaftlicher Theorien, welche die Strukturbedingungen, die für Theorien gelten, erfüllen. Man könnte hier auch von elementaren Theorien sprechen. Die meisten faktisch vorkommenden (sprach-)wissenschaftlichen ‚Theorien’ sind Komplexe solcher Theorieelemente (‚Theorienetze‘).Google Scholar
  53. 53.
    Dies gilt nur für empirische Theorien. Bei mathematischen Theorien beispielsweise ist stets ein fester Individuenbreich vorgegeben.Google Scholar
  54. 54.
    SNEED bezeichnet die Menge möglicher Modelle als eine „mn-Theorien-Matrix“ (SNEED 1975: 1).Google Scholar
  55. 55.
    Die genaue Definition von Mpp setzt die Einführung von endlichen, nichtleeren Mengen Di von Individuenbereichen voraus, sowie eine genauere Bestimmung dessen, was als theoretische Begriffe in Frage kommt; für mathematisierte Theorien sind dies quantitative Funktionen fi. Es gilt dann: Mpp = D1, D2 …, Dm; f1 f2,…, fk> |Google Scholar
  56. 56.
    Diese Festlegung von r ist unvollständig; sie muß — ähnlich wie dies in der vorigen Anmerkung für Mpp angegeben worden ist, durch explizite Angaben von Individuen-und Funktionenbereichen spezifiziert werden und lautet dannGoogle Scholar
  57. 57.
    Ich meine die Unterscheidung von T-theoretischen und T-nichttheoretischen Begriffen. — Cf. Kap. Ib2 (S. 71 ff.).Google Scholar
  58. 58.
    Ich weiche mit dieser Darstellung insofern von KUHN und SNEED ab, als ich KUHNs Begriff der Disziplinären Matrix durch den der K-Matrix ersetzt habe, der auf Rahmenbedingungen von Theorien eingeschränkt ist, und SNEED seine Theorie als logische Rekonstruktion eines Teiles der Disziplinären Matrix (im Sinne KUHNs) versteht.Google Scholar
  59. 59.
    Cf. CHOMSKY 1972.Google Scholar
  60. 60.
    Cf. Kap. Ic1 (S. 102 ff.).Google Scholar
  61. 61.
    STEGMÜLLER 1973: 34-42.Google Scholar
  62. 62.
    Man darf hiermit nicht verwechseln, daß SNEED seine eigene Theorie in einer mengentheoretischen Präzisierung vorgelegt hat.Google Scholar
  63. 63.
    SNEED wählt allerdings ein solches Beispiel. Deshalb ist seine Restriktionsfunktion r allein für numerische, reelle u. a. Funktionen definiert.Google Scholar
  64. 64.
    GÖTTNER 1974: 5. — Die Redeweise von ‚Humanwissenschaften ‘ist an dieser Stelle zur Pointierung einer These wohl vertretbar.Google Scholar
  65. 64.
    Dieses ist eines der Begründbarkeitspostulate (cf. Kap. Ic3, S. 114 ff.).Google Scholar
  66. 65.
    Cf. hierzu Kap. IIa2, S. 144 ff..Google Scholar
  67. 66.
    Auch KUHN ist sich dessen bewußt, nur die wichtigsten Kennzeichnungsebenen wissenschaftlicher Konzeptionen explizit angegeben zu haben.Google Scholar
  68. 67.
    HARRIS 1954; cf. auch LYONS 1968: 172f.Google Scholar
  69. 68.
    Meistens wird in der Syntaxtheorie die spezielle Algebra, die zur Definition einer freien Halb-gruppe dient, durch und damit nur teilweise angegeben; erst zusammen mit der Verkettungsoperation kann man wirklich von einer freien Halbgruppe sprechen. Aber: „Meist nennt man bereits [VT*] freie Halbgruppe über [VT], da man die Operation der Verkettung stillschweigend als auf [VT*] definiert voraussetzt“ (KRATZER/PAUSE/v. STECHOW 1973: 24).Google Scholar
  70. 69.
    Es handelt sich bei den Strukturbeschreibungen um sog. Strukturbäume, d.h. gerichtete und etikettierte Graphen. Gebräuchlich ist auch die Rede von „etikettierten Klammerausdrücken“. — Cf. KRATZER/PAUSE/v. STECHOW 1973: 32.Google Scholar
  71. 70.
    Der Leser wird bemerken, daß in (D-Satz) nur syntaktische, nicht aber semantische Definitionsbedingungen aufgenommen worden sind. Dem entspricht eine Verallgemeinerung des Satzbegriffs („Phrase“), die für die generative Syntax charakteristisch ist. Prinzipiell könnten wir zu Demonstrationszwecken natürlich auch andere Satzdefinitionen heranziehen.Google Scholar
  72. 71.
    Meine These ist: die Theorien der symbolischen Kodifikation von Sprache (akustisch, visuell etc.) entsprechen dem Sinne nach in der Linguistik genau dem, was bei der Anwendung von SNEEDs Theorie auf die Physik die Rolle der Meßtheorien ist.Google Scholar
  73. 72.
    In Kodifikationstheorien müssen genaue type-token-Unterschiede gemacht werden. Mit der genannten Nebenbedingung kann sinnvoller weise nur eine Typidentität gemeint sein; individuelle Handschriftenunterschiede beispielsweise werden als token-verschieden, aber typidentisch behandelt.Google Scholar
  74. 73.
    Spezieile Nebenbedingungen gelten für erweiterte Strukturkerne E, also nur in speziellen Anwendungen. Beispielsweise könnte durch sie das fundamentale Theorieprädikat „x ist ein Satz“ zu „x ist ein deutscher Satz“ verschärft werden. Die Theorie der Sprachverschiedenheit läßt sich demnach beispielsweise auf eine Teilklasse der speziellen Nebenbedingungen für die Anwendung linguistischer Universalien abbilden. — Auch weitere Verschärfungen müssen durch zusätzliche spezielle Nebenbedingungen vorgenommen werden, z.B. die Verschärfung zum Prädikat „x ist ein deutscher Nebensatz“.Google Scholar
  75. 74.
    MAAS 1974: 271.Google Scholar
  76. 75.
    VAN DE VELDE 1974: 25f.Google Scholar
  77. 76.
    LANCELOT/ARNAULD 1660. — Cf. auch CHOMSKY 1966: insbes. 31-58.Google Scholar
  78. 77.
    ARNAULD 1662.Google Scholar
  79. 78.
    Hiermit soll nicht gesagt sein, daß VAN DE VELDE sich mit dieser lapidaren Feststellung begnügt; im Gegenteil seine Arbeit gehört zu den wenigen relativ ausführlichen und soliden Untersuchungen auf dem hier einschlägigen Gebiet.Google Scholar
  80. 79.
    ITKONEN 1975: 1. — Eine überarbeitete Fassung liegt vor in WUNDERLICH 1976: 56-76.Google Scholar
  81. 80.
    Das solche Differenzierungen unerläßlich sind, hat die Debatte, die sich an den Begriff der ‚degrees of grammaticalness ‘angeschlossen hat, überzeugend gezeigt; und zwar gilt dies bereits aus theorieinternen Gründen (CHOMSKY, KLIMA, LABOV, KANNGIESSER, LIEB, u.a.). Hinzu kamen viele genuin empirische Argumente, vor allem Erfahrungsdaten aus soziolinguistischen Untersuchungen (LABOV, HYMES, BERNSTEIN, OEVERMANN). Die starken Idealisierungen CHOMSKYs („Linguistic theory ist concerned primarily with an ideal speaker/listener, in a completely homogenuous speech-community, who knows its language perfecdy and is unaffected by such grammatical irrelevant conditions as (…) errors (random or characteristic) in applying his knowledge of the language in actual performance“, CHOMSKY 1965: 3) haben sich als unnötig erwiesen; doch selbst CHOMSKY hat nie die Empirizität der Linguistik in Frage gestellt, wenn er auch apriorische Elemente in ihr gefunden zu haben meinte.Google Scholar
  82. 81.
    In der transzendentalen Ästhetik, B 33 ff.Google Scholar
  83. 82.
    Erst S.A. KRIPKE hat in „Naming and Necessity“ beispielsweise die kantische Definition der Apriorizität grundsätzlich angegriffen und Argumente dafür beigebracht, daß es sinnvoll sein kann, nicht-notwendige und nicht-analytische Wahrheiten a priori anzuerkennen. Cf. KRIPKE 1972.Google Scholar
  84. 83.
    Cf. BARTSCH/VENNEMANN 1972: 136ff.Google Scholar
  85. 84.
    FREGE selbst hat in seiner Abhandlung „Funktion und Begriff“ (1891) diese Definition mit einer leichten Einschränkung versehen, wenn er — im Anschluß an die zu ihr hinführende Argumentation — sagt: „Wir sehen daraus, wie eng das, was in der Logik Begriff genannt wird, zusammenhängt mit dem, was wir Funktion nennen. Ja, man wird geradezu sagen können: ein Begriff ist eine Funktion, deren Wert immer ein Wahrheitswert ist.“ (FREGE 1962: 26; Hervorhebungen von mir). Ich gehe allerdings davon aus, daß die in einer solchen Sprechweise deutlich werdende reservatio mentalis durch die mögliche Mehrdeutigkeit des „ist“ in der Redeweise „ein Begriff ist eine Funktion“ begründet ist; hier wollte FREGE wohl nur der falschen Meinung vorbeugen, Begriffe seien mit Funktionen identisch, wohingegen er darauf aufmerksam machen wollte, daß es möglich ist, sie durch Funktionen zu definieren. Die Literatur zu FREGE stützt diese Interpretation.Google Scholar
  86. 85.
    Diese Problematik wir detaillierter erörtert in STEGMÜLLER 1970: 181ff., insbes. 293-319. Cf. auch v. KUTSCHERA 1972: 257-278.Google Scholar
  87. 86.
