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Zusammenfassung

  • Gabor Kiss
Part of the Studienbücher zur Sozialwissenschaft book series (WVST, volume 13)

Zusammenfassung

Der geistige Ursprung des Positivismus des 19. Jahrhunderts läftt sich auf die Verbindung zweier vorangegangener Denkrichtungen zurückführen: auf das Erbe des Fortschrittgedankens des 18. Jahrhunderts und des Traditionalismus der nachrevolutionären Zeit um 1800. Beide Denkpositionen wurden in modifizierter Form von den Positivisten in ihr Gesellschaftskonzept eingearbeitet. Der vor allem von de Maistre und de Bonald repräsentierte Traditionalismus ging da von aus, daß die sich selbst äberlassene und von keinerlei Institutionen getragene individuelle Vernunft nicht fähig sei, irgendwelche Wahrheiten mit Sicherheit zu erkennen: Dem an individuellen Zielen oder kollektiven Idealen orientierten revolutionären Handeln stünde das »historisch Gewordene« gegenüber, das die individuellen Bestrebungen zur Einlenkung und Unterordnung unter diese historisch gewordenen Gebilde zwange1. Die Traditionalisten machten die Philosophen der Aufklärung für die revolutionären Unruhen verantwortlich und warfen ihnen vor, daß sie durch Propagierung ihrer realitätsfernen Ideale von der Gleichheit der Menschen und ihrer Vervollkommnungsfähigkeit, von der Volkssouveränität und Religionsfeindlichkeit im Namen der Vernunft die Massen aufgehetzt hatten. Die Traditionalisten waren davon überzeugt, daß sie dem »revolutionaren Geist« dann am ehesten entgegenwirken könnten, wenn sie das Vertrauen der Aufklärung in die Kraft der menschlichen Vernunft erschütterten. In diesem ideologischen Kampf gegen die Ideen der französischen Revolution wiesen sie auf die »Grundverderbtheit« des Menschen als eines irrationalen und zum Gehorchen bestimmten Wesens (de Maistre) hin und betonten, daß die Wahrheiten, deren Erfassen die Erkenntnisfähigkeit des einzelnen überfordere, ihren letzten Ursprung in einer »Uroffenbarung« hätten, die in ununterbrochener Tradition an alle Geschlechter vermittelt werde und in einem Akt des Glaubens angenommen werden müsse. Denn alles Geschehen in Natur und Geschichte ginge auf die göttliche Allursächlichkeit zurück, die auch die menschlichen Handlungen durch eine quasi unsichtbare Notwendigkeit determiniere.

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1972

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  • Gabor Kiss

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