    Ich diskutiere hier nicht das seit KANT noch nicht gelöste Problem der synthetischen Sätze a priori. Das Selbstverständnis der modernen empirischen Wissenschaften als Erfahrungswissenschaften ist der kantischen Idee von apriorischer Erkenntnis auch im Bereich der empirischen Wissenschaft nicht gefolgt. Zwar bedeutet dies nicht, daß es keine synthetischen Sätze a priori geben kann, es bedeutet aber, daß es gute Gründe für die Hypothese gibt, daß wir ihrer nicht bedürfen. In jedem Falle liegt die Beweislast immer noch bei denen, die die Notwendigkeit solcher Sätze für die Erfahrungserkenntnis behaupten. Solange hier keine überzeugende Theorie vorgelegt worden ist, dürfte es eine sinnvolle — weil mit der Praxis erfolgreicher Wissenschaft, auch der Linguistik, am besten zu vereinbarende — Hypothese sein, daß alle synthetischen Sätze empirische Sätze sind. Ich spreche deshalb überhaupt nicht von synthetischen, sondern nur von empirischen Sätzen. — Interessante und unkonventionelle Überlegungen zu einer modernen Theorie analytischer und synthetischer Sätze finden sich bei KRIPKE 1972.Google Scholar
  88. 87.
    Jemand könnte einwenden: der Empirizitätsstatus linguistischer Theorien ist gerade deshalb problematisch, weil sie sich auf Objekte beziehen, die nicht in Raum und Zeit sind (cf. die Argumentation von ITKONEN zu Beginn dieses Kapitels). Nicht-raum-zeitliche Objekte jedoch sind theoretische Entitäten; insofern muβ das Problem hier diskutiert werden, welchen Zugang wir zu ihnen haben. Ich habe einem solchen Argument gegenüber schon betont, daß die Lingu-Google Scholar
  89. 88.
    Die hier geraffte vorgetragene und in Kap. Ic4 und IIc1 weitergeführte und durch Überlegungen zum Verhältnis von Sprache und Wirklichkeit ergänzte Wirklichkeitskonzeption ist stark von der Theorie STRAWSONs beeinflußt. Die Theorie ist im Zusammenhang dargestellt in STRAW-SON 1959, cf. aber auch STRAWSON 1966: 47-71, 89-111 und 118-152.Google Scholar
  90. 89.
    Gemeint ist die Theorie möglicher Welten. Allerdings wird auch dort eine bestimmte Welt als ‚wirkliche Welt ‘ausgezeichnet, so daß die hier vorgetragenen Überlegungen auch in diesem Kontext einschlägig sind. — Für die Diskussion philosophischer Implikationen cf. HINTIKKA 1962; HINTIKKA 1969; KRIPKE 1963; KRIPKE 1972.Google Scholar
  91. 90.
    Die Zahl der Untersuchungen zu dem Problem der Empirizität linguistischer Theorien ist ohnehin nicht groß; umso bedauerlicher ist, daß sie fast sämtlich von einem naiven oder jedenfalls nur unzureichend explizierten Wirklichkeitsbegriff ausgehen.Google Scholar
  92. 91.
    LOCKE 1690 (FRASER (ed.) 1959).Google Scholar
  93. 92.
    DESCARTES 1701 (ADAM/TANNERY (eds.) 1959).Google Scholar
  94. 93.
    LEIBNIZ 1714 (ROBINET/BUCHENAU (eds.) 1956).Google Scholar
  95. 94.
    Man denke beispielsweise an die wissenschaftstheoretischen Auseinandersetzungen, die durch die Namen CARNAP und POPPER angedeutet sein sollen. Wenngleich Etiketten wie „logischer Empirismus“ und „kritischer Rationalismus“ für eine differenzierte Kennzeichnung von Positionen wenig taugen, markieren sie doch Unterschiede, die — wie auch die qualifizierenden Attribute „logisch“ und „empirisch“ unterstreichen— in dem Bereich zwischen den beiden extremen tabula-Modellen angesiedelt sind, in dem eine für die Praxis der wissenschaftlichen Arbeit plausible und praktikable Erkenntnistheorie zu entwickeln am lohnendsten scheint.Google Scholar
  96. 95.
    Aus der reichhaltigen Literatur sei insbesondere verwiesen auf FEYERABEND 1970; für die Linguistik cf. auch WUNDERLICH (ed.) 1976; insbes. die Beiträge von FINKE, LIEB, WUNDERLICH und TER MEULEN.Google Scholar
  97. 96.
    Cf. BALLMER, op. cit.; im Sinne dieser Hypothese könnte man sagen, das BALLMER nur von perfekten empirischen Theorien spricht. Im Zuge der Perfektionierung von, sagen wir, linguistischen Theorien wird uns aber nur der Bereich der faktischen Anwendungen If einer Theorie T genauer bekannt. Auch wenn er sich als sehr klein herausstellt, ist es immer noch sinnvoll, von einer empirischen Theorie zu sprechen. Sie ist dann vielleicht nicht so leistungsfähig, wie erhofft, aber nichtsdestoweniger eine empirische Theorie. Zwar ist es nicht selbstverständlich, daß wir bereits über empirische Theorien in der Linguistik verfügen. Aber es ist auch nicht verwunderlich, ebensowenig wie zu bestreiten ist, daß sie hinsichtlich ihrer deskriptiven und ex-planativen Qualitäten überwiegend noch sehr verbesserungsbedürftig sind.Google Scholar
  98. 97.
    PUTNAM 1962; die Arbeit trägt den bezeichnenden Titel: „What Theories are not“. — Cf. auch STEGMÜLLER 1973: 30-34.Google Scholar
  99. 98.
    Cf. meine Ausführungen auf S. 35 ff., und die Anm. 14.Google Scholar
  100. 99.
    RUSSELL 1912 (dt. 1967).Google Scholar
  101. 100.
    CARNAP 1928.Google Scholar
  102. 101.
    Wir können nicht sicher sein, daß die Satzdefinition (D-Satz) vollständig und abschließend befriedigend ist (Partialität); wir können „Satz“ nicht als einen atomaren Begriff auffassen (In-direktheit).Google Scholar
  103. 102.
    CARNAP 1936/37; teilweise abgedruckt in: FEIGL/BRODBECK (eds.) 1953:47-92.Google Scholar
  104. 103.
    HEMPEL 1952; 1965.Google Scholar
  105. 104.
    HEMPEL 1970; 1971.Google Scholar
  106. 105.
    „[Es ist auf diese Weise möglich], die Dichotomie nicht vollkommen preiszugeben, sondern ihr einen neuen Sinn zu verleihen: die ‚starre ‘und ‚zeitlich invariante ‘Beobachtungssprache wäre zu ersetzen durch jene pragmatisch-historisch relativierte Teilsprache der Wissenschaftssprache, deren deskriptive Zeichen vorgängig verfügbare Terme sind. Wir nennen eine derartige Teilsprache eine empirische Grundsprache. Das Gegenstück heiße wieder theoretische Sprache. Die Grenze zwischen den beiden Sprachen ist nicht starr, sondern hängt vielmehr davon ab, auf welche Personen, Zeitpunkte und Theorien man sich mit dieser Gegenüberstellung bezieht“ (STEGMÜLLER 1973: 30).Google Scholar
  107. 106.
    N.R. HANSON 1958: 19 et passim. — Cf. auch POPPER 1971.Google Scholar
  108. 107.
    Nach den voraufgegangenen Überlegungen kann es so scheinen, als ob auch die natürlichen Sprachen ausnahmslos und in jeglicher Hinsicht als Theoriesprachen aufgefaßt werden müssen. Dies wäre ein Mißverständnis. Es wird nur behauptet, daß sie viele Eigenschaften von Theoriesprachen besitzen, die insbesondere dann wichtig werden, wenn natürliche Sprachen von Wissenschaftlern zum Zwecke der Darstellung ihrer Theorien verwendet werden. Aber auch bei der Darstellung von Verfahren und Untersuchungsergebnissen muß man wegen der unterschiedlichen Theoriebeladenheit der natürlichen Sprachen Vorsicht walten lassen. — Es ist aber klar, daß natürliche Sprachen noch andere als deskriptive Funktionen haben, man denke an die sonstigen vielfältigen Weisen eines performativen Sprachgebrauchs. Sowohl im deskriptiven wie im per-formativen Sprachgebrauch beeinflußt die Theoriebeladenheit der natürlichen Sprachen unsere Auffassung der Wirklichkeit.Google Scholar
  109. 108.
    Die im folgenden zu erläuternde theorierelative Konzeption III steht in der philosophischen Tradition des Holismus; deshalb habe ich weiter oben gesagt, sie sei „in einem gewissen Sinne“ auch eine Einstufenkonzeption. Genauer sollte man aber von einer theorierelativen Konzeption sprechen.Google Scholar
  110. 109.
    GÖTTNER op. cit.: 8. — Ich wähle diese Bezeichnungsweise, um die Darstellung an diesem Punkte zu vereinfachen. Es ist stets zu berücksichtigen, daß auch innerhalb der Menge der nichttheoretischen, sprich: nicht Tj-theoretischen Begriffe so differenziert werden muß, daß für jeden Begriff Fi klar ist, in welcher Theorie er definiert wird.Google Scholar
  111. 110.
    Cf. z.Bsp. SNEED 1976: „Mpp is all possible nontheoretical descriptions (! P.F.) of phenomena that actually occur“ (125).Google Scholar
  112. 111.
    Genauere Erläuterungen gebe ich im nächsten Kapitel. Dort wird auch eine Modifikation des Ramseyprinzips besprochen; — STEGMÜLLERs Darstellung von (R1) in 1974: 178 ist, strenggenommen, falsch: x ergänzt a nicht zu einem Modell, sondern zu einem möglichen Modell von S. Außerdem ist es zumindest mißverständlich zu sagen, daß x ein (mögliches) Modell von S sei; genauer ist die Formulierung, daß x es ermöglicht, a als ein (mögliches) Modell von S zu identifizieren.Google Scholar
  113. 112.
    Die zu r konverse Funktion könnte entsprechend „Theoretizitätsfunktion“ heißen, da sie eine Theoretisierungsoperation darstellt: sie gibt an, unter welchen Bedingungen ein Objekt a als das identifiziert werden kann, auf das das fundamentale Theorieprädikat der T-Theorie anwendbar ist. — Hiervon ist die in SNEEDs modifizierter Theorie (cf. SNEED 1976; BALZER/SNEED 1977) mit T bezeichnete Theoretisierungsrelation gut zu unterscheiden. Bei T handelt es sich um eine intertheoretische Relation. Allerdings scheint die zu r konverse Funktion dasjenige zu bezeichnen, was SNEED heute „inner theoretization“ (im Gegensatz zur durch T ausgedrückten „outer theoretization“) nennt. — Die Interpretation von r als Enttheoretisierungs-funktion schlage ich hier vor.Google Scholar
  114. 113.
    Cf. RAMSEY 1931: 212-236 — für kritische Darstellungen cf. SCHEFFLER 1968; STEGMÜLLER 1970: 400-437. STEGMÜLLER 1973: 65-106.Google Scholar
  115. 114.
    Für eine Darstellung der wichtigsten Unterschiede und der Rolle von Transformationsbegriffen in Syntaxtheorien cf. BARTSCH/LENERTZ/ULLMER-EHRICH 1977.Google Scholar
  116. 115.
    Cf hierzu GINSBURG 1966; GINSBURG/SPANIER 1968; GINSBURG/PARTEE 1969; MAURER 1969; PETERS/RITCHIE 1971; PETERS/RITCHIE 1973; SALOMAA 1973. Weiterführende Anwendungsperspektiven diskutiert HABEL 1975.Google Scholar
  117. 116.
    Hierin ist S.J. SCHMIDT uneingeschränkt zuzustimmen; cf. SCHMIDT 1975. — Dies gilt übrigens auch für die Wissenschaft.Google Scholar
  118. 117.
    Die Redeweise von ‚theoretischen Begriffen ‘müßte, nach dem im vorigen Kapitel Gesagten, hier eigentlich präzisiert werden durch die Redeweise von ‚T-theoretischen Begriffen‘. Ich verzichte einstweilen darauf, um zunächst im ursprünglichen Rahmen der Überlegungen RAMSEYs zu argumentieren. Es ist also für diese vorläufige Darstellung zu beachten, daß hier nicht gewisse theoretische Begriffe anderen theoretischen Begriffen, sondern allgemein den theoretischen Begriffen die sog. Beobachtungsbegriffe gegenübergestellt werden.Google Scholar
  119. 118.
    Ich bediene mich hier eines ähnlichen Beispiels wie STEGMÜLLER 1970: 405, um das Ramsey-verfahren möglichst intuitiv plausibel darzustellen.Google Scholar
  120. 119.
    Ich diskutiere hier nicht die Existenzprobleme von Einhörnern und gewissen kahlköpfigen Königen, sondern vertrete — man mag mir vorwerfen: dogmatisch — ‚for the sake of the argument ‘die Position: aus Sätzen die Individuenkonstanten enthalten, sind Existenzsätze ableitbar; diese bringen keine Überbevölkerung unserer Wirklichkeit mit sich, sondern beziehen sich u.U. auf nichtwirkliche Welten. — Cf. die Ontologiediskussion der Modallogik.Google Scholar
  121. 120.
    Kurz gesagt: Sei T* die Konjunktion der Axiome der Theorie T und Z* die Konjunktion der Zuordnungsregeln, dann kann T durch T* Z* repräsentiert werden. Seien ferner τ1,…,τn die theoretischen ω1,…,ωk die Beachtungsbegriffe, dann ist T* Z* (τ1,…,τn, ω1…,ωk) die durch die ωi festgelegte Interpretation von T. Man substituiert nun die τi durch n freie Variablen ϕ und bindet sie durch Existenzquantoren. Auf diese Weise erhält man R(T) als den Ramsey-satz von T: Vϕn T*Z* (ϕ1…, ϕn, ω1 …, ωk). — Cf. STEGMÜLLER 1970: 403f., v. KUTSCHERA 1972: 275.Google Scholar
  122. 121.
    Ich erinnere daran, daß SNEED — wegen des einzigen von ihm diskutierten Beispiels — dies genaugenommen nur für physikalische Funktionen gezeigt hat. Argumente für die Übertragbarkeit gebe ich an verschiedenen Stellen.Google Scholar
  123. 122.
    Wir müssen hierbei keinesfalls stumm auf ein ‚Ding an sich ‘zeigen, sondern könne auch sagen, was wir meinen: unter Verwendung einer N-Theoriesprache.Google Scholar
  124. 123.
    Dies ist eine offene Menge, da neue natürliche Sprachen entdeckt werden oder aus bestehenden hervorgehen können. Es ist ein kontingentes (z.B. von einem Zeitfaktor abhängiges) Faktum, was als natürliche Sprache bekannt ist.Google Scholar
  125. 124.
    Cf. FINKE 1977b, wo u.a. eine adäquatere Behandlung des Vollständigkeitsproblems von Kasuslisten beschrieben wird als in FINKE 1974. — Ausführlich werden die Gründe für diese Modifikation des Ramseyprinzips erörtert in STEGMÜLLER 1973: 75-103.Google Scholar
  126. 125.
    Nach STEGMÜLLER 1974: 180, modifiziert.Google Scholar
  127. 126.
    Hierbei bedeutet „Ŝ“ einen Klassenbegriff: Ŝ = x/x ist ein S; der vierstellige Relationsausdruck „C (ξ, a, R, ρ,)“ eine Menge allgemeiner Nebenbedingungen, „<R, p>“ eine allgemeine Nebenbedingung; „R“ eine n-stellige Relation auf der Vereinigung Δ der Definitionsbereiche, „ρ“ eine n-stellige Relation auf der Vereinigung R d.er Werte der theoretischen Funktion; die vierstelligen Relationsausdrücke „C (ξ1, a1 Ri, ρi)“ die speziellen Nebenbedingungen. — Eine detaillierte Entwicklung von (R2′) aus (R1′), die hier nicht gegeben werden soll, findet sich bei STEGMÜLLER 1973: 75-102.Google Scholar
  128. 127.
    Cf. S. 65 ff.Google Scholar
  129. 128.
    In Wissenschaften, die überwiegend mit quantitativen Begriffen oder unter Verwendung meß-theoretischer Sprachen arbeiten — wie z. B. der Physik — scheint bisweilen ein anderer Sprachgebrauch üblich zu sein, nämlich der, daß als empirische Untersuchungen nur solche Untersuchungen anerkannt werden, die und insofern sie sich der zur Verfügung stehenden Meßspra-chen auch tatsächlich bedienen. Auch SNEED und STEGMÜLLER scheinen diese Auffassung zu vertreten (cf. STEGMÜLLER 1973: 68f.) Hier hätten wir dann abermals ein Beispiel dafür vor uns, das die Übertragung metatheoretischer Überlegungen auf ursprünglich nicht intendierte Wissenschaftsbereiche behutsam vorgenommen werden muß. Wenn beispielsweise im Rahmen ethnolinguistischer Feldforschungen empirische Untersuchungen zur Interdependenz zwischen Verwandtschaftsverhältnissen und ihrer sprachlichen Darstellung angestellt werden, bedient sich ein Linguist dabei selbstverständlich T-theoretischer Begriffe. Es wäre künstlich und nicht hilfreich, hier stets die Verwendung identifikations-theoretischer Begriffe zu verlangen, insofern von empirischen Untersuchungen sollte geredet werden können. Mir scheint aber, daß dies auch für andere Wissenschaften gilt. Man kann beispielsweise empirische Untersuchungen zur Mechanik anstellen, in denen die T-theoretische Kraftfunktion berechnet wird, ebenso, wie man empirische semantische Untersuchungen anstellen kann, in denen Wahrheitsfunktionen berechnet werden. Es dürfte also zweckmäßig sein, immer dann von empirischen Untersuchungen zu sprechen, wenn es möglich ist, auf die Verwendung einer T-Theoriesprache zu verzichten.Google Scholar
  130. 129.
    Ich spreche hier davon, daß methodologische Werte „implizit akzeptiert“ werden, weil der Theorienrelativismus von T-und N-Theorien in der vorliegenden Arbeit zum ersten Mal explizit auf die Linguistik angewandt wird. Es ist aber unschwer zu sehen, daß die Implikate dieser metatheoretischen Konzeption, also die S-Matrix, mit allen Linguistikkonzeptionen verträglich sind, in deren KL-Matrizen Empirizität und Theoretizität als methodologische Werte der Theoriebildung vorkommen. Ich beschreibe die drei wichtigsten KL-Matrizen, für die dies gilt, in Kap. IIc, insbes. S. 176-187.Google Scholar
  131. 130.
    Cf zur S-Matrix der Sprechakttheorie FINKE 1977a. — Auch der Einwand, daß die meisten dieser Theorien selbst hinsichtlich ihrer Grundlagen noch nicht abgeschlossen sind, verfängt hier nicht. Das Ramseyprinzip ist nicht nur für abgeschlossene Theorien formuliert; es ist ein Schema, das uns für jede Theorie einen allgemeinen Ramseysatz aufzustellen erlaubt. Der einzige Unterschied zwischen abgeschlossenen und nichtabgeschlossenen Theorien — zum Begriff einer abgeschlossenen Theorie cf. v. WEIZSÄCKER 1970 — besteht in bezug auf das Ramseyverfahren darin, daß der allgemeine Ramseysatz einer abgeschlossenen Theorie ein für allemal akzeptiert ist, für eine nichtabgeschlossene Theorie hingegen noch modifiziert werden kann.Google Scholar
  132. 131.
    HILBERT 1899.Google Scholar
  133. 132.
    Dies gilt einstweilen nur für grammatische Theorien. Hier sind insbesondere die Arbeiten von H.-H. LIEB zu nennen (LIEB 1974; 1975). — Cf. außerdem die mathematische Theorie der Transformationen, wie sie in den in Anm. 115 genannten Arbeiten entwickelt wird. Die Theorie formaler Sprachen, beispielsweise der formalen Chomskysprachen, interessiert hier weiter nicht, da sie nicht als empirische Theorie verstanden werden kann.Google Scholar
  134. 133.
    v. KUTSCHERA 1972: I, 254.Google Scholar
  135. 134.
    Eine Fortsetzung dieser Gedanken in verschiedene Richtungen enthält das Kap. Ic1, S. 102 ff..Google Scholar
  136. 135.
    Ich schließe mich hier nicht der Kritik SCHEFFLERs am Ramseyverfahren an (cf. insbesondere SCHEFFLER 1968); das Argument SCHEFFLERs, wonach die induktive (empirische) Leistungsfähigkeit des allgemeinen Ramseysatzes einer Theorie T der Leistungsfähigkeit von T grundsätzlich unterlegen sei, ist — wie STEGMÜLLER 1970: 427ff überzeugend gezeigt hat — nicht schlüssig.Google Scholar
  137. 136.
    Beides ist in dem Maße wichtig, wie es zur Klärung von andernfalls unklar bleibenden Problemen beiträgt.Google Scholar
  138. 137.
    Ich bezeichne eine Wissenschaft dann als ein empirische Wissenschaft, wenn es unter den im Rahmen ihrer K-Matrizen formulierten Theorien empirische Theorien gibt.Google Scholar
  139. 138.
    Man könnte eine amüsante Diskussion damit bestreiten, zu untersuchen, welches Verständnis von Deduktion bzw. Induktion Sherlock Holmes bzw. Arthur Conan Doyle gehabt haben. Die Methode des Meisterdetektivs wird als „the art of deduction“ vorgestellt, doch vermag ich in keinem seiner Fälle die für Detektive oder Kommissare gewiß höchst ungewöhnliche MethodeGoogle Scholar
  140. 139.
    Mindestens ebenso wichtig wie die Angabe von Wohlgeformtheitsbedingungen für, beispielsweise, Sätze ist die Erklärung der Sätze durch ihre Funktion. Der funktionale Aspekt ist allerdings im Strukturalismus meist zu kurz gekommen. In CHOMSKYs Linguistikkonzeption kommt er überhaupt nicht vor. — Eine funktionale Erklärung für einen Satz S liegt z. B. dann vor, wenn ich auf die Frage „Warum verwendet p in der Situation C den Satz S und nicht S′? so antworte, daß ich ein Kommunikationsbedürfnis angebe, das p nur vermittels S, nicht aber durch S′ befriedigen kann.Google Scholar
  141. 140.
    Ich spreche hier bewußt nicht von einer Philosophie der Sprache, sondern von einer Philosophie der Linguistik. Es ist nämlich deutlich, daß sich die Sprachphilosophie seit einigen Jahren auf den selben Weg begeben hat, den lange vor ihr schon die Naturphilosophie in Bezug auf die physikalischen Wissenschaften gegangen ist, nämlich den Weg der Einsicht, daß es keine Konkurrenz zwischen einer philosophischen und einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit einem Problemgebiet geben sollte. Ebensowenig, wie auf dem Gebiet der physikalischen Probleme und Gegenstände, kann es sich die Philosophie auf dem Gebiet der sprachlichen Probleme und Gegenstände inzwischen noch leisten, die Theorien souverän zu ignorieren, die Physiker oder Linguisten entwickeln. Die jeweiligen Frageinteressen sind nicht so grundsätzlich verschieden, daß man seine Theorien aneinander vorbei entwickeln könnte; die Sprachphilosophie wird — dies ist eine in der Sache liegende Konsequenz — mehr und mehr zur Philosophie der Linguistik. — cf. FINKE 1974: insbes. 510. 141 Cf. Kap. Hc2, S. 176 ff..Google Scholar
  142. 142.
    Bei den Schwierigkeiten sind insbesondere didaktische Probleme zu nennen, die, wenn sie nicht überwunden werden können, die Linguistik in die Gefahr bringen, wie die moderne Physik zu einer Wissenschaft nur für Eingeweihte zu werden. Natürlich ist dieses nicht prinzipiell zu verhindern, doch scheint es mir angesichts der Wichtigkeit der linguistischen wie physikalischen Probleme für das Leben und Wirklichkeitsverständnis der Menschen äußerst wichtig zu sein, vor allem durch eine stärker anwendungsbezogene mathematische Schulausbildung eine allgemeine Ausbildung in den wichtigsten formalen Grundlagen überhaupt zu ermöglichen. — Cf. HABEL 1975.Google Scholar
  143. 143.
    Zu ersterem cf. LIEB 1974; 1975; zu letzterem cf. GÖTTNER 1972; FINKE/KINDT/WIRRER 1975. Beispiele werden analysiert in KINDT/SCHMIDT (eds.) 1976.Google Scholar
  144. 144.
    Eine sorgfältige Diskussion der gängigen Dichotomie zwischen exakten und nicht exakten Wissenschaften enthält HELMER/RESCHER 1969.Google Scholar
  145. 145.
    Bezeichnend ist z.B. der Titel von FEYERABEND 1970: „Against Method“.Google Scholar
  146. 146.
    In den rationalen Rekonstruktionen der Wissenschaftstheoretiker sind auch normative Komponenten enthalten. Es findet ja keine identische Reproduktion statt, sondern eine von bestimmten Prinzipien gesteuerte Veränderung. Ich sage aber, daß das deskriptive Element überwiegt, weil die wissenschaftliche Praxis durch eine rational rekonstruierende Metatheorie nicht oder nur in nicht substantieller Weise verändert wird.Google Scholar
  147. 147.
    Es gibt noch weitere Defizitgebiet der Wissenschaftstheorie. Eines sei durch das Schlagwort ‚wissenschaftliche Kommunikation ‘umrissen; was damit gemeint ist, wird am Beispiel einer funktionalen Linguistik in Kap. IIa2 dargestellt. Ein anderes behandele ich kurz im Schluß-teil C unter dem Stichwort ‚praktische Vernunft der Wissenschaft ‘oder ‚die praktischen Bedingungen der theoretischen Vernunft‘. — Zu diesem Problemkomplex cf. FINKE 1977.Google Scholar
  148. 148.
    Z.B. in STEGMÜLLER 1974: 197-201.Google Scholar
  149. 149.
    Hier ist vor allem an POPPERS Begriff der Wahrheitsnähe zu denken.Google Scholar
  150. 150.
    Gemeint ist die Idee der research programs bei LAKATOS.Google Scholar
  151. 151.
    Es soll hier hinzugefügt werden, daß die obengenannten Beispiele für Begründungsfragen nicht als Behauptungen oder Fragen des Autors dieser Untersuchung verstanden werden sollen, sondern Beispiele für Behauptungen und Fragen, wie sie in der wissenschaftlichen Kommunikation und Diskussion der Linguisten häufig vorkommen.Google Scholar
  152. 152.
    Es gibt natürlich noch ganz andere Argumente für die Rechtfertigung bestimmter theoretischer Annahmen. Ich komme auf das Thema noch in diesem Kapitel zurück.Google Scholar
  153. 153.
    Dieses Beispiel ist nicht so zu verstehen, daß es noch sinnvoll sei, die grundsätzliche Leistungsfähigkeit des dependenzgrammatischen Ansatzes mit der grundsätzlichen Leistungsfähigkeit des phrasenstrukturgrammatischen Ansatzes im Vergleich beider Ansätze zu diskutieren; hier ist durch die Untersuchung von GAIFMAN 1961 das Maß an wünschenswerter Klarheit erfüllt worden (Beweis der identischen schwachen generativen Kapazität). Doch es bleibt natürlich weiterhin sinnvoll, über die Vorzüge des einen oder des anderen Ansatzes zu argumentieren, etwa im Zusammenhang mit der Frage, welchen man für schulgrammatische Zwecke zugrundelegen sollte. Dies ist auch ein gutes Beispiel dafür, daß es bei einer Entscheidung zwischen zwei linguistischen Theorien u. U. nicht nur oder gar nicht auf den Parameter der wissenschaftlichen Erklärung ankommt, sondern auf ganz andere Fragen (didaktische Vorzüge, äußere Parameter der übersichtlichen Darstellbarkeit, Verfügbarkeit von wissenschaftlicher Literatur, etc.).Google Scholar
  154. 154.
    Aus diesem Grunde heißt dieser Abschnitt auch: Gibt es ein Begründungsproblem? und nicht z. Bsp.: Worin besteht das Begründungsproblem?Google Scholar
  155. 154.
    Als abschreckendes Beispiel sei die hierzulande weitverbreitete Dudengrammatik genannt, mehr ein Erzählwerk als eine sprachwissenschaftliche Veröffentlichung; cf. die wesentlich besseren ersten Auflagen.Google Scholar
  156. 155.
    Der II. Teil dieses Buches stellt ein Beispiel dar: die F-Matrix wird nicht nur mit anderen Linguistikmatrizen verglichen und in eine theoriendynamische Beziehung zu ihnen gesetzt, sondern es werden auch Gründe dafür beigebracht, wieso es sich bei ihr um eine gut zu fundierende KL-Matrix handelt.Google Scholar
  157. 156.
    Nur kurz sei erwähnt, daß die Verhältnisse in der Philosophie der Erfahrung und theoretischen Vernunft andere sind. Hier haben wir überhaupt nicht die Chance, über eine Beschreibung unserer theoretischen Erkenntnisfähigkeiten hinaus zu einer Veränderung dieser Fähigkeiten zu gelangen. Dies meint STRAWSON, wenn er die Erforschung der „bounds of sense“ als „descriptive metaphysics“ im Unterschied zu einer spekulativ-idealistischen Alternative („revisionary metaphysics“) kennzeichnet.Google Scholar
  158. 157.
    Cf. z.Bsp. die Auseinandersetzungen mit der handlungstheoretischen Fundierungstheorie der Erlanger Schule; der Ansatz von LORENZ 1976 beispielsweise, der für sich selbst genommen sicher hochinteressant ist, tangiert die tatsächliche Problemlage und den tatsächlichen Erklärungsbedarf in der gegenwärtigen Linguistik kaum. — Gf. die einschlägigen Beiträge in WUNDERLICH 1976.Google Scholar
  159. 158.
    KANT 1787: B 116.Google Scholar
  160. 159.
    Hier soll der Kuriosität halber vermerkt werden, daß VAIHINGER offenbar mit dem typisch kantischen Ausdruck „eingebildete Bedeutung“ nichts anzufangen wußte und deshalb die wissenschaftliche Vermutung aussprach, es müsse wohl stattdessen „eine giltige Bedeutung“ heißen…Google Scholar
  161. 160.
    KANT 1787: B 116f.Google Scholar
  162. 161.
    Cf. zu dem genannten Grammatiktypus HABEL 1975.Google Scholar
  163. 162.
    Gelegentlich, insbesondere im Schlußkapitel C., spreche ich allerdings auch von ‚Bedingungen der Möglichkeit‘. Dann geht es aber darum, in die linguistische Theoriediskussion auch ein Element einer kantähnlichen Antwort auf diese Fragestellung einzubringen, wenngleich als nichtapriorische und nichtnotwendige Hypothese, also eine erheblich modifizierte kantische Antwort.Google Scholar
  164. 163.
    Einige Überlegungen dazu enthält das Kap. Ic5, S. 127 ff..Google Scholar
  165. 164.
    in Kap. IIc2 („Die K-Matrizen der Linguistik“), S. 176 ff..Google Scholar
  166. 165.
    Es ist an dieser Stelle allerdings deutlich zu betonen, daß eine systematische Rechtfertigung der Tatsache, daß die moderne empirische Wissenschaft den Werten folgt, denen sie nun mal folgt und sich die Wissenschaftler an die auf diesen begründbaren methodologischen Normen halten, noch aussteht. Dies wäre Aufgabe einer Deduktion im kantischen Sinne, wenn auch nicht notwendig im Sinne seiner Lösungen. Die quaestio iuris der Analytischen Wissenschaftsauffassung muß noch beantwortet werden. — Vielleicht kann bei einem solchen Unternehmen übrigens die Linguistik Hilfsdienste leisten. Ich denke hier insbesondere an die Theorie der Kommunikationsprinzipien, die einige wichtige Eigenschaft offenbar rationalen Interaktionsverhaltens durch die Formulierung von Kommunikationsgesetzen zu rechtfertigen vermag. Cf. Kap. II a, insb. 2, S. 144 ff..Google Scholar
  167. 166.
    ‚Konsistenz’ soll hier stellvertretend für eine ganze Reihe von methodologischen Werten stehen, die eine grundsätzlich an den Prinzipien der formalen Logik ausgerichtete Theorienbewertung implizieren.Google Scholar
  168. 167.
    Die Redeweise von analytischen Werten und Normen darf selbstverständlich nicht so gehört werden wie die Rede von analytischen Sätzen. Auch zwingt eine solche facon de parler nicht dazu, an die Existenz eines metaphysischen Wertehimmels im Sinne einer platonischen oder phänomenologischen Ontotogie zu glauben. Die hier gemeinten Werte können sämtlich als Eigenschaften von theoretischen Konstrukten interpretiert werden. Auch von diesen kann man reden wie über physikalische Gegenstände, ohne ihnen damit eine besondere Seinsweise zuzugestehen. Ich kann über Pegasus, kahlköpfige Könige von Frankreich und andere Fabelwesen reden, ohne damit auf ‚ontological commitments ‘festgelegt zu sein. Deshalb ist auch eine Mögliche-Welten-Semantik ontologisch ganz unverfänglich. — Zur Ontologiediskussion cf. das nächste Kapitel („Idealisierungen“).Google Scholar
  169. 168.
    CHOMSKY 1965: Kap. 1, insbes. §§4, 6, 7 und 9.Google Scholar
  170. 169.
    Insoweit die Sprechakttheorie beispielsweise als eine pragmatische Theorie gelten darf, ist sogar eine vollständige Parallelisierung möglich, da es in dieser ebenfalls um die Formulierung von Wohlgeformtheitsbedingungen, freilich nicht für Sätze, sondern für Sprechakte, geht. In einer Sprechweise ausgedrückt, die im II. Teil des Buches näher erläutert werden wir: die Sprechakttheorie, so wie sie von SEARLE entwickelt worden ist, ist eine strukturale linguistische Theorie. Cf. IIc2, 3, S. 176-187.Google Scholar
  171. 170.
    Der Begriff einer schlechterdings adäquaten Theorie ist nicht wohlgeformt. Unsere Beschäftigung mit den Problemen des theoretischen Relativismus hat gezeigt, daß es den archimedischen Punkt theoretischer Erkenntnis nicht gibt. In der Praxis einer matrixinstabilen Wissenschaft wie der Linguistik finden darüberhinaus eo ipso nur relative Entscheidungen statt; diese aber finden statt und können auch begründet werden. Ein theoretischer Relativismus braucht keinen erkenntnistheoretischen Relativismus notwendig zur Folge zu haben.Google Scholar
  172. 171.
    Im II. Teil, Kap. c, S. 169 ff. — Einige der in diesem Kapitel entwickelten Gedanken sind weiter ausgearbeitet in FINKE (im Druck).Google Scholar
  173. 172.
    Mit diesen Ausdrücken ist nichts anderes gemeint, als was v. KUTSCHERA sehr verkürzt „die Ontologie einer Sprache“ nennt (v. KUTSCHERA 1971: 325 ff., passim).Google Scholar
  174. 173.
    AUSTIN 1961: 181-200.Google Scholar
  175. 174.
    Dazu gehört vor allem die Gegenüberstellung von Sprache-Welt-Paaren und der Ausgang von Deklarativsätzen, AUSTINs Ansatz hat — wie schon sein Ausdruck ‚model situations ‘zeigt, einen, in den Rahmen seiner Philosophie der sprachlichen Handlungen (die jetzt in die linguistische Sprechakttheorie Eingang gefunden hat) integrierten, viel weiteren Einzugsbereich.-Die spezifische Richtung, in die ich in meiner Argumentation gehe, folgt einigen mündlichen Anregungen STRAWSONs. Sie wurden im Zusammenhang mit Vorlesungen gegeben, die STRAW-SON 1967 in Oxford über das Thema „Subject and Predicate“ gehalten hat.Google Scholar
  176. 175.
    Ich stelle die Modellstrukturen hier nur informell dar; andernfalls würde ein erheblich größerer formaler Aufwand nötig. Deshalb wähle ich für die darzustellenden Strukturen eine Kurznotation, die zwar insofern unvollständig ist, als sie einige der verwendeten Begriffe nicht ausformalisiert — so wird z.B. auf die Darstellung von Quantifikationsstrukturen verzichtet —, meine Themenstellung aber nicht durch einen höheren Notationsaufwand belastet.Google Scholar
  177. 176.
    Die Sprachen vom hier beschriebenen Typ kennen also keinen unendlichen Gebrauch von endlich vielen Mitteln.Google Scholar
  178. 177.
    Es handelt sich hier also um eine bijektive Relation.Google Scholar
  179. 178.
    Es sei daran erinnert, daß mit dem Begriff Sprache-Welt-Paare Zuordnungen der erwähnten Art gemeint sind, also M-adäquate Zuordnungen.Google Scholar
  180. 179.
    Eine detaillierte Weiterführung dieser Modellstruktur durch die Einbeziehung alternativer Sprachen und Welten enthält FINKE 1974: 81-89. — Cf. auch FINKE (im Druck).Google Scholar
  181. 180.
    Diese Redeweise wird umgehend erläutert. Cf. auch Anm. 185. Ich spreche hier zunächst von den W; die Konsequenzen in bezug auf die Lk behandele ich weiter unten.Google Scholar
  182. 181.
    AUSTIN 1961: 181.Google Scholar
  183. 182.
    Das Postulat der Ähnlichkeit kann als Parameter aufgefaßt werden, der angibt, in welcher Beziehung Modelle zu wirklich existierenden Objekten stehen.Google Scholar
  184. 183.
    Cf. das Beispiel der G-, P-und F-Matrizen, das ich im Kap. IIc2 und 3 erörtere (S. 176—187).Google Scholar
  185. 184.
    Ich gehe hierbei — wie zuzugeben ist — selbst von einer Idealisierung aus, nämlich der, daß am Anfang eines evolutionären Forschungsprozesses die relativ stärksten Idealisierungen stehen. Dies dürfte aber eine weitgehend zutreffende Annahme sein.Google Scholar
  186. 185.
    Ich verwende den Ausdruck „Modell“ hier wieder im Sinne KUHNs und nicht AUSTINs. Allerdings sind die beiden Bedeutungen des Modellbegriffs nicht vollständig voneinander verschieden. Modelle im KUHNschen Verstände sind auch immer Modelle im Sinne von AUSTIN, denn sie sind Idealisierungen, die wir bei unserer Art und Weise, einen Gegenstand oder ein Problem zu sehen, vornehmen. Ob wir den Sprecher einer Sprache als einen Automaten oder ob wir ihn als einen Spieler sehen, wir treffen immer gewisse Vereinfachungsentscheidungen. Die Erzeugung eines neuen Erklärungspotentials, wie sie mit der Begründung neuer disziplinären Matrizen verbunden ist, ist in besonderem Maße an die Modellkomponente gebunden, und hier sind es wiederum die für die spezifischen Idealisierungen eines Modells verantwortlichen Vereinfachungsentscheidungen, die die wissenschafdiche Phantasie und damit die Bildung von theoretischen Mutanten anregen.Google Scholar
  187. 186.
    Cf. hierzu Kap. IIb, sowie Teil C (Schluß), S. 155 ff. resp. 198 ff..Google Scholar
  188. 187.
    Zum Begriff der Immunisierungsstrategie cf. BALLMER 1976, wo auch ausführlich gezeigt wird, daß eine grundsätzlich empirische Einstellung nicht von der Gefahr der Verschanzung hinter Immunisierungsstrategien vollkommen frei ist. Allerdings gilt dies in weitaus stärkerem Maße für den Apriorismus. Einige in diesem Zusammenhang einschlägige Bemerkungen zu APELs ,Transzendentaler Sprachpragmatik ‘enthält der Schlußteil C, (S. 198 ff.).Google Scholar
  189. 188.
    Es sei betont, daß das mit dieser These zusammenhängende Problem besonders für solche Wissenschaften gravierend ist, die verhältnismäßig matrixinstabil sind; zwar ist die These in der auf die KUHNsche Herausforderung folgenden Debatte fast ausschließlich am Beispiel physikalischer Paradigmata erörtert worden, doch ist es leicht zu sehen, daß matrixinstabilere Wissenschaften, wie die Linguistik, durch die Implikate der These noch weitaus stärker betroffen sind, weil sie tatsächlich vor Matrixalternativen stehen und somit noch echte Entscheidungen treffen müssen.Google Scholar
  190. 189.
    STEGMÜLLER 1975: 490; ähnlich in 1973.Google Scholar
  191. 190.
    Cf. hierzu neben STEGMÜLLER 1973; 1974; 1975; auch KRÜGER 1974; KANNGIESSER 1976a; LAKTOS/MUSGRAVE (eds.) 1970; SNEED 1971; 1975; 1976; BALZER/SNEED 1977; KUHN 1976.Google Scholar
  192. 191.
    Ich erinnere daran, daß auch SNEED und STEGMÜLLER für die Sprachen, in denen Theorien nun einmal formuliert werden (müssen), in diesem Punkte keine angemessene Darstellung geben. — In seinem Beitrag zur Diskussion über die SNEEDsche Theorie und ihre Adaptation durch STEGMÜLLER zur Präzisierung des Begriffs des wissenschaftlichen Fortschritts hat KUHN neuerdings ein ähnliches Argument wie das von mir nachfolgend vorgetragene benutzt, um seine Position zu stützen: das Übersetzbarkeitsargument. Während KUHN sich jedoch auf die bekannte QUINEsche These von der Undeterminiertheit jeder Übersetzung beruft, scheint mir das Übersetzungsproblem im Lichte einer funktionalen Theorie der Sprachveränderung und-Verschiedenheit anders zu beurteilen zu sein. Cf. das Folgende (KUHN 1976).Google Scholar
  193. 1.
    Der von mir zugrundegelegte Formbegriff wird im folgenden nur intuitiv erläutert, eine Präzisierung könnte in einer Formalisierung der K-, W-und L-Universalien (s.u.) bestehen. Diese ist in der Linguistik einstweilen nur in Ansätzen geleistet worden.Google Scholar
  194. 2.
    Einige Überlegungen zur Wissenschaftstheorie, die die Unvollständigkeit der Analytischen Philosophie der Wissenschaft in zwei weiteren Hinsichten beleuchten, enthalten das Kap. Ic1 und der Teil C (Schluß), S. 102 ff. resp. 198 ff..Google Scholar
  195. 3.
    Funk-Kolleg Sprache, Bd. I, 431.Google Scholar
  196. 4.
    op. cit. 36 (modifiziert).Google Scholar
  197. 5.
    Cf. SHANNON/WEAVER 1964.Google Scholar
  198. 6.
    Der physikalische Konventionalismus (POINCARE, DUHEM) behauptet, daß dies in allen Fällen gelte. — Cf. DIEDERICH 1974.Google Scholar
  199. 7.
    Cf. Kap IIb, sowie FINKE 1975.Google Scholar
  200. 8.
    Im folgenden werde ich nicht immer zwischen Kommunikation und sprachlicher Kommunikation explizit unterscheiden, weil nur noch sprachliche Kommunikation interessieren soll. Ich verwende dabei einen extensional umfangreichen Sprachbegriff, der neben den natürlichen Sprachen insbesondere auch Fachsprachen und gewisse formale Systeme von Kommunikationscodes umfaßt.Google Scholar
  201. 9.
    Cf. LENNEBERG 1967; MARSHALL 1970.Google Scholar
  202. 10.
    Cf. v. FRISCH 1965; WICKLER 1968.Google Scholar
  203. 11.
    Einige Überlegungen zum Begriff der „angewandten Wissenschaft“ in bezug auf einen Schulunterricht in Linguistik finden sich in FINKE 1976a.Google Scholar
  204. 12.
    Eine ausführliche Darstellung enthält die Einleitung zu diesem Buch (Teil A, S. 1 ff.).Google Scholar
  205. 13.
    Jede Eingrenzung der Wissenschaft innerhalb des Gesamtbereichs rationalen Verhaltens tangiert nicht die allgemeine Struktur der Kommunikation; diese ist generell identisch. Eine Grenzziehung ist immer kontingent und lediglich möglich aufgrund der Funktion der Kommunikation. Aber auch hier ist nicht die Erklärungsfunktion charakteristisch für Wissenschaft, sondern ein durch zumeist externe Faktoren gesteuertes Interesse an der Ausbildung bestimmter expliziter Theorien.Google Scholar
  206. 14.
    Die genaue Definition beider Adäquatheitspostulate ist befriedigend nur im Rahmen einer S-Matrix möglich. Für die gegenwärtigen Zwecke müssen folgende Erläuterungen genügen: i) Ein Gegenstand Gi ist dann PG-adäquat, wenn zu seiner Beschreibung die Verwendung solcher begrifflicher Identifizierungsstrategien ausreichend ist, die zur Formulierung eines Problems Pi ∈ P / G, P ∈ (G, P, L) benutzt werden. ii) Eine Lösungsstrategie Li ist dann PL-adäquat, wenn es möglich ist, die zur Formulierung des ihr zugeordneten Problems Pi GP /P, L ∈ (G, P, L) verwendeten begrifflichen Identifizierungsstrategien derart als Elemente der Li-Theoriespräche zu rekonstruieren, daß Li struk-tural und funktional adäquate Erklärungen liefern kann (s.u.).Google Scholar
  207. 15.
    Die Frage, wie ein intersubjektiver Erklärungsbedarf aus den subjektiven Erklärungsbedürfnissen einzelner Individuen resultieren kann, ist noch nicht in allen Einzelheiten untersucht. Wichtig ist a) die gruppenexterne Problemlage, b) das System der Konventionen wissenschaftlicher Kommunikation sowie c) die gruppeninterne Diskussion der Erklärungsbedürfnisse der Gruppenmitglieder.Google Scholar
  208. 16.
    Zur Erläuterung dieser Erklärungstypen cf. Kap. IIc, S. 169 ff..Google Scholar
  209. 17.
    Cf. v. WEIZSäCKER 1970: 372-388. Der Begriff geht auf HEISENBERG zurück.Google Scholar
  210. 18.
    FEYERABEND 1970: 322. — Nach meiner Auffassung betont FEYERABEND hier — freilich in der bei ihm üblichen markigen Ausdrucksweise — die positive Funktion, die die Instabilität der wissenschaftlichen Kommunikationssysteme für den wissenschaftlichen Fortschritt hat. Die Entrüstung STEGMÜLLERs (1973: 322) ist übertrieben.Google Scholar
  211. 19.
    Die Ursache hierfür ist erst von der nachempiristischen Wissenschaftstheorie angemessen diskutiert worden und unter dem Schlagwort der „Theorieabhängigkeit aller Erfahrung“ bekannt geworden. — Cf. Kap. Ib 1, S. 57 ff..Google Scholar
  212. 20.
    Cf. hierzu MOULINES 1976.Google Scholar
  213. 21.
    GRICE 1968; Diskussionen finden sich u.a. in WUNDERLICH 1974; KANNGIESSER 1975a: passim, und PARRET 1975: 190-19.Google Scholar
  214. 22.
    Für detailliertere Argumente cf. FINKE 1973, sowie Teil C (Schluß), S. 198ff..Google Scholar
  215. 23.
    Eine Äquivokation ähnlicher Art ist kennzeichnend für die Ethik P. LORENZENS (cf. LOREN-ZEN 1970, sowie LORENZ 1969: „Die Ethik der Logik“).Google Scholar
  216. 24.
    Diese Analogie hat für die hier vorgetragene Auffassung von Linguistik die Funktion einer Modellvorstellung im Sinne der KUHN-Matrix.Google Scholar
  217. 25.
    Die von mir bezweckte Analogisierung erstreckt sich nicht auch auf den Nützlichkeitsaspekt; ich will nicht behaupten, daß alle Kommunikation nützlich sei.Google Scholar
  218. 26.
    Indem ich für eine funktionale Kommunikationstheorie (und Linguistikkonzeption) plädiere, argumentiere ich nicht etwa antistrukturalistisch. Wissenschaftlich brauchbare Funktionsbeschreibungen setzen wissenschaftlich brauchbare Strukturbeschreibungen voraus; mutatis mutandis für Erklärungen. Die These ist, daß strukturale Theorien in einem präzisen Sinne auf funktionale reduziert werden können.Google Scholar
  219. 27.
    Eine Einführung in die Struktur und Funktion solcher Systeme, die auch unter dem Namen „Semi — Thue — Systeme“ bekanntgeworden sind, gibt für den Rahmen der Sprachtheorie v. KUTSCHE — RA 1971: 89 ff..Google Scholar
  220. 28.
    Man muß hier an RYLEsche Späße wie den denken, wo jemand, dem man die Universität Oxford zeigen sollte, sagt “All right, now I have seen Queens, Merton, Pembroke, St. Catherine’s and the other colleges, but where’s the university?“Google Scholar
  221. 29.
    Systeme mit zielgerichteter Organisation, ZO-Systeme, Systeme mit Selbstregulation, Erhaltungssysteme; einige Autoren sprechen auch von teleologischen Systemen. — Aspekte des ZO-Systems „Kommunikation mittels der Sprache S“ erörtert KÖNIG 1975. — Ich komme hierauf zurück, wenn ich die funktionale Matrix der Linguistik erläutere.Google Scholar
  222. 30.
    KUHN 1970, 1976. — Cf. hierzu KRÜGER 1974; KANNGIESSER 1975.Google Scholar
  223. 31.
    Vgl. CHOMSKY 1965: 27-30.Google Scholar
  224. 32.
    GINSBURG/PARTEE 1969; PETE RS/RITCHIE 1973.Google Scholar
  225. 33.
    Eine gute Übersicht über einige quantitative Methoden der Klassifikation verschiedener Sprachen und hierfür geeignete Meßverfahren geben ALTMANN/LEHFELDT 1973.Google Scholar
  226. 34.
    Wesentliche Parameter zur Bestimmung der Toleranzbreite, die pi verfügbar ist, werden allerdings von der Struktur der Sprache Li determiniert, über die pi verfügt. Eine dieser ,objektiven( Parameter ist die kommunikative Kapazität von Li (s.u.).Google Scholar
  227. 35.
    Es sollen hier nicht — einer linguistischen Seuche folgend — neue Kompetenzen postuliert, sondern die Auffassung vertreten werden, daß das CHOMSKYsche Kompetenzkonzept mindestens durch einen (ad(T)) Inhomogenitätsparameter und einen (ad(D) Diachronieparameter modifiziert werden muß, um empirisch adäquat zu sein.Google Scholar
  228. 36.
    Es handelt sich um Nichtkonservative Erweiterungen im Sinne von LORENZEN 1963.Google Scholar
  229. 37.
    Unter systemkonformen Innovationen sind solche Veränderungen einer Sprache L zu verstehen, die durch eine konservative Erweiterung der Menge der grammatischen oder pragmatischen Regeln von L erzeugt werden können. — Vgl. LORENZEN 1963.Google Scholar
  230. 38.
    Vgl. Anm. 34, mutatis mutandis.Google Scholar
  231. 39.
    Das vorgesetzte „L“ soll zum Ausdruck bringen, daß Toleranz und Innovation nur in bezug auf eine bestimmte Sprache L geübt bzw. durchgeführt werden kann.Google Scholar
  232. 40.
    In diesem Zusammenhang ist auch der Begriff der grammatischen Toleranz (mein Tw/g) über den Begriff der Semigrammatizität von Sätzen eingeführt worden; für die hierfür vorwendigen Innovationen lassen sich grammatische Extensionssysteme angeben, die ein essentiell instabiles Deskrip-tions-und Explanationsmodell natürlicher Sprachen repräsentieren (vgl. KANNGIESSER 1973a). — Handlungs-und pragmatiktheoretische Konsequenzen des Koexistenzmodells werden in KANN-GIESSER 1973b erörtert. Hier wird auch das Innovationsprinzip formuliert, das ich als Tw/g beschreibe.Google Scholar
  233. 41.
    Genauer müßte man sagen, daß die hier gemeinte Verfestigung von Chancengleichheit und sozialen Herrschaftsstrukturen aus dem Mißverständnis einer (falschen) Sprachtheorie genährt wird, über die die an diesem Sozialsystem beteiligten Person implizit und wohl oft unbewußt verfügen.Google Scholar
  234. 42.
    Formal müssen, wenn Identität vorliegen soll, u.a. zwei Bedingungen erfüllt sein, die SOMMERS in 1963 am Beispiel einstelliger Prädikate als „connectedness condition“ formuliert hat: (i) U (X, Y) A U (X, Z → con (Y, U) (ii) con (Y, Z) A con (W, Z) → con (Y, W) Hierbei bedeuten „W“, „X“, „Z“ Ausdrücke in L, und „U“ eine Signifikanzrelation, die besagt, daß zwei Ausdrücke A, B ∈ L als Prädikats-bzw. Argumentsausdruck in einem sinnvollen Satz von L auftreten können („we are assuming that every natural language is connected through use“; a.a.O., 154).Google Scholar
  235. 43.
    Eine ausführliche Theorieskizze wird enthalten: FINKE/KANNGIESSER, Prolegomena zu einer Theorie der Sprach Verschiedenheit (in Vorbereitung). Hier kann es nur darum gehen, einige Überlegungen zu Randbedingungen und Grundbegriffen eines solchen Unternehmens vorzutragen.Google Scholar
  236. 44.
    Einen guten Überblick über Forschungsansätze und Problemzusammenhänge vermittelt SCHÜTZE et al. 1973 („Arbeitsgruppe Bielefelder Soziologen“).Google Scholar
  237. 45.
    Man braucht hier nicht nur an die Verweisgerberung der deutschen Ethnolinguistik zu denken, sondern auch an jenen Philosophen, der die Universalität seiner Theorie des Elementarsatzes durch „einige Wilde in Afrika, die in ihrer Sprache noch immer keine Kopula besitzen“, nicht gefährdet sah.Google Scholar
  238. 46.
    In einer Kritik an den Grundlagen der sog. Case Grammar habe ich ein formales System von Sprache-Welt-Modellen entwickelt, welches es gestattet, die Ausdrückbarkeitskapazität einer einfachen Modellsprache über den Umfang einer Modellwelt zu messen, die ihr M-adäquat ist (FINKE 1974: 81 ff., insbes. 1171).Google Scholar
  239. 47.
    Zur Verschiedenheit sozial-kultureller Systeme und Prozessen ihrer evolutionären Veränderung vgl. PARSONS 1966, insbes. Kap. II: The Concept of Society.Google Scholar
  240. 48.
    Die ethnolinguistische Relativismusdebatte enthält eine Fülle von Belegen. Eine unter soziologischanthropologischem Aspekt zusammengestellte Auswahl von Materialien enthält LEPENIES 1971.Google Scholar
  241. 49.
    WITTGENSTEIN 1921;1953; 1969.Google Scholar
  242. 50.
    Eine solche Kurzformel ist in verschiedener Hinsicht vereinfacht. Ich möchte hier nur davor warnen, die Begriffe „Struktur“ und „Funktion“ als Gegensatzpaar zu verstehen. Auch Funktionen besitzen ihrerseits Strukturen, die allerdings auf einer anderen Analyseebene angesiedelt sind. Dies wird noch genauer erläutert.Google Scholar
  243. 51.
    WITTGENSTEIN 1953: 3.Google Scholar
  244. 52.
    AUGUSTINUS “Confessiones“ I. 8; WITTGENSTEIN zitiert aus diesem Kapitel zu Beginn der „Philosophischen Untersuchungen“.Google Scholar
  245. 53.
    „Mein Grundgedanke ist, daß die ,logischen Konstanten“ nicht vertreten. Daß sich die Logik der Tatsachen nicht vertreten läßt“ (Satz Nr. 4.0312).Google Scholar
  246. 54.
    MORRIS 1955.Google Scholar
  247. 55.
    WITTGENSTEIN 1953: 5.Google Scholar
  248. 56.
    DE SAUSSURE 1916.Google Scholar
  249. 57.
    Cf. AUSTIN 1961, 1962;SEARLE 1968.Google Scholar
  250. 58.
    WITTGENSTEIN 1953: 11.Google Scholar
  251. 59.
    WITTGENSTEIN 1953: 88.Google Scholar
  252. 60.
    WITTGENSTEIN 1953: 226.Google Scholar
  253. 61.
    PATZIG 1970: 39-76.Google Scholar
  254. 62.
    PATZIG 1970: 72 f.Google Scholar
  255. 63.
    Die biologische Evolutionsvorstellung spielt hier für die Theorie der Wissenschaftsentwicklung die Rolle eines Modells im Sinne der K-Matrix: Mutation und Selektion — im biologischen Verstände — sind Faktoren einer Modellvorstellung, die hinter einer evolutionären Wissenschaftstheorie steht. — Cf. TOULMIN 1974.Google Scholar
  256. 64.
    WEISGERBERs Sprachwissenschaft in von H.-H. Baumann 1970 zu Recht als ,Sprachwesenschaft“ glossiert worden.Google Scholar
  257. 65.
    Es geht mit hier nicht um eine möglichst vollständige Liste der einschlägigen methodologsiehen Werte und Normen, die sicherlich in einzelnen Positionen Differenzierungen erforderte — man denke nur an die erheblichen Unterschiede in den Wissenschaftskonzeptionen etwa CARNAPs und POPPERS — und schwer zu liefern wäre, sondern um eine Betonung der generellen Ausrichtung der Wissenschaftskonzeption im Gegensatz zu dialektischen oder hermeneutischen Konzeptionen.Google Scholar
  258. 66.
    Dies wird umgehend deutlich werden, wenn der Begriff der Strukturerklärung eingeführt wird.Google Scholar
  259. 67.
    Man kann wohl ganz generell feststellen, daß die Ebene der Modelle in den K-Matrizen der Wissenschaften fast überall die instabilste und variabelste darstellt. Eine Erklärung hierfür kenne ich nicht, doch dürfte es mit der kreativen Produktivität von Bildnern, Metaphern und Analogiebildungen zusammenhängen, die viele Modellvorstellungen kennzeichnet.Google Scholar
  260. 68.
    Zusätzlich zu den bereits genannten Arbeiten von WITTGENSTEIN und AUSTIN nenne ich besonders STRAWSON 1950; 1959; 1964.Google Scholar
  261. 69.
    HABERMAS 1969.Google Scholar
  262. 70.
    Hier ist zweierlei anzumerken. Erstens ist daran zu erinnern, daß eine K-Matrix keinesfalls nur durch ein einziges Modell charakterisiert zu sein braucht; in der Regel werden es mehrere Modelle sein, die an verschiedenen Teilstücken einer Theorieskizze, zumeist den entscheidenden Grundbe-griffen, Potentiale der wissenschaftlichen Phantasie bereitstellen. Mir scheint allerdings jetzt — vor allem aufgrund der überragenden Bedeutung der WITTGENSTEINschen Spätphilosophie für die Entwicklung der Sprachphilosophie und linguistischen Pragmatik — das Sprechermodell des Spielers plastischer und vollständiger zu sein, als das in FINKE/KANNGIESSER (im Druck) genannte, etwas farblose Modell eines homo actionis. — Zweitens: Der — vor allem zur Frühzeit der Pragmatikrezeption in Deutschland — bisweilen geäußerten Auffassung, es ginge nun nicht mehr darum, die Sprache als ein System zu betrachten, sondern als Instrumentarium für Handlungen, vermag ich keinen Sinn abzugewinnen. Das einzige, was man sagen kann, ist, daß es in der Pragmatik nicht mehr (nur!) um diejenigen Aspekte des Sprachsystems geht, die wir aufgrund der G-Matrix allein in den Blick bekommen, sondern (darüberhinaus noch) um andere, zudem sehr wichtige.Google Scholar
  263. 71.
    Ein gutes Beispiel ist an dieser Stelle des Fußballspiel, weil es zu den Spielen gehört, für die explizite Sanktionen für Regelverstöße gelten. Auch im System der Interaktion und dem ihm strukturinhärenten System der sprachlichen Interaktion gelten Sanktionen für ,Fouls“, beispielsweise ist Kritik erlaubt, wenn jemand etwas verspricht, aber nicht hält, oder sich nicht zu dem kohärent verhält, was er bereits sprachlich in die Welt gesetzt hat. Ein hier erlaubtes kohärentes Verhalten wäre z.B. auch eine explizite Distanzierung von früher Gesagtem, zumindest ein irgendwie geartetes Eingehen darauf.Google Scholar
  264. 72.
    Das „nicht nur“ darf wörtlich genommen werden. Cf. dazu das folgende Kapitel.Google Scholar
  265. 73.
    Es sei ausdrücklich betont, daß es sich hierbei um einen sprachtheoretischen Pragmatikbegriff und nicht um einen aus der Entscheidungstheorie handelt. Die ist einer der Kritikpunkte beim Übergang zur F-Matrix.Google Scholar
  266. 74.
    Hierauf hat WITTGENSTEIN deutlich hingewiesen. Seine Auffassung von Sprachen als Lebensformen enthält bewußt diese Möglichkeit.Google Scholar
  267. 75.
    Cf. auch KANNGIESSER 1976, 1976a, FINKE/KANNGIESSER (im Druck).Google Scholar
  268. 76.
    Dies ist übrigens ein gutes Beispiel für das weiter unten präzisierte Reduktionsverhältnis der KL-Matrizen: Wahrheitsbedingungen könne auf Gelingensbedingungen in dem Sinne reduziert werden, als sie eine echte Teilmenge der Gelingensbedingungen darstellen. — Cf. das folgende.Google Scholar
  269. 77.
    Die Frage ist, ob der Unterschied zwischen weil-und damit — Antworten ein echter Unterschied im Erklärungstyp ist oder nur ein scheinbarer, der durch die unterschiedliche sprachliche Formulierung nahegelegt wird. Wir werden sehen, daß hier eine differenzierte Antwort gegeben werden muß. Die Darstellung, die z.B. in FINKE/KANNGIESSER (im Druck) gegeben wird, ist hier noch teilweise zu stark vereinfacht.Google Scholar
  270. 78.
    Auch in diesem Punkt weiche ich von der in FINKE/KANNGIESSER (im Druck) gegebenen Darstellung ab. Dazu s. u.Google Scholar
  271. 79.
    Der hier verwendete Vollständigkeitsbegriff wird im nächsten Kapitel näher erläutert.Google Scholar
  272. 80.
    In dieser Hinsicht ist die in KANNGIESSER 1976 gegebene Darstellung inadäquat.Google Scholar
  273. 81.
    M.a.W.: funktionale Erklärungen können nicht auf strukturale Erklärungen erster Ordnung zurückgeführt werden, wohl aber ist das Umgekehrte möglich.Google Scholar
  274. 82.
    Dies ist sehr klar gesehen z. B. vom Prager Strukturalismus und von der englischen Firth-Schule.Google Scholar
  275. 83.
    Eine knappe Darstellung enthält SNEED 1975; ausführlich in BALZER/SNEED 1977; cf. auch die verschiedenen angeführten Arbeiten von STEGMÜLLER.Google Scholar
  276. 84.
    Nach SNEED 1975, modifiziert.Google Scholar
  277. 85.
    Nach FINKE/KANNGIESSER (im Druck).Google Scholar
  278. 86.
    Als teleologische Erklärungen der untersten Schicht bezeichnet STEGMÜLLER solche Erklärungen, „in denen über Zwecke, Funktionen oder Aufgaben von Objekten (…) gesprochen wird, ohne daß dabei gleichzeitig die Existenz eines mit Bewußtsein versehenen zwecksetzenden Wesens angenommen würde“ (STEGMÜLLER 1961: 15); ihre Übersetzung in nichtteleologische Aussagen ist leicht möglich. Auf der zweiten Schicht geht es um Systeme mit zielgerichtete Organisation (ZO-Systeme), auch Systeme mit Selbstregulation genannt. Hier ist nicht so leicht zu sehen, wie teleologische Erklärungen vermieden werden sollen, doch ist auch dies möglich, wie NAGEL 1968 gezeigt hat. Lediglich teleologische Erklärungen der dritten Schicht, die Antworten auf Fragen nach dem Ursprung der ZO-Systeme darstellen, machen in diesem Zusammenhang größere Schwierigkeiten. Cf. STEGMÜLLER 1961: 33 ff.Google Scholar
  279. 87.
    Ich kritisiere hiermit zugleich die in KANNGIESSER 1976a gegebene Darstellung, die funktionale Erklärungen in eine relativ große Nähe zu teleologischen Erklärungen rückt, wenngleich auch die Implikate des Teleologismus dort bewußt vermieden werden sollen. Sattdessen wäre zu zeigen, daß der Funktionalismus mit reinen Kausalerklärungen darstellbar ist, wie das nach den Untersuchungen von NAGEL vermutet werden darf.Google Scholar
  280. 88.
    Der Begriff der SG-Adäquatheit ist verwandt mit dem Begriff der M-Adäquatheit, wie ich ihn im I. Teil (Kap. c4) diskutiert und in FINKE 1974 detailliert entwickelt habe. Auch der Begriff der M-Adäquatheit ist ein strukturaler Adäquatheitsbegriff; hingegen sind die Begriffe der SG-Adä-quatheit und der Sp-Adäquatheit nicht für idealisierte Objekte (Modelle) formuliert.Google Scholar
  281. 89.
    Dieses Beispiel habe ich auch in IIb3 zur Erläuterung des Begriffs der kommunikativen Kapazität verwendet. Man mag daraus ersehen, daß der funktionale Begriff der kommunikativen Kapazität den strukturalen der SG-Adäquatheit impliziert: eine Sprache, deren kommunikative Kapazität zur Befriedigung der bestehenden Kommunikationsbedürfnisse ausreicht, ist Sß-adäquat; aber nicht alle SG-adäquaten Sprachen müssen auch eine in jeder Kommunikationssituation ausreichende kommunikative Kapazität besitzen.Google Scholar
  282. 90.
    Die heute teilweise vergessene funktionalistische Linguistiktradition hat immer mit einem ähnlichen Adäquatheitsbegriff gearbeitet, ohne ihn aber explizit zu thematisieren.Google Scholar
  283. 91.
    Cf. KANNGIESSER 1973; FINKE/KANNGIESSER (im Druck).Google Scholar
  284. 92.
    Cf. KANNGIESSER 1973: 60 ff.Google Scholar
  285. 93.
    Die zuletzt geäußerten Gedanken, die hier nur angedeutet werden konnten, sollen darauf aufmerksam machen, daß Metakommunikation im Prinzip genauso erklärt werden kann wie Kommunikation über nichtsprachliche Tatsachen. Eine genauere Analyse findet sich in FINKE (im Druck).Google Scholar
  286. 94.
    Wem dies suspekt erscheint, der möge zweierlei bedenken: erstens ist nur eine Veränderbarkeit der Sprache behauptet, nichts auch darüber, daß die Sprecher/Hörer dieser Sprache in jedem Falle auch (individuell) in der Lage sind, diese Veränderungen durchzuführen. Es ist also eine Hypothese über die kommunikative Kapazität von L und nicht über die Kommunikative Kompetenz der pi ∈ P (L). Zweitens ist nicht notwendig die Homogenität von L impliziert, vielmehr ist die Hypothese der funktionalen Vollständigkeit mit der gut bestätigten soziolinguistischen Inhomogenitätsthese konsistent: es gibt dort auch keine homogenen Bedürfnisse, sondern ein inhomogenes System von Bedarflagen, denen jeweils durchaus unterschiedliche funktionale Sprachstrategien im Rahmen von Subsprachen entsprechen.Google Scholar
  287. 95.
    Dies geschieht in: FINKE/KANNGIESSER, Prolegomena zu einer Theorie der Sprachverschiedenheit (in Vorbereitung).Google Scholar
  288. 96.
    Ich variiere mit meiner Kapitelüberschrift den Titel von BAILEY 1971, der ebenfalls KUHNsche Konzepte an die Linguistik heranträgt, allerdings weitgehend mit inhaltlich anderen Konsequenzen.Google Scholar
  289. 97.
    Es sei an dieser Stelle der Wunsch wiederholt, daß sich die Wissenschaftstheorie mehr und ernsthafter als bisher mit solchen Vorphasen der Theoriebildung beschäftigen möge. Sie mindern nicht deren wissenschaftliche Exaktheit, sondern vertiefen das Verständnis von Wissenschaft.Google Scholar
  290. 98.
    Die hier gegebene Darstellung ist stark vereinfacht; insbesondere ist der Begriff des biologischen Gleichgewichts präzisierungsbedürftig. Dies geschieht in der ökotheorie dadurch, daß für die verschiedenen biotischen (biologischen) und abiotischen (chemisch-physikalischen) Faktorensubsysteme eines Ökosystems separate Gleichgewichtsbegriffe definiert und einander korreliert werden, beispielsweise das Reduktions-Oxydationsgleichgewicht, das Kalk-Kohlesäuregleichgewicht, das Produzenten-Konsumenten-Destruentengleichgewicht u. a.. — Ich sehe hier von solchen Differenzierungen und weitergehenden Erläuterungen, die in jedem Handbuch der Ökologie nachzulesen sind, ab, da es mir nur um das Prinzip einer Modellvorstellung für Sprachen als Kommunikationssysteme geht.Google Scholar
  291. 99.
    Ich erinnere daran, daß ich — in Kap. Hb3 — die kommunikative Kapazität einer Sprache als ein Maß für Sprachverschiedenheit im Ausdrückbarkeitsbereich eingeführt hatte; die jetzige Bestimmung kann als Hinweise auf eine Möglichkeit verstanden werden, den Begriff der kommunikativen Kapazität zu präzisieren.Google Scholar
  292. 100.
    Die hier formulierten Hypothesen können nicht alle als bislang schon in gleichem Maße bestätigt angesehen werden. Sie werden allerdings durch die neuere Literatur zur Spracherwerbsforschung und zur Sprachlerntheorie zumindest nahegelegt. Ich formuliere sie hier als Hypothesen, die in funktionallinguistischen Theorien präzisiert und anschließend empirischen Testverfahren unterworfen werden müssen.Google Scholar
  293. 101.
    Eine Hypothese ist in diesem Zusammenhang besonders interessant: die bislang nur unzureichend untersuchte Vermutung, daß zwar ein möglichst stabil hohes Gleichgewichtsniveau der Kommunikation für die Erlernung möglichst reichhaltiger Sprachstrategien vonnutzen ist, nicht unbedingt aber die Einhaltung eines möglichst stabilen Erhaltungsgrades der Kommunikation, also eine zwar reichhaltige, aber kaum diachronen Anpassungszwängen ausgesetzten Sprache. Es erscheint aber plausibel, daß eine sprachliche Umwelt, die zwar synchron strukturell differenziert ist, nicht jedoch zu geeigneten Entwicklungsphasen ein Kind auch in seiner sprachinnova-torischen Bereitschaft und Fähigkeit fordert, nicht optimal ist. Soziolinguistisch sind hier beispielsweise Gruppen interessant, die in starker Abkapselung von gesellschaftlichen Entwicklungen leben, intern jedoch ein durchaus reichhaltiges, wenngleich starres Kommunikationsverhalten ausüben; ethnolinguistisch sind Völker und Kulturen interessant, die sich eine starke Eigenständigkeit und Tradition bewahrt haben. Auf den Fehler, dies mit einer Dürftigkeit kommunikativer Kapazität zu verwechseln, habe ich bereits verschiedentlich hingewiesen. Das Gleichgewichtsniveau der Kommunikation ist wahrscheinlich in den meisten Fällen ganz unerwartet hoch. Eine funktionale Ethnolinguistik sollte es uns ermöglichen dies besser als bisher beurteilen zu können. — Unsere mangelnde Klarheit über die hier genannte Hypothese beruht wohl in erster Linie darauf, daß sie bislang — mangels geeigneter Begriffe — nicht adäquat formuliert werden konnte.Google Scholar

Copyright information

© Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig 1979

Authors and Affiliations

  • Peter Finke

